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Wöchentliche Marktberichte

Mai 17, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Die neue Affäre um Donald Trump, die gestern von der New York Times veröffentlicht wurde (mutmaßliche Aufforderung, die Ermittlungen des FBI einzustellen), sorgen für massive Kurseinbrüche beim US-Dollar, der auf das niedrigste Niveau seit der Wahl Donald Trumps im November gefallen ist. EUR/USD notierte heute Morgen erstmals seit dem 9. November 2916 wieder oberhalb der Marke von 1,11 USD.
  • Bevor heute Morgen die britische Arbeitslosenrate erscheint, bewegte sich EUR/GBP oberhalb von 0,86 GBP.
  • Die politischen Tumulte in den USA und der Rückgang des Ölpreises belasten heute Morgen die Risikobereitschaft der Anleger. Daher konnte heute Morgen der Yen um 0,5% und der Schweizer Franken um 0,1% gegenüber dem Euro zulegen.

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

UK (10:30 Uhr) – Beschäftigungsbericht (März) – Konsensprognose 4,7% gegenüber 4,7% im Vormonat

UK (10:30 Uhr) – Wachstum der Löhne und Gehälter J/J (März) – Konsensprognose 2,2% gegenüber 2,2% im Vormonat

Eurozone (11:00 Uhr) – Gesamtinflation J/J, Korrektur (April) – Konsensprognose 1,9% gegenüber 1,5% im Vormonat

Polen (Nachmittag) – geldpolitische Beschlüsse der Zentralbank – Konsensprognose: Beibehaltung des aktuellen Leitzinssatzes von 1,5%

Schwerpunkte am Vortag

EUR/USD auf Höchststand seit US-Präsidentschaftswahlen; Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs verspricht vor dem Brexit nichts Gutes; britische Inflationsrate auf dem höchsten Stand seit September 2013; Iran könnte neuem OPEC-Abkommen zustimmen; schwedische Zentralbank passt Inflationsziel an

EUR/USD: EUR/USD verzeichnete gestern einen Anstieg um 1,0% und stieg zwischendurch auf den Höchstkurs von 1,1097 USD. Diese Entwicklung ist sowohl auf ein wiedererstarktes Interesse an Europa zurückzuführen, da sich hier schrittweise eine wirtschaftliche Erholung einstellt, als auch auf eine neue Welle des Misstrauens gegenüber den USA – und zwar in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht. Denn zum einen enttäuschen die Konjunkturdaten (gestern zeigte sich, dass im April die Baugenehmigungen und Baubeginne überraschend gesunken sind) und untermauern damit den eher moderaten Start im 1. Quartal 2017, zum anderen steht die Glaubwürdigkeit Donald Trumps erneut auf dem Spiel, nachdem er den FBI-Chef entlassen hat und an russische Regierungsvertreter als geheim eingestufte Erkenntnisse weitergegeben hat. EUR/USD konnte damit auf den höchsten Kurs steigen, den das Währungspaar seit Bekanntgabe des Ausgangs der Präsidentschaftswahlen in den USA (9. November 2016) verzeichnet hat.

Gestrige Performance EUR/USD: +0,99%; Höchstkurs: 1,1097 USD (Höchstkurs seit dem 9. November 2016); Schlusskurs: 1,1082 USD

Europa: Der Europäische Gerichtshof gab gestern bekannt, dass gemäß dem aktuellen Stand das Freihandelsabkommen, über das zwischen der Europäischen Union und Singapur bereits seit 2010 verhandelt wird, nicht in Kraft treten kann, bevor es nicht von den nationalen Parlamenten ratifiziert wurde. Damit ist die Wahrscheinlichkeit, dass zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich innerhalb der nächsten zwei Jahre schnell ein Freihandelsabkommen geschlossen wird, deutlich gesunken.

Vereinigtes Königreich: Im April ist die britische Gesamtinflation im 12-Monatsvergleich deutlich von 2,3% auf 2,7% gestiegen. Sie übertraf damit leicht die Konsensprognose von 2,6% und erreichte damit ein Niveau, das zuletzt im September 2013 verzeichnet wurde. Die Preisanstiege sind vor allem auf Anstiege im Bereich der Flugtarife, der Bekleidung und der Energie (vor allem Strom) zurückzuführen. Die Anleger reagierten kaum auf diesen neuen Indikator, da sie davon ausgehen, dass die Bank of England (BoE) keine geldpolitische Kursänderung vornehmen wird, da derzeit viele Unsicherheitsfaktoren im Raum stehen und das Tempo, in dem die Löhne und Gehälter steigen, jüngst zurückgegangen ist. 

Gestrige Performance EUR/GBP: +0,88%; Höchstkurs: 0,8594 GBP (6-Wochenhoch); Schlusskurs: 0,8580 GBP

Rohöl: Der Regierung in Teheran nahestehende Personen, ließen verlauten, der Iran sei geneigt, einem neuen Abkommen über die Drosselung der Ölfördermengen zuzustimmen. Es sei darauf hingewiesen, dass der Iran das einzige Land innerhalb der OPEC ist, dem im Rahmen des im November unterzeichneten Abkommens die Möglichkeit einer Ausweitung seiner Fördermengen eingeräumt wurde. Wenig überraschend hat sich Kuwait der Haltung Saudi-Arabiens angeschlossen und sich für die Festlegung von täglichen Ölfördermengen ausgesprochen. In ihrem Monatsbericht erwähnte die internationale Energiebehörde, der Erdölhandel sei auf einem guten Weg, gegen Ende des Jahres ein Gleichgewicht zu erreichen, wobei auch darauf hingewiesen wurde, dass es gemeinsamer Anstrengungen bedürfe, um dieses Ziel zu erreichen. Die Ölpreise sind gestern etwas zurückgegangen, da die Brutto-Lagerhaltung in den USA leicht gestiegen ist.

Schweden: Die gestrige Entscheidung der schwedischen Riksbank könnte einen Wendepunkt in ihrer Geldpolitik darstellen. Die schwedische Zentralbank beschloss gestern, dass die künftigen geldpolitischen Entscheidungen ab September basierend auf einem Inflationsziel von zwischen 1% und 3% getroffen würden, da man einräumte, das Inflationsziel spiele derzeit nicht mehr eine so zentrale Rolle wie in der Vergangenheit und man sei nicht gewillt eine Überhitzung der schwedischen Wirtschaft zu riskieren, nur um die aktuell angestrebte Inflationsrate von 2% zu erreichen. 

Gestrige Performance EUR/SEK: +0,48%; Höchstkurs: SEK 9,7820 (5-Monatshoch); Schlusskurs: 9,7360 SEK 

Themen Heute

Donald Trump im Zentrum des politischen Wirbelsturms; britische Beschäftigungszahlen um 10:30 Uhr mit aufmerksamem Blick auf die Löhne und Gehälter;  Korrektur der Inflationsrate der Eurozone um 11:00 Uhr; neue französische Regierungsmannschaft wird um 15:00 vorgestellt

USA: Nachdem die Washington Post am Montag berichtete, Donald Trump habe dem russischen Außenminister als geheim eingestufte Informationen offenbart, sieht sich der Präsident mit einer neuen politischen Affäre konfrontiert. Die New York Times deckte gestern auf, Trump habe den Leiter des FBI James Comey vor dessen Entlassung aufgefordert, die Ermittlungen einzustellen, die zu diesem Zeitpunkt im Hinblick auf die engen Verbindungen des ehemaligen nationalen Sicherheitsberater Michael Flynn (im Februar kaltgestellt) zu Russland durchgeführt wurden. Sollten sich diese Mutmaßungen als Tatsachen erweisen, könnte das ein Grund für ein Amtsenthebungsverfahren sein.

Vereinigtes Königreich: Nach den gestrigen Inflationsdaten, wird sich heute die Aufmerksamkeit auf den Beschäftigungsbericht (März) richten, vor allem auf die darin enthaltene Statistik über die Anstiege der Löhne und Gehälter. Wenn diese weiterhin stagnieren oder sogar rückläufig sind, würde damit untermauert, dass die Kaufkraft der britischen Haushalte zurückgeht und dass die BoE ihre expansive Geldpolitik noch länger beibehalten wird.

Eurozone: Um 11:00 Uhr veröffentlicht die Eurozone die Korrektur der 1. Schätzung der Inflationsrate im April. Diese könnte bestätigen, dass die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum insgesamt von 1,5% auf 1,9% gestiegen sind.

Frankreich: Heute um 15:00 Uhr stellt Emmanuel Macron die neue Regierungsmannschaft unter seiner Präsidentschaft vor, die eigentlich bereits gestern hätte bekanntgegeben werden sollen.

CHF:

Wenn es eine Währung gibt, die auf den aktuellen Anstieg des Euro kaum reagiert, dann ist es der Schweizer Franken. Das beweist die Tatsache, dass während EUR/USD in den vergangenen drei Handelstagen um ganze 2% gestiegen ist, EUR/CHF im gleichen Zeitraum dagegen um nahezu 0,2% nachgegeben hat. Zwar hat der Wechselkurs gestern wieder einen kurzen Ausflug über die Marke von 1,0950 gemacht, doch ist derzeit eher wieder eine Stabilisierung im Bereich von 1,09 CHF wahrscheinlich, als ein Anstieg auf 1,10 CHF. Die Unsicherheit die derzeit hinsichtlich der Zukunft des aktuellen US-Präsidenten Donald Trump herrscht, der im Moment im Zentrum mehrere politischer Skandale steht, bremst im Moment ein wenig die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer, was seit Anfang der Woche zu leichten Kursanstiegen des Schweizer Franken geführt hat. 

EUR:

Zwar hat sich bei den Anlegern eine große Erleichterung eingestellt, nachdem die politischen Risiken in Europa deutlich gesunken sind, doch erklärt sich das verstärkte Interesse an der europäischen Währung auch durch die schrittweise Erholung der Wirtschaft in dieser Region. Denn diese bessere wirtschaftliche Lage könnte die Europäischen Zentralbank (EZB) ermuntern, ihre geldpolitischen Stimulierungsmaßnahmen zurückzufahren. So zumindest sind die Marktteilnehmer, deren Pessimismus gegenüber dem Euro immer mehr nachlässt, derzeit positioniert. Die gestrigen BIP-Zahlen entsprachen der Anfang Mai veröffentlichten 1. Schätzung von 0,5% Q/Q und 1,7% J/J und bekräftigten damit die deutliche Erholung, die in diesem Wirtschaftsraum in den letzten 12 Monaten zu spüren war. Zwar ist das Vertrauen der deutschen Anleger nicht so stark gestiegen wie erwartet (gestriger ZEW-Index), doch befindet es sich dennoch auf dem höchsten Niveau seit August 2015.

Der deutliche Anstieg, der seit Anfang dieser Woche bei EUR/USD zu erkennen ist – der Kurs des Währungspaars ist heute Morgen über die Marke von 1,11 USD gelangt – ist zwar zu einem Großteil der derzeitigen Schwäche des US-Dollar zu verdanken, doch der Aufwärtstrend beruht zum Teil auch auf einer schrittweisen Neubewertung des Euro, dank der positiven wirtschaftlichen Fundamentaldaten und des Rückgangs der Unsicherheitsfaktoren in der Region.

USD:

Die politischen Skandale, in denen US-Präsident Trump derzeit steckt, stellen nicht nur in Frage, ob er tatsächlich in der Lage ist, sein Land zu regieren, und ob er an der Regierungsspitzte bleiben wird, denn es gibt schon Stimmen, die das durchaus seltene Phänomen des Amtsenthebungsverfahrens in den Raum stellen; die Anhäufung der Skandale könnte auch das Tempo mit dem die Wirtschaftsreformen im Land durchgeführt werden – das nach Meinung vieler Anleger ohnehin zu langsam ist – zusätzlich deutlich bremsen. Diese Reformen stünden umso dringlicher an, da die US-Wirtschaft derzeit gewisse Zeichen von Schwäche aufweist. Dass sich diese Zeichen häufen, beunruhigt die Anleger, vor allem was deren Einfluss auf die geldpolitische Strategie der Fed angeht. Zwar geht man nach wie vor mehrheitlich von einer Leitzinserhöhung im Juni aus, doch sinkt deren Wahrscheinlichkeit mit jedem Tag: Während sie in der vergangenen Woche noch bei 83% lag, liegt sie mittlerweile bereits unter 70%.

Angesichts der Turbulenzen, mit denen sich Donald Trump derzeit konfrontiert sieht, fiel der US-Dollar-Index heute Morgen auf das niedrigste Niveau seit der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten.


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