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Wöchentliche Marktberichte

Apr 19, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Momentaner Rückgang der geopolitischen Spannungen. Somit konnte der Euro fast gegenüber allen Währungen der G10-Staaten zulegen; EUR/JPY stieg heute Morgen bereits um 0,4% und nähert sich der Marke von 117 JPY.
  • Der Australische Dollar hat heute Morgen erneut nachgegeben und befindet sich nach wie vor in dem gestern eingeleiteten Abwärtstrend; EUR/AUD nähert sich der Marke von 1,43 AUD und damit einem 3-Monatshoch.
  • EUR/GBP notiert nach den Verlusten der vergangenen drei Monate heute stabil. Der Kurs bewegt sich im Bereich von 0,8350 GBP (niedrigstes Kursniveau seit Juli 2016).

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

Eurozone (11:00 Uhr) – Handelsbilanz (Februar) – Konsensprognose 16,2 Mrd. EUR gegenüber -0,6 Mrd. Euro im Vormonat

Euro (11:00 Uhr) – endgültige Gesamtinflation J/J (März) – Konsensprognose 1,5% gegenüber 1,5% im Vormonat

Eurozone (14:00 Uhr) – Stellungnahme von Benoît Coeuré (EZB)

USA (20:00 Uhr) – US-Konjunkturbericht der Fed (Beige Book)

Schwerpunkte am Vortag

Britisches Pfund schließt nach Bekanntgabe vorgezogener Wahlen im Juni auf 9-Monatshoch; Anleger stellen Solidität der US-Wirtschaft in Frage; rohstofflastige Währungen wie AUD und CAD mit Schwierigkeiten konfrontiert, IWF rechnet mit möglichem Wachstumsschub der Weltwirtschaft

Vereinigtes Königreich: Theresa Mays gestrige Ankündigung vorgezogener britischer Parlamentswahlen am 8. Juni 2017 wurde von den Marktteilnehmern positiv aufgenommen, da man darin die Möglichkeit sieht, eine starke und stabile Regierung in der Verhandlungsphase mit der EU, die bis März 2019 andauern wird, zu installieren. Denn laut den aktuellen Umfragen, wären die Konservativen derzeit in der Lage, ihre bestehende Mehrheit im Parlament auszubauen. Es wäre ein Unsicherheitsfaktor weniger, den man im Austrittsprozess berücksichtigen müsste, da sich abzeichnet, dass dieser lang und schwierig werden könnte. Nach dieser Ankündigung Theresa Mays konnte das Britische Pfund gegenüber dem Euro über 1% zulegen, eine Entwicklung, die durch die aktuelle Zurückhaltung der Marktakteure gegenüber dem Euro im Vorfeld der französischen Wahlen, zusätzlich untermauert wurde. Denn der Ausgang des 1. Durchgangs der französischen Präsidentschaftswahlen ist nach wie vor sehr ungewiss. EUR/GBP schloss somit auf einem 9-Monatstief.

Gestrige Performance EUR/GBP: -1,36%; Tiefstkurs: 0,8313 GBP (niedrigster Kurs seit dem 5. Dezember 2016); Schlusskurs: 0,8352 GBP (niedrigster Kurs seit dem 21. Juli 2016)

USA: Der US-Dollar erlebte gestern einen schwierigen Tag, da mehrere Elemente auftauchten, die bei den Anlegern Fragen hinsichtlich der Solidität der US-Wirtschaft aufkommen ließen, vor allem auch was die Wachstumsaussichten angeht. Die Anleger haben noch die am Freitag erschienenen, enttäuschenden Inflationsdaten und Einzelhandelsumsätze im Kopf und auch die Quartalsergebnisse der großen US-Unternehmen (vor allem IBM und Goldman Sachs), die gestern erschienen, trugen wenig zu ihrer Beruhigung bei. Was die wirtschaftlichen Aussichten in den USA angeht, dürfte das gestrige Geständnis von US-Finanzminister Steven Mnuchin, dass die große Steuerreform, die im Zentrum von Donald Trumps  Wahlkampagne stand und größtenteils für den aktuellen Optimismus an den Finanzmärkten verantwortlich ist, wohl kaum vor August durchgeführt wird (der Finanzminister bezeichnete es als unrealistisch), lässt vermuten, dass sich die von Trump versprochene expansionistische Wirtschaftspolitik realwirtschaftlich nur beschränkt auswirken dürfte. Es sei auch darauf hingewiesen, dass der IWF seine Wachstumsprognose für die USA für 2017 unverändert bei 2,3% belassen hat.

Gestrige Performance EUR/USD: +0,86%; Höchstkurs: 1,0736 USD (höchstes Kursniveau im April); Schlusskurs: 1,0732 USD

Gestrige Performance EUR/CNH: +0,89%; Höchstkurs: 7,3905 CNH (höchstes Kursniveau im April); Schlusskurs: 7,3760 CNH 

Rohöl: Die Preise für Rohöl sind gestern den dritten Handelstag in Folge gefallen, sodass sie insgesamt in den letzten vier Handelstagen eine Performance von -2,4% (Brent-Index) bzw. -1,9% (WTI-Index) verzeichnet haben und gestern auf ein 1-Wochentief zurückgefallen sind. Dieser erneute Rückgang der Preise ist darauf zurückzuführen, dass die US-Regierung gestern erklärte, ihre heimische Produktion an Schieferöl solle im Mai den stärksten monatlichen Anstieg seit über zwei Jahren verzeichnen. Aufgrund der hohen Ölfördermengen mehrerer Nicht-OPEC-Mitgliedsstaaten, allen voran der USA, sind die Anleger skeptisch, ob es der OPEC wirklich gelingen wird, das Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage am Weltmarkt zu reduzieren. Der Preis pro Barrel Brent lag gestern am Ende des Handelstages unter 55 USD, während der für ein Barrel WTI unter 52,5 USD lag.

CAD: Der gestrige starke Rückgang des kanadischen Loonie ist ebenfalls auf den neuen Baissekurs der Anleger zurückzuführen, die kurz- oder mittelfristig mit einer Änderung des geldpolitischen Kurses der Bank of Canada (BoC) rechnen. Der IWF behielt gestern seine Prognose eines 1,9-prozentigen Wachstums der kanadischen Wirtschaft in diesem Jahr bei, eine Zahl die allerdings deutlich von der Anfang des Jahres seitens der kanadischen Regierung geäußerten Prognose von 2,6% abzuweichen scheint.

Gestrige Performance EUR/CAD: +1,28%; Höchstkurs: 1,4379 CAD (höchstes Kursniveau im April); Schlusskurs: 1,4351 CAD

AUD: Der Australische Dollar bekam den Pessimismus der Marktteilnehmer zu spüren, nachdem die Reserve Bank of Australia (RBA) in ihrem Protokoll der letzten geldpolitischen Sitzung recht vorsichtige Töne anschlug und die Terminkontrakte auf Eisenerz gestern mit 70 $/Unze auf ein 5-Monatstief gefallen sind (Rückgang um 20% im Laufe der vergangenen vier Wochen).

Gestrige Performance: +1,22%; Höchstkurs: 1,4207 AUD (höchstes Kursniveau seit einer Woche); Schlusskurs: 1,4192 AUD

IWF: Unter dem Titel „Neuer Schwung?“ unterscheidet sich der aktuelle Halbjahresbericht des IWF von den vorherigen Berichten der internationalen Organisation, insofern als ein Hauch von Optimismus von ihm ausgeht. Tatsächlich wurde die Wachstumsprognose der Weltwirtschaft für 2017 von 0,1% auf 3,5% heraufgesetzt, was gegenüber den 3,1% des vergangenen Jahres eine deutliche Beschleunigung bedeuten würde. Gegenüber den im Januar veröffentlichten Prognosen blieb die Prognose für die USA unverändert (2,3% für 2017 und 2,5% für 2018). Allerdings weist der Chefökonomen des IWF darauf hin, dass eine Beschleunigung des Wachstums der US-Wirtschaft, die sich vor allem durch die Verringerung der nicht Beschäftigten am Arbeitsmarkt offenbart, in Verbindung mit einer expansionistischen Steuerreform dazu führen könnte, dass die Fed die Normalisierung des Zinsniveaus schneller vollzieht. Die Wachstumsprognosen der Eurozone und des Vereinigten Königreichs wurden für 2017 mit +1,0% bzw. +0,5% gegenüber der Januar-Prognose nach oben korrigiert. Was die britische Wirtschaft angeht, so geht der IWF davon aus, dass die Auswirkungen des Brexit auf die Wirtschaft erst 2018 erkennbar werden (Prognose von 1,5%; +0,1% gegenüber Januar).

Themen Heute

Endgültige Inflationsrate der Eurozone um 11:00 Uhr; US-Konjunkturbericht der Fed (Beige Book) um 20:00 Uhr; Abstimmung des britischen Parlaments über die Durchführung vorgezogener Parlamentswahlen im Juni; Dreiergespräch zwischen den USA, Japan und Südkorea zum Thema Nordkorea

Eurozone: Am späten Vormittag erscheinen in der Eurozone die endgültigen Inflationsdaten für März. Die Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die Preissteigerungen im März deutlich nachgelassen haben (1. Schätzung: 1,5% J/J gegenüber 2% im Februar).

USA: Heute Abend veröffentlicht die Fed um 20:00 Uhr das Beige Book, also den Konjunkturbericht, der Aufschluss über das wirtschaftliche Wachstum in mehreren großen Regionen der USA gibt. Der Bericht wird erste Hinweise zur Einschätzung und Klärung von Fragen liefern, die sich die Anleger derzeit in Bezug auf die tatsächliche Solidität der US-Wirtschaft stellen. Mehrere enttäuschende Konjunkturdaten, die in der jüngsten Zeit erschienen, haben unter Marktteilnehmern Zweifel hervorgerufen.

Vereinigtes Königreich: Nach der gestrigen Bekanntgabe der britischen Premierministerin müssen heute die Abgeordneten des britischen Parlaments über die Durchführung vorgezogener Wahlen im Juni abstimmen. Da Theresa May über eine Mehrheit im House of Commons verfügt, ist nicht davon auszugehen, dass ihr Antrag abgelehnt wird. Durch die vorgezogenen Wahlen könnte Theresa May im Fall eines Wahlsiegs ihre Position als Regierungschefin bis 2022 festigen.

Geopolitik: Vertreter der USA, Südkoreas und Japans treffen sich heute in Tokio, um über die von Nordkorea ausgehende Bedrohung zu sprechen und Lösungen zur Sicherung der Stabilität in der Region zu erörtern.

CHF:

Die Kursschwankungen der schweizerischen Währung hielten sich in Grenzen, während die Ankündigung vorgezogene britischer Parlamentswahlen im Juni 2017 die Anzahl der in Europa bevorstehenden Wahlen zusätzlich erhöht (Frankreich und Deutschland 2017 und Italien 2018). Aufgrund der mit den französischen Wahlen verbundenen Unsicherheit notiert der Schweizer Franken weiterhin im oberen Bereich wie der Anstieg der impliziten 1-Wochen-Volatilität für EUR/CHF heute morgen zeigte (siehe Abbildung rechts). Die Tatsache, dass die US-Regierung eingeräumt hat, die Schweiz gehöre nicht zu den Währungsmanipulatoren, hatte praktisch keine Auswirkungen auf den Franken, außer vielleicht, dass er sein aktuelles Kursniveau festigen konnte. Bis Sonntag dürfte EUR/CHF wohl hauptsächlich im Bereich des Stützungskurses von 1,0680 CHF notieren, wobei der Kurs des Währungspaars durchaus auch auf die Marke von 1,06 CHF zusteuern könnte, falls an den Märkten erneut Unruhe ausbricht.

EUR:

EUR/USD konnte sich gestern deutlich erholen und überstieg die Marke von 1,07 USD, ein (unerwartet?) attraktives Kursniveau vor den französischen Wahlen, die zahlreiche Ängste schüren. Der Ausgang ist weiter unklar, da der Abstand zwischen den Kandidaten laut Umfragen nach wie vor nicht groß ist. Eine heute Morgen vom Forschungszentrum von Science Po (Cevipof) veröffentlichte Studie ergab, dass wohl die Popularität der beiden Favoriten Emmanuel Macron und Marine Le Pen zugunsten der beiden Herausforderer François Fillon und Jean-Luc Mélenchon nachgelassen hat. Eine wichtige Tatsache sollte man nicht außer Acht lassen: zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist wohl noch ein Viertel der Wahlberechtigten unentschlossen, sodass es durchaus Überraschungen kommen kann.

Man wird aufmerksam die heute Morgen anstehenden endgültigen Inflationsdaten der Eurozone und die Stellungnahme Benoît Coeurés heute Nachmittag verfolgen. Sollte wieder verstärkt mit einer vorsichtigen Ausrichtung der EZB gerechnet werden, da die Inflationsdaten kaum auf eine dauerhafte wirtschaftliche Erholung hoffen lassen, könnte das den Euro belasten.

USD:

Der US-Dollar-Index ist auf ein 2-Wochentief gefallen, nachdem der weltweite Optimismus der Anleger in Bezug auf die US-Wirtschaft nachgelassen hat (siehe auch Schwerpunkte des Vortags). Während die Wahrscheinlichkeit einer weiteren US-Leitzinserhöhung vor Ende Juni zu Beginn des Monats noch bei über 60% lag, liegt sie laut dem FedWatch Tool der CME Group mittlerweile „nur noch“ bei 45%. Da keine wichtigen Konjunkturdaten anstehen, dürfte die Kursentwicklung des US-Dollar primär von den Quartalsergebnissen der Unternehmen und der allgemeinen Stimmung am Markt im Zusammenhang mit den französischen Wahlen und den aktuellen Verhandlungen zur Eindämmung der Bedrohung einiger Regionen in Asien durch Nordkorea abhängen. Als wichtigstes Ereignis dürfte heute der US-Konjunkturbericht der Fed (Beige Book) einzustufen sein, der um 20:00 Uhr erscheint (siehe auch Schwerpunkte des Tages).


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