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Wöchentliche Marktberichte

Mai 11, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Der Euro konnte heute Morgen gegenüber allen Majors zulegen. EUR/USD notiert wieder im Bereich von 1,0880 USD.
  • Das Britische Pfund verzeichnete einen leichten Rückgang bevor heute die Daten zur Industrieproduktion und die Beschlüsse der Bank of England (BoE) bekanntgegeben werden. Man geht davon aus, dass die BoE den Leitzins beibehält.
  • Da die schwedische Inflationsrate mit (1,9% J/J gegenüber erwarteten 1,7% und 1,3% im März) deutlich hinter den Erwartungen zurückblieb, ist der Kurs des Währungspaars EUR/SEK mit 9,63 SEK um 0,7% eingebrochen.
  • EUR/NZD ist mit 1,59 NZD um über 1,5% gestiegen, nachdem die Reserve Bank of New Zealand (RBNZ) bekanntgab, sie werde den Leitzins über einen längeren Zeitraum unverändert beibehalten.

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

OPEC – Monatsbericht

G7 – Gipfeltreffen der Finanzminister und Zentralbankchefs der G7-Staaten in Italien

Eurozone – Wirtschaftsprognosen der Europäischen Kommission

Schweiz (09:15 Uhr) – Gesamtinflation J/J (April) – Konsensprognose 0,5% gegenüber 0,6% im Vormonat

UK (10:30 Uhr) – Produktion verarbeitendes Gewerbe/Industrieproduktion M/M (März) – Konsensprognose 0,0%/-0,3% gegenüber -0,1%/-0,7% im Vormonat

UK (10:30 Uhr) – Handelsbilanz (März) – Konsensprognose -11,8 Mrd. GBP gegenüber -12,5 Mrd. GBP

UK (13:00 Uhr) – geldpolitische Beschlüsse; Quartalsprognosen der BoE – Konsensprognose: Beibehaltung des aktuellen Leitzinses von 0,25%

Schwerpunkte am Vortag

Kursschwankungen bei US-Dollar durch überraschende Entlassung des FBI-Chefs; Darghi hält Siegesfreude für verfrüht, räumt aber Verringerung der Risiken ein; charttechnische Erholung der Rohstoffpreise; schwedische Zentralbank taktiert angesichts anhaltend niedriger Inflationsrate vorsichtig

USA: Die Entlassung des FBI-Chefs James Comey durch das Weiße Haus in der Nacht von Montag auf Dienstag kam sowohl für den Betroffenen als auch die Marktakteure überraschend. Zwar wurde ihm eine chaotische Vorgehensweise im Zusammenhang mit der E-Mail-Affäre um Hillary Clinton während des Wahlkampfs im November 2016 vorgeworfen, doch berichten mehrere Medien, dass diese Entscheidung die Handschrift Donald Trumps trage, dem die gegenwärtigen Untersuchungen zur potenziellen Beeinflussung des Ausgangs der letzten US-Wahlen durch Russland nicht so recht schmecken wollen. Der US-Dollar verlor im Zuge dieser überraschenden Entscheidung gegenüber einigen Währungskollegen ein wenig an Boden, da sich hier wieder der ungestüme, unberechenbare Charakter des US-Präsidenten zeigte. Der US-Dollar konnte sich vor Handelsschluss allerdings wieder ein wenig erholen.

Gestrige Performance EUR/USD: -0,06%; Höchstkurs: 1,0898 USD; Schlusskurs: 1,0866 USD

EZB: Während seiner gestrigen Stellungnahme vor dem niederländischen Parlament erinnerte Mario Draghi daran, die EZB müsse sich weiterhin darum bemühen, die Inflationsrate dauerhaft auf 2% zu halten, und es sei somit noch zu früh für Siegesfreude. Allerdings räumte er ein, die wirtschaftlichen Risiken seien tatsächlich gesunken und es gäbe in der Eurozone Hinweise auf eine wirtschaftliche Erholung. Auch wenn noch keine Leitzinserhöhung oder Reduzierung des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten auf der Tagesordnung steht, ist doch festzustellen, dass sich die verbalen Äußerungen der EZB verändert haben und von mehr Optimismus zeugen als in der Vergangenheit. Die Veränderung der Kommunikation könnte sich bei der nächsten Sitzung am 7./8. Juni niederschlagen. Mehrere Beobachter gehen davon aus, dass die EZB in der Einleitung des offiziellen Kommuniqués jegliche Hinweise auf eine Ausweitung der aktuellen expansiven Geldpolitik auslassen könnte.

Rohöl: Nachdem die Rohölpreise an vielen Handelstagen in den letzten Wochen eingebrochen sind, stieg der Ölpreis gestern deutlich an. Man geht davon aus, dass es sich dabei um eine charttechnische Korrektur handelt, die auf die für Anleger attraktiven Einstiegspreise in diese Klasse der Vermögenswerte zurückzuführen ist. Die Entwicklung ist vor allem auf den gestrigen 3-prozentigen Anstieg der Rohölpreise zurückzuführen. Der Brent-Index konnte wieder die Schwelle von 50 USD überschreiten, während der WTI-Index die Marke von 47 USD überstieg. Der Kanadische Dollar und die Norwegische Krone profitierten deutlich von diesem Anstieg der Rohölpreise. Beide Währungen konnten gegenüber dem Euro 0,5% zulegen. Der erneute Anstieg des Goldpreises, der am Montag nahezu auf ein 2-Monatstief gefallen ist, hat seinerseits dem Südafrikanischen Rand Rückenwind verliehen.

Gestrige Performance EUR/ZAR: -1,17%; Tiefstkurs: 14,58 ZAR (1-Wochentief); Schlusskurs: 14,63 ZAR

Gestrige Performance EUR/NOK: -0,81%; Tiefstkurs: 9,3431 NOK (1-Wochentief); Schlusskurs: 9,3680 NOK

Gestrige Performance EUR/CAD: -0,54%; Tiefstkurs: 1,4819 CAD (Tiefstkurs der letzten acht Handelstage); Schlusskurs: 1,4838 CAD

Schweden: In ihrem Protokoll der letzten geldpolitische Sitzung im April erklärte die schwedische Zentralbank die Verlängerung des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten um weitere sechs Monate, die an den Börsen mit Überraschung aufgenommen wurde, damit, dass die Entwicklung der Inflation im Land nach wie vor recht anfällig sei. Es zeigt sich, dass die Riksbank wohl keine Normalisierung der Geldpolitik plant, bevor nicht die EZB ihrerseits einen geldpolitischen Kurswechsel beschließt. Eine asynchrone Geldpolitik könnte einen starken Anstieg der Schwedischen Krone gegenüber dem Euro zur Folge haben, der die in den letzten Quartalen erzielten wirtschaftlichen Fortschritte Schwedens zunichtemachen könnte. Da die Inflation im März „lediglich“ 1,3% betrug, hielt es die Riksbank zudem für wichtig, geldpolitische Unterstützung zu leisten, um sicherzustellen, das sich die Preissteigerungsraten wieder auf den Zielwert von 2% zubewegen.

Gestrige Performance EUR/SEK: +0,38%; Höchstkurs: 9,7045 SEK (bisheriges Wochenhoch); Schlusskurs: 9,6975 SEK

Themen Heute

Bereitet BoE Leitzinserhöhung vor oder unterstreicht sie die Risiken? (13:00 Uhr); Steven Mnuchin präsentiert seinen G7-Kollegen die geplanten US-Wirtschaftsreformen; aktuelle Wirtschaftsprognosen der Europäischen Kommission; Monatsbericht der OPEC

BoE: Welche Position wird die BoE einnehmen? Während der letzten Sitzung gab sie sich optimistischer als ansonsten üblich, da sich die britische Wirtschaft angesichts der mit dem Brexit verbundenen Risiken als recht widerstandsfähig erwies. Anders als bei den vorherigen Sitzungen, wurde diesmal die Entscheidung, den Leitzins unverändert beizubehalten, nicht einstimmig gefällt: Ein Mitglied des Direktoriums (Kristin Forbes) war der Ansicht, alle zu einer Leitzinserhöhung erforderlichen Kriterien seien erfüllt. Seither hat sich die Lage jedoch etwas verändert: Das britische Wachstum ist im 1. Quartal mit 0,3% Q/Q gegenüber 0,7% im 4. Quartal 2016 deutlich geringer ausgefallen, da die heimische Nachfrage durch die starken Preisanstiege – bei gleichzeitig sinkenden Löhnen und Gehältern – ausgebremst wurde. Zudem scheint es, als müsse man tatsächlich damit rechnen, dass die ersten Verhandlungen über die EU-Austrittsbedingungen zwischen London und Brüssel angespannt verlaufen, wenn man dem härteren Ton der EU-Mitglieder glauben darf, die nicht bereit zu sein scheinen, den Briten auch nur das geringste Zugeständnis zu machen. Angesichts dieser Sachlage könnte die BoE sich erneut eher vorsichtig verhalten und die Börsianer über ihre geldpolitische Agenda weiterhin im Unklaren lassen. Einstimmigkeit in Sachen Beibehaltung des Leitzinssatzes und/oder der Verringerung der Wachstumsaussichten könnten das Britische Pfund belasten und dazu führen, dass es einen Teil der im Laufe der letzten Handelstage erzielten Gewinne wieder abgeben muss. 

G7: Anlässlich der 3-tägigen Sitzung der Finanzminister und Zentralbankchefs der sieben größten Industrienationen in Bari (Italien) wird US-Finanzminister Steven Mnuchin seinen Amtskollegen Einzelheiten über die von Donald Trump geplanten Wirtschaftsreformen vorlegen.

Europa: Die Europäische Kommission veröffentlicht heute ihre neuen Wirtschaftsprognosen für die europäischen Staaten. Diese vorsichtigen Prognosen zum Wachstum und zur Inflation in der Eurozone könnten Einfluss darauf haben, ob und in welchem Maße die EZB im Juni ihre Stellungnahmen anpasst. Möglich ist auch, dass sie damit noch wartet, um sicher zu sein, dass die wirtschaftlichen Fortschritte nicht lediglich vorübergehender Natur sind.

OPEC: Die Organisation erdölexportierender Länder veröffentlicht im Laufe des Tages ihren aktuellen Monatsbericht. Anhand dessen wird man erneut prüfen können, ob die Quotenregelung, auf die sich die OPEC-Staaten im November 2016 einigten, auch tatsächlich eingehalten wurde.

CHF:

Der Schweizer Franken könnte sein Auf und Ab gegenüber dem Euro fortführen, auch wenn die Ausschläge geringer zu werden scheinen. EUR/CHF verzeichnete bereits den zweiten Tag in Folge mit über 1,0970 CHF ein erneutes Hoch, doch scheint es dem Kurs nicht zu gelingen, noch weiter zu steigen. Bisher scheint der Euro nicht in der Lage, die hohe Schwelle von 1,10 CHF nehmen zu können, solange es keine neuen optimistischen Signale und/oder Hinweise auf einen Kurswechsel der EZB gibt. Dass sich die politische Unsicherheit in Europa deutlich verringert hat, dass die geopolitischen Konflikte (zumindest vorübergehend) beigelegt werden konnten und dass auch die Brexit-Verhandlungen im Moment eher in den Hintergrund getreten sind, sind Faktoren, die den Aufwärtstrend des Währungspaars EUR/CHF stützen.

EUR:

Nach Mario Draghis gestriger Stellungnahme herrscht im Hinblick auf die Pläne der EZB weiterhin Unsicherheit (siehe auch Schwerpunkte des Tages). Draghi erinnerte daran, es sei nach wie vor vorrangiges Ziel der Zentralbank, dafür zu sorgen, dass sich die Inflationsrate dauerhaft im Bereich von 2% einpendelt. Zwar ist der Verbraucherpreisindex im April erneut gestiegen und hat im 12-Monatsvergleich ein Niveau von 1,9% erreicht, doch sind diverse Marktbeobachter nach wie vor skeptische, ob sich der Index auch auf diesem Niveau halten kann. Somit scheint es, als dürften die ersten Inflationsschätzungen für Mai, die am 31. Mai, also vor der EZB-Sitzung am 7./8. Juni, veröffentlicht werden, einen der Haupteinflussfaktoren auf die Strategie der EZB bilden. Die EZB hat den Marktakteuren wiederholt vorgeworfen, vorschnell auf minimale sprachliche Anpassungen zu reagieren, sodass sie wohl darauf bedacht sein wird, keine Spekulationen anzuheizen, sofern die Inflationsentwicklung noch immer Zweifel aufwirft. Zwar konnte der Kurs des Währungspaars EUR/USD bereits die Schwelle von 1,09 CHF überschreiten, doch notiert er nach wie vor in der Spanne zwischen 1,08 und 1,09 USD, da sich die Aufmerksamkeit jetzt von Europa auf die USA und die Fed verlegt hat. Die Anleger scheinen in Sachen Euro-Nachfrage eine Pause eingelegt zu haben, bis es weitere Hinweise auf die geldpolitische Agenda der EZB gibt.

USD:

Es scheint, als sei der US-Dollar zunächst unter Druck geraten, da den Anlegern Donald Trumps jüngste Entscheidung, den Leiter des FBI zu entlassen, wohl nicht so recht zu schmecken scheint. Diese Entscheidung ruft seine Unberechenbarkeit in Erinnerung, eine Eigenschaft, die von Anlegern generell nicht geschätzt wird. Sie neigen dazu, sich aus den Vermögenswerten aller Regionen zurückzuziehen, in denen Unsicherheit herrscht. Zudem könnte sich der neuerliche Anstieg der US-Zinssätze angesichts von Spekulationen im Zusammenhang mit den nächsten geldpolitischen Sitzungen der Fed auf die jüngste Baisse-Tendenz des US-Dollar ausgewirkt haben. Zwar scheint eine Leitzinserhöhung im Juni das zentrale Szenario zu sein (die Wahrscheinlichkeit liegt laut dem FedWatch Tool der CME Group bei über 80%), doch gehen mittlerweile auch zahlreiche Marktbeobachter schon davon aus, dass es im September zu einer dritten Leitzinserhöhung kommen könnte, falls die US-Wirtschaft weiter Fortschritte macht und die Risiken an den weltweiten Börsen stabil bleiben. Der US-Dollar-Index stieg somit gestern den dritten Handelstag in Folge und erreichte ein 2-Wochenhoch. Heute könnte sich eine Pause einstellen, da man die neuen Inflationsdaten und die Einzelhandelsumsätze am Freitagnachmittag erwartet. 


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