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Wöchentliche Marktberichte

Okt 05, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Europas nächste Zerreißprobe

USD

EUR USD (1,1760)

Obgleich der Euro gestern ein wenig zulegen konnte, schien sich der Handel weitestgehend im Gleichgewicht zu halten. Daran vermochten weder die veröffentlichten US-Daten noch der sich ausweitende Katalonien-Konflikt etwas zu ändern. Letzterer scheint nicht nur für Spanien, sondern früher oder später auch für die Europäische Union zur Zerreißprobe zu werden. Möglicherweise soll bereits am Montag die Unabhängigkeit ausgerufen werden, weshalb die EU-Kommission beide Beteiligten zum Dialog aufgerufen hat und auf eine schnelle Lösung drängt. Das ist verständlich, denn wenn weitere Länder anderer EU-Nationen solche Aufspaltungs- oder Trennungsgedanken hegen – Beispiele hierfür wären Belgien oder Italien –, könnte der europäische Gedanke ernsthaften Schaden nehmen. Manche sehen bereits schlimmere Folgen drohen als die, die vom Brexit ausgehen. Bislang hat sich diese Belastung im Kursgeschehen aber noch nicht sichtbar niedergeschlagen. Die zuvor erwähnten US-Daten zeigten ebenfalls kaum Wirkung: Die überraschend stark gestiegenen Geschäfte der US-Dienstleister (ISM) verhinderten gerade noch eine Enttäuschung und neutralisierten den schwächeren Markit-Einkaufsmanagerindex sowie den mäßigen ADP-Arbeitsmarktbericht für den Monat September. Nicht einmal EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny vermochte für ein kleines Kursflattern zu sorgen, als er sich, wenn auch vorsichtig, für eine Normalisierung der Geldpolitik aussprach. Interessanterweise manifestierte sich ausgerechnet in diesem bewegungsarmen Kursumfeld die Meinung, Hedge Funds würden den Devisenmarkt verstärkt bevölkern und derzeit mit sehr großen Positionen hantieren, da ihnen in anderen Finanzmärkten die Volatilität zu niedrig sei. Händler stützten diese These vor allem auf die Positionsdaten der CME-Devisen-Futures, die zu Wochenbeginn angezeigt hatten, dass die Wetten auf einen fallenden US-Dollar fast auf ein Fünf-Jahres-Hoch gestiegen sind. Diese Zahlen mögen beeindruckend wirken. Ob Hedge Funds aber tatsächlich die treibende Kraft sind und warum sie sich nicht in den US-Bond-Futures oder in den Aktienmärkten tummeln, die in den vergangenen Wochen sehr ordentliche Bewegungen aufwiesen – diese Frage können sie nicht beantworten.

Der Euro bleibt unverändert im Korrekturmodus, der ihn bis auf 1,1660 oder gar bis auf 1,1595 führen kann. Die Stabilitätshürde liegt erneut ein wenig tiefer, bei 1,1880/90.

GBP

EUR GBP (0,8880)

Die britische Regierungschefin Theresa May wird den gestrigen Tag wohl nicht so schnell vergessen. So wurde ihre Grundsatzrede mehrmals mit stehenden Ovationen bedacht. Jedoch wohl kaum, weil ihre Parteifreunde so sehr von Mays Ausführungen beindruckt waren, sondern eher aus Mitgefühl. Denn May war von Hustenanfällen und Stimmverlust geplagt und bekam obendrein auch noch von einem Comedian symbolträchtig ein Entlassungsformular überreicht. Inhaltlich fiel die Rede allerdings eher dürftig aus. Jedenfalls war nichts darin enthalten, was für Bewegungen im Britischen Pfund sorgte. Der Euro hat aber Mays Schützenhilfe ohnehin nicht benötigt, um seine Stabilität zurückzuerlangen. Er versucht gerade, die jüngsten Verluste wettzumachen. Dabei sollte er bis 0,8970 vorstoßen können, während kurzfristige Unterstützung weiter bei 0,8800 wartet.

CHF

EUR CHF (1,1465)

Wir haben bereits darauf hingewiesen, dass Kursverluste in Richtung 1,1340 wohl kaum mit Dynamik einhergehen dürften. Gestern bäumte sich der Euro sogar ein wenig auf. Schafft er es nun, die Angebotshürde bei 1,1500 aus dem Weg zu räumen, wäre die Gefahr weiterer Abwärtskorrekturen gebannt.

PLN

EUR PLN (4,2990)

An Polens Notenbankern hat es gestern nicht gelegen, dass der Euro plötzlich in die Knie ging. Sie haben wie erwartet nicht an der Zinsschraube gedreht und sehen zudem kein großes Risiko, dass die Teuerung über ihr Inflationsziel von 2,5 Prozent hinausschießt. Sie dürfte sich eher „moderat“ entwickeln. Der angesprochene Kursverfall ereignete sich urplötzlich im frühen Handel, stoppte aber immerhin rechtzeitig vor unserer 4,2860er Unterstützung. Solange sie hält, kann sich jederzeit wieder ein neuer Anlauf auf unsere ehemalige Zielmarke bei 4,3320 entfalten. Etwas Zwischenwiderstand findet sich nun allerdings bei 4,3160.


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