Wöchentliche Marktberichte

Sep 07, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wenn Champagner und Käse regieren

USD

EUR USD (1,1925)

Es sei wenig wahrscheinlich, dass die EZB vor ihrer Sitzung am 26. Oktober eine Entscheidung hinsichtlich der Reduktion der Anleihekäufe treffen wird – dieses Statement von angeblich mit der Angelegenheit betrauten Personen aus Zentralbankkreisen wurde gestern am frühen Abend von der Nachrichtenagentur Bloomberg verbreitet. Damit wurden die ohnehin gedämpften Hoffnungen auf einen deutlichen Hinweis Mario Draghis über den weiteren Kurs der Geldpolitik nicht gerade erhöht. Allerdings war zu jenem Zeitpunkt nicht abzusehen, dass die heutige EZB-Sitzung noch einmal von anderen Ereignissen während des New Yorker Handels in den Hintergrund gedrängt würde. Zum einen war dies der überraschende vorzeitige Rücktritt des stellvertretenden Fed-Präsidenten Stanley Fischer (aus persönlichen Gründen) bereits per 13. Oktober statt wie vorgesehen im Juni 2018. Obgleich damit ein vergleichsweise falkenhaftes Mitglied des Offenmarktausschusses ausscheidet und nunmehr wieder drei der sieben Direktoriumssitze vakant bleiben – der von Donald Trump im Juli nominierte Randal Quarles muss für den vierten offenen Sitz heute noch durch den Senat bestätigt werden –, reagierte der US-Dollar auf diese Neuigkeit kaum. Tatsächlich gibt dieser Rücktritt US-Präsident Donald Trump eine weitere Möglichkeit, per Nominierung neuer Direktoriumsmitglieder Einfluss auf die Notenbank zu nehmen. Eigentlich hätten die Händler per Saldo zum Schluss kommen müssen, die Geldpolitik der Fed werde damit längerfristig unter einem taubenhafteren Einfluss als zuvor stehen.

Außerdem ist gestern Nacht ein so genannter „Government Shutdown“ im Oktober abgewendet worden, da sich Donald Trump und der Kongress (pikanterweise mithilfe der Demokraten und teilweise gegen den Willen eigener republikanischer Parteimitglieder) auf einen Aufschub der wegen fehlender Finanzmittel (Schuldendeckel) drohenden Schließung öffentlicher Einrichtungen bis zum 15. Dezember geeinigt hatten. Ökonomische Daten (US-Handelsbilanz, US-Einkaufsmanager Index der Dienstleister) oder das Beige Book der Fed fanden aber ebenfalls keine Beachtung. Unterdessen setzen wir weiterhin auf unser 1,2140er Kursziel. Die Unterstützungsseite ist dabei mit 1,1815/20 und 1,1785 nahezu unverändert, wobei letztere Marke die Untergrenze unseres Szenarios darstellt.

GBP

EUR GBP (0,9140)

Obgleich gerade die EU-Vertreter bis zuletzt darauf bestanden hatten, dass vor der Aufnahme konkreter Gespräche zu den Brexit-Folgen erst einmal die „Scheidungsmodalitäten“ geklärt werden müssten, überrascht die EU-Kommission (Financial Times) mit neuen Positionspapieren, die heute veröffentlicht werden sollen. Dabei geht es nicht nur um den Schutz geistigen Eigentums nach dem Ausscheiden Großbritanniens aus der EU, sondern auch um die Sicherstellung bestimmter EU-Handelsinteressen, insbesondere Nahrungsmittel und Wein. Genau genommen geht es um den Schutz bestimmter Lebensmittel mit jeweils bestimmtem geographischen Ursprung, womit Champagner, Cognac, Parmesan und Beaufort-Käse zur Verhandlungsmasse würden. Trotz dieser Diskussionen hält sich der Euro wacker über seinem wichtigen Unterstützungsniveau von 0,9105/10. Nach wie vor stehen die Chancen gut, dass sich die Gemeinschaftswährung in Richtung ihres Zwischenwiderstandes bei nunmehr 0,9195 und jenseits davon weiter in Richtung 0,9365 bewegen kann.

CHF

EUR CHF (1,1400)

Der Euro befindet sich weiterhin in der oberen Hälfte seiner breiten Konsolidierung zwischen 1,1260 und 1,1470. Nach wie vor glauben wir an ein leichtes Überschreiten der Oberseite dieser Zone (1,1480) und darüber an einen Test von 1,1535. Das Niveau um 1,1350/55 darf dabei nicht unterlaufen werden.

PLN

EUR PLN (4,2460)

Die Entscheidung der polnischen Zentralbank, die Zinsen (wie erwartet) unverändert zu belassen und diesen Zustand auch möglicherweise bis Ende 2018 andauern zu lassen, hat dem Euro etwas auf die Sprünge geholfen. Allerdings drohen ihm erneut Verluste bis 4,2260/70, darunter auch bis 4,2130. Eine Stabilisierung ist weiterhin erst oberhalb von 4,2730 möglich.


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