Wöchentliche Marktberichte

Apr 11, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Aufgrund eines Anstiegs der geopolitischen Spannungen auf der koreanischen Halbinsel konnte der Yen gegenüber dem Euro um 0,5% zulegen. EUR/JPY rutschte erstmals seit dem 18. November 2016 wieder unter die Marke von 117 JPY.
  • Auch der Schweizer Franken und der US-Dollar konnten gegenüber dem Euro mit +0,1% ein wenig zulegen. EUR/USD notiert heute Morgen im Bereich von 1,0580 USD.
  • Das Britische Pfund notiert vor der heute Morgen um 10:30 Uhr anstehenden Veröffentlichung der Inflationsdaten stabil.
  • Der kanadische Loonie hat gegenüber dem Euro heute Morgen erstmals seit dem 3. März wieder die Marke von 1,41 CAD unterschritten, da die Ölpreise nach wie vor recht hoch sind (Brent-Index nähert sich der Marke von 56 USD).

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

Welt (ganztägig) – 2. Tag des G7-Gipfels (Außenminister) in Italien

UK (10:30 Uhr) – Gesamtinflation J/J (März) – Konsensprognose 2,3% gegenüber 2,3% im Vormonat

Eurozone (11:00 Uhr) – Industrieproduktion M/M (Februar) – Konsensprognose 0,1% gegenüber 0,9% im Vormonat

Deutschland (11:00 Uhr) – ZEW-Konjunkturerwartungen (April) – Konsensprognose 14,0 gegenüber 12,8 im Vormonat

Schwerpunkte am Vortag

Janet Yellen bestätigt die Entscheidung für eine „schrittweise“ Normalisierung der Zinsen; europäische Marktakteure integrieren das Risiko eines Wahlsiegs von Mélenchon; Rohölpreise machen die Verluste des Vormonats wett; südafrikanischer Rand erneut deutlich gefallen

Janet Yellen: Anlässlich der Einladung der Universität von Michigan, an einer Frage/Antwort-Veranstaltung teilzunehmen, bestätigte die Fed-Vorsitzende Janet Yellen, es sei jetzt das Ziel der Fed, schrittweise die Unterstützung der Wirtschaft zurückzufahren und gleichzeitig dauerhaftes Wachstum zu gewährleisten. Ihren Worten zufolge, sei es an der Zentralbank, „den Motor ohne übertriebene Sparsamkeit weiter mit Treibstoff zu versorgen“. Die Gefahr, den Leitzins zu schnell zu erhöhen, ist ebenso real wie die, ihn zu langsam zu erhöhen. Laut Ansicht der Fed-Chefin sollte sich das Wachstum der US-Wirtschaft weiterhin moderat vollziehen, und vor diesem Hintergrund sollte die geldpolitische Normalisierung schrittweise vollzogen werden. Ihre Aussagen haben selbst die optimistischsten Anleger, die sich für eine schnellere Anhebung der Leitzinsen starkmachen, nicht beruhigt, da man langsam die Möglichkeit in Betracht zieht, dass die Fed in Sachen Leitzinserhöhung eine Pause einlegen könnte, um die Bilanzsumme von 4,5 Bio. USD zu reduzieren. Laut dem FedWatch der CME Group sank die implizite Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung im Juni gestern von 71,0% auf 66,5%.

Gestrige Performance des US-Dollar-Indexes (DXY): -0,16%, Tiefstkurs 100,94; Schlusskurs: 101,02

Frankreich: Laut einer gestern veröffentlichten Umfrage von Ifop-Fiducial führt Marine Le Pen derzeit im ersten Wahldurchgang mit 24% der voraussichtlichen Wählerstimmen, knapp vor Emmanuel Macron der derzeit wohl 23% der Stimmen auf sich vereinigen kann. Hinter den beiden Favoriten, die seit eineinhalb Monaten in den Umfragewerten führen, liegt François Fillon mit 18,5% knapp vor Jean-Luc Mélenchon mit 18,0% der voraussichtlichen Wählerstimmen. Wie die in den letzten Tagen erschienenen Umfragen zu bestätigen scheinen, wird die Entscheidung wohl unter diesen vier Kandidaten fallen, da der Kandidat der Sozialisten Benoît Hamon weit abgeschlagen zu sein scheint. Der jüngste Anstieg der Popularität des Kandidaten der äußeren Linken, Jean-Luc Mélenchon, der dafür bekannt ist, den Börsen nicht sehr positiv gegenüberzustehen, und der sich für einen Verbleib Frankreichs in der EU unter bestimmten Bedingungen starkmacht (sein Ziel ist es, die europäischen Verträge neu zu verhandeln), sorgt unter den europäischen Anlegern für eine gewisse Nervosität. Die Aussichten auf einen zweiten Wahldurchgang bzw. eine Stichwahl, in der sich Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon gegenüberstehen, wird von vielen Beobachtern als Katastrophenszenario gewertet. Aufgrund dieser Lage greifen die Anleger zu Hedging-Möglichkeiten, sodass der Preis für Optionen, die vor einem möglichen Kurseinbruch des Währungspaars EUR/USD über den Zeitraum eines Monats schützen sollen (implizite 1-Monats-Volatilität), wieder auf den höchsten Stand seit Juni 2016 – also der Phase vor dem britischen EU-Referendum – gestiegen ist.

Gestrige Performance von EUR/USD: +0,05%; Tiefstkurs 1,0568 USD (niedrigster Kurs seit dem 9. März); Schlusskurs: 1,0593 USD

Rohöl: Die Rohölpreise konnten die gesamten im März verzeichneten Verluste wieder gutmachen, denn der Brent-Index hat im Laufe der letzten zehn Handelstage wieder über 10% zugelegt. Die am Freitag erfolgte Intervention der USA in Syrien und die möglichen Auswirkungen auf die Fördermengen des Landes sowie die Äußerungen des russischen Energieministers am Wochenende, der die Ansicht vertrat, man solle die von der OPEC unterzeichnete Quotenregelung auch noch über Juni hinaus beibehalten, wurden als Zeichen dafür interpretiert, dass der Preis pro Barrel durchaus noch weiter steigen kann. Wie bereits am Freitag stieg der Brent-Index gestern wieder in den Bereich von 56 USD. Die rohölbasierten Währungen bekamen durch diesen Anstieg der Ölpreise Rückenwind.

Gestrige Performance von EUR/CAD: -0,47%; Tiefstkurs: 1,4107 CAD (niedrigster Kurs seit dem 4. März); Schlusskurs: 1,4117 CAD

Gestrige Performance von EUR/NOK: -0,33%; Tiefstkurs: 9,1278 NOK (niedrigster Kurs seit dem  21. März); Schlusskurs: 9,1366 NOK 

Südafrika: Der südafrikanische Rand ist gestern gegenüber dem Euro erneut deutlich eingebrochen, da nun auch Fitch, als zweite Ratingagentur, die Bonität der südafrikanischen Staatsanleihen auf das Niveau „spekulative Anleihe“ heruntergesetzt hat.

Gestrige Performance von EUR/ZAR: +1,32%; Höchstkurs: 14,7828 ZAR; Schlusskurs: 14,7742 ZAR

Themen Heute

Britische Inflationsrate (10:30 Uhr); Kommuniqué des G7-Gipfels; geopolitische Spannungen auf der koreanischen Halbinsel steigen; Industrieproduktion der Eurozone und deutsche ZEW-Konjunkturerwartungen (11:00 Uhr)

Vereinigtes Königreich: Heute Morgen um 10:30 Uhr erscheinen die britischen Inflationsdaten für März. Man geht davon aus, dass die Gesamtinflation auf Jahresbasis gegenüber dem Vormonat unverändert geblieben ist (2,3% J/J). Sollte die britische Inflationsrate allerdings steigen, könnte das erneute Spekulationen um eine mögliche Leitzinserhöhung durch die Bank of England (BoE) zur Eindämmung der Preissteigerungen und ihrer negativen Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft auslösen. Debatten hierüber könnten dem Britischen Pfund erneut Rückenwind verschaffen.

G7-Gipfel: Die Außenminister der sieben führenden Industrienationen, die seit gestern anlässlich ihres jährlichen Gipfels in Italien zusammengekommen sind, werden heute Morgen ihr offizielle Kommuniqué zum Inhalt der Gespräche veröffentlichen. Aufgrund des angespannten geopolitischen Klimas sind die Marktteilnehmer gespannt zu erfahren, ob die führenden Industrienationen planen, gemeinsame Schritte zu unternehmen, um die Spannungen zu reduzieren, oder ob sich eine Zersplitterung der Länder abzeichnet, vor allem im Hinblick auf die Vorgehensweise/Position bezüglich Syrien und Nordkorea.

Nordkorea: Heute Morgen eskalierte die Spannung im Zusammenhang mit Nordkorea. Das Land erklärte sich nach der – von der Regierung in Pjöngjang als „unsinnig“ bezeichneten – Entsendung eines US-amerikanischen Flugzeugträgers in Richtung auf die koreanischen Halbinsel bereit, zu den Waffen zu greifen. Auf der anderen Seite hat die südkoreanische Führung ihr Raketenabwehrsystem in Stellung gebracht, um sich gegen eventuelle Angriffe zu verteidigen, und Nordkorea aufgefordert, die Provokationen zu unterlassen. Südkorea erklärte heute Morgen, es werde bei Angriffen des nordkoreanischen Nachbarn nicht untätig zusehen.

Eurozone: Die beiden wichtigsten Konjunkturdaten, die heute Morgen in Europa erscheinen, sind die Industrieproduktion der Eurozone und das deutschen ZEW-Konjunkturbarometer, das das Vertrauen der Anleger und Branchen in Deutschland widerspiegelt.

CHF:

Zwei Faktoren, die dem Franken kräftigen Rückenwind verschafft haben, sind der weltweite Anstieg der geopolitischen Spannungen und die zunehmende Zurückhaltung der europäischen Anleger gegenüber dem Euro. Letztere ist darauf zurückzuführen, dass es nun mit Jean-Luc Mélenchon (dem Kandidaten des äußeren linken Flügels) im Endspurt der am 7. Mai endenden Wahl einen weiteren ernstzunehmenden Kandidaten für das Amt des französischen Präsidenten gibt. Der Kurs des Währungspaars EUR/CHF fluktuiert nun unterhalb des bedeutsamen Stützungspunkts von 1,0680 CHF.

EUR:

Die Sorge der Anleger um den Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen wirkt weiter dämpfend auf den Euro. Denn die Marktteilnehmer haben nun ein neues „Risiko-Szenario“ eingepreist, namentlich den möglichen Wahlsieg des Kandidaten des äußersten linken Flügels Jean-Luc Mélenchon, der dafür eintritt, den Einfluss der Brüsseler EU-Behörden auf die Politik der einzelnen Mitgliedsstaaten zu verringern. Angesichts der zahlreichen politischen Unsicherheitsfaktoren, die Europa zwei Wochen vor dem ersten Durchgang der französischen Präsidentschaftswahlen am 23. April belasten, hat sich auch das Auftreten geopolitischer Spannungen in Bezug auf Syrien und Nordkorea nicht gerade positiv auf die Nachfrage nach Euro ausgewirkt.

USD:

Die gestrigen Aussagen Janet Yellens haben die Performance des US-Dollar etwas beeinträchtigt, obwohl das Wachstum der US-Wirtschaft sich positiv entwickelt und die Hoffnungen auf eine weitere Leitzinserhöhung im Juni nach wie vor hoch sind. Auf der einen Seite suchen die Anleger derzeit bei den Aussagen der Fed-Vertreter nach konkreten Hinweise auf deren Bereitschaft, die Normalisierung des Zinsniveaus zu beschleunigen, auf der anderen Seite aber wird der US-Dollar ohnehin verstärkt von den zunehmend risikoscheuen Anlegern nachgefragt, deren Risikoaversion auf die in den letzten Tagen gestiegenen geopolitischen Spannungen zurückzuführen ist.


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