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Wöchentliche Marktberichte

Sep 01, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Geringe Wahrscheinlichkeiten locken nicht

USD

EUR USD (1,1895)

Seit Beginn der Euro-Hausse im April dürften sich Dauerpessimisten ihrer Sache selten sicherer gewesen sein als gestern zur europäischen Mittagszeit. Denn da befand sich der Euro gerade auf seinem Tagestief – satte zwei Prozent unter seinem am Dienstag markierten Wochenhoch. Innerhalb von nur 48 Stunden sah die Welt der Dollar-Bullen also viel besser aus. So gut sogar, dass sie dabei fast den Leidensweg der vergangen fünf Monate vergaßen, der ihnen Verluste in Höhe von mehr als 14 Prozent beschert hatte. Und Mahnrufe wie die der Ratingagentur Standard & Poor's getrost überhörten. Diese hatte vor den wirtschaftlichen Konsequenzen eines Regierungsstillstands in den USA gewarnt. Dort gibt es Anzeichen, die auf Uneinigkeit in Punkto Haushalt hindeuten – Drohungen des Präsidenten Donald Trump inklusive. Dieser will die Situation im Zweifel eskalieren lassen und Schließungen von Regierungsbehörden billigend in Kauf nehmen, um den milliardenschweren Bau einer Grenzmauer zu Mexiko zu erreichen. Käme es zu einer Haushaltsblockade, würde dies das Quartalswachstum pro Woche um etwa 0,2 Prozentpunkte schmälern, also somit mindestens 6,5 Milliarden US-Dollar kosten. Die Eintrittswahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios ist zwar eigentlich nicht besonders hoch. Dennoch ist daran gut zu erkennen, wie einseitig der Markt derzeit noch immer positioniert ist. Denn gewöhnlich stehen gerade Chancen und Risiken mit geringen Eintrittswahrscheinlichkeiten bei Händlern hoch im Kurs. Dieses Risiko wird aber derzeit – da Dollar-belastend – nicht besonders ernst genommen.

Ein weiteres Beispiel der gegenwärtigen Dollar-Affinität des Marktes war die gestrige Begeisterung über die im Juli leicht gestiegene Konsumfreude der US-Verbraucher (+0,3 Prozent). Dass aber die Inflation nach wie vor zu wünschen übriglässt und Notenbanker mit dieser Entwicklung unzufrieden sind, wurde nur am Rande erwähnt.

Unser wichtiges Unterstützungsniveau bei 1,1815/20 hat gestern ganze Arbeit geleistet. Solange es hält, kann der Euro jederzeit wieder auf 1,1945 und darüber bis auf 1,2140 steigen. Aber selbst ein Abdriften auf 1,1750 könnte noch als „gesunde“ Korrektur klassifiziert werden.

GBP

EUR GBP (0,9205)

Als EU-Chefunterhändler Michel Barnier gestern vor die Presse trat, war er von den Verhandlungen mit seinen britischen Kollegen nicht nur ziemlich erschöpft, er wirkte auch sichtlich genervt. Die Forderungen der britischen Seite bezeichnete Barnier als „unmöglich zu erfüllen“, besonders was den weiteren Zugang zum EU-Binnenmarkt nach dem Brexit im März 2019 angeht. Selbst der britische Verhandlungsführer David Davis musste einräumen, die Gespräche hätten den Streit über den rechtlichen Rahmen und die finanzielle Ausgestaltung nicht beilegen können und sprach von „erheblichen Differenzen“. Pfund-Händler haben demnach noch keinen Grund zum Durchatmen. Die am Mittwoch eingeleitete Euro-Korrektur mag sich bestenfalls noch bis 0,9160 oder 0,9090 ziehen, könnte aber jederzeit auch vorher beendet werden, um Fahrt aufzunehmen und sich auf ein neues Acht-Jahres-Hoch jenseits von 0,9365 hin zu bewegen. Zwischenwiderstand liegt derweil bei 0,9260.

CHF

EUR CHF (1,1420)

Der Euro muss sich die Kursgewinne, die wir ihm derzeit bis 1,1480 und 1,1535 zutrauen, schwer erarbeiten. Auch gestern kam es kurz vor erstgenannter Marke wieder zu einem kurzfristigen Angebotsüberhang, was ihn aber nicht einmal bis auf die 1,14er Marke zurückdrängen konnte. Trotz der anhaltenden Spannungen und militärischen Drohgebärden zwischen USA und Nordkorea – gestern schickte US-Präsident Trump zwei strategische Langstreckenbomber in die Nähe der innerkoreanischen Grenze – zeigt der Franken als Fluchtwährung nur geringe Attraktivität. Solange der Euro sich oberhalb von 1,1360, unserem wichtigen kurzfristigen Nachfrageniveau, hält, wird sich daran wohl nur wenig ändern.

PLN

EUR PLN (4,2440)

Polens Bruttoinlandsprodukt bestätigte gestern mit 3,9 Prozent exakt die ersten Schätzungen, und auch die Teuerung entsprach mit 1,8 Prozent genau den Erwartungen. Von Thomson Reuters befragte Analysten sehen daher keinen Handlungsbedarf der Notenbank. Alle Befragten rechnen damit, dass der Leitzins kommenden Mittwoch unangetastet bleiben wird. Unabhängig davon sehen wir nach wie vor ein Risiko für Euro-Kursverluste bis 4,2260 (leicht angehoben). Eine Stabilisierung erfordert Kurse jenseits von 4,2840.


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