Jetzt starten!

Wöchentliche Marktberichte

Jul 17, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Notenbanken sind beim Timing unsicher

EUR USD (1,1460)

Vergangene Woche erteilte die Einheitswährung zahlreichen Skeptikern abermals eine Lektion. Zwar glänzte sie nicht mit neuen Jahreshochs, arbeitete sich aber immerhin auf den höchsten Wochenschlusskurs seit Januar 2015 vor. Dieser für Pessimisten ziemlich unvorteilhafte Kursverlauf sorgte bereits seit längerer Zeit für eine gewisse Grundspannung und gelegentlich sogar für erkennbare Nervosität am Devisenmarkt. Ein deutliches Zeichen dafür, dass sich die Mehrzahl der Akteure mit dem Anstieg des Euros nicht wohlzufühlen scheint. Mit dem Aufwärtstrend und seinem zu erwartenden Verlauf sehr eng verbunden sind die nächsten Schritte der wichtigsten Notenbanken weltweit. Diese sind zwar derzeit damit beschäftigt, einen Weg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik zu finden, befinden sich aber alle an sehr unterschiedlichen Punkten ihrer hierfür individuell entwickelten Programme, was eine konzertierte Aktion so gut wie unmöglich macht. Während in Europa beispielsweise noch quantitative Maßnahmen durchgeführt und Wertpapierpositionen angehäuft werden, denkt man in den USA bereits über einen Abbau letzterer nach. Die Notenbanken selbst sind offensichtlich Timing-unsicher. Sie achten auf Konjunkturindikatoren und insbesondere auf die Inflation. Zu beiden gab es am Freitag deutliche Signale aus den USA: überraschend schwache Einzelhandelsumsätze, eingetrübtes Konsumklima und die schwächste Teuerung seit acht Monaten. Signale, die sowohl den Notenbankern als auch den Marktteilnehmern Kopfzerbrechen bereiten dürften. Denn sie trugen nicht dazu bei, ein eindeutiges Bild der gegenwärtigen Lage zu schaffen. Heute können sich Akteure Gedanken zur Euroland-Teuerung machen, da Eurostat das Update der Juni-Inflationsdaten präsentieren wird. Man darf sicher sein, dass EZB-Präsident Mario Draghi bei der Pressekonferenz am kommenden Donnerstag auf diesen Punkt ausführlich eingehen wird.

Unabhängig von anstehenden fundamentalen Daten sehen wir den Euro weiter im Aufwärtsmodus und halten an unserem Etappenziel bei 1,1510 (darüber 1,1620) fest, solange die Schlüsselunterstützung bei 1,1240 (leicht angehoben) nicht unterschritten wird.

GBP

EUR GBP (0,8755)

Diese Woche werden die Brexit-Verhandlungen fortgesetzt. Beobachter fragen sich aber zurecht, ob man sich überhaupt einig ist, worüber man genau verhandeln will. Vergangene Woche machte beispielsweise der britische Außenminister Boris Johnson mit polternden Aussagen Schlagzeilen, als er die von der EU geforderte Summe für den Austritt Großbritanniens als "Wucher" bezeichnete und sinngemäß tönte, die Gemeinschaft könne sich ihre hohen Finanzforderungen in die Haare schmieren. EU-Brexit-Beauftragte reagierten darauf sowohl verärgert als auch verstört. Ähnlich dürfte es einigen Händlern ergangen sein, als der Euro seit vergangenem Mittwoch um 2,3 Prozent und somit auch unter unsere kurzfristige Auffanglinie fiel. Dieser Rückschlag hat Raum für Korrekturen bis 0,8710 und 0,8635 eröffnet. Um wieder Auftrieb zu entwickeln, müsste der Euro zunächst den Widerstand bei 0,8850 beiseite räumen.

CHF

EUR CHF (1,1050)

Die Schwäche des Schweizer Franken hat gegen Ende der vergangenen Woche nochmal an Tempo gewonnen und den Euro sehr nahe an unsere 1,1085er Zielmarke gebracht. Ein Überschreiten dieser Hürde würde dem jüngsten Aufwärtstrend vermutlich noch einmal zusätzliches Momentum in Richtung 1,1160 verleihen. Die kritische Marke auf der Unterseite liegt nunmehr bei 1,0945.

PLN

EUR PLN (4,2040)

Professor Eugeniusz Gatnar, Ratsmitglied der polnischen Notenbank, äußerte am Wochenende Besorgnis über die Zinsentwicklung seines Landes. Der Realzins sollte besser nicht zu lange unter null verharren, ließ er im Interview mit der Wirtschaftszeitung Parkiet wissen. Er ist überzeugt, dass das Inflationsziel von 2,5 Prozent schneller als erwartet, vermutlich schon Ende 2019, erreicht wird, und plädiert dafür, eine Zinsanhebung bereits Anfang 2018 anzustreben. Als ob Zloty-Händler bereits eine Vorahnung gehabt hätten, trieben sie den Euro unter unser 4,2070er Niveau, was nun weitere Kursverluste bis 4,1850 oder sogar 4,1640 nach sich ziehen könnte. Neues Angebot dürfte nun im Bereich 4,2250/60 zu spüren sein.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.