Wöchentliche Marktberichte

Okt 04, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

„Divergence Trades“ finden Gefallen

USD

EUR USD (1,1770)

Aufgrund des deutschen Nationalfeiertags fiel die Präsenz im europäischen Handel gestern sicherlich geringer aus als sonst. Doch dass sich die Aufmerksamkeit der Dollar-Händler erneut verstärkt dem US-Anleihemarkt widmete, dürfte nicht allein am Fehlen einiger Marktteilnehmer aus Deutschland gelegen haben. Vielmehr beschäftigt sich eine Vielzahl der Akteure gerade mit der künftigen Ausrichtung der US-Notenbank – ebenso personell wie geldpolitisch – sowie mit dem Phänomen kräftig anziehender langfristiger Kapitalmarktzinsen, eine Wachsamkeit, die durch die zu Wochenbeginn auf ein 13-Jahres-Hoch gestiegene Stimmung der US-Industrie noch zusätzlich angestachelt wurde. In den vergangenen vier Wochen stieg die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen in den USA um rund 36 Basispunkte. Diese schnelle, fast ununterbrochene Aufwärtsbewegung hat einige Investoren aufgeschreckt. Ist eine Anlage in US-Zinspapieren jetzt vielleicht attraktiv geworden? Und färbt dieser Umstand eventuell positiv auf den Dollar ab? Diese Gedanken sind sicherlich berechtigt, aber die Zinsdiskussion war dem US-Dollar bislang noch keine große Hilfe. Der Euro hat zwar zeitlich synchron mit dem US-Zinsanstieg 400 Stellen gegenüber dem Dollar nachgegeben – an und für sich eine durchaus nennenswerte Korrektur. Im Zusammenhang mit dem vorangegangenen Anstieg relativiert sich der Verlust jedoch schnell. Denn damit wurde gerade einmal etwas mehr als ein Fünftel der Euro-Hausse korrigiert. Beim Dollar-Index sieht das Verhältnis nicht viel anders aus. Dennoch ist verständlich, dass Akteure derzeit an sogenannten „Divergence Trades“ zwischen Fed und EZB Gefallen finden. Aber man muss sich fragen, ob es dem Dollar langfristig helfen wird, wenn die Fed eine falkenhaftere Geldpolitik betreibt als ihr europäisches Pendant. Denn einen starken Einfluss auf langfristige Zinsen, die für Investoren besonders wichtig sind, haben Zentralbanken – wie sie selbst zugeben – nicht.

Der Euro bleibt vorerst im Korrekturmodus, der sich bis auf 1,1660 oder im schlimmsten Fall bis auf 1,1590 ausdehnen kann. Hingegen liegt die Stabilitätshürde nun etwas tiefer, bei 1,1885/95.

GBP

EUR GBP (0,8870)

Nachdem in den vergangenen Tagen britische Medien spekuliert hatten, Außenminister Boris Johnson könnte auf dem Parteitag der Konservativen versuchen, Regierungschefin Theresa May zu stürzen, spitzten Politiker und Journalisten gespannt die Ohren. Doch alles, was Johnson gestern in seiner Parteitagsrede von sich gab, klang überraschend handzahm. Ob Mays heutige Rede angriffslustiger ausfallen wird, darf allerdings bezweifelt werden. Wenig Neues hatte auch Brexit-Minister David Davis in seiner gestrigen Parteitagsrede zu bieten. Er lobte lediglich die Fortschritte bei den Verhandlungen mit der EU und stellte in Hinblick auf die Rechte für Bürger der vom Brexit betroffenen Staaten eine baldige Lösung in Aussicht. EU-Parlamentarier sehen das wohl etwas anders. Sie meinen, es sei noch zu früh für weitere Gespräche über die künftigen Beziehungen zum Vereinigten Königreich. Ginge es nach ihnen, so würden sie die nächste Verhandlungsphase lieber aufschieben. Für das Pfund wäre diese Situation sicher nicht förderlich, zumal gestern der Euro seinen Stabilitätspunkt überwunden hat und sich damit nun wieder daranmachen wird, verlorenes Terrain bis 0,8970 zurückzuerobern. Die kurzfristige Nachfrageseite hat sich unterdessen bei 0,8800 ein wenig verbessert.

CHF

EUR CHF (1,1435)

Der Mangel an Fundamentaldaten in der Schweiz und die feiertagsbedingte Abstinenz in Deutschland führten gestern dazu, Handel auf Sparflamme zu betreiben. Das Resultat: eine Handelsspanne von 35 Stellen – die niedrigste seit Anfang Juli. Eine ausgeprägte Bewegung in Richtung 1,1330 wird sich so wohl kaum entfalten können, obgleich nicht weit entfernt, bei 1,1500, bereits robustes Angebot wartet.

PLN

EUR PLN (4,3170)

Slawomir Nowak, stellvertretender Finanzminister Polens, hat in Aussicht gestellt, dass sich sein Land im letzten Quartal des laufenden Jahres vermutlich nicht im Ausland verschulden werde. Der Zloty leidet dennoch weiterhin an Schwäche. Beim Euro reicht das Potenzial für einen erneuten Test unserer früheren Zielmarke bei 4,3320, darüber sind Gewinne bis 4,3530 zu erwarten; zumindest solange die 4,2860er Unterstützung hält.


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