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Wöchentliche Marktberichte

Jun 21, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Carneys Absage

EUR USD (1,1135)

Nach wie vor sind es die Kommentare der US-Notenbanker, die zurzeit die Diskussionen der Händler am stärksten beeinflussen. Obgleich sich gestern mehrere Mitglieder des Offenmarktausschusses zu Wort meldeten, war es eine neu aufgelegte Rede vom Vortag, die bemerkenswerterweise das größte Interesse fand. Es geht um den Präsidenten der Chicagoer Fed, Charles Evans, dessen Statements am Montag zunächst unbeachtet geblieben waren. Wie bereits gestern erwähnt, ist er bezüglich der Inflationsentwicklung längst nicht so optimistisch eingestellt wie andere Kollegen. So gesehen dürfte der Termin für eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank eher im Dezember als im September dieses Jahres liegen. Kein Wunder, dass einige Kommentatoren auf die abermals gesunkenen Ölpreise (WTI) verwiesen: Man spricht angesichts der hohen US-Lagerbestände, denen auch Produktionskürzungen der OPEC offensichtlich nichts anhaben können, von einer Wiederaufnahme des Abwärtstrends.

Unterdessen ist der Euro gestern unter unsere 1,1030er Unterstützung gerutscht. Dass es danach nicht zu einer deutlicheren Abwärtsentwicklung gekommen ist, dürfte dem Umstand zu verdanken sein, dass die Gemeinschaftswährung sich einem Niveau genähert hat, das von mittelfristigen Akteuren als fair bewertet wird, und sich somit neue Euro-Käufer oberhalb der Schlüsselmarke von 1,1090 recht wohl fühlen dürften.

Um dem Euro jedoch entscheidendes Aufwärts-Momentum zu verleihen, muss nach wie vor der Widerstand bei 1,1225/30 überwunden werden.

EUR GBP (0,8810)

Musste man noch nach der Sitzung des Geldpolitischen Ausschusses der Bank von England in der vergangenen Woche Sorge haben, dass sich demnächst eine Mehrheit für eine Leitzinserhöhung finden würde – drei von acht Ausschussmitgliedern favorisierten einen derartigen Schritt –, dürften sich derartige Befürchtungen nach der Rede Mark Carneys im Mansion House verflüchtigt haben. Der Zentralbankchef erteilte nämlich mit Blick auf die unklaren Signale bei den Konsumentenausgaben und die schleppende Entwicklung bei den Lohnsteigerungen einer etwaigen Zinserhöhung eine klare Absage. Vor allem angesichts der bevorstehenden Brexit-Verhandlungen und deren unabsehbaren Folgen für die Wirtschaft ist es also „noch zu früh, eine Änderung am Leitzins vorzunehmen“. Sicherlich dürfte es Carney auch in die Karten spielen, dass die stärkste Verfechterin einer Leitzinserhöhung, Kristin Forbes, innerhalb des Komitees zum Ende des Monats ausscheiden und damit das Kräfteverhältnis zugunsten der Zins-Tauben verschoben wird. Insofern hat auch Pfund Sterling einen ordentlichen Schuss vor den Bug hinnehmen müssen und dem Euro zu neuerlicher relativer Stärke verholfen. Damit ist der Weg für weitere Kurssteigerungen in Richtung 0,8870 und 0,8970 offen, wobei in diesem Zusammenhang 0,8700 an der Unterseite nach wie vor nicht verletzt werden darf. 

EUR CHF (1,0860)

Ein Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik ist derzeit kein Thema. Dies bekräftigte der Chef der Schweizerischen Nationalbank (SNB) bei seiner gestrigen Rede vor dem Swiss International Finance Forum. Bei einem Ausstieg aus dieser Politik drohe nämlich Aufwärtsdruck für den Franken, so Thomas Jordan, der für seinen Geschmack derzeit ohnehin zu fest zu sein scheint. Für die Devisenhändler war dies jedoch kein Grund, ihre Einstellung zu ändern. Im Gegenteil: Der Euro schwächte sich sogar leicht ab. Dennoch scheint fraglich, ob er derzeit aus seiner vorgezeichneten Bandbreite von 1,0810/15 bis 1,0910 ausbrechen kann. 

EUR PLN (4,2450)

Schlechter als erwartet ausgefallene Einzelhandelsumsätze und ein enttäuschender Produzentenpreisindex könnten dazu beigetragen haben, dass der Zloty unter Druck geraten ist. Immerhin hat der Euro mit Überschreiten von 4,2410 Potenzial in Richtung 4,2770 und 4,3100 eröffnet. Der jüngste Aufwärtsimpuls würde jedoch bereits nach Unterschreiten von 4,2130 einen empfindlichen Dämpfer erhalten.


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