Wöchentliche Marktberichte

Apr 25, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Die Euphorie nach den französischen Wahlen verleiht dem Euro nach wie vor Rückenwind. Er kann gegenüber allen G10-Staaten mit Ausnahme der SEK zulegen: EUR/USD nähert sich der Marke von 1,09 USD, EUR/CHF der von 1,0850 CHF.
  • Erneute militärische Übungen in Nordkorea entdeckt; Devisenhandel scheint davon unberührt: EUR/JPY mit 0,7% im Aufwärtstrend (120,1 JPY).
  • EUR/CAD verzeichnet einen Anstieg um 0,7% und steigt mit 1,4779 CAD auf ein neues 5-Monatshoch.

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

Frankreich (08:45 Uhr) – Geschäftsklimaindex (April) – Konsensprognose 104 gegenüber 104 im Vormonat

UK (10:30 Uhr) – Nettokreditaufnahme der öffentlichen Hand (März) – Konsensprognose 1,5 Mrd. GBP gegenüber 1,1 Mrd. GBP im Vormonat

USA (15:00 Uhr) – Case-Shiller Wohnimmobilienindex J/J (Februar) – Konsensprognose 5,7% gegenüber 5,7% im Vormonat

USA (16:00 Uhr) – CBI-Verbrauchervertrauensindex (April) – Konsensprognose 122,5 gegenüber 125,6 im Vormonat

USA (16:00 Uhr) – Verkaufszahlen Neubau M/M (März) – Konsensprognose -0,8% gegenüber 6,1% im Vormonat

Schwerpunkte am Vortag

Finanzwelt erleichtert über Ergebnis des 1. Wahldurchgangs in Frankreich; Geschäftsklimaindex in Deutschland; Donald Trump lässt Senkung der Unternehmenssteuer auf 15% anklingen; Europäer schlagen bezüglich des Brexit schärferen Ton an; IWF gibt Vermerk über den Kampf gegen Protektionismus auf

Frankreich: An den europäischen Börsen war eine Welle der Erleichterung zu spüren, nachdem das Ergebnis des ersten Durchgangs der französischen Präsidentschaftswahlen bekannt wurde. Der europhile Kandidat Emmanuel Macron gewann die Wahl mit 24% und damit mit einem deutlichen Vorsprung vor seiner Rivalin Marine Le Pen (21,3%), gegen die er in der Stichwahl antreten wird. Nur der Kandidat der Partei En Marche scheint ausreichend Stimmen in der Hinterhand zu haben, um Marine Le Pen am 7. Mai zu schlagen und so endgültig die Gefahr eines drohenden Frexit (Austritt Frankreichs aus der EU und der Eurozone) zu bannen. Den jüngsten Umfragen zufolge scheint er mit über 60% der Stimmen wohl auch die Stichwahl für sich entscheiden können. Der CAC 40 hat einen Anstieg von über 4% verzeichnet und damit die stärkste Tagesperformance seit über 4,5 Jahren gezeigt. Gleichzeitig konnte der Euro gegenüber den meisten Währungen der Industriestaaten deutlich, d.h. zwischen 1% und 2%, zulegen, mit Ausnahme zweier skandinavischer Währungen, der Norwegischen und der Schwedischen Krone.

Gestrige Performance (an sinkender Reihenfolge): EUR/JPY = +1,96%; EUR/NZD = +1,53%; EUR/GBP = +1,40%; EUR/CAD = +1,34%; EUR/USD = +1,31%; EUR/CHF = +1,28%; EUR/AUD = +0,94%; EUR/NOK = -0,11%; EUR/SEK= -0,35%

Deutschland: Der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex stieg im April stärker als erwartet und erreichte nahezu ein 6-Jahreshoch. Diese Umfrage zeigt das hohe Maß an Optimismus, das im deutschen Management in Bezug auf die aktuelle wirtschaftliche Lage der stärksten Volkswirtschaft Europas herrscht.

USA: Bevor am Mittwoch die grobe Struktur der geplanten Steuerreform dargelegt wird, haben die Medien bereits berichtet, Donald Trump habe auf der Sitzung am vergangenen Freitag gefordert, die Besteuerung der Unternehmen von 35% auf 15% zu senken, was seine Bereitschaft unterstreicht, Steuereinbußen für Washington zu billigen. Dieser Vorschlag könnte vom Kongress mit gedämpftem Enthusiasmus aufgenommen werden, da eine derartige Steuersenkung natürlich die Staatsverschuldung deutlich in die Höhe treiben würde.

Brexit: Die Nachrichtenagentur Bloomberg ließ gestern verlauten, dass die EU-Mitglieder – unter Wortführung Frankreichs – laut den ersten Reaktionen auf die Skizze der Roadmap, die man vor dem EU-Gipfel am Wochenende erstellt, fordern, dass die Finanzdienstleistungen nicht automatisch Teil der ersten Vorverhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen den beiden Wirtschaftsräumen sein werden und dass der Status der auf britischem Boden lebenden EU-Bürger klar festgelegt und geschützt werden muss, bevor man überhaupt Verhandlungen zu wirtschaftlichen Fragen führt. Mehrere Investmentbanken ließen gestern durchblicken, dass ein Sieg Emmanuel Macrons in Frankreich den Boden für einen harten Bruch des Vereinigten Königreichs mit der EU, also für einen „Hard Brexit“, bereiten könnte. Als überzeugter EU-Befürworter, ließ er durchblicken, dass er sich – sofern er zum Präsidenten gewählt wird – dafür einsetzen wird, die Zugeständnisse, die man dem Vereinigten Königreich gewährt, so gering wie möglich zu halten, um so die Einheit der EU zu wahren und das Vertrauen in das Projekt Europa wiederherzustellen.

IWF: In einem gestern veröffentlichten Kommuniqué, das die Debatten zusammenfasst, die während des dreitägigen, halbjährlich stattfindenden Seminars der weltweiten Organisation des Internationalen Währungsfonds (IWF) geführt wurden, hat der IWF auf seinen üblichen Hinweis auf den Kampf gegen den Protektionismus verzichtet. Diese Entscheidung spiegelt einen ähnlichen Beschluss der G20-Staaten wider und unterstreicht damit, dass sich mit Donald Trumps Amtsantritt als US-Präsident tatsächlich eine Kursänderung vollzogen hat.

Themen Heute

US-Verbrauchervertrauensindex und US-Wohnimmobilienindex für das Neubausegment; Sorge im Zusammenhang mit Nordkorea; USA stellen Ausgleichszoll in Höhe von 20% auf kanadische Nutzhölzer in den Raum (EUR/CAD auf 5-Monatshoch)

USA: Heute Nachmittag erscheint in den USA der neue Verbrauchervertrauensindex des Conference Boards. Man gehe davon aus, dass er gegenüber dem Vormonat leicht nachgelassen hat. Die Statistik der Verkäufe neuer Wohnimmobilien könnte für März ebenfalls einen Rückgang aufweisen, nachdem dieser Bereich im Februar mit 6% einen deutlichen Anstieg verzeichnet hatte (Konsensprognose: -0,8% M/M).

Nordkorea: Anlässlich des 85. Jahrestages der Gründung der Koreanischen Volksarmee berichteten mehrere Medien, dass Nordkorea umfassende Abschussübungen getätigt habe, um dieses Ereignis „zu feiern“. Gestern ließ die Regierung in Pjöngjang verlauten, sie sei in der Lage, einen atombetriebenen US-Flugzeugträger mit einem einzigen Schlag zu versenken. Diese Aussage spielt auf die jüngste Entsendung von US-Zerstörern und -Flugzeugträgern in den Pazifik an. Man befürchtet zunehmend, dass Nordkorea neue Atomtests durchführen und/oder Raketen in der Region abschießen könnte. Trotz Aufflammen dieser neuen Sorgen kam es nicht zu Kursanstiegen des Yen.

Kanada: US-Wirtschaftsminister Wilbur Ross deutete gestern an, dass man die Einführung eines Ausgleichszolls in Höhe von 20% auf den Import von durch Ottawa subventionierte Nutzhölzer plant. Vor Eröffnung des europäischen Handelstages verzeichnete EUR/CAD bereits einen Anstieg um 0,4% und erreichte mit 1,4779 CAD ein 5-Monatshoch.

CHF:

Da die politischen Risiken in Europa (kurzfristig) gesunken sind und sich die Marktteilnehmer nun unter Annahme eines Wahlsiegs des pro-europäischen französischen Präsidentschaftskandidaten Emmanuel Macron am 7. Mai 2017 neu positionieren, ist das Interesse der Anleger am Euro – zu Ungunsten des Schweizer Franken – wieder gestiegen. Darüber hinaus lösen die Anleger nach und nach die Hedging-Positionen in Schweizer Franken auf, die sie zum Schutz vor einer Abwertung des Euro im Hinblick auf den Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen gebildet haben. EUR/CHF befindet sich nach wie vor in einem Aufwärtstrend und bewegt sich heute Morgen auf die Marke von 1,0850 CHF zu, die zuletzt vor vier Monaten erreicht wurde. Diese neue Welle des Optimismus könnte sich jedoch jeden Moment auch wieder umkehren, falls sich das Stimmenverhältnis bei den Umfragewerten in den beiden Wochen vor der Stichwahl am 7. Mai zugunsten der euroskeptischen Kandidatin Marine Le Pen verändern sollte.

EUR:

Die in Bezug auf den Euro herrschende gestrige Euphorie scheint noch nicht abzuebben, sondern vielmehr zuzunehmen, da er die gegenüber vielen Währungen der G10-Staaten erzielten Kursgewinne weiter ausbauen konnte. Die Aussichten auf einen potentiellen Wahlsieg Emmanuel Macros am 7. Mai scheinen die Nachfrage nach Euro deutlich erhöht zu haben, denn eine Wahlniederlage Macrons scheint bei einem Kräfteverhältnis von 60% zu 40%, das laut den aktuellen Umfragewerten derzeit herrscht, kaum wahrscheinlich. Abgesehen davon, dass die mit einem möglichen Frexit verbundenen Ängste gesunken sind, spekulieren die Anleger auch auf eine mögliche Kursänderung seitens der EZB. Zwar kommt die EZB-Sitzung am Donnerstag zwischen den beiden Wahlgängen etwas zu früh, um darauf hoffen zu lassen, dass bereits ein geldpolitischer Kurswandel angesprochen wird, doch könnten zumindest geldpolitisch etwas weniger expansive Töne angeschlagen werden, als man sie von Mario Draghi in seiner traditionellen Pressekonferenz nach der Sitzung bisher gewöhnt war.

USD:

Donald Trump, der am Wochenende die ersten 100 Tage im Weißen Haus feiert, steht eine lange Woche bevor. Der US-Präsident hat bis Freitagabend Zeit, um vom US-Kongress die Zustimmung zu dem von ihm vorgelegten Staatshaushalt zu erhalten. Sollte ihm dies nicht gelingen, könnte es wie bereits 2013 zu einer völligen Lähmung der staatlichen Behörden und Dienstleistungen kommen. Bisher sieht es so aus, als sei das Lager der Demokraten nicht bereit, den Haushalt zu verabschieden, in dem ihrer Meinung nach auch „Unsummen“ für den Bau einer Mauer entlang der mexikanischen Grenze vorgesehen sind. Am Mittwoch wird das Weiße Haus die grobe Struktur der von Trump während seiner Wahlkampagne versprochenen Steuerreform darlegen. Auf dieser Reform basierte eine Reihe von Spekulationen an den Börsen und sie war einer der Hauptgründe für die Welle an Optimismus, die sich in den USA nach dem Sieg Donald Trumps verbreitet hat. Trump plant durchgreifende Änderungen, indem er massive Steuersenkungen ankündigt, vor allem was die Senkung der Unternehmenssteuer auf 15% angeht, die dann zu den weltweit niedrigsten überhaupt gehören würden. Die Anleger verhalten sich derzeit noch abwartend. Sie ziehen es vor, sich nicht erneut von bloßen Ankündigungen beeinflussen zu lassen. Stattdessen warten sie vor einer Neupositionierung geduldig auf die offiziellen Informationen.


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