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Wöchentliche Marktberichte

Jul 21, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wurde Draghi abermals „missverstanden“?

USD

EUR USD (1,1630)

Auf der gestrigen Pressekonferenz der EZB hatten vermutlich alle Journalisten ein Blatt Papier gleichen Inhalts vor sich liegen. Der Text: Die Rede des Notenbank-Chefs Mario Draghi, die er beim EZB-Forum im portugiesischen Sintra gehalten hatte. Von der Begrüßung an wurde daher jedes Wort, das Draghi gestern von sich gab, genauestens registriert. Besonders die Wahl seiner Formulierungen, aber natürlich auch der fachliche Inhalt, wurden permanent mit der Sintra-Rede abgeglichen. Eine Rede, die von vielen Akteuren bekanntermaßen als großes „Missverständnis“ gewertet bzw. darzustellen versucht wurde. Gestern hätte die EZB-Führung nun Gelegenheit gehabt, die vermeintliche Fehlinterpretation des Draghi-Statements richtigzustellen und ihre „wahren“ Intentionen zu offenbaren. Kurz: Das sogenannte „Missverständnis“ aufzuklären. Alles was Draghi äußerte, stand aber im Einklang mit bzw. nicht im Widerspruch zu dem, was er schon in Sintra gesagt hatte. Allerdings betonte er diesmal, dass die Währungshüter das Anleihekaufprogramm bei Bedarf sowohl im Umfang als auch in seiner Länge strecken könnten. Diese Aussage wurde von einigen Devisenhändlern als eine Art sanftes Rückrudern interpretiert, was den Euro zunächst auf sein Tagestief knapp unterhalb von 1,1480 USD drückte. Danach mehrten sich die Zeichen dafür, dass es keine weiteren Hinweise auf eine bevorstehende Anpassung der Geldpolitik geben würde. Statt sich bestätigt zu fühlen und den Euro dahin zu schicken, wo er vor der Sintra-Rede notierte (unter 1,12 USD), schraubte sich die Einheitswährung aber auf das höchste Niveau seit fast zwei Jahren hoch. Eine, zugegebenermaßen, etwas provokante, aber ganz sicher nicht unberechtigte Frage, die man Verfechtern der Missverständnis-Hypothese oder Dauerskeptikern der Euro-Hausse jetzt stellen muss, wäre: „Was genau hat der Markt dieses Mal falsch verstanden?“

Die Kursentwicklung hat uns zwar keineswegs überrascht, aber wir sind dennoch von ihrer Dynamik beeindruckt! Denn auch unsere nächste Zielmarke bei 1,1620 USD hat der Euro mit der Leichtfüßigkeit einer Ballerina erreicht. Trotz einer Kurssteigerung von mehr als 12 Prozent seit Jahresbeginn und einer weiteren Runde von Short-Eindeckungen trauen wir ihm zu, die nächsten Angebotshürden bei 1,1760 oder gar 1,1815/25 in Angriff zu nehmen. Bedingung dafür ist, dass er sich im Falle kurzfristiger Rückschläge oberhalb von 1,1480 halten kann.

GBP

EUR GBP (0,8965)

Abgesehen von den üblichen Querelen und Sticheleien blieb auch die zweite Runde der Brexit-Verhandlungen bislang ergebnislos. Derweil wird Premierministerin Theresa May bei britischen Wählern zusehends unbeliebter. Dies ergab zumindest eine repräsentative Umfrage des Instituts Ipsos MORI, die gestern im konservativen "Evening Standard" erschien. Nur noch magere 34 Prozent der 1071 Befragten sind demnach mit Mays Politik zufrieden, während 59 Prozent ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck brachten. Unzufrieden dürften einige Händler gestern auch mit der Performance des Britischen Pfunds gewesen sein, das gegenüber dem Euro in die Knie ging. Dieser dürfte nun geradeswegs auf 0,9025 zumarschieren und danach eventuell sogar Kurs auf 0,9110 nehmen. Jedenfalls solange 0,8850 unversehrt bleibt.

CHF

EUR CHF (1,1060)

Der Euro liegt weiterhin vor unserer 1,1085er Zielmarke auf der Lauer. Jenseits dieser Hürde ist nur wenig kurzfristiger Widerstand zu erkennen, denn weder das Hoch aus dem Frühjahr 2016 (1,1130) noch die Spitze des vergangenen Jahres bei 1,1200, die im Februar markiert wurde, dürften markantes Angebot freisetzen. Unser Schlüsselniveau für eine anhaltende Aufwärtsbewegung belassen wir indes bei 1,0960.

PLN

EUR PLN (4,2130)

Polen zog die Aufmerksamkeit gestern fast ausschließlich durch politische Entscheidungen auf sich. Die polnische Währung interessierte den Handel hingegen kaum. Der Euro blieb gegenüber dem Zloty innerhalb seiner Vortageshandelsspanne. Die erste Hürde an der Oberseite liegt nach wie vor bei 4,2240. Solange sie hält, bleibt er anfällig für Kursverluste bis 4,1850 und darunter sogar 4,1640.

CZK

EUR CZK (26,04)

Zum ersten Mal seit der Freigabe des Mindestkurses der Krone durch die tschechische Nationalbank im vergangenen April, ist der Euro gestern kurzeitig unter die 26er Schwelle abgetaucht. Heute Früh notierte er wieder knapp oberhalb dieser Marke. Der Abwärtstrend mit Ziel bei 25,75 bleibt intakt, dürfte sich aber nur sehr langsam entwickeln. Die Schlüsselmarke an der Oberseite liegt nun etwas tiefer bei 26,26.


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