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Wöchentliche Marktberichte

Jun 22, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Gespaltene Bank von England

EUR USD (1,1165)

Zentralbankpolitik ist nach wie vor das beherrschende Thema an den Devisenmärkten, so dass Wirtschaftsdaten wie etwa die Entwicklung der bestehenden US-Hausverkäufe (niedriger als erwartet) unter den Tisch fallen. Aber auch der starke Abwärtstrend der Ölpreise scheint die Marktteilnehmer in seinen Bann zu ziehen. Allerdings bekommt man den Eindruck, dass die Händler noch nicht so recht wissen, wie sie die Auswirkungen der schwachen Rohölpreise tatsächlich einordnen sollen. Dennoch scheint man – trotz des mittlerweile mehr als 20-prozentigen Einbruchs der Notierungen (gerechnet vom Hoch Anfang des Jahres) – im Vergleich zur letzten Krise in der zweiten Jahreshälfte 2015 heutzutage mit dieser Entwicklung wesentlich gelassener umzugehen. Auch wenn Zentralbanker bei ihren Inflationseinschätzungen gerne die Preise für Nahrung und Energie ausblenden, bleibt zumindest psychologisch betrachtet ein seltsames Gefühl bestehen, wenn es gilt, Leitzinsentscheidungen zu treffen oder sich gar wie im Falle der Europäischen Zentralbank irgendwann einmal mit einer Zinswende zu befassen. In den USA hat sich unterdessen Patrick Harker, Chef der Fed von Philadelphia, zu Wort gemeldet. Er vertritt eine Meinung, die bei vielen Beobachtern auf Gegenliebe stößt: Harker sprach sich nämlich dafür aus, mit dem nächsten Zinsschritt noch etwas zu warten und stattdessen zunächst, möglicherweise bereits im September, vorsichtig mit dem Abbau der aufgeblähten Notenbank-Bilanz zu beginnen.

EUR GBP (0,8810)

Der Abwärtstrend von Pfund Sterling wäre sicherlich stärker ausgeprägt, wenn die Devisenhändler die Sitzung des geldpolitischen Ausschusses der Bank von England (MPC) in der vergangenen Woche endgültig verdaut hätten. Hatten die Akteure anfangs wegen des knappen 3:5 Votums des MPC gegen eine Zinserhöhung befürchtet, ein derartiger Schritt könne möglicherweise schon bald bevorstehen, war es Mark Carney zuletzt gelungen, derartige Befürchtungen zu zerstreuen. Nun ist die Mansion-House-Rede des Chefs der Bank von England durch deren Chefökonom wiederum in ein anderes Licht gerückt worden. Denn Andy Haldane stand wohl als Mitglied des MPC kurz davor, bei der vergangenen Sitzung ebenfalls für eine Leitzinserhöhung zu stimmen. Auch wenn ihn am Ende wohl schwerwiegende Gründe dazu gebracht haben, diesen Schritt noch einmal zu überdenken, haben wir es nun mit einem Zinsfalken zu tun, der bislang nicht auf dem Zettel der Händler stand. Wäre Haldane bereits am vergangenen Donnerstag für eine Zinserhöhung eingetreten, hätte es bei der Abstimmung im MPC 4:4 gestanden. Die Folge: Nur mit der in diesem Fall ausschlaggebenden Stimme von BoE-Chef Mark Carney wäre ein derartiger Schritt gerade noch verhindert worden. Trotz der temporären Pfund-Erholung sind weitere Kurssteigerungen des Euro in Richtung 0,8870 und 0,8970 möglich. Aber nur unter der Voraussetzung, dass 0,8700 an der Unterseite nicht verletzt wird. 

EUR CHF (1,0860)

Wenig Kursbeeinflussendes ist derzeit beim Franken zu vermelden, zumal der Quartalsbericht der Schweizerischen Notenbank (SNB) keine Überraschungen enthielt. So bleibt der Euro in der Mitte seiner Bandbreite zwischen 1,0810/15 bis 1,0910 gefangen. 

EUR PLN (4,2450)

Auch die für heute erwartete Veröffentlichung der Arbeitslosenquote für Polen dürfte nicht allzu viel an der Situation des Zloty ändern, der während der vergangenen Tage vor allem auch durch die Abgaben mittelfristiger Akteure in einen leichten Abwärtssog geriet. Das spiegelbildliche Aufwärtspotenzial des Euro weist nun in Richtung 4,2770 und 4,3100. Allerdings würde dieser Impuls bereits nach Unterlaufen von 4,2130 deutlich beeinträchtigt.


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