Jetzt starten!

Wöchentliche Marktberichte

Jun 29, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Alles nur ein Missverständnis, Herr Draghi?

EUR USD (1,1400) 

Als gestern der Euro zur Mittagszeit knapp vor einem neuen 12-Monats-Hoch notierte, waren Händler sich noch ziemlich sicher, die Botschaft, die EZB-Präsident Mario Draghi tags zuvor verkündet hatte, genau verstanden zu haben. Mitten in diesen Aufwärtsdrang des Euro platzte dann plötzlich eine Nachricht hinein: EZB-Insider ließen verlauten, Draghis Aussagen in seiner EZB-Forum-Eröffnungsrede seien von den Märkten überinterpretiert und seine Vorbehalte gegenüber der Inflations- und Wirtschaftsentwicklung nicht hinreichend zur Kenntnis genommen worden. In der Folge fiel der Euro schnurstracks bis auf 1,1290 USD, was auch gleichzeitig das Tagestief bleiben sollte. Die Anleihemärkte reagierten ebenfalls mit einem kurzen Rückschlag in den Renditen, was aber – genau wie beim Euro – am Ende nicht reichte, um auch nur einen Teil der Vortagesgewinne aufzuzehren. Bund-Renditen und Euro erholten sich rasch und schlossen auf bzw. über Vortagsschlussniveau.
Es ist nicht das erste Mal, dass Mario Draghi angeblich vom Markt „missverstanden“ worden sei. Schon häufiger wurden solche Behauptungen gezielt gestreut, wenn Finanzmärkte mit überdurchschnittlicher Volatilität auf Draghis Worte reagierten. Es wäre aber sicherlich das erste Mal, wenn der EZB-Präsident tatsächlich von den Akteuren falsch verstanden worden wäre. Draghi ist schon sehr lange im Amt und weiß ziemlich genau, wie er mit den Finanzmärkten zu kommunizieren hat. Er gehört überdies zu den EZB-Präsidenten, die sich immer ausgesprochen klar ausgedrückt haben. Er bevorzugt den direkten Weg und meidet – im Gegensatz zu seinen Vorgängern – codierte Botschaften. Warum sollte es ausgerechnet dieses Mal anders gewesen sein? 
Die sofortige Erholung vom kurzfristigen Rücksetzer zeigt, wie viel Substanz in der jüngsten Euro-Aufwärtsbewegung steckt. Unsere 1,1410er Marke ist heute früh erreicht worden. Darüber würde 1,1510 als Ziel in den Fokus rücken. Gute Nachfrage dürfte nun bei 1,1265 vorhanden sein. Die Schlüsselunterstützung setzen wir erneut höher, auf nunmehr 1,1175.

EUR GBP (0,8800) 

Darüber, ob man vielleicht die Rede von Großbritanniens Notenbankchef Mark Carney missverstanden haben könnte, wurde gestern nicht im Markt diskutiert. Er äußerte sich am Mittwoch auf der Notenbankenkonferenz im portugiesischen Sintra ebenfalls zur Geldpolitik – obgleich natürlich zur britischen. Carney, der bei der jüngsten Sitzung der Bank von England selbst noch gegen eine Zinserhöhung votiert hatte, stimmte die Akteure gestern auf eine Kursänderung ein. Im zweiten Halbjahr könnte es somit zu einer Straffung der britischen Geldpolitik kommen. Dies ist ein weiteres Anzeichen, das auf eine konzertierte Aktion zahlreicher Notenbanken hindeutet, ihre ultralockere geldpolitische Haltung nach und nach aufzugeben. 
Der Euro wurde gestern von unserer Zielmarke bei 0,8870 zurückgestoßen, könnte aber noch einen weiteren Anlauf auf 0,8970 nehmen. Bedingung hierfür bleibt, dass die 0,8730er Unterstützung nicht verletzt wird.

EUR CHF (1,0920) 

Zur Überraschung vieler kurzfristig operierender Händler verließ der Euro gestern die Konsolidierungszone nicht nach unten, sondern nach oben. Offensichtlich passt dieser Verlauf den Akteuren nicht ganz ins Konzept, sodass sich durchaus weitere Gewinne bis 1,0955 entwickeln können. Nur ein schneller Rücklauf unter 1,0870 würde dem positiven Szenario entgegenwirken.

EUR PLN (4,2320) 

Den dynamischen Auftrieb des Vortages konnte der Euro gestern nicht bis zum Schluss durchhalten, aber für einen erneuten Anlauf auf die Widerstände bei 4,2540 und 4,2670 scheint noch Kraft vorhanden zu sein. Nachfrage wartet weiterhin bei 4,2200 sowie bei 4,1890.


Erhalten Sie wöchentliche Devisenmarktberichte

Jeden Montag bietet unser Newsletter Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.