Wöchentliche Marktberichte

Okt 30, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Britische Wirtschaft fürchtet „No deal“- Exit

USD

EUR USD (1,1615)

Auch wenn es nicht unbedingt so aussah: Die EZB hat am vergangenen Donnerstag mit ihren geldpolitischen Entscheidungen Neuland betreten. Zum ersten Mal in ihrer noch jungen Geschichte hat die Notenbank eine Reduktion extremer quantitativer Maßnahmen beschlossen. Sie hat die Wende in einer ultralockeren geldpolitischen Phase und somit einen ersten wichtigen Schritt in Richtung Normalisierung eingeleitet. Angesichts des Debüts dieses heiklen Eingriffs (man denke nur an die nervösen Marktreaktionen, die Draghi durch erste Tapering-Hinweise während seiner Sintra-Rede in Portugal auslöste) und des überwiegend positiven Feedbacks der Finanzmärkte, gebührt der EZB-Führung ob ihres Timings und der Umsetzung Anerkennung. Auf die Diskussionen, die während der jüngsten EZB-Sitzung bis zur Entscheidung geführt wurden, ist man bei der Pressekonferenz zwar nicht im Detail eingegangen. Man braucht jedoch weder Hellseher noch EZB-Insider zu sein, um sich vorstellen zu können, dass über Restdauer und Volumen der Anleihekäufe eine gewisse Uneinigkeit herrschte. In den vergangenen Wochen gab es hinsichtlich der favorisierten Ausrichtung immer wieder Äußerungen seitens einzelner Ratsmitglieder. Seit Freitag ließen sich aber nun auch schon erste Meinungen nach Abschluss der Sitzung einfangen. Bundesbankpräsident Jens Weidmann meldete sich als erster zu Wort. Bei einer Veranstaltung in Paris stellte er klar, ihm seien die Beschlüsse nicht weit genug gegangen. Er hätte lieber „ein klares Ende der Nettokäufe“ vorgegeben. EZB-Direktor Benoît Cœuré stieß ins gleiche Horn, wenn auch mit etwas sanfteren Tönen. Er hoffe, äußerte er sich der französischen Wochenzeitung Le Journal du Dimanche gegenüber, dass das Kaufprogramm nicht verlängert werde. Zudem unterstrich er, dass an den Käufen noch so lange festgehalten werden solle, bis sich die Teuerung deutlich in Richtung des EZB-Inflationsziels von knapp zwei Prozent bewege.

Einzig der Euro reagierte verstimmt auf die Tapering-Bekanntgabe; sein Wochenverlust war der größte des laufenden Jahres. Die laufende Kurskorrektur dürfte sich preislich und zeitlich noch etwas weiter ausdehnen – bis auf 1,1490. Die erste nennenswerte Angebotshürde wartet bei 1,1730, der Stabilitätspunkt liegt bei 1,1820.

GBP

EUR GBP (0,8835)

"No deal is better than a bad deal", polterte Premierministerin Theresa May noch zu Beginn des Jahres. Die EU per „no deal“ zu verlassen bereitet britischen Wirtschaftsführern Unbehagen. Aber egal, ob man einen Ausstieg mit oder ohne Übereinkunft trifft: Fest steht, den Briten bleiben hierfür noch genau 17 Monate Zeit. Das ist, gemessen an der gewaltigen Aufgabe, nicht viel. Der Druck, der sich hieraus ergibt, kommt eher der EU als Großbritannien zugute. Daher plädierten Vertreter der Wirtschafts- und Industrieverbände für eine Übergangsphase. Denn sie wissen: Die EU unterhält insgesamt 975 Abkommen mit Drittländern, darunter mehr als 50 Freihandelsabkommen, die Großbritannien dann aufgeben würde. Und die Briten wissen auch, dass in so kurzer Zeit unmöglich neue Vereinbarungen mit all diesen Ländern geschlossen werden können. Der Wirtschaft graut es deshalb vor einem No-Deal-Szenario. Der Euro hat kurzfristig seine Stabilität verloren und läuft nun Gefahr, in Richtung des September-Tiefs (0,8745) zu rutschen. Um sich diesem Szenario entziehen zu können, muss der 0,8980er Widerstand neutralisiert werden.

CHF

EUR CHF (1,1585)

Vor der EZB-Sitzung der vergangenen Woche sahen Umfragen den Leitzins der SNB bis Ende 2018 bei minus 0,75 Prozent. Ob sich Marktteilnehmer nach der jüngsten EZB-Entscheidung immer noch klar für eine unveränderte SNB-Geldpolitik aussprechen, wissen wir noch nicht. Vermutlich dürften Prognosen diesbezüglich aber ein wenig verhaltener ausfallen. Heute können sich Akteure zudem ein Bild über die wirtschaftliche Erwartungshaltung der Schweiz für die nächsten sechs Monate machen, da die Daten des Konjunkturbarometers KOF veröffentlicht werden. Der Euro hat am Freitag seine Möglichkeit verwirkt, auf ein neues Jahreshoch zu stürmen. Er ist in den Korrekturmodus gewechselt und bewegt sich nun auf 1,1460 zu.

PLN

EUR PLN (4,2460)

Polens Finanzminister Mateusz Morawiecki bleibt bezüglich eines Euro-Beitritts seines Landes skeptisch. Er möchte, dass der Euro-Raum wirtschaftlich stärker wird, bevor man sich auf die Einheitswährung festlegt. Darauf angesprochen, wieviel Zeit bis zu einem Beitritts-Entscheid vergehen könnte, entgegnete er: „Fünf bis zehn Jahre“. Der Euro hat die angekündigte Erholung bis auf 4,2640 am Freitag fast vollständig vollzogen. Darüber stünde ein Test der 4,2750er Marke ins Haus, jedenfalls solange 4,2410 hält.


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