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Nov 13, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

US-Steuerreform versus EZB-Zinsversprechen

USD

EUR USD (1,1650)

Kommentatoren fiel es vergangenen Freitag nicht schwer, Gründe für den zum Wochenschluss kraftlosen US-Dollar zu finden. Zunächst drückten schwindende Hoffnungen auf eine baldige US-Steuerreform auf die Stimmung. Einige Republikaner im US-Senat würden die Unternehmenssteuersenkung lieber noch ein oder zwei Jahre aufschieben, da sie als Folge eine deutliche Ausweitung des Staatsdefizits befürchten. Beträge, die die bisherigen Schätzungen um rund 300 Milliarden Dollar übertreffen, machten in den vergangenen Tagen die Runde. Hinzu kam am Freitag noch die enttäuschende Entwicklung der US-Verbraucherstimmung. Der Uni-Michigan-Index hatte sich im November wider Erwarten eingetrübt und lag mit 97,8 Punkten deutlich unter der Konsensprognose von 100,0 Punkten. Weniger stark wurden indes Aussagen von EZB-Vertretern wahrgenommen. So äußerte sich der österreichische Zentralbankchef Ewald Nowotny am Freitag zur Abwechslung einmal nicht nur zum Anleihekaufprogramm, sondern auch zur Leitzinssituation. Er finde, die EZB habe ein Versprechen abgegeben, den Leitzins erst anzurühren, wenn die Wertpapierkäufe bereits längere Zeit beendet worden seien. Nowotny zufolge sei eine Leitzinsanhebung daher nicht vor 2019 zu erwarten. Bundesbankpräsident Jens Weidmann warnte hingegen erneut vor Dauerniedrigzinsen. In einem vorab veröffentlichten Text über eine Diskussionsrunde der Leipziger Volkszeitung äußerte er sich zur Geldpolitik von EZB und Fed. Weidmann erwartet, dass die jüngsten US-Zinserhöhungen teilweise auch nach Europa „herüberschwappen“ werden, und plädiert abermals dafür, die Phase extrem niedriger Zinsen auch diesseits des Atlantiks nicht länger andauern zu lassen, „als mit Blick auf die Preisstabilität nötig wäre“. Natürlich erkennt der Bundesbankpräsident die Gefahr, die aus einer sich ausweitenden Zinsschere zwischen Euroland und USA resultieren könnte. Auch ist ihm bewusst, dass die Finanzmärkte am langen Ende der Zinskurve diese Differenz selbständig anpassen würden, da die EZB bestenfalls Einfluss auf den kurzfristigen Zins nehmen, nicht jedoch die langfristigen Zinsen steuern kann.

Obgleich sich der Euro in der zweiten Hälfte der vergangenen Woche freundlich präsentierte, mangelt es ihm noch an letzter Konsequenz. Unser Widerstand bei 1,1680/85 hat bislang den Rebound begrenzen können. Um der Abwärtskorrektur (die sich in Richtung 1,1485 ausweiten könnte) zu entrinnen, muss aber die 1,1760er Hürde überwunden werden.

GBP

EUR GBP (0,8875)

Großbritanniens stärkstes Industriewachstum des laufenden Jahres reichte am Freitag nicht aus, um das Pfund dauerhaft zu stärken. Der erneut ergebnislose Ausgang der sechsten Brexit-Verhandlungsrunde und die Fristsetzung der EU, die von den Briten verlangte, innerhalb der nächsten 14 Tage Stellung zu ihren Finanzforderungen zu beziehen, wogen schwerer. Doch auch dem Euro wollten Händler nicht bedenkenlos den Vorzug geben. Denn wie eine Brüsseler Modellrechnung zeigte, könnte – unveränderte Rahmenbedingungen vorausgesetzt – der britische EU-Ausstieg am Ende allein für Deutschland jedes Jahr 3,8 Milliarden Euro zusätzlichen Beitragsaufwand bedeuten. Diese Berechnungen seien zwar überwiegend theoretischer Natur, tönte es aus Brüssel. Jedoch lässt sich hieraus ableiten, wie wichtig es der EU sein dürfte, bei den künftigen Verhandlungen die eigenen Interessen zu wahren. Der Euro beendete die vergangene Woche nahe dem Vortages- bzw. Vorwochenschluss, d. h., mehr oder weniger in der Mitte seiner breiten Konsolidierungszone, die zwischen 0,8725 und 0,9020 verläuft. Deutliche Impulse sind derzeit erst außerhalb dieses Bandes zu erwarten.

CHF

EUR CHF (1,1610)

Die leichten Verluste, die der Euro vergangene Woche erlitten hatte, wurden bis Freitagabend auf ein Minimum reduziert. Zwar existiert kurzfristig weiterhin ein Restrisiko an der Unterseite, das bis 1,1520 bzw. 1,1490 reicht. Dies bleibt jedoch nur bestehen, solange der erste Widerstand bei 1,1645 hält.

CZK

EUR CZK (25,55)

Tschechiens Zentralbank strebt laut des am Freitag veröffentlichten Protokolls an, die Zinsen schrittweise anzuheben, was sogar mehrfach von den Notenbankern erwähnt wurde. Außerdem sehen die Währungshüter einen besonderen Handlungsbedarf bei steigender Inflation. Am Sonntag lieferte der Finanzminister weitere Informationen: Der Haushalt des laufenden Jahres dürfte mit einem leichten Überschuss von „einigen Milliarden Kronen“ enden. Der Euro beschloss die Woche nahe am neuen Vier-Jahres-Tief. Das Risiko weiterer Verluste bleibt somit bestehen, da Unterstützung erst bei 25,45 bzw. solide Nachfrage gar erst bei 25,19 zu erwarten ist. Der Stabilitätsanker, der die Schwächephase stoppen könnte, liegt indes weit weg bei 25,80.

PLN

EUR PLN (4,2300)

Unerwartete Nachrichten kamen am Wochenende aus Polen. Der Chef der polnischen Regierungspartei PiS, Jaroslaw Kaczynski, stellte, wie er sagte, eine „absolut ernste Forderung“ an Deutschland: Reparationszahlungen! Die Meldung des Handelsüberschusses in Höhe von 1,86 Milliarden Euro für die ersten neun Monate des Jahres ging dadurch beinahe unter. Zwischenzeitlich rutschte der Euro in die Nähe des 4,2200er Oktobertiefs. Unser Auslöser für Kursrückgänge auf 4,1730 sitzt aber wie gehabt etwas tiefer, bei 4,2100. Der erste bessere Angebotspunkt liegt indes bei 4,2440.


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