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Sep 11, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Mehr Dollarschwäche als Euro-Stärke

USD

EUR USD (1,2010)

Es mutete schon ein bisschen sonderbar an, als es am vergangenen Donnerstag eine EZB-Sitzung mit anschließender Pressekonferenz gab, bei der ganz deutlich vermittelt wurde, dass die wichtigen Entscheidungen zum Ausstieg aus der ultra-lockeren Geldpolitik erst bei der Sitzung am 26. Oktober gefällt würden und dann später wieder über so genannte EZB-Quellen das heraussickerte, was wahrscheinlich „offiziell“ erst für das zu einem späteren Zeitpunkt erscheinende Sitzungsprotokoll gedacht war. Demnach wurde den Teilnehmern an den Finanzmärkten etwas in Watte verkauft, was hinter den verschlossenen Türen ziemlich falkenhaft klang. Offenbar wurden mehrere Ausstiegs-Szenarien aus dem quantitativen Lockerungsprogramm diskutiert, die im Extremfall eine Verringerung des Anleihekaufprogramms von derzeit monatlich 60 auf 20 Milliarden Euro beinhalten könnten. Und zwar einschließlich der für eine Neuanlage fällig werdenden Anleihen. Dies würde eine wesentlich stärkere Reduktion (Tapering) bedeuten, als von den meisten Akteuren bislang ins Kalkül gezogen. Wenn man bedenkt, dass der Euro am Freitag sogar gegenüber dem Höchstkurs nach der EZB-Sitzung niedriger schloss, kann man EZB-Präsident Mario Draghi durchaus bescheinigen, er habe im übertragenen Sinne als Falke im Taubengefieder ein mögliches Tapering clever kommuniziert.

Überhaupt war der Euro nicht der große Gewinner während der vergangenen Woche, denn der Euro-Index (Reuters) hat gegenüber einem Korb verschiedener wichtiger Währungen nicht einmal 0,2 Prozent zulegen können, während der Gewinn gegenüber dem US-Dollar alleine 1,5 Prozent (!) betrug. Diese ausgeprägte Dollarschwäche wird auch in der Kursentwicklung seit Jahresanfang deutlich. Zwar hat die Gemeinschaftswährung gegenüber dem Greenback 14 Prozent an Wert gewonnen, aber dessen Index gegenüber dem Währungskorb nur 8,2 Prozent, womit sich das Geschrei einer überbewerteten Gemeinschaftswährung wieder relativiert. In diesen Kontext passt auch eine Rede von William Dudley vom vergangenen Freitag, in der er sich von der Hartnäckigkeit der niedrigen US-Inflation überrascht zeigte. Das klingt fast ein bisschen, als ob der Chef der Fed von New York und Yellen-Vertraute vor einem weiteren Zinsschritt noch mehr Anhaltspunkte für eine steigende Inflation abwarten möchte. Immerhin: Bereits in der kommenden Woche steht nicht nur in den USA eine Serie von Inflationsdaten an. Am Ausblick für EUR/USD hat sich unterdessen jedoch nicht allzu viel geändert. Das Kursziel des Aufwärtstrends lautet 1,2140, darüber sogar 1,2240 – solange nunmehr 1,1925/30 gehalten wird.

GBP

EUR GBP (0,9115)

Die Euro-Stärke infolge der EZB-Sitzung in der vergangenen Woche wurde am Freitag wieder vollständig zurückgenommen. Besser als erwartet ausgefallene Daten der verarbeitenden Industrie könnten dabei dem Pfund genauso geholfen haben wie Berichte, denen zufolge die britische Premierministerin Theresa May nach der Konferenz der Konservativen Partei Anfang Oktober mit einer deutlichen Erhöhung der Brexit-Abrechnung bis zu 50 Milliarden GBP (rund 55 Mrd. Euro) aufwarten könnte. Aber auch die bevorstehende Sitzung der Bank von England am kommenden Donnerstag – auch wenn kein Zinsschritt erwartet wird – hat angeblich dafür gesorgt, dass der Euro bis zu unserer wichtigen Unterstützung bei 0,9105/10 zurückgefallen ist. Ein Durchbruch dieser Unterstützung würde zwar unser Kursziel bei 0,9365, aber nicht unseren Aufwärtstrend ausradieren.

CHF

EUR CHF (1,1405)

Auch gegenüber dem Franken hat der Euro am Freitag keineswegs Stärke gezeigt. Im Gegenteil: Der temporäre Rückfall auf 1,1365 spricht eher für eine gewisse Anfälligkeit der Gemeinschaftswährung als für eine Franken-Stärke. Erstere würde nach Unterlaufen dieser Marke sogar der Gefahr eines Rücktests in Richtung 1,1260, der Untergrenze unserer Konsolidierungszone, ausgesetzt. Ansonsten reicht derzeit noch die Kraft für erneute Kurssteigerungen bis zur Oberseite des Feldes, das bei 1,1480 begrenzt wird.

PLN

EUR PLN (4,2390)

Der Euro beendete die vergangene Woche marginal schwächer, wobei jedoch weiterhin mit einem Rücklauf bis 4,2240 bzw. 4,2130 gerechnet werden muss. Der Stabilisierungspunkt bleibt bei 4,2700.


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