Wöchentliche Marktberichte

Nov 10, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Brexit-Kampf: Runde 6 eingeläutet

USD

EUR USD (1,1645)

Diese Woche war als Reaktion auf den Aufschwung im Euro-Raum allerorts Jubel zu vernehmen. Die EU-Kommission verkündete stolz, dass sich die Haushaltslage bis zum Ende dieses Jahrzehnts in so gut wie allen Staaten der Wirtschaftsgemeinschaft verbessern werde. Mit Blick auf die Staatsschulden- und Bankenkrise, die vor sieben Jahren wütete, fiel es Analysten besonders leicht, von reduzierten Risiken, erfolgreicher Politik oder einfach nur von einem positiven Aktienmarktumfeld zu schwärmen. Inmitten dieser fast schon idyllisch anmutenden Atmosphäre schnellten gestern plötzlich Anleiherenditen nach oben, während Aktienindizes in Europa und Übersee zum Teil deutliche Verluste hinnehmen mussten. Enttäuschende Quartalszahlen – insbesondere aus Europa, aber auch den USA – war die naheliegende Erklärung, die für die Kursverluste an den Börsen herhalten musste. An sich ist gegen diese Begründung nichts einzuwenden. Jedoch muss in Zweifel gezogen werden, ob die unerfreulichen Unternehmensberichte auch das Zeug dazu hatten, Anleiherenditen und den Goldpreis nach oben zu treiben. Jedenfalls war sonst lediglich die lapidare Feststellung, die starken positiven Cashflows der vergangenen Wochen im Anleihemarkt seien „abgerissen“, zu vernehmen. Und weil es auch im Devisenmarkt niemand besser zu wissen schien, führte man dort dieselben Gründe für die leichten Euro-Kursgewinne an. Erst im späten US-Handel äußerten einige Akteure andere Vermutungen: Die von US-Präsident Donald Trump versprochene Steuerreform könne nicht so rasch wie erwartet kommen. Sogar die Fed-Zinserhöhung, die ja bereits fest im Dezember eingepreist ist, wurde thematisiert. Wo die Finanzmärkte gestern der Schuh drückte, kann zwar nicht eindeutig belegt werden. Klar scheint jedoch: Die Akteure litten an Erklärungsmangel.

Die freundliche Euro-Tendenz hat gestern nicht ausgereicht, die laufende Abwärtskorrektur (die sich in Richtung 1,1485 ausweiten könnte) zu neutralisieren. Dazu muss erst die 1,1770er Hürde überwunden werden.

GBP

EUR GBP (0,8865)

Man kann es drehen und wenden wie man will, aber der Eindruck, den das politische Gesamtbild Großbritanniens derzeit hinterlässt, ist immer der gleiche: Für die britische Premierministerin Theresa May läuft es nicht gut. Gestern ernannte sie die konservative Abgeordnete Penny Mordaunt zur Entwicklungshilfeministerin. Dies war nötig geworden, da sich ihre Vorgängerin Priti Patel nicht an die Regeln hielt und einige politische Alleingänge wagte, weshalb sie letztlich ihren Hut nehmen musste. An der personellen Entscheidung gibt es generell nichts auszusetzen. Allerdings gilt Mordaunt als Befürworterin eines harten Brexits, was die jüngsten Verhandlungen mit der EU nicht leichter gestalten wird. EU-Chefunterhändler Michel Barnier verkündete gestern zum Auftakt der sechsten Gesprächsrunde, es sei nun „höchste Zeit, die wichtigsten Prinzipien eines geordneten Ausstiegs zu klären". Worte, die erkennbar Ungeduld widerspiegeln. Wenig überraschend geriet Sterling gestern erneut leicht ins Hintertreffen – auch gegenüber dem Euro. Letzterer notiert nun mehr oder weniger in der Mitte seiner breiten Konsolidierungszone, die zwischen 0,8730 und 0,9020 verläuft.

CHF

EUR CHF (1,1580)

SNB-Chef Thomas Jordan wies gestern erneut darauf hin, dass der Franken ohne den Effekt der Negativzinsen „zu attraktiv wäre und sich erneut aufwerten würde“. Daraufhin sank der Euro bis auf 1,1555. Wir sehen kurzfristig weiterhin verbleibendes Risiko an der Unterseite, das bis 1,1520 bzw. 1,1490 (leicht angepasst) reicht. Die erste Widerstandshürde liegt nach wie vor bei 1,1650.

CZK

EUR CZK (25,53)

Die Teuerung in Tschechien beschleunigte sich im September von 2,7 auf 2,9 Prozent und lag somit oberhalb der Markterwartungen und weit weg vom zweiprozentigen Ziel der Zentralbank. Der Euro fiel gegen die Krone daraufhin auf ein Vier-Jahres-Tief. Das Risiko weiterer Verluste ist hoch, da Unterstützung erst bei 25,45 bzw. bessere gar erst bei 25,20 angezeigt ist. Ein nachhaltiger Stabilitätsanker liegt indes in weiter Ferne bei 25,82.

PLN

EUR PLN (4,2300)

Die jüngste Reuters-Befragung unter 100 Währungsstrategen ergab, dass die Mehrheit der Analysten den Euro gegenüber dem Zloty auf Sicht von 12 Monaten mehr oder weniger unverändert sieht. Die Prognose der Analysten liegt jedenfalls nur ein halbes Prozent unterhalb der aktuellen Notierung, bei 4,2100. Genau diese Marke stellt zufälligerweise auch unseren Auslöser für Kursrückgänge auf 4,1730 dar. Der erste bessere Angebotspunkt wartet hingegen bei 4,2510.


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