Wöchentliche Marktberichte

Apr 07, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Aufgrund des Anstiegs der geopolitischen Spannungen durch die Luftangriffe der USA auf Syrien ist die Nervosität an den Börsen gestiegen.
  • Der Yen konnte gegenüber dem Euro um 0,2% zulegen; EUR/JPY notiert im Bereich von 117,7 JPY.
  • Deutlicher Anstieg der Rohölpreise um 1,4% (Brent- und WTI-Index)
  • CAD und NOK gehören heute Morgen zu den G10-Währungen mit der besten Performance gegenüber dem Euro.
  • Überraschende Rückgang der französischen Industrieproduktion im Februar (-1,6% M/M gegenüber erwarteten 0,5%)
  • EUR/USD notiert etwas niedriger, unterhalb der Marke von 1,0650 USD.

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

USA/China (ganztägig) – offizieller Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten in den USA (2. Tag)

Eurozone (ganztägig) – Gipfel der EU-Wirtschafts- und Finanzminister

Frankreich (08:45 Uhr) – Industrieproduktion M/M (Februar) – Konsensprognose 0,5% gegenüber -0,3% im Vormonat

Schweiz (09:00 Uhr) – Devisenreserven der Schweizerische Nationalbank (SNB) – keine Konsensprognose gegenüber 668,3 Mrd. CHF bei der vorherigen Veröffentlichung

China (10:00 Uhr) – Devisenreserven der Chinesischen Volksbank (PBoC) – keine Konsensprognose gegenüber 3,01 Bio. CNY bei der vorherigen Veröffentlichung

UK (10:30 Uhr) – Industrieproduktion/Produktion des verarbeitenden Gewerbes M/M (Februar) – Konsensprognose 0,2%/0,3% gegenüber -0,4%/-0,9% im Vormonat

UK (10:30 Uhr) – Handelsbilanz (Februar) – Konsensprognose -10,9 Mrd. GBP gegenüber -10,8 Mrd. GBP im Vormonat

UK (11:00 Uhr) – Stellungnahme des Gouverneurs der Bank of England (BoE) Mark Carney

Kanada (14:30 Uhr) – Schaffung neuer Stellen (März) – Konsensprognose 5.000 gegenüber 15.300 im Vormonat

USA (14:30 Uhr) – Schaffung neuer Stellen (März) – Konsensprognose 180.000 gegenüber 235.000 im Vormonat

USA (14:30 Uhr) – Anstieg der Löhne und Gehälter M/M (März) – Konsensprognose 0,2% gegenüber 0,2% im Vormonat

Schwerpunkte am Vortag

Draghi bereitet Spekulationen ein Ende; E. Macron überzeugt in politischer Sendung von France 2; Laut Reuters-Umfrage könnte der Euro im Fall eines Wahlsiegs von M. Le Pen um 5% einbrechen; tschechische Zentralbank gibt Deckelung der Tschechischen Krone gegenüber dem Euro auf

EUR/USD-Prognosen: Gestern veröffentlichte die Nachrichtenagentur Reuters ihren aktuellen Monatsbericht zur Prognose der Devisenkursentwicklungen der nächsten zwölf Monate. Die Prognosen für den Euro erwiesen sich als optimistischer als im Vormonat, was zum Teil auf die Kursgewinne der europäischen Einheitswährung im März zurückzuführen ist. Die Medianprognose für die nächsten zwölf Monate ist bei EUR/USD von 1,03 auf 1,05 USD nach oben korrigiert worden und auch für EUR/GBP stieg die Prognose von 0,87 GBP im Vormonat auf 0,88 GBP. Auf die Frage nach den möglichen Auswirkungen der französischen Präsidentschaftswahlen hin erklärten die Analysten, man gehe von Einbußen in Höhe von 5% im Laufe der nächsten zwölf Monate und einer Annäherung auf das 1:1-erhältlich zwischen EUR und USD aus, falls Marine Le Pen die Stichwahl am 7. Mai gewinnen sollte. 

Frankreich: Es scheint, als habe Emmanuel Macron die Zuschauer überzeugt, als er als Gast der politischen Sendung von France 2 über seine Wahlkampagne und die im Fall seiner Wahl geplanten Reformen sprach. 51% der Zuschauer dieser Sendung gehen davon aus, dass er ein guter Präsident sein würde und 47 % betrachteten ihn als überzeugend. Das war bisher die beste Bewertung, die ein Kandidat in dieser Sendung erzielen konnte. Zuvor waren bereits andere Kandidaten zu Gast: F. Fillon, B. Hamon, M. Le Pen, et J.-L. Mélenchon.

EZB: Auf die Frage bezüglich der geldpolitischen Strategie der EZB hin erklärte Mario Draghi, die gegenwärtige Lage, insbesondere die Sorge um die Inflationsentwicklung in der Wirtschaftsregion, rechtfertige keine geldpolitische Kursänderung. Diese Aussagen lassen keinen Raum für Spekulationen auf eine mögliche Leitzinserhöhung der EZB vor Beendigung des Programms zum Aufkauf von Vermögenswerten, ein Szenario, das nach der geldpolitischen Sitzung im März in den Medien auftauchte. Dem Protokoll der letzten geldpolitischen Sitzung war übrigens zu entnehmen, dass unter den Zentralbankern weitestgehend ein Konsens darüber herrscht, dass der Zeitpunkt dafür, den Hinweis auf Beibehaltung des Niedrigzinsniveaus aus dem offiziellen Kommuniqué der Zentralbank zu streichen, noch nicht gekommen sei.

Gestrige Performance von EUR/USD: -0,19%; Tiefstkurs: 1,0627 USD (3-Wochentief); Schlusskurs: 1,0642 USD

Tschechische Republik: Nahezu dreieinhalb Jahre nach Einführung der Deckelung des Kurses der Tschechischen Krone gegenüber dem Euro, hat die tschechische Nationalbank (CNB) diese gestern aufgegeben. D.h., dass die Zentralbank nun keine Devisenmarktinterventionen mehr vornehmen wird, um den Kurs des Währungspaars EUR/CZK oberhalb der Marke von 27,0 CZK zu halten. Gestern büßte EUR/CZK 1,6% ein und verzeichnete den niedrigsten Kurs seit November 2013, also dem Zeitpunkt, als die tschechischen Währungshüter die Deckelung der CZK vornahmen. Dennoch halten sich die Kursschwankungen bei CZK im Rahmen, wenn man dies mit der Kursentwicklung des CHF im Januar 2015 vergleicht. Zugegebenermaßen hatte man – anders als beim Schweizer Franken – mit dieser Entscheidung der CNB gerechnet. Zudem ist auch das gehandelte Devisenvolumen bei der CZK geringer und die Zentralbanker haben zudem darauf hingewiesen, dass die Zentralbank bei Bedarf am Devisenmarkt intervenieren würde, um eine zu einseitige, kräftige Kursentwicklung der CZK und die damit verbundenen Beeinträchtigungen der tschechischen Wirtschaft zu unterbinden.

Gestrige Performance von EUR/CZK: -1,57%; Tiefstkurs: CZK 26,55 (niedrigster Kurs seit November 2013); Schlusskurs: 26,61 CZK 

Themen Heute

US-Luftangriffe in Syrien; US-Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft um 14:30 Uhr; Gespräche zwischen D. Trump und X. Jinping; Griechenland hofft auf Einigung mit den Gläubigern; Stellungnahme M. Carneys (BoE)

USA/Syrien: Die Reaktion der USA auf die mutmaßlichen Giftgas-Angriffe auf die syrische Bevölkerung, die der Regierung von Baschar al-Assad zugeschrieben werden, hat nicht auf sich warten lassen. Am Freitagmorgen befahl Donald Trump den gezielten Angriff des syrischen Stützpunkts, von dem der Angriff am Dienstag ausgegangen sein soll, mit 59 Marschflugkörpern. Es ist das erste Mal in sechs Jahren Bürgerkrieg in Syrien, dass die USA massiv eingreifen und dabei direkt den syrischen Präsidenten im Visier haben.

USA: Um 14:30 Uhr veröffentlicht das US-Arbeitsministerium die jüngsten Beschäftigungszahlen für März. Die US-Beschäftigungszahlen zählen zu den wichtigsten Konjunkturdaten überhaupt und werden somit jeden Monat mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Aufgrund des seit über einem Jahr von der US-Zentralbank eingeleiteten Prozesses der Normalisierung des Zinsniveaus spielen sie natürlich eine noch bedeutsamere Rolle. Die von Reuters befragten Wirtschaftsexperten rechnen im Durchschnitt mit 180.000 neuen Stellen im März, was deutlich unter der Zahl des Vormonats liegen würde. Allerdings übertraf der ADP-Beschäftigungsbericht der Privatwirtschaft am Mittwoch die Erwartungen (263.000 gegenüber erwarteten 187.000), sodass es heute Nachmittag zu einer Überraschung kommen könnte. Neben der Schaffung neuer Arbeitsplätze werden die Marktteilnehmer einen genauen Blick auf den Anstieg der Löhne und Gehälter werfen. Man rechnet mit einem Anstieg um 0,2% M/M, was dem Ergebnis des Vormonats entsprechen würde.

USA/China: Der chinesische Präsident ist gestern in Florida gelandet und plant eine Reihe von Gesprächen mit seinem US-Amtskollegen über mehrere Schlüsselthemen: Handel und das hohe US-Außenhandelsdefizit mit China, die diplomatischen Beziehungen der USA mit Taiwan; die Behandlung Nordkoreas in Asien. Wie diese Gespräche verlaufen werden ist fraglich, da die USA in den letzten Monaten mit China wiederholt scharf ins Gericht gegangen ist, während sich China eher zurückhaltend zeigte.

Griechenland: Die EU-Finanzminister treffen sich heute zu einem Gipfel auf Malta. Anlässlich dieses Treffens werden die europäischen Geldgeber über die Bedingungen sprechen, die erfüllt sein müssen, um die nächste Tranche des Hilfspakets über 86 Mrd. Euro, die man Griechenland in Aussicht gestellt hat, freizuschalten. Die Gläubiger lehnen dies bisher ab, da man sich nicht sicher ist, ob das Land diesen Betrag später auch wirklich zurückzahlen kann. Die Gläubiger fordern eine Reihe von Reformen zur Stabilisierung der griechischen Wirtschaft. Die Zeit drängt, da sich der Juli und damit die Fälligkeit von 7 Mrd. EUR näheren, die Griechenland zurückzahlen muss. Griechenlands Premierminister Alexis Tsipras hat bereits die Einberufung eines außerordentlichen europäischen Gipfels zur Klärung dieser Frage gefordert, falls es heute nicht zu einer Einigung kommen sollte.

Mark Carney: Der Gouverneur der BoE wird heute um 11:00 Uhr eine Stellungnahme abgeben. Bei dieser Gelegenheit könnte er sich zur Einleitung des britischen EU-Austritts und dessen Konsequenzen sowie den wenigen besorgniserregenden Anzeichen für eine Abkühlung der britischen Wirtschaft äußern und die Spekulationen auf eine mögliche, kurz- oder mittelfristig geplante Leitzinserhöhung seitens der Zentralbank anheizen/im Keim ersticken.

CHF:

Der Schweizer Franken konnte gestern die gesamten am Mittwoch erlittenen Verluste wieder gutmachen, sodass EUR/CHF wieder unterhalb der Marke von 1,07 CHF notiert. Mangelnder Rückenwind beim Euro und die weltweite Unsicherheit an den Finanzbörsen, die auf die neuen geopolitischen Spannungen zurückzuführen ist, hält EUR/CHF im Bereich dieser niedrigen Kurse fest. Die SNB hat heute Morgen ihre aktuelle Statistik der Devisenreserven veröffentlicht. Diese sind im März um nahezu 15 Mrd. auf ein neues historisches Hoch gestiegen. Die Zahlen belegen, dass die schweizerische Zentralbank trotz Beibehaltung des aktuellen geldpolitischen Kurses nach wie vor sehr aktiv an den Devisenbörsen interveniert, um den „äußerst überbewerteten“ Schweizer Franken vor zum starken Kursanstiegen zu schützen.

EUR:

Die weltweite Unsicherheit belastet den Euro ein wenig, vor allem da er nicht mit Rückenwind seitens der EZB rechnen kann, da diese gestern bestätigte, an ihrem schrittweisen, langsamen Ausstieg aus der expansiven geldpolitischen Ausrichtung festhalten zu wollen, was automatisch eine kurzfristige geldpolitische Wende ausschließt. EUR/USD notiert nach wie vor im Bereich von 1,0650 USD, dem bisherigen Durchschnittskurs des Jahres  2017, und schwimmt innerhalb einer Spanne von 1,0630-1,0690 USD (Fluktuationsbereich dieser Woche) in unsicheren Gewässern.

Da für den Euro kein Impulsgeber in Sicht ist, wird die Kursentwicklung des Währungspaars nach wie vor primär von Nachrichten und Entwicklungen in den USA beeinflusst werden.

USD:

Zwar ist das politische Geschehen für die Volatilität des US-Dollar nach wie vor von Bedeutung, doch dürfte sich die Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer zunächst vor allem auf die US-Beschäftigungszahlen richten, die heute Nachmittag (siehe auch Schwerpunkte des Tages) erscheinen. Denn diese könnten Spekulationen auf eine mögliche weitere Leitzinserhöhung der Fed Ende des 2. Quartals entweder wieder aufflammen lassen oder aber im Keim ersticken. Dem Anstieg der Löhne und Gehälter, der gleichzeitig auch die Entwicklung der Kaufkraft der Haushalte und die Inflationsentwicklung im Lande widerspiegelt, wird man große Aufmerksamkeit widmen.

Die Gespräche zwischen Donald Trump und Xi Jinping dürften ebenfalls mit Spannung verfolgt werden und ggf. zu Nervosität an den Börsen führen, falls es zu sichtbaren Spannungen oder Uneinigkeit zwischen den beiden Staatschefs kommen sollte.


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