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Wöchentliche Marktberichte

Okt 27, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Geldpolitisches Bremsmanöver gelingt

USD

EUR USD (1,1640)

In der gestrigen Pressekonferenz der EZB beschrieb Präsident Mario Draghi die Stimmung während der Ratssitzung als „ziemlich gut“. Diese positive Atmosphäre scheint sich größtenteils auf die Finanzmärkte übertragen zu haben. Jedenfalls zogen europäische Aktien- und Rentenmärkte nach der Bekanntgabe, dass das Anleihe-Kaufprogramm mit halbem Volumen (mindestens) bis Herbst 2018 verlängert werden soll, deutlich an. Natürlich ist es nicht das erklärte Ziel der Notenbank, nur solche Entscheidungen zu treffen, die Aktieninvestoren glücklich machen. Jedoch schien es, als hätten die EZB-Ingenieure es geschafft, den Turbo aus dem geldpolitischen Motorraum heimlich, still und leise bei voller Fahrt auszubauen und diesen anschließend direkt in den Aktienmarkt-Antrieb einzubinden. Es wäre aber nicht korrekt, nur die positive Stimmung hervorzuheben und über wohlwollende Marktreaktionen zu sprechen. Denn einerseits herrschte während der Ratssitzung Uneinigkeit darüber, ob ein Enddatum für die Wertpapierkäufe festgelegt werden sollte. „Eine große Mehrheit der Ratsmitglieder war dafür, das Ende offenzuhalten”, ließ Draghi allerdings wissen. Andererseits haben Gold- und Euro-Bullen die Tapering-Variante der EZB offensichtlich nicht als besonders erbaulich empfunden. Dass die Notenbank es nicht allen Marktteilnehmern recht machen kann, war von vornherein klar. Einige Volkswirte und Verbandsführer kritisierten, der Kurswechsel der EZB ginge ihnen nicht weit genug. Tatsächlich war es aber das Ziel der europäischen Währungshüter, ihre geldpolitische Bremse so sanft wie möglich durchzuführen. Dies scheint ihnen nicht nur gelungen zu sein, es erklärt auch ihre Entscheidung, die Euro-Wirtschaft nach wie vor von günstigen Kreditkonditionen profitieren zu lassen und die Geschäftsbanken weiterhin mit reichlich Liquidität zu versorgen. Daher werden die Hauptrefinanzierungsoperationen bis Ende 2019 als Festzinstender mit vollständiger Zuteilung fortgesetzt.

Alleine aufgrund des gestrigen Kursverlusts von anderthalb Prozent zu behaupten, das jüngste EZB-Manöver hätte auch den langfristigen Euro-Aufwärtstrend umgekehrt, wäre zwar ein wenig überzogen. Nichtsdestotrotz endete gestern der Handel mit dem größten Tagesverlust des laufenden Jahres. Der Bruch der 1,1705er Marke ist ebenfalls negativ zu werten und als Auslöser für Kurskorrekturen zu verstehen, die sich bis auf 1,1490 ausdehnen könnten. Reichlich Angebot wird Erholungsversuche bei 1,1750 aufzuhalten wissen.

GBP

EUR GBP (0,8860)

Sterling profitierte gestern von der breiten, EZB-generierten Euro-Schwäche. Trotzdem schielte der Handel bereits vormittags auf den Nachrichten-Ticker. Denn Agenturen berichteten, die Wettbewerbshüter der EU-Kommission würden Großbritannien verdächtigen, multinationalen Unternehmen unzulässige Steuervorteile eingeräumt zu haben. Laut Kommission wird dies für die Briten, ungeachtet der Brexit-Verhandlungen, ein Nachspiel haben. Zudem blickte der Markt auf die schwachen Produktionsdaten der britischen KFZ-Industrie, die im September um 4,1 Prozent nachgaben und innerhalb der letzten sechs Monate zum fünften Mal sanken. Insbesondere die Inlandsnachfrage nach Autos fiel mit einem Minus von 14,2 Prozent enttäuschend aus. Auch die CBI-Einzelhandelsumsätze für Oktober wurden als Negativum wahrgenommen. Der Euro tendierte zwar schwächer, fing sich aber noch vor unserer 0,8830er Unterstützung, an der wir solide Nachfrage vermuten. Ein Ende der laufenden Konsolidierung ist aber nach wie vor erst in Sicht, wenn der Widerstand bei 0,9035 aus dem Weg geräumt werden kann.

CHF

EUR CHF (1,1620)

Der Handel stand gestern vollkommen im Zeichen der EZB-Sitzung. Entsprechend erlitt der Euro nach seinem jüngsten Höhenflug einen Dämpfer. Unsere Zielmarke bei 1,1735 wurde leider knapp verfehlt. Allerdings besteht nach wie vor die Möglichkeit eines erneuten Angriffs auf dieses Niveau, solange sich der Euro oberhalb der 1,1585er Unterstützung halten kann.

PLN

EUR PLN (4,2540)

Das jüngste Notenbankprotokoll offenbarte gestern, dass es zu Zinserhöhungen in Polen kommen könnte, falls der Inflationsdruck zunehmen sollte. Die Entwicklung der Konsumentenpreise und  das Bruttoinlandsprodukt würden daher in den nächsten Quartalen eine entscheidende Rolle spielen. Der Euro konnte gestern indes sein Stabilitätsniveau bei 4,2500 überwinden und dadurch eine Erholungsperspektive bis auf 4,2640 eröffnen. Auf der Unterseite ist nun bereits bei 4,2260 kurzfristige Nachfrage zu erkennen.


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