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Wöchentliche Marktberichte

Mai 04, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Emmanuel Macron konnte wohl durch seine Beiträge während der gestrigen TV-Debatte seinen Vorsprung vor seiner Rivalin im Kampf um den Einzug in den Elysée-Palast, der am Sonntag in der Stichwahl entschieden wird, weiter ausbauen.
  • Der Euro verzeichnete gegenüber allen Währungen der G10-Staaten einen Anstieg: beispielsweise +0,3% gegenüber dem USD, +0,2% gegenüber dem GBP und +,1% gegenüber dem CHF.
  • Die Norwegische Krone notiert heute vor den geldpolitischen Beschlüssen der Norges Bank stabil.
  • AUD befindet sich auf seinem bisherigen Jahrestief. Er überschritt heute Morgen die Marke von 1,47 AUD gegenüber dem Euro und leidet noch immer unter dem Rückgang der Rohstoffpreise.

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

Australien (03:30 Uhr) – Handelsbilanz (März) – Konsensprognose 3,4 Mrd. AUD gegenüber 3,6 Mrd. AUD im Vormonat

Schweiz (07:45 Uhr) – Verbrauchervertrauensindex (2. Quartal 2017) – keine Konsensprognose gegenüber -3 im Vormonat

Eurozone (10:00 Uhr) – Einkaufsmanagerindex (EMI) des Dienstleistungsgewerbes (April) – Konsensprognose 56,2 gegenüber 56,2 im Vormonat

Norwegen (10:00 Uhr) – geldpolitische Beschlüsse der Norges Bank – Konsensprognose: Beibehaltung des aktuellen Leitzinssatzes von 0,5%

UK (10:30 Uhr) – EMI des Dienstleistungsgewerbes (April) – Konsensprognose 54,5 gegenüber 55,0 im Vormonat

Eurozone (11:00 Uhr) - Einzelhandelsumsätze M/M (März) – Konsensprognose 0,1% gegenüber 0,7% im Vormonat

Kanada (14:30 Uhr) – Handelsbilanz (März) – Konsensprognose -0,80 Mrd. CAD gegenüber -0,97 Mrd. CAD im Vormonat

USA (14:30 Uhr) – Handelsbilanz (März) – Konsensprognose -44,5 Mrd. USD gegenüber -43,6 Mrd. USD im Vormonat

USA (16:00 Uhr) – Auftragseingänge in der Industrie M/M (März) – Konsensprognose 0,4% und 1,0% im Vormonat

Eurozone (17:30 Uhr) – Stellungnahme Mario Draghis

Schwerpunkte am Vortag

Lebhafte TV-Debatte in Frankreich zugunsten Macrons; Fed behält Leitzins bei und schließt eine Änderung im Juni nicht aus; Reibungspunkte zwischen den britischen und europäischen Plänen; Australischer Dollar auf bisherigem Jahrestief

Frankreich: Die Form hat oft den Inhalt in den Hintergrund gedrängt. Diesen Eindruck zumindest vermittelte die letzte TV-Debatte zwischen den beiden verbleibenden Kandidaten für das Amt des französischen Staatspräsidenten: Emmanuel Macron und Marine Le Pen. Tatsächlich drängten persönliche Angriffe, vor allem seitens der äußerst rechts angesiedelten Kandidatin, in der 2,5-stündigen Debatte wiederholt die Darstellung der eigentlichen Programme der Kandidaten in den Hintergrund. Es scheint als sei Emmanuel Macron, der während dieser Wortschlachten die Ruhe bewahrte, als der große Sieger aus dieser Debatte hervorgegangen. Zumindest wenn man den Umfragen von BFM/Elabe vertraut, die gestern vor Tagesende erschienen und zeigten, dass er einen Großteil seiner Zuhörer überzeugt hat. Laut den Umfrageergebnissen, erklärten 63% der Befragten, Emmmanuel Macron habe sie überzeugt, während 34% dies von Marine Le Pen sagten und 3% erklärten, keiner der beiden Kandidaten habe sie überzeugt.

Fed: Die US-amerikanische Zentralbank (Fed) behielt gestern ihren Leitzinssatz unverändert bei, wie von den meisten Marktteilnehmern bereits erwartet. Sie räumte zwar ein, dass die Wirtschaft im 1. Quartal eine gewisse Abkühlung erfahren hätte, doch handle es sich dabei nur um ein vorübergehendes Phänomen. Die Fundamentaldaten zeigen ein solides Wachstum der heimischen Nachfrage und auch der Arbeitsmarkt wird stetig stärker. Die Fed plant nach wie vor einen schrittweisen Anstieg der Leitzinsen, ohne jedoch einen präzisen Zeitrahmen zu nennen. Somit besteht nach wie vor die Möglichkeit, dass der US-Leitzins im Juni erneut angehoben wird. Das wird auch von den meisten Anlegern erwartet, denn laut dem FedWatch Tool der CME Group liegt die Wahrscheinlichkeit derzeit bei 74%. Die Beschäftigungszahlen, die am Freitagnachmittag veröffentlicht werden, spielen in diesem Zusammenhang eine bedeutende Rolle.

Gestrige Performance EUR/USD: -0,41%; Tiefstkurs: 1,0880 USD (bisheriges Wochentief); Schlusskurs: 1,0882 USD

Vereinigtes Königreich: Im Zuge der offiziellen Bekanntmachung der Auflösung des britischen Unterhauses, die vor neuen Parlamentswahlen obligatorisch ist, beschuldigte Theresa May gestern die EU-Führung, das Ergebnis der Wahlen beeinflussen zu wollen, indem sie Ängste schüre, die Verhandlungen könnten erbittert und teuer werden. Laut Berichten der Financial Times wird der Betrag, den die EU für den Austritt fordern wird, wohl deutlich höher als erwartet. Die Zeitung führt den Betrag von 100 Mrd. an, eine Summe die der britische Chefunterhändler zurückwies und die auch von Michel Barnier, dem Chefunterhändler der EU, nicht bestätigt wurde. Letzterer bestätigte gestern, dass die Verhandlungen in zwei Phasen aufgeteilt werden. Zunächst wird man die Austrittsbedingungen festlegen, um anschließend die Bedingungen für einen Freihandelsvertrag prüfen.

Gestrige Performance EUR/GBP: +0,11%; Höchstkurs: 0,8476 GBP; Schlusskurs: 0,8456 GBP

AUD: Durch einen anhaltenden Preisverfall im Bereich der Basismetalle, allem voran der Eisenerzpreise in China (3-Monats-Futures befinden sich auf einem 6-Monatstief) gab der Australische Dollar gestern um 1,1% gegenüber dem Euro nach und fiel auf sein bisheriges Monatstief.

Gestrige Performance EUR/AUD: 1,10%; Höchstkurs: 1,4687 AUD (bisheriger Jahreshöchstkurs); Schlusskurs: 1,4662 AUD

Themen Heute

Überraschender Anstieg im britischen Dienstleistungsgewerbe? (EMI um 10:30 Uhr); Einzelhandelsumsätze der Eurozone um 11:00 Uhr; Beibehaltung des aktuellen Leitzinsniveaus durch norwegische Zentralbank um 10:00 Uhr erwartet; Stellungnahme Mario Draghis um 17:30 Uhr; Abstimmung über die Abschaffung der Obamacare seitens der US-Kongress-Abgeordneten erwartet

Vereinigtes Königreich: Die beiden in dieser Woche veröffentlichten EMI des britischen verarbeitenden Gewerbes und des Baugewerbes ergaben einen überraschenden Anstieg der britischen Wirtschaft im April. Marktbeobachter werden heute Morgen mit Interesse den EMI des Dienstleistungsgewerbes betrachten, der 75% des britischen BIP ausmacht und somit die wichtigste Wertschöpfungsquelle des Landes bleibt. Laut Medianprognose der von Reuters befragten Analysten, dürfte der Index im April leicht gesunken sein (Konsensprognose 54,5 gegenüber 55,0 im März). Sollte sich eine entgegengesetzte Entwicklung zeigen, dürfte das dem Britischen Pfund heute Morgen Auftrieb verschaffen.

Eurozone: Die jüngsten Fundamentaldaten der Eurozone sind eher positiv ausgefallen und deuten auf eine weitere Erholung in diesem Wirtschaftsraum hin, wie auch das BIP-Wachstum von 0,5% im 1. Quartal 2017 zeigt (beste Performance der letzten 12 Monate). Die heute Morgen anstehenden Einzelhandelsumsätze könnten die positive Lage in der Eurozone untermauern. Die Analysten gehen davon aus, dass die Einzelhandelsumsätze im März um 0,1% M/M gestiegen sind, was bedeuten würde, dass der Indikator den dritten Monat in Folge gestiegen ist.

Norwegen: Die norwegische Zentralbank wird heute Morgen wohl die Beibehaltung ihres aktuellen geldpolitischen Kurses bekanntgeben. Die Tatsache, dass die Norwegische Krone in den letzten Monaten deutliche Einbußen erlitten hat – sie befindet sich derzeit gegenüber dem Euro auf einem 9-Monatstief – dürfte die Währungshüter darin bestärken, vorerst von jeglichen Plänen einer Leitzinssenkung aufzusehen.

Mario Draghi: Im Rahmen seines ersten öffentlichen Auftritts seit der geldpolitischen Sitzung vom 27. April, könnte der EZB-Chef mehr über die kurzfristigen Vorhaben der Europäischen Zentralbank preisgeben als während der Pressekonferenz. Er wird sich aber wohl kaum als gesprächiger erweisen, was die mögliche Anpassung der verbalen Ausrichtung der Zentralbank anlässlich der Sitzung im Juni angeht, solange das Ergebnis der französischen Präsidentschaftswahlen nicht feststeht – diese Annahme wurde zumindest von Reuters in einem Bericht vertreten, der sich auf Aussagen von Personen im Umfeld des EZB-Rats stützt.

USA: Laut Aussagen des republikanischen Präsidenten des Repräsentantenhauses Paul Ryan stimmen die US-Abgeordneten heute erneut über das Gesetz zur Abschaffung der Obamacare ab. Nach der Ablehnung des ersten Gesetzesvorschlags zu diesem Thema, steht damit Donald Trump und sein Umfeld erneut auf dem Prüfstand. Dass diese Abstimmung anberaumt wurde, lässt vermuten, dass die Republikaner unter sich eine Einigung gefunden haben, um sich so in der nächsten Lesung einer Mehrheit sicher zu sein, wobei es daran noch immer Zweifel gibt.

CHF:

Gestern Morgen hat die Nervosität der Marktteilnehmer den Kurs des Währungspaars EUR/CHF belastet. Gründe hierfür waren der Anstieg der Spannungen zwischen der europäischen und der britischen Führung, die bevorstehenden geldpolitischen Beschlüsse der Fed und die letzte TV-Debatte der beiden französischen Präsidentschaftskandidaten. Das Währungspaar fiel vorübergehend unter die Marke von 1,08 CHF, was seit dem 24. April, dem Tag, an dem der Ausgang des ersten Wahldurchgangs in Frankreich bekanntgegeben wurde, so nicht mehr eingetreten ist. Der Aufwärtsdruck auf den Franken hat aber gegen Ende des Tages nachgelassen. Die Tatsache, dass Emmanuel Macron seine Chancen auf einen Wahlsieg am Sonntag durch seine überzeugenden Beiträge am gestrigen Abend ausbauen konnte, hat die Marktteilnehmer sehr erleichtert. EUR/CHF notiert nun wieder in der Spanne zwischen 1,08 und 1,09 USD.

EUR:

Die guten Zahlen des 1. Quartals 2017 (+0,5% Q/Q, +1,7% J/J) geben Anlass zu der Hoffnung, dass sich eine tatsächliche Verbesserung der wirtschaftlichen Fundamentaldaten in der Region einstellt. Die guten Ergebnisse lassen auch darauf hoffen, dass man in der Eurozone mittelfristig einen schrittweisen Ausstieg aus den geldpolitischen Lockerungen ins Auge fassen könnte. Die abschließende TV-Debatte zwischen den beiden Kandidaten, die sich um das Amt des französischen Staatspräsidenten bemühen, dürfte an dem Kräfteverhältnis, das sich in den letzten Tagen herauskristallisiert hatte, kaum etwas ändern. Der proeuropäische Kandidat, der den verbalen Attacken seiner Rivalin nicht nachgab, scheint als der große Gewinner aus dieser Debatte hervorgegangen zu sein und seine Eignung für das Amt unter Beweis gestellt zu haben. In diesem Zusammenhang hat sich eine Stabilisierung des Euro auf einem soliden Kursniveau eingestellt. Er notiert heute Morgen nach wie vor im Bereich von 1,0850 und 1,0950 USD – und das trotz der optimistischen Äußerungen der Fed am gestrigen Abend. Das könnte sich allerdings ändern, falls die US-Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft am Freitag entweder deutlich über oder unter den Erwartungen sein sollten.

USD:

Der US-Dollar konnte gegen Ende des gestrigen Handelstages zulegen und reagierte damit auf die recht optimistischen Äußerungen der US-Währungshüter in der Pressemitteilung. Es scheint als bereite die Abkühlung im 1. Quartal der Fed keine Sorge, da sie noch immer deutliche, dauerhafte Verbesserungen auf dem Arbeitsmarkt, beim Konsum und bei der Inflationsrate sieht. Auch wenn eine Erhöhung der Leitzinsen im Juni nach wie vor wahrscheinlich ist, bedarf sie doch eines soliden Fundaments in Form von Fakten, d.h. konkreten Wirtschaftsindikatoren. Der starke Anstieg der Aktivität des verarbeitenden Gewerbes im April (gestern veröffentlichter ISM-Index 57,5 gegenüber erwarteten 55,7 und 55,2 im März) spricht in jedem Fall für diese Hypothese, bis am Freitag die Beschäftigungszahlen erscheinen. Gestern Abend lag die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung laut dem FedWatch Tool der CME Group bei 74%).

Neben den neuen Zahlen der Handelsbilanz könnte heute die erneute Abstimmung über eine überarbeitete Gesetzesvorlage zur Abschaffung der Obamacare ein Ereignis von großer Tragweite werden. Die Lesung wurde gestern vom republikanischen Präsidenten des Repräsentantenhaus bekanntgegeben. Ein erneutes Scheitern würde die Glaubwürdigkeit Donald Trumps und seiner Regierung stark infrage stellen.


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