Wöchentliche Marktberichte

Sep 25, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Mays Grundsatzrede punktet nicht

USD

EUR USD (1,1925) 

Auch wenn am Wochenende ganz klar die Bundestagswahl die Medien beherrschte, für die Positionierung im Devisenhandel war sie unbedeutend. Nicht viel anders gestaltet sich das Bild bei den Nachrichten, die für den Handel normalerweise eine übergeordnete Rolle spielen. Sie wurden in Europa bestenfalls am Rande oder mitunter gar nicht wahrgenommen. Zum einen waren dies neue Drohungen, die vom nordkoreanischen Regime ausgingen. Außenminister Ri Yong Ho sagte laut südkoreanischer Nachrichtenagentur Yonhap in New York, der nächste Atomtest Nordkoreas könne die „stärkste Explosion einer Wasserstoffbombe" im Pazifischen Ozean hervorrufen. Zum anderen die jüngsten Aktivitäten von US-Ratingagenturen. Den Anfang machte Standard & Poor's, die überraschend die Kreditwürdigkeit Chinas herabstuften; eine “falsche Entscheidung”, wie das chinesische Finanzministerium später wissen ließ. Dann folgte Moody’s und rief mit der Bonitätsherabstufung Großbritanniens ebenfalls Erstaunen hervor. Euro-Händler hatten zudem ein Augenmerk auf das belgische Geschäftsklima, das als guter Frühindikator für den ganzen Euroraum gilt und sich im September überraschend eintrübte. Der Aktivitätsdrang der Akteure hielt sich aber in Grenzen, womöglich, weil diese Woche für die Eurozone eine ganze Reihe wichtiger Konjunkturdaten bzw. Frühindikatoren – darunter Verbraucherpreise und Ifo-Index – zur Veröffentlichung anstehen. Interessant könnten auch die Marktreaktionen auf die jüngste Äußerung des Bundesbank-Chefs Jens Weidmann werden. Er plädierte am Wochenende im italienischen Fernsehen dafür, der nächste EZB-Präsident solle unabhängig von seiner Nationalität bestimmt werden. Ein beachtenswerter Vorschlag. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die EZB bei ihren Personalentscheidungen auch Länderquoten der Eurozonenstaaten zu berücksichtigen hat. 
Die aktuelle Nachrichtenlage sollte den Euro kurzfristig nicht am weiteren Steigen hindern. Damit er diese Chance nicht verspielt, darf aber nun die 1,1820er Unterstützung nicht mehr verletzt werden.

GBP

EUR GBP (0,8810) 

Premierministerin Theresa May wollte mit ihrer Grundsatzrede punkten – wohl vor allem bei britischen Bürgern. Was May mit ihrer Ansprache aber sicher nicht erreichen wollte, war, dass immer weniger Briten den EU-Austritt für eine gute Idee halten. Sie scheint sich wohl etwas verschätzt zu haben, denn eine ganze Reihe gespannter Zuhörer zeigte sich von ihren Ausführungen enttäuscht. Dazu zählten beispielsweise EU-Offizielle, Sterling-Händler und, wie sich ein paar Stunden später herausstellen sollte, auch die Rating-Agentur Moody’s. Denn einerseits ließ May nicht durchblicken, welche Rechte während der Übergangsphase für die Briten gelten sollen. Andererseits nannte sie keine klaren Zahlen hinsichtlich der Zahlungsverpflichtungen gegenüber der EU. Diese aber forderte konkretere Aussagen aus London. Moody’s zog indes sein eigenes Resümee: Der Erfolg der britischen Konsolidierungsbemühungen sei fraglich, hieß es von der Rating-Agentur, die Großbritanniens Bonität prompt von der zweithöchsten (Aa1) auf die dritthöchste Stufe (Aa2) herabsetzte. Begründet wurde diese Entscheidung zudem mit der "erheblich verschlechterten" Aussicht für britische Staatsfinanzen infolge des EU-Austritts. Damit nicht genug, löste die Rede und deren Reaktionen am Wochenende sogar in der oppositionellen Labour-Partei einen erneuten Streit aus. Der Euro konnte von alldem nicht wirklich profitieren. Er handelt weiterhin im kurzfristigen Niemandsland, zwischen der mittelfristig wichtigen 0,8765er Unterstützung und dem 0,8920er Stabilitätspunkt.

CHF

EUR CHF (1,1580) 

Der Euro hat am Freitag unsere Potenzialmarke bei 1,1630 nur um wenige Stellen verfehlt. Bis dorthin und darüber bis zur nächsten Zielmarke bei 1,1735 ist kaum guter Widerstand zu finden. Kurzfristige Nachfrage sitzt hingegen bei 1,1470 und 1,1425, wobei letzteres Niveau als kritisch einzustufen ist.

PLN

EUR PLN (4,2670) 

Notenbanker Rafal Sura sieht derzeit keinen Grund, warum der polnische Leitzins im nächsten Jahr angetastet werden sollte. Der Euro fiel am Freitag genau auf unsere 4,2600er Marke zurück, doch solange sie hält, sind Kursgewinne bis 4,3320 möglich. Versagt sie jedoch, wären Korrekturen bis 4,2400 fällig.


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