Wöchentliche Marktberichte

Jul 24, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Mündet Zloty-Vertrauensverlust in Zloty-Krise?

USD

EUR USD (1,1670)

Die Euro-Hausse erreichte am Freitag ein neues Plateau – das höchste Niveau seit August 2015. Unter Devisenhändlern dürfte es dennoch kaum freudige Reaktionen gegeben haben. Auch bei anderen Marktteilnehmern, die Währungsrisiken ausgesetzt sind, beispielsweise bei institutionellen Anlegern, dürfte das Wort „absichern“ häufiger als der Begriff „Gewinnmitnahmen“ zu hören gewesen sein. Diese Annahme basiert einerseits auf dem sehr dynamischen Euro-Anstieg der vergangenen vier Wochen – ein typisches Verhaltensmuster, das auf Eindeckungskäufe kurz- und mittelfristig agierender Akteure hindeutet. Andererseits verweist es einmal mehr auf die mitunter widersprüchlichen Argumentationsmuster des Marktes, Kursgewinne des Euro immer mit den gerade am besten verfügbaren Nachrichten zu erklären. Beides haben wir an dieser Stelle wiederholt hervorgehoben. An entsprechenden Beispielen – man erinnere sich nur an die Interpretation der Draghi-Rede beim EZB-Forum in Portugal – mangelt es nicht. Insofern waren wir doch etwas verwundert darüber, wie Kommentatoren nun die Aussagen von Bundesbankpräsident Jens Weidmann deuten. Am Wochenende äußerte sich dieser öffentlich zu den jüngsten Andeutungen des EZB-Präsidenten, den extremen geldpolitischen Kurs graduell anpassen zu wollen. Zahlreiche Marktbeobachter werteten Weidmanns Ausführungen als Mahnung, die EZB dürfe bei ihrem Entscheidungsprozess, die Geldpolitik wieder zu normalisieren, nicht zu viel Rücksicht auf die Finanzmärkte nehmen und sich nicht von ihnen treiben lassen. Derzeit macht insbesondere der Devisenmarkt jedoch keineswegs den Eindruck, als treibe er die Notenbank vor sich her. Im Gegenteil: Zahlreiche Akteure scheinen sich eher damit zu beschäftigten, ihre Schieflagen halbwegs unter Kontrolle zu bekommen.

Wir trauen dem Euro weiterhin Stärke zu und sehen vor 1,1720 oder 1,1815/25 kaum nennenswerte Barrieren. Kurzfristige Rückschläge sollten nun idealerweise oberhalb von 1,1585 abgefedert werden, um das volle Aufwärtsmomentum beizubehalten. Keinesfalls darf aber die Unterstützung bei 1,1475/85 verletzt werden.

GBP

EUR GBP (0,8965)

Ende vergangener Woche kam offenbar etwas Bewegung in die laufenden Brexit-Verhandlungen. Manche Medien sprechen von Annährung, andere gar von einem Richtungswechsel der Briten. Regierungsquellen zufolge hat Schatzkanzler Philip Hammond seinen Vorschlag durchgesetzt, die Grenzen auch nach dem Austritt für EU-Bürger bis zu zwei Jahre offen zu halten. Ähnliche Töne schlug Handelsminister Liam Fox an, der die EU bis Ende März 2019 verlassen will und von einer 24 Monate langen Übergangsperiode sprach, in der Großbritannien Zeit hätte, um weitere Handelsabkommen schließen zu können.
Der Euro zeigte sich am Freitag, wie schon in den Tagen zuvor, gegenüber dem Britischen Pfund kompromisslos. Von unserer 0,9025er Zielmarke trennten ihn nur noch 30 Stellen. Darüber hinaus könnte er sogar Kurs auf 0,9110 nehmen, allerdings immer unter der Prämisse, dass Rücksetzer nicht unter 0,8850 führen.

CHF

EUR CHF (1,1040)

Unsere 1,1085er Zielmarke markierte am Freitag den vorerst höchsten Punkt des Euro-Höhenflugs. Erst dort kam tatsächlich so viel Angebot zum Vorschein, dass die Einheitswährung als Folge zurück in die untere Hälfte der Wochenhandelsspanne fiel und dort auch schloss. Bei einem erneuten Anlauf dürfte der Widerstand aber erheblich geringer sein. Wird er überwunden, winken das Hoch aus dem Frühjahr 2016 (1,1130) und die Spitze zu Beginn des vergangenen Jahres bei 1,1200 als nächste Stationen. Das Schlüsselniveau für einen anhaltend positiven Kursverlauf setzen wir nun höher, auf 1,0990, an.

PLN

EUR PLN (4,2670)

Während sich am Donnerstag politische Entscheidungen noch nicht in der polnischen Währung widerspiegelten, löste die heftig kritisierte Justizreform der nationalkonservativen Regierung am Freitag einen rapiden Kursverfall des Zloty aus. Die landesweiten Proteste polnischer Bürger und die Sanktionsdrohungen der EU-Kommission, die allesamt um die Unabhängigkeit der polnischen Justiz fürchten, resultierten in einem starken Zloty-Vertrauensverlust, der möglicherweise Potenzial für eine handfeste Zloty-Krise haben könnte. Der Euro hat jedenfalls alle kurzfristigen Hürden durchbrechen können und steuert nun sein Hoch aus dem April bei 4,2840 an. Darüber wären Kursgewinne bis 4,3050 zu erwarten. Solide Nachfrage dürfte sich indes bei 4,2350 entfalten.


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