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Wöchentliche Marktberichte

Jun 16, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Fed plant umfangreiche Bilanzbauarbeiten

EUR USD (1,1145)
Ob alle Devisenmarktteilnehmer den gestrigen Feiertag tatsächlich in Ruhe genießen konnten, ist fraglich. Die meisten Akteure waren auf einen Zinsentscheid der US-Notenbank am Mittwoch¬abend vorbereitet und daher nicht wirklich auf hektische Bewegungen des US-Dollar eingestellt. Zumindest nicht auf solche, die innerhalb von 24 Stunden beinahe die gesamte Bandbreite der vergangenen vier Wochen abbilden sollten. Es war nicht die Leitzinsanhebung um einen Viertelprozentpunkt, mit der die Fed den Markt überraschte. Vielmehr war es die Besprechung der auf mehr als 4,4 Billionen Dollar aufgeblähten Notenbankbilanz, die Diskussionsstoff lieferte. Dieses Ungetüm ist ein ungeliebtes Relikt aus Zeiten der Finanzkrise, und Fed-Chefin Janet Yellen teilte – offensicht¬lich zur Überraschung zahlreicher Händler – mit, „relativ bald“ mit Bauarbeiten an diesem gigantischen Wertpapierbestand beginnen zu wollen. Zunächst ist allerdings nur beabsichtigt, Bestände an Staatsanleihen und verbrieften Hypotheken im Wert von rund zehn Milliarden Dollar pro Monat nicht länger durch neue Investments zu ersetzen. Der Umfang soll stufenweise steigen und nach jeweils drei Monaten sukzessive angehoben werden. Wohl in einer Form, die es erlaubt, nach einem Jahr einen Höchstbetrag von rund 50 Mrd. Dollar monatlich abzubauen. Zudem seien in den nächsten Jahren weitere graduelle Zinserhöhungen zu erwarten, ließ Yellen wissen.

Der Euro machte Stunden vor diesen Ankündigungen zunächst einen Satz auf 1,13 USD, konnte die Gewinne aber nicht halten und fiel gestern in einem feiertagsbedingt dünnen Handel bis auf unseren ersten Auffangpunkt bei 1,1130 zurück. Unser Fokus richtet sich aber nach wie vor auf die Schlüsselunterstützung bei 1,1090.

EUR GBP (0,8730) 
Die nächste von einer Notenbank ausgelöste Überraschung kam gestern aus Großbritannien. Ihre Leitzinsen ließ die Bank of England (BoE) zwar unangetastet, die Briten hätten aber um ein Haar an der Zinsschraube gedreht. Denn das Abstimmungsverhältnis der acht Notenbanker, den Zins bei 0,25 Prozent zu belassen, hat sich gegenüber der Mai-Sitzung von sieben zu eins auf fünf zu drei verschoben. Die Entscheidung gegen eine Zinserhöhung fiel somit nur knapp aus. Dies ist insofern beachtlich, als das Vereinigte Königreich nicht nur eine steigende Inflation, sondern auch Wachstumssorgen und eine anhaltende politische Unsicherheit plagen. Normalerweise reagiert eine Zentralbank in solch einem wirtschaftlichen Umfeld sensibler – bleibt also in der Regel deutlicher auf Distanz, wenn es um das Thema Zinserhöhung geht. Die EZB steht für eine solche Haltung derzeit Pate. Das jüngste Umdenken britischer Zentralbanker kann also nur einen Grund haben: die Aktionen der US-Notenbank. Traditionell stand die BoE der Fed immer ein Stück näher als ihrem europäischen Pendant. Die Ausdehnung des Leitzinsabstands auf bis zu einem Prozent dürfte für ein gewisses Unbehagen gesorgt haben. 

Bei den Investoren wiederum hat das veränderte Votum der Stimmberechtigten für leichte Irritationen gesorgt. Die Abwärtskorrektur, die zu Wochenbeginn losgetreten wurde, hat sich gestern verstärkt, konnte aber knapp oberhalb unserer 0,8700 Unterstützung aufgefangen werden. Ein Unterschreiten wäre für den mittel-fristigen Aufwärtstrend zwar noch kein Beinbruch – unterhalb von 0,8645/50 würde er aber definitiv Schaden nehmen.

EUR CHF (1,0870) 
Die Schweizerische Notenbank (SNB) indes zeigt sich ziemlich unbeeindruckt von den Vorgaben der Fed und der Stimmenverlagerung der BoE. Denn ihre Geldpolitik orientiert sich weit weniger an den USA als an der Vorgehensweise der EZB. Die SNB zeigt keinerlei Ambitionen, von ihrem ultralockeren Kurs abweichen zu wollen. Der Euro hat die seit Mai währende Schwächephase neutralisiert. Aufwärtsimpulse sind aber frühestens jenseits der 1,0905er Marke zu erwarten. Im Fall eines Ausrutschers steht bei 1,0810/15 die beste Unterstützung bereit.

EUR PLN (4,2310) 
In einem dünnen Feiertagshandel stieg der Euro unverhofft genau bis auf seinen Stabilitätspunkt bei 4,2400 an. Oberhalb dieser Hürde könnten sich Aufwärtskorrekturen bis 4,2560 oder 4,2800 ausbilden. An der Unterseite ist neue kurzfristige Unterstützung bei 4,1990 entstanden.


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