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Wöchentliche Marktberichte

Okt 11, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Ausgesetzte Unabhängigkeit

USD

EUR USD (1,1815)

Wer gestern Abend einen Blick auf den Euro- Handel warf, konnte fast den Eindruck gewinnen, dass die Ereignisse in Katalonien von den Händlern weithin erwartet worden waren. Zwar hatte Regierungschef Carles Puigdemont gestern die Unabhängigkeit Kataloniens erklärt, um sie jedoch sogleich wieder auszusetzen. Stattdessen soll es nun Verhandlungen mit dem spanischen Ministerpräsidenten geben. Dieser vernünftig klingende Vorschlag setzt nun wiederum die Zentralregierung von Mariano Rajoy unter Zugzwang, die sich bislang nicht gerade gesprächsbereit gezeigt hatte. Dass die Banken nun doch nicht allerorten mit einem solchen Ausgang des gestrigen Abends gerechnet hatten, zeigt sich daran, dass sich die Kreditinstitute zuvor bei der Europäischen Zentralbank weitaus stärker als sonst üblich mit Liquidität in Höhe von 21,3 Milliarden Euro versorgt hatten.

Erfreuliches gab es aus Deutschland zu vermelden, dessen Außenhandelszahlen mit dem höchsten Stand seit zwölf Monaten überraschten. Und dies trotz des seit Jahresbeginn gestiegenen Euro, ein Umstand, der allerdings vielerorts überbewertet wird. Denn in der Vergangenheit hatte es sich bereits mehrfach gezeigt, dass sich die deutschen Exporte oftmals relativ unbeirrt vom Außenwert des Euro entwickeln konnten.

Unterdessen meldete sich aus den USA wieder einmal ein Mitglied des Offenmarktausschusses der Notenbank zu Wort. Der Chef der Fed von Dallas, Robert Kaplan, machte allerdings weniger mit seiner Inflationseinschätzung auf sich aufmerksam als durch die Antwort, die er gab, als man ihn zu Kevin Warsh, einen der möglichen Nachfolger für den Fed-Vorsitz, befragte. Kaplan, der sich doch eigentlich nicht zu Kandidaten für dieses Amt hatte äußern wollen, erklärte freimütig, zwar schätze er Warsh sehr, sei aber mit ihm in vielen Dingen nicht einer Meinung. Unterdessen bleibt die Situation beim Euro unverändert. Immerhin steht er nun in der Nähe seines Stabilitätspunkts bei 1,1835. Solange dieses Niveau nicht überschritten wird, bleibt der Korrekturmodus des Euro (Risiko bis nunmehr 1,1640/45) jedoch erhalten.

GBP

EUR GBP (0,8955)

In Großbritannien gab es gestern eine Serie von Fundamentaldaten, wobei vor allem die Produktionszahlen des verarbeitenden Gewerbes auffielen, die im August im Vergleich zum Vormonat stärker als erwartet gestiegen sind. Dem stand jedoch eine negative Handelsbilanz gegenüber – das Defizit fiel nicht nur höher als erwartet aus, sondern erreichte sogar den schlechtesten Wert aller Zeiten. Dennoch scheint der Geldmarkt mittlerweile eine noch höhere Wahrscheinlichkeit (die Rede ist von 75 Prozent) für eine Zinserhöhung der Bank von England einzupreisen. Schwerer als die Geldpolitik wiegt offensichtlich der Stimmungswechsel an der innenpolitischen Front. Denn Premierministerin Theresa May, in der Vorwoche noch unter massivem Druck, scheint aus den jüngsten Diskussionen um den Brexit gestärkt hervorzugehen. So gibt es dem Anschein nach zumindest einen Rettungsplan für den Fall, dass es zu keiner Einigung mit der EU über ein Freihandelsabkommen kommen sollte. Im Gespräch ist laut dem britischen Daily Telegraph ein Beitritt Großbritanniens zum Freihandelsabkommen der Staaten Nordamerikas (Nafta). Ein derartiges Vorhaben soll natürlich die EU-Verhandlungspartner unter Druck setzen, hat aber auch innenpolitisch dafür gesorgt, dass einer der größten Widersacher Mays, Außenminister Boris Johnson, offenbar mehr oder weniger klein beigegeben hat. Letztlich bleibt jedoch die Lage des Euro fast unverändert. Dieser hat das Zeug, in Richtung 0,9025 und 0,9090 zu marschieren. An der Unterseite ist gute Nachfrage nun etwas höher, bei 0,8850, zu erwarten.

CHF

EUR CHF (1,1525)

Auch die Veröffentlichung der Schweizerischen Arbeitslosenquote, die wie erwartet ausfiel, war wenig geeignet, etwas mehr Leben in den Handel zu bringen. Immerhin hat sich der Spielraum für Kursgewinne noch einmal vergrößert, nun auf 1,1570, dem nächsten stärkeren Widerstand. Rückschläge dürften unterdessen bei 1,1430 auf gute Unterstützung treffen.

PLN

EUR PLN (4,2940)

Angeblich sollen gestern Kapitalzuflüsse den polnischen Zloty gestärkt haben. Damit wurde der Euro geringfügig unter sein wichtiges Niveau von 4,2860 gedrückt, womit die bullishen Ambitionen der Gemeinschaftswährung zunichtegemacht wurden. Der Euro dürfte nun kurzfristig versuchen, eine Konsolidierung zwischen 4,2750 und 4,3150 zu etablieren.


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