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Wöchentliche Marktberichte

Mai 15, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Erstmals seit drei Jahren sind die Anleger an den US-Terminbörsen zu reinen Käufern von Euro zuungunsten des US-Dollar geworden (nach Angaben von CFTC).
  • EUR/USD setzt den am Freitagnachmittag begonnen Anstieg fort und verzeichnete heute Morgen mit 1,0940 USD einen Anstieg um 0,1%.
  • Anstieg der Rohölpreise um über 2%, nachdem sich der russische und der saudische Ölminister für eine Verlängerung der Förderquotenregelung um weitere neun Monate ausgesprochen haben.
  • Der Brent-Index notiert im Bereich von 52 USD, der WTI-Index im Bereich von 49 USD.
  • Anstiege gegenüber dem Euro: Rubel um 0,9% (61,80 RUB), Kanadischer Dollar um 0,4% (1,4920 CAD) und Norwegische Krone um 0,3% (9,33 NOK) .
  • Rückgang des Yen aufgrund der erhöhten Risikobereitschaft der Marktteilnehmer (124,30 JPY).

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

China (04:00 Uhr) – Industrieproduktion J/J (April) – Konsensprognose 7,1% gegenüber 7,6% im Vormonat

Italien (10:00 Uhr) – endgültige Gesamtinflation J/J (April) – Konsensprognose 1,8% gegenüber 1,4% im Vormonat

USA (14:30 Uhr) – Empire State Index des verarbeitenden Gewerbes (New York) M/M (April) – Konsensprognose 7,0% gegenüber 5,2% im Vormonat

Schwerpunkte am Wochenende

Einzelhandelsumsätze in den USA schwächer als erwartet; offizielle Ernennung Macrons zum französischen Staatspräsidenten; erneute Tests von Mittelstreckenraketen in Nordkorea; Sieg in den Landtagswahlen verspricht Gutes für Merkels Partei; Saudi-Arabien und Russland befürworten Ausweitung der Förderquotenregelung um 9 Monate

USA: Nachdem die Einzelhandelsumsätze bereits zwei Monate in Folge gesunken waren, was einen Rückgang des Konsums der privaten Haushalte signalisiert, gingen die Analysten im April von einem klaren Anstieg um 0,6% gegenüber dem Vormonat aus, was zur Annahme der Fed gepasst hätte, dass es sich bei der Abkühlung der US-Wirtschaft im 1. Quartal lediglich um ein vorübergehendes Phänomen handelte. Die Einzelhandelsumsätze fielen jedoch mit „bloßen“ 0,4% M/M niedriger aus als erwartet, was die Sorge um einen eher stotternden Beginn der US-Wirtschaft im Jahr 2017 nicht auszulöschen scheint. Gleichzeitig sind die Preisanstiege im April zurückgegangen und die Kerninflation (um Energie- und Lebensmittelpreise bereinigt) ist erstmals in 18 Monaten wieder unter die Marke von 2% gefallen. Auch wenn die Börsianer derzeit noch immer von einer US-Leitzinserhöhung im Juni ausgehen, sind infolge dieser Zahlen doch einige Zweifel aufgekommen. Laut dem FedWatch Tool der CEM Group lag die Wahrscheinlichkeit am Freitag noch bei 80%, während sie mittlerweile auf 74% zurückgegangen ist. Der US-Dollar-Index ist um 0,4% gesunken, da die Zinssätze für Anleihen mit 10-jähriger Laufzeit am Freitag um etwa -7 Basispunkte (Schlusskurs 2,33%)  zurückgegangen sind, da man nicht mehr im gleichen Maße auf eine US-Leitzinserhöhung im Juni setzt.

Performance von EUR/USD am Freitag: +0,62%; Höchstkurs 1,0934 USD; Schlusskurs: 1,0928 USD

Frankreich: Am Sonntag fand die offizielle Amtsübergabe von F. Hollande an E. Macron statt. Letzterer wurde mit 39 Jahren offiziell zum 8. Präsidenten der 5. Republik Frankreichs ernannt.

Nordkorea: Am Sonntag hat Nordkorea Berichten der südkoreanischen Armee zufolge erneut eine Mittelstreckenrakete ins Japanische Meer abgeschossen. Diese Rakete habe laut Aussagen südkoreanischer und japanischer Experten eine Strecke von 700 km erzielt, was zu bestätigen scheint, dass Pjöngjang dabei ist, eine neue Langstreckenrakete zu entwickeln.

Deutschland: Nordrhein-Westfalen, die traditionelle Hochburg der deutschen Sozialdemokraten (SPD) und das Bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands (über 20% der deutschen Bevölkerung und des BIPs), ist anlässlich der Landtagswahlen am Sonntag an die von Angela Merkel geführten Christdemokraten gegangen. Laut den ersten offiziellen Hochrechnungen, übertraf sie die SPD um 4% und konnte insgesamt gegenüber dem Ergebnis der letzten Wahl um 8% zulegen. Das verspricht Gutes für die amtierende Bundeskanzlerin was die Bundestagswahlen im September angeht, anlässlich derer sie sich um eine 4. Amtszeit bemühen wird.

Rohöl: Anlässlich einer gemeinsamen Pressekonferenz im Rahmen des chinesischen Wirtschaftsgipfels  „Seidenstraße“, bei dem die Vertreter zahlreicher Staaten aus Asien, dem Nahen Osten und Europas in Peking zusammengetroffen sind, haben der saudische und der russische Energieminister sich für eine Verlängerung der Drosselung der Förderquoten – auf die sich im vergangenen November die OPEC-Mitgliedsstaaten und einige Nicht-Mitgliedsstaaten wie Russland geeinigt hatten – um weitere neun Monate bis Ende des 1. Quartals 2018 ausgesprochen. Heute Morgen verzeichneten die Rohölpreise einen Anstieg um über 2%. Der Brent-Index überschritt in der Folge die Schwelle von 51 USD.

Themen Heute

Macrons erste Schritte als französischer Staatspräsident; Triptychon wichtiger britischer Konjunkturdaten, EZB und RBA veröffentlichen Sitzungsprotokolle; Wachstumszahlen des 1. Quartals aus Japan, Norwegen, Polen und Italien

Frankreich: Der neue amtierende französische Staatspräsident Emmanuel Macron muss am heute den Namen des Premierministers und morgen die Zusammensetzung seiner Regierung bekanntgeben. Es handelt sich dabei um eine vorübergehende Regierungsmannschaft, bis im Juni die Parlamentswahlen stattfinden werden. Bisher kann man kaum einschätzen, ob der neue Präsident über eine Mehrheit im Parlament verfügen wird. Laut den jüngsten Meinungsumfragen ist nicht damit zu rechnen. In dieser Woche steht ein Treffen zwischen Macron und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel an. Anlässlich dieses ersten Treffens sollten die Voraussetzungen für eine neue verstärkte deutsch-französische Zusammenarbeit festgelegt werden. 

Vereinigtes Königreich: Zwischen Dienstag und Donnerstag erscheinen Schlag auf Schlag drei wichtige Konjunkturindikatoren: Inflationsrate (Dienstag), Beschäftigung (Mittwoch) und Einzelhandelsumsätze (Donnerstag). Mithilfe dieser Zahlen wird man einschätzen können, wie wahrscheinlich es wirklich ist, dass die Bank of England (BoE) wie avisiert die Leitzinsen erhöht. Sollte die Inflationsrate im April tatsächlich gestiegen sein, wie von den Wirtschaftsexperten erwartet, könnte das die Wahrscheinlichkeit erhöhen und das Britische Pfund erneut stärken. Sollte der Trend umgekehrt ausfallen, könnte sich dieser Trend allerdings auch sofort umkehren. Das gilt auch für einen möglichen Rückgang der Löhne und Gehälter oder der Einzelhandelsumsätze im Land.

Protokoll der Zentralbanken: Die EZB veröffentlicht am Donnerstag das Protokoll der geldpolitischen Sitzung vom April, in deren Rahmen die EZB-Vertreter einräumten, dass sich das wirtschaftliche Umfeld zwar verbessert hat, das Wachstum und die Dynamik der Preissteigerungsraten jedoch noch immer anfällig seien. Da die Marktteilnehmer darauf spekulieren, dass die EZB anlässlich ihrer Juni-Sitzung deutlich ihre verbale Ausrichtung anpasst und damit auf den Beginn einer Drosselung der aktuellen geldpolitischen Lockerungen im Laufe des 2. Halbjahrs hinweist, werden sie nach Hinweisen auf eine solche Entwicklung im Protokoll suchen. Morgen früh wird die Reserve Bank of Australia (RBA) ihr Protokoll der letzten geldpolitischen Sitzung veröffentlichen. Wahrscheinlich wird man darin Hinweise auf ein gewisses Maß an Vertrauen der Zentralbanker in die jüngsten wirtschaftlichen Fortschritte des Landes finden, was eine erneute Senkung der Leitzinsen kurz- und mittelfristig ausschließen dürfte.

Wachstum im 1. Quartal 2017: Mehrere Länder werden in dieser Woche die 1. Schätzungen oder Korrekturen ihrer BIP-Daten für das 1. Quartal 2017 veröffentlichen: Am Dienstag erscheint die 1. Schätzung des BIP in Italien, Norwegen und Polen, während die Eurozone die 2. Schätzung der bereits im April erschienen Zahlen veröffentlicht. Die 1. Schätzung ergab in der Eurozone ein Wachstum von 0,5% Q/Q für das 1. Quartal, was der besten Performance der letzten 12 Monate entspricht. Donnerstag wird es Japan sein, das eine erste Schätzung veröffentlicht. Man geht von einem Wachstum von 0,4% Q/Q aus (bzw. 1,7% im Jahresvergleich).

CHF:

Die Hausse-Tendenz hat sich bei EUR/CHF in der letzten Woche ausgependelt. Somit scheint es derzeit, als sei die Schwelle von 1,10 CHF noch zu hoch. Der Kurs des Währungspaars EUR/CHF notiert jedoch weiterhin im Bereich der jüngsten Höchststände. In dieser Woche dürfte die Kursschwankungen bei diesem Währungspaar von der geopolitischen Situation in der Welt und den Spekulationen abhängen, die im Zuge der EZB-Sitzung im Juni aufkommen. Vieles deutet darauf hin, dass die EZB-Vertreter unverhohlen über eine Strategie zum Ausstieg aus den geldpolitischen Lockerungen sprechen werden, was EUR/CHF zusätzlichen Rückenwind verschaffen dürfte. Nach den neuen Raketentests seitens Nordkorea am Sonntag, den zahlreichen heutigen Hackerangriffe und den Problemen, mit denen sich Donald Trump bei der Umsetzung seiner Reformen konfrontiert sieht, könnte es erneut zu einer gewissen Risikoaversion kommen, die zu einer erhöhten Nachfrage nach Franken führen könnte.

EUR:

Nachdem der Euro am Tag nach der offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse der französischen Präsidentschaftswahlen einen charttechnischen Rückgang verzeichnet hat, notierte er in der vergangenen Woche recht stabil, da kaum Konjunkturdaten oder wichtige politische Ereignisse auf der Agenda standen. Weltweit besteht ein Hausse-Trend, was die Positionierung der Anleger an den US-Terminbörsen belegt, die zu reinen Käufern von Euro zuungunsten des US-Dollar geworden sind (siehe Angaben von CFTC). Zwar sind viele politische Risiken im Zuge des Ausgangs der französischen Präsidentschaftswahlen gesunken, doch hat sich die Aufmerksamkeit der Anleger sofort auf die EZB und deren geldpolitische Strategie verlegt. Wird die EZB eine Änderung ihrer verbalen Ausrichtung vornehmen und die Marktakteure auf eine Drosselung der expansiven Geldpolitik vorbereiten? Oder wird sie wegen des wenig eindeutigen Inflationstrends vorsichtig bleiben? Während viele Anleger zunächst Ersteres angenommen haben, scheint Letzteres angesichts einiger Konjunkturdaten der letzten Woche ebenfalls wahrscheinlich. Die Europäische Kommission hat die Inflationsdaten für 2017 und 2018 nach unten korrigiert (1,6% bzw. 1,3%), gleichzeitig erklärten Draghi und Constancio das Siegesfreude in Sachen Inflation noch verfrüht sei und zeigten sich wenig geneigt, die aktuellen geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen zu schnell zu reduzieren.

Die EZB dürfte in dieser Woche wieder im Zentrum der Diskussion stehen, bis am Donnerstagnachmittag um 13:00 Uhr das Protokoll der Sitzung erscheint und im Laufe der Woche die Stellungnahmen mehrerer EZB-Vertreter erfolgt sind, darunter die Mario Draghis am Donnerstag und Vitor Constâncios am Freitag.

USD:

Zwar beeinträchtigen die schwachen Konjunkturdaten vom Freitag – schwächere Einzelhandelsumsätze  und unerwartet hoher Rückgang der Inflation – nicht die Wahrscheinlichkeit einer US-Leitzinserhöhung  im Juni, doch sprechen sie auch nicht gerade dafür, dass die Fed in den nächsten Monaten die geldpolitische Normalisierung schneller vorantreibt. Zwischenzeitlich war die Möglichkeit in Betracht gezogen worden, dass die Fed bis Ende des Jahres sogar noch drei weitere Leitzinserhöhungen ins Auge fassen könnte. Doch scheint es, als hätten die Konjunkturdaten vom Freitag zusätzlich zum zögerlichen Jahresbeginn diese Hoffnungen abkühlen lassen. Zumindest scheinen die Zinssätze für langfristige Anleihen dies zu belegen: -5 Basispunkte für Anleihen mit 2-jähriger Laufzeit und -7 Basispunkte für die mit 10-jähriger. In dieser Woche stehen fast keine wichtigen Konjunkturdaten an, sodass der US-Dollar wohl hauptsächlich von den internationalen politischen und finanztechnischen Entwicklungen (Nordkorea, heutige weltweite Hackerangriffe) und politischen Entwicklungen beeinflusst werden dürfte. Das Appellationsgericht in Seattle prüft heute die einstweilige Verfügung des Gerichts in Hawaii, die das von Donald Trump erlassene Anti-Migrationsgesetz blockiert.


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