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Wöchentliche Marktberichte

Jul 28, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Keine „heile (Finanz)Welt“

USD

EUR USD (1,1685)

Rund zehn Jahre nach ihrem Beginn scheint die Finanzkrise in den Augen vieler Investoren überwunden. Bestimmt hat nicht allein der bärenstarke Euro zu dieser Überzeugung beigetragen. Eher sind es die immer lauter werdenden Stimmen, die ein baldiges Ende der ultralockeren EZB-Geldpolitik kommen sehen. Ein klares Indiz dafür, dass ein bedeutender Teil des Marktes die Zeichen der Zeit erkannt und nicht, wie vor kurzem behauptet, die EZB-Führung „missverstanden“ hat. Diese Woche gab es aber noch ein weiteres Jubiläum: Vor ziemlich genau fünf Jahren brannte EZB-Präsident Mario Draghi Finanzmarktakteuren bei einer Rede in London drei klangvolle Worte ins Gedächtnis: „Whatever it takes“.
Fast so, als hätte es nie eine Krise gegeben, zapfen ehemalige Krisenländer wie Griechenland dieser Tage wieder sehr erfolgreich den Kapitalmarkt an. Parallel dazu sondieren bestenfalls nur noch Hardliner den Markt nach vermeintlich sicheren Häfen (z. B. Gold, Immobilien etc.). Was den Bedarf an sonstigen Alternativ- oder Fluchtwährungen angeht, spricht derzeit auch die Entwicklung des abstürzenden Schweizer Franken Bände. Bezeichnenderweise gelangen auch gefürchtete Produkte wie Asset-Backed Securities (ABS) – in der Vergangenheit immer wieder als „Krisentreiber“ gebrandmarkt – erneut in die Portfolios institutioneller Anleger.

Als Marktbeobachter ist man angesichts der Lage fast geneigt zu fragen: „Ist das nicht ein Grund zum Feiern?“ Tatsächlich heilt die Zeit Wunden. Aber deswegen allein geraten die Marktteilnehmer nicht in Feierlaune. Grundsätzlich sind Griechenlandanleihen und ABS weiterhin verpönt. Wer trotzdem solche Papiere kauft, tut dies nur aus der Not heraus, weil ihm der Zugriff auf andere Anlagemöglichkeiten verwehrt bleibt, was wiederum auf die extrem expansive EZB-Politik zurückzuführen ist. Investoren tun dies aber nicht, weil wir wieder in einer „heilen (Finanz)Welt“ leben.

Auf ein neues Jahreshoch gestern Morgen folgte im Tagesverlauf ein Rückschlag von einem Prozent. Letzterer hatte jedoch keine negativen Auswirkungen auf den Euro, dem wir weiterhin zutrauen, bis auf 1,1815/25 vorzupreschen. Unter die kritische 1,1535/40 (angehoben) Unterstützung darf er nun jedoch nicht mehr fallen.

GBP

EUR GBP (0,8940)

Die „Brextremisten“, diejenigen, die Europa möglichst zügig verlassen wollen, dürften über den jüngsten Vorschlag von Schatzkanzler Philip Hammond nicht gerade glücklich sein. Er möchte nach dem Brexit mit Brüssel für mindestens zweieinhalb Jahre ein Handelsabkommen schließen, das im längsten Fall bis zu den nächsten Wahlen, also bis 2022 Bestand haben könnte. Unberührt von der tagtäglichen Ideenflut, die britischen Politikern entspringt, nutzen einige Händler jedes kurze Aufbäumen des Britischen Pfunds für Abgaben. Der Euro bleibt somit auf Kurs in Richtung 0,9025, dem Auslöser für weitere Stärke bis auf 0,9110. Wie gehabt darf in diesem Zusammenhang jedoch die 0,8850er Unterstützung nicht mehr unterlaufen werden.

CHF

EUR CHF (1,1335)

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) diskutierte gestern über Zinsen. Das allein kann aber unmöglich der Grund dafür gewesen sein, dass der Euro zur gleichen Zeit gegenüber dem Schweizer Franken durch die Decke ging und dabei abermals alle unsere offenen Zielmarken (zuletzt 1,1255) hinter sich ließ. Denn die SNB sprach lediglich über einen Ersatz für ihren Referenzzins Libor, der den Zins für unbesicherte Frankenkredite mit 3-monatiger Laufzeit unter Banken misst. Der Interbanken-Zinssatz soll 2021 abgeschafft werden. Den Einbruch des Franken kann dies also unmöglich hervorgerufen haben. Der Euro hat unterdessen alle Möglichkeiten, bis auf 1,1420 oder sogar 1,1640 zu steigen, jedenfalls solange an der Unterseite die 1,1105er Marke hält.

PLN

EUR PLN (4,2470)

Jaroslaw Kaczynski, Vorsitzender der nationalkonservativen Regierungspartei, polterte am Donnerstag im polnischen Fernsehen, die Justizreform müsse „radikal sein“. Dass der Umbau des Justizsystems mittlerweile auf erheblichen Widerstand stößt, scheint ihn wohl nicht zu stören. Der Zloty bleibt angezählt und der Euro bleibt auf Kurs in Richtung 4,2840 bzw. 4,3050. Hierfür darf aber weiterhin 4,2300 nicht verletzt werden.


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