Wöchentliche Marktberichte

Sep 14, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Steuerpläne voran!

USD

EUR USD (1,1875)

Eigentlich war gestern kein Tag gravierender Euro-Schwäche, sondern vielmehr eine deutliche Erholung des US-Dollar zu beobachten, die dem Wechselkurs zu schaffen machte. Auch waren es nicht Fundamentaldaten aus der Eurozone, die dafür sorgten, dass die Gemeinschaftswährung gestern nach gutem Start rund ein Prozent an Wert verlor. Stattdessen trugen vor allem zum Teil seltsame Argumente von Händlerseite dazu bei, dass der Dollar den dritten Tag in Folge so gesucht war. Denn nach deren Ansicht hatte der US-Produzentenpreis-Index (auch die Kernrate) nach dem Rückgang des Vormonats wieder angezogen. Aber dass dieser Anstieg dennoch unter den Erwartungen der Analysten geblieben war, wurde offensichtlich verdrängt. Weitere Motive dafür, den Dollar jetzt stärker nachzufragen, sind eigentlich schon seit Montag bekannt. Sei es die (möglicherweise nur scheinbare) Entspannung in der Krise zwischen den USA und Nordkorea oder die deutlich niedriger als befürchtet ausgefallenen Schäden, die der Hurrikan Irma angerichtet hatte.

Das stärkste Argument für eine Befestigung des US-Dollar könnte jedoch in der offensichtlichen Annäherung Donald Trumps an die oppositionellen Demokraten bestehen, eine Strategie, mit der er die Steuerreform und andere wichtige Vorhaben voranzutreiben versucht. Zumindest fand gestern ein optimistisch stimmendes Abendessen Trumps mit den Oppositionsführern des Kongress Chuck Schumer und Nancy Pelosi statt. Gut möglich, dass der US-Präsident, ermutigt durch die jüngste Zusammenarbeit mit der Opposition in Sachen Schuldendeckel, nun auch auf ähnliche Erfolge bei der Unternehmenssteuerreform baut. Zudem planen die Republikaner, Einzelheiten über ihre Steuerreform in der übernächsten Woche zu veröffentlichen. Doch es erscheint mehr als fraglich, ob der einst von Trump ins Auge gefasste Steuersatz von 15 Prozent finanzierbar ist und überparteilich überhaupt kompromissfähig wäre. Höhere Sätze gelten indes schon als Enttäuschung, zumal der durchschnittliche Unternehmenssteuersatz in der OECD von 24,7 Prozent im Jahr 2016 (mit fallender Tendenz für 2017) schon deutlich unterschritten werden müsste, damit das Ganze attraktiv aussieht.

Am Ende hat die wichtige Marke von 1,1925 trotz der gestrigen anfänglichen Stärke (1,1990) einen zweiten Angriff nicht überstanden, womit unser Kursziel an der Oberseite gelöscht wurde. Der derzeitige Korrekturmodus hat jedoch dem Aufwärtstrend bislang keinen Schaden zugefügt. Dies dürfte auch nicht der Fall sein, falls es zu weiteren korrektiven Kursrückgängen – sie wären zurzeit erst nach Überschreiten von 1,2010 beendet – in Richtung 1,1840/45 bzw. 1,1755 kommen sollte.

GBP

EUR GBP (0,8990)

Hoffnungen auf einen baldigen Zinsschritt oder falkenhafte Äußerungen seitens des geldpolitischen Komitees der Bank von England haben gestern einen leichten Dämpfer erhalten. Denn der Index der Durchschnittseinkommen ist in Großbritannien mit 2,1 Prozent niedriger als erwartet ausgefallen. Damit wird ein weiteres Mal erkennbar, dass sich die Reallohnverluste bei gleichzeitig gestiegener Inflation nicht verringert haben. Daran ändert auch die Absicht der Regierung nichts, die Lohndeckelung der Einkommen im öffentlichen Dienst zumindest teilweise nicht mehr bei einem jährlichen Zuwachs von einem Prozent einfrieren zu wollen. Im Vorfeld der heutigen Sitzung der Bank von England – erwartet wird ein 7:2 oder 6:3 Abstimmungsergebnis für den Beschluss, geldpolitisch alles zu belassen, wie es ist – hat sich die Lage des Euro nicht wesentlich verändert. Dieser bleibt gegen über Pfund Sterling im Korrekturmodus, der nunmehr jedoch bereits mit Überschreiten von 0,9105 beendet wäre. Ansonsten liegt die beste Unterstützung nach wie vor bei 0,8890.

CHF

EUR CHF (1,1455)

Ob die Schweizerische Nationalbank (SNB) bei ihrer heutigen Sitzung das Wording hinsichtlich des Franken von „signifikant überbewertet“ in lediglich „überbewertet“ oder gar „fair bewertet“ ändern wird, gilt gemäß einer Reuters-Umfrage unter 18 Ökonomen als ein Rennen mit knappem Ausgang. Aber selbst wenn die SNB ihre Einschätzung zum Franken verbal ändern sollte, hätte dies mit hoher Wahrscheinlichkeit keine direkten Konsequenzen für deren Politik. Denn die Nationalbank hat während der vergangenen Wochen ohnehin nicht mehr gegen den Franken interveniert, wie etwa die wöchentliche Entwicklung der Sichtguthaben vermittelt. Unterdessen hat sich der Euro gegenüber dem Vortag nicht mehr viel weiter in Richtung 1,1535 bzw. 1,1565 entwickeln können. Deswegen kann von einer Fortsetzung des übergeordneten Aufwärtstrends erst jenseits ersterer Marke gesprochen werden. Zuvor drohen immer wieder Rückschläge in die frühere Konsolidierungszone, wobei die wichtige Unterstützung bei 1,1390 von nun an nicht mehr unterlaufen werden darf.

PLN

EUR PLN (4,2550)

An der gegenüber dem Vormonat leicht gesunkenen Inflationsrate könnte es gelegen haben, dass der Zloty noch einmal deutlich nachgegeben hat. Damit bewegt sich der Euro im Rahmen eines nicht allzu starken Aufwärtstrends, mit Potenzial bis 4,2880. Die Unterseite bleibt unterdessen relativ ungeschützt bis 4,2480.


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