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Wöchentliche Marktberichte

Mai 09, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Gewinnmitnahmen auf Euro sinken seit Montag, dem Tag nach dem Wahlsieg Emmanuel Macrons bei den französischen Präsidentschaftswahlen.
  • Fluchtwährungen wie der Yen und der Schweizer Franken sinken, da die politischen Risiken in Europa nachgegeben haben. EUR/JPY ist mit 124 JPY um 0,4% und EUR/CHF mit 1,0920 CHF um 0,1% gestiegen.
  • Der Australische Dollar hat im Vorfeld der Vorlage des neuen Haushalts durch den Finanzminister gegenüber dem Euro 0,4% eingebüßt (EUR/AUD: 1,4850 AUD).

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

UK (01:01 Uhr) – BRC-Umfrage Einzelhandelsumsätze J/J (April) – keine Konsensprognose gegenüber -1,0% im Vormonat

Schweiz (07:45 Uhr) – bereinigte Arbeitslosenrate (April) – Konsensprognose 3,2% gegenüber 3,3% im Vormonat

Deutschland (08:00 Uhr) – Industrieproduktion M/M (März) – Konsensprognose -0,6% gegenüber 2,2% im Vormonat

Australien (11:30 Uhr) – Vorlage des neuen Haushalts 2017/18 

USA (12:00 Uhr) – NFIB-Vertrauensindex der KMU (April) – keine Konsensprognose gegenüber 104,7 im Vormonat

USA (16:00 Uhr) – Großhandelsumsätze M/M (März) – Konsensprognose 0,2% gegenüber 0,6%

Schwerpunkte der letzten 3 Tage

Macrons Sieg sorgt für keinerlei Aufregung an den Börsen; mögliche Verlängerung des OPEC-Abkommens bis 2018; überraschender Sieg der Partei Merkels in Landtagswahl; Vertrauen der europäischen Anleger auf 10-Jahreshoch; Chinas Exporte bleiben hinter Erwartungen zurück

Frankreich: Emmanuel Macron gewann am Sonntag mit über 66% der Stimmen die Wahl und wurde so zum 8. Präsidenten (der 5. Republik) Frankreichs gewählt. Da dieses Ergebnis bereits seit zwei Wochen von der Mehrheit erwartet wurde, nachdem er sich für die Stichwahl qualifiziert hatte, wirkte sich die Wahl des europhilen Kandidaten auch nur minimal auf den Börsenhandel aus. Nachdem EUR/ USD während des asiatischen Handelstages kurzzeitig über 1,10 USD gestiegen war – eine Premiere seit dem 9. November 2016 – fiel der Kurs des Währungspaars infolge von Gewinnmitnahmen wieder um nahezu 0,7%. Insgesamt sank der Euro gegenüber all seinen G10-Währungskollegen mit Ausnahme des Schweizer Frankens. EUR/CHF verzeichnete am Montag stattdessen einen Anstieg um 0,5% und konnte die Schwelle von 1,09 CHF erstmals seit sechs Monaten wieder überschreiten.

Rohöl: Wie mehrere interne OPEC-Quellen verlauten ließen, könnte es durchaus denkbar sein, dass die Organisation anlässlich der halbjährlichen Sitzung am 25. Mai, das Abkommen über die Drosselung der täglichen Förderungsmengen um weitere neun Monate oder sogar darüber hinaus verlängert. Das Abkommen wurde im vergangenen November geschlossen und läuft eigentlich Ende Juni aus. Der saudische Energieminister ließ verlauten, er werde alles daransetzen, die weltweiten Vorräte zu reduzieren und ein Gleichgewicht zu erreichen, wie man es in den vergangenen fünf Jahren beobachtet hat. Nachdem die Ölpreise auf ein 5-Monatstief gefallen sind, konnten sie wieder steigen und verzeichneten im Verlauf der letzten beiden Handelstage eine Performance von 2%. Dennoch liegt der Brent-Index heute Morgen nach wie vor unter der Marke von 50 USD.

Deutschland: Entgegen aller Erwartung hat die CDU am Sonntag die Landtagswahlen in Schleswig-Holstein gewonnen. Dieses Ergebnis verspricht Gutes für Bundeskanzlerin Merkel, die sich im September um eine vierte Amtszeit bewirbt. Am nächsten Sonntag steht sie erneut auf dem Prüfstein – denn die Wahlen im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen (22% des deutschen BIP und 23% der Gesamtbevölkerung), einer traditionellen Bastion der SPD, gelten als Trendindikator für die Bundestagswahlen im Herbst.

Eurozone: Der sentix-Konjunkturindex der Eurozone ist im April auf ein 10-Jahreshoch gestiegen und untermauerte damit die positive wirtschaftliche Entwicklung in der Region.

China: Das Wachstum der Exporte und Importe ist in China im April mit 8,0% bzw. 11,9% im 12-Monats-Vergleich (Konsensprognose: 10,4% bzw. 18%) weniger stark gestiegen als erwartet, was vor allem darauf zurückzuführen ist, dass die heimische und ausländische Nachfrage zurückgegangen ist und die Rohstoffpreise weltweit gesunken sind. Der Außenhandelsüberschuss ist mit 38,1 Mrd. USD gegenüber 23,9 Mrd. USD im März gestiegen.

Schwerpunkt der Woche

geldpolitische Sitzung der BoE im Donnerstag; G7-Gipfel der Finanzminister und Zentralbankchefs in Italien (Donnerstag bis Samstag); Wirtschaftsprognosen der Europäischen Kommission am Donnerstag; US-Einzelhandelsumsätze am Freitag; 1. Schätzung des deutschen BIPs am Freitag; offizieller Amtsantritt Macrons am Sonntag

Bank of England (BoE): Am Donnerstag gibt die BoE um 13:00 Uhr die anlässlich der jüngsten geldpolitischen Sitzung gefassten geldpolitischen Beschlüsse bekannt und veröffentlicht gleichzeitig die neuesten vierteljährlichen Wirtschaftsprognosen. Während der letzten Sitzung im März waren die Marktteilnehmer erstaunt zu sehen, dass ein Mitglied des Direktoriums für eine Leitzinserhöhung stimmte (Kristin Forbes, die im Juni ihr Amt niederlegt) und dass im offiziellen Kommuniqué Hinweise darauf zu finden waren, dass es zu einer geldpolitischen Normalisierung kommen könnte, falls die heimischen Fundamentaldaten sich weiterhin positiv entwickeln. Seit der letzten BoE-Sitzung wurden die Wachstumszahlen für das 1. Quartal veröffentlicht, die deutlich niedriger ausfielen, als im vorherigen Quartal: (0,3% Q/Q gegenüber 0,7% im 4. Quartal 2016). Gründe hierfür sind primär die starke Inflation, denn diese reduziert die Kaufkraft der Privathaushalte, und die schärferen Töne aus Brüssel, die signalisieren, dass der Beginn der Brexit-Verhandlungen recht angespannt verlaufen könnte. Sollte man einstimmig für eine Beibehaltung der aktuellen Leitzinssätze stimmen und/oder sich angesichts der Abwärtskorrektur der kurz- und mittelfristigen wirtschaftlichen Aussichten vorsichtiger äußern, könnte das Britische Pfund erneut unter Druck greaten.

G7-Gipfel: Von Donnerstag bis Samstag kommen die Finanzminister und Zentralbankchefs der sieben größten Industrienationen in Rom für ein dreitätiges Gipfeltreffen zusammen. In diesem Zusammenhang wird man mit Interesse die Indizes und möglichen Signale des EZB-Chefs und der Fed-Chefin im Rahmen der geldpolitischen Sitzungen im Juni verfolgen. Seitens der EZB rechnet man an den Börsen derzeit mit einer Modifikation der verbalen Ausrichtung und erwartet, dass der Beginn einer Drosselung der aktuellen geldpolitischen Lockerungen signalisiert wird. Seitens der Fed rechnet man mit einer erneuten Leitzinserhöhung.

Eurozone: Am Donnerstag veröffentlicht die Europäische Kommission ihre aktuellen Wirtschaftsprognosen. Die Schätzungen erscheinen eine Woche vor den individuellen Empfehlungen, die am 17. Mai erwartet werden. Am Montag erinnerte Jean-Claude Juncker den neuen französischen Finanzminister an die Haushaltslage des Landes. Die Ausgaben des französischen Staats (53-57% der Ausgaben entfallen auf die öffentliche Hand) sind zu hoch und müssen angesichts des Verschuldungsgrades des Landes (2016 betrug die Verschuldung 98,4% des BIPs) unter allen Umständen reduziert warden.

USA: Am Freitag erscheinen in den USA um 14:30 Uhr die aktuellen Einzelhandelsumsätze. Nachdem diese zwei Monate in Folge gesunken sind, gehen die Wirtschaftsexperten davon aus, dass der Konsum der US-Verbraucher gestiegen ist: Konsensprognose: +0,6% M/M gegenüber -0,2% im März. Zwar ist das niedrige Wachstum des 1. Quartals auf einen Rückgang der privaten Nachfrage zurückzuführen, doch könnte ein deutlicher Anstieg der Einzelhandelsumsätze zu Beginn des 2. Quartals die Zentralbanker darin bestärken, den zögerlichen Start ins neue Jahr als vorübergehendes Phänomen zu werten.

Deutschland: Am Freitag erscheint um 08:00 Uhr die 1. Schätzung des Wachstums des 1. Quartals 2017. In diesem Zusammenhang könnte das Land erneut seine Rolle als Wachstumsmotor der Eurozone unter Beweis stellen. Die Wirtschaftsexperten gehen von einem Wachstum von 0,6% im 1. Quartal 2017 aus, was einem 1-Jahreshoch entspräche.

Frankreich: Am Sonntag erfolgt der offizielle Amtsantritt Emmanuel Macrons als französischer Staatspräsident. Er könnte – wie sein Vorgänger François Hollande anlässlich seines Amtsantritts 2012 –in diesem Zusammenhang auch den neuen Premierminister und die Zusammensetzung seiner Regierungsmannschaft bekanntgeben.

CHF:

Da keine Gefahr mehr besteht, dass Frankreich aus der Eurozone austritt, konnte sich EUR/CHF erholen und das zweite Mal seit Oktober die Marke von 1,09 CHF überschreiten. Der als Fluchtwährung äußerst populäre Franken verzeichnete Einbrüche, da die politischen und wirtschaftlichen Risikofaktoren in der Eurozone gesunken sind, was die Anleger ermunterte, einen Teil ihrer Positionen in Franken zugunsten des Euro aufzugeben. Allerdings dürfte das Hausse-Potenzial des Euro beschränkt sein, da sich neue Risiken am Horizont abzeichnen (Griechenland, allgemeine Wahlen in Deutschland und Italien, Brexit etc.) und die EZB bisher noch vorsichtig taktiert. Letzteres könnte sich allerdings in den nächsten Wochen ändern. Das wichtigste Ereignis der Woche dürfte die Veröffentlichung der Inflationsdaten für April am Donnerstag sein. Man geht davon aus, dass die Wachstumsdynamik ein wenig zurückgegangen ist (Konsensprognose: 0,5% J/J gegenüber 0,6% im März). EUR/CHF dürfte in den nächsten Tagen innerhalb der Spanne von 1,08-1,10 notierten, da in Europa recht wenige Konjunkturdaten auf der Agenda stehen.

EUR:

Zwar hat Emmanuel Macrons die Marktteilnehmer weltweit beruhigt, da nun keine Gefahr mehr besteht, dass Frankreich aus der Eurozone austritt, doch war sein Wahlsieg keine Überraschung, da die Umfragen einen deutlichen Vorsprung für ihn ergeben hatten. Somit haben sich beim Euro Gewinnmitnahmen abgezeichnet, da sich dieser gegenüber dem US-Dollar im Bereich eines 9-Monatshochs befand. Nachdem die französischen Präsidentschaftswahlen nun abgeschlossen sind, stehen weitere für die Anleger wichtige Ereignisse an: Griechenland und die neuen Reformen, auf die man sich mit den Gläubigern geeinigt hat und die noch von den Mitgliedern der Eurogruppe anlässlich der Sitzung am 22. Mai abgesegnet werden müssen, und die nächste EZB-Sitzung am 8. Juni, während der es möglicherweise in Sachen geldpolitischen Lockerungen zu einer Trendwende kommen könnten. Gestern erklärte Yves Mersch, ein Mitglied des EZB-Rats, zwar pendelten sich die mit dem europäischen Wachstum verbundenen Risiken langsam ein, doch bedeute das nicht automatisch, dass man deshalb sofort die aktuellen Maßnahmen in Frage stellen müsse. Die mit dieser Sitzung einhergehenden Risiken werden im Laufe der nächsten Wochen schrittweise steigen. In Frankreich tritt Emmanuel Macron am Sonntag offiziell das Amt des Staatspräsidenten an. Ab diesem Zeitpunkt wird er knapp über einen Monat Zeit haben, die Franzosen davon zu überzeugen, ihm im Rahmen des ersten Durchgangs der Parlamentswahlen am 11. Juni eine regierungsfähige Mehrheit zu geben, mithilfe derer er ohne Hindernisse die in seinem Programm vorgesehenen Reformen umsetzen kann. Die Aufgabe scheint recht schwierig, denn laut der am Sonntag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos Sopra-Steria sind 61% der Befragten nicht gewillt, dem neuen Präsidenten eine Mehrheit in der Nationalversammlung zu geben.

USD:

Wie hoch die Wahrscheinlichkeit einer neuerlichen US-Leitzinserhöhung im Juni sein dürfte, wird man wohl erst Ende der Woche abschätzen können, wenn mit den Einzelhandelsumsätzen und den Inflationsdaten zumindest einige zentrale Indikatoren vorliegen. Die positiven Beschäftigungszahlen (April), die am Freitag erschienen sind, zeigten nur eine gedämpfte Wirkung auf die Marktteilnehmer, da gleichzeitig die Beschäftigungszahlen für März herabgesetzt wurden, was zu großer Enttäuschung führte. Dass es jedoch Anzeichen für eine Erholung auf dem US-Arbeitsmarkt gibt, erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die US-Zentralbank im Juni doch den Leitzins erhöht. Laut dem FedWatch Tool der CME Gruppe ist die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinsanhebung im Rahmen der Sitzung am 14. Juni dank der aktuellen Beschäftigungszahlen von 79% auf 88% gestiegen. Allerding zeichnet sich ein Ungleichgewicht zwischen der Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung und der Bewertung des US-Dollar ab, dem es schwerfällt, nennenswerte Kursgewinne zu erzielen. Die Verspätung hinsichtlich der von Donald Trump angestrebten Wirtschaftsreformen und die Tatsache, dass eine Reduzierung der Bilanzsumme der Fed debattiert wird, scheint die Anleger gegenüber den Anleihezinsen und dem US-Dollar misstrauisch/vorsichtig zu stimmen. Die ganze Woche über haben mehrere Vertreter der Fed öffentlich erklärt, es sei an der Zeit, wieder über den Zeitrahmen für die – ihrer Meinung nach durchaus anstehende – geldpolitische Normalisierung zu sprechen.


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