Wöchentliche Marktberichte

Apr 06, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Nach Mario Draghis Aussage, es gäbe keinen Grund, den aktuellen geldpolitischen Kurs zu ändern, gab der Euro gegenüber fast allen anderen Hauptwährungen nach.
  • EUR/USD fiel mit 1,0627 USD auf ein neues 3-Wochentief und EUR/GBP nähert sich der Schwelle von 0,85 GBP (Tiefstkurs heute Morgen bisher 0,8508 GBP)
  • Der Yen konnte um ganze 0,5% zulegen, da die Börsianer im Vorfeld des Zusammentreffens zwischen Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping ein gewisses Maß an Vorsicht walten lassen.

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

USA/China (ganztägig) – offizieller Staatsbesuch des chinesischen Präsidenten in den USA (1. Tag)

Deutschland (08:00 Uhr) – Auftragseingänge in der Industrie M/M (Februar) – Konsensprognose 4,0% gegenüber -7,4% im Vormonat

Eurozone (09:00 Uhr) – Stellungnahme Mario Draghis (Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB)) Schweiz (09:15 Uhr) – Gesamtinflation J/J (März) – Konsensprognose 0,5% gegenüber 0,6% im Vormonat

Eurozone (13:30 Uhr) – Protokoll der EZB-Sitzung vom 8./9. März

Schwerpunkte am Vortag

Reduzierung der Bilanz anstelle einer US-Leitzinserhöhung? (Protokoll der Fed); die Abstände zwischen den Umfragewerten der Kandidaten für das Amt des französischen Staatspräsidenten werden geringer; Jacob Zuma findet Halt bei seiner politischen Familie; Spekulationen im Zusammenhang mit der Tschechischen Krone; britisches Dienstleistungsgewerbe läuft auf Hochtouren

Protokoll der Fed-Sitzung: Da im Protokoll der US-Zentralbank vom Beginn einer möglichen Reduzierung der derzeitigen Bilanzsumme von 4,5 Bio. USD in diesem Jahr gesprochen wurde, falls die US-Wirtschaft weiter wie bisher wächst, sank die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Beschleunigung der US-Leitzinserhöhungen in den nächsten Monaten. Wie William Dudley, der Präsident der New Yorker Fed in einer Stellungnahme in der letzten Woche ausführte, könnte die Normalisierung der Bilanz der Fed bedeuten, dass man weitere Zinserhöhungen für kurzfristige Transaktionen kurzzeitig aussetzen müsste. Vor diesem Hintergrund scheint die Strategie einer schrittweisen Erhöhung der Leitzinsen, die Janet Yellen im Rahmen ihrer Pressekonferenz am 15. März bekräftigt hatte, durchaus sinnvoll. Der Dollar konnte einen Teil der im Laufe des Tages verzeichneten Verluste wieder gutmachen, was vor allem auf solide Arbeitsmarktdaten aus der Privatwirtschaft zurückzuführen war (ADP-Beschäftigungsbericht: 261.000 gegenüber erwarteten 187.000 neue Stellen im März), die von der Fed veröffentlicht wurden.

Gestrige Performance von EUR/USD: -0,09%; Tiefstkurs: 1,0632 USD (3-Wochentief)/Schlusskurs: 1,0662 USD

Frankreich: Der linkssozialistische Kandidat Jean-Luc Mélenchon konnte nach der TV-Debatte am Dienstagabend bei den Umfragewerten deutlich zulegen, da die Zuschauer seinen TV-Auftritt als überzeugend einstuften. Laut der letzten Umfrage, die Harris Interactive für France Télévision durchgeführt hat, führen weiterhin Emmanuel Macron (25%) und Marine Le Pen, während Jean-Luc Mélenchon mit 17% dicht hinter dem auf Platz 3 liegenden Kandidaten der Republikaner François Fillon liegt. Hinter den vier führenden Kandidaten ist mittlerweile der Kandidat der Sozialisten Benoît Hamon auf unter 10% (9%) gerutscht.

Südafrika: Der African National Congress (ANC), die politische Familie Jacob Zumas, sprach diesem gestern ihre Unterstützung aus und hält dem südafrikanischen Präsidenten weiterhin die Treue. Und das, obwohl seit einer Woche verstärkt dessen Legitimität, das Land zu regieren, in Frage gestellt wird, nachdem er Finanzminister Pravin Gordhan entlassen hat und die Ratingagentur Standard & Poors die Bonität der südafrikanischen Staatsanleihen aufgrund dieser Entscheidung herabgesetzt hat. Die Anleger haben die unerschütterliche Unterstützung des ANC gegenüber Zuma wenig positiv aufgenommen und spekulieren beim Südafrikanischen Rand nach wie vor à la baisse, da weitere Ratingagenturen dem Beispiel von S&P folgen und die Bonität des Landes auf „Spekulative Anlage“ senken könnten – allen voran Moody’s. Das südafrikanische Parlament berief gestern für den 18. April eine Sitzung ein, um einen möglichen Misstrauensantrag gegen Präsident Zuma zu erörtern.

Gestrige Performance von EUR/ZAR: +1,19%; Höchstkurs 14,79 ZAR, Schlusskurs: 14,71 ZAR (Höchstkurs seit dem 5. Dezember)

Tschechische Republik: Die Kosten für den Schutz vor potenziellen starken Kurssprüngen beim Währungspaar EUR/CZK in den nächsten 24 Stunden erreichte gestern den Höchststand seit dem Brexit (Spitze: 6,6% gegenüber etwa 1-2% zu Beginn der Woche). Einige Anleger setzen darauf, dass die tschechische Zentralbank am Donnerstag bekanntgeben könnte, dass sie die Deckelung des Kurses der Tschechischen Krone (27,0 CZK gegenüber dem Euro), die seit dreieinhalb Jahren besteht, aufgeben wird.

Gestrige Performance von EUR/CZK: -0,01%; Höchstkurs à CZK 27,073 / Schlusskurs: 27,032 CZK 

Vereinigtes Königreich: Nachdem die jüngsten britischen Einkaufsmanagerindizes (EMI) des Baugewerbes und des verarbeitenden Gewerbes enttäuscht haben, hätte man davon ausgehen können dass auch das Dienstleistungsgewerbe im März nachgelassen hat. Dieses erwies sich jedoch in diesem Zeitraum als äußerst gesund. Der EMI des Dienstleistungsgewerbes stieg auf ein 3-Monatshoch und überstieg damit sämtliche Prognosen der von Reuters befragten Analysten. Da sich die Hinweise auf eine mögliche Abkühlung der britischen Wirtschaft gehäuft hatten, konnte dieser Indikator die Anleger wieder ein wenig ermutigen und verlieh dem Britischen Pfund Auftrieb.

Gestrige Performance von EUR/GBP: -0,43%; Tiefstkurs: 0,8529 GBP; Schlusskurs: 0,8540 GBP

Themen Heute

Offizielles Treffen zwischen D. Trump und Xi Jinping in den USA; EZB-Protokoll der (13:30 Uhr); nicht geldpolitische Sitzung der tschechischen Zentralbank

USA/China: Der chinesische Präsident Xi Jinping befindet sich auf einem 2-tägigen Staatsbesuch in den USA. Es ist das erste offizielle Treffen mit seinem US-amerikanischen Amtskollegen Donald Trump, was an den Devisenbörsen für eine gewisse Nervosität sorgen könnte. Der US-Präsident hat durchblicken lassen, dass die Gespräche schwierig werden könnten, da zugunsten chinesischer Unternehmen zahlreiche Arbeitsplätze in den USA abgebaut würden und das große Handelsbilanzdefizit der USA mit China nicht mehr tragbar sei. Der US-Dollar könnte von den Spannungen zwischen den beiden Ländern beeinträchtigt werden, während der Yen als Hauptnutznießer aus den erneuten Differenzen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt hervorgehen könnte.

EZB: Nach der Fed veröffentlicht heute Nachmittag auch die EZB das Protokoll der geldpolitischen Sitzung im März, sodass möglicherweise Einzelheiten über ihre künftige geldpolitische Strategie für alle sichtbar werden, vor allem was die Lebensdauer ihrer aktuellen äußerst expansiven Geldpolitik angeht. Nach der Sitzung vom 8./9. März war an die Medien durchgesickert, dass die EZB eventuell schon vor der im Dezember 2017 geplanten Beendigung des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) eine Leitzinserhöhung anvisieren könnte. Zwischenzeitlich sind für März in der Eurozone enttäuschende Inflationsstatistiken erschienen, sodass es überraschend wäre, wenn die Marktteilnehmer in diesem Punkt eine deutliche Reaktion auf ein möglicherweise aus diesem Bericht zu entnehmendes optimistisches Signal der EZB zeigen sollten. Die für heute Morgen geplante Stellungnahme Mario Draghis könnte ebenfalls eventuelle Kursanstieg des Euro bremsen.

Tschechische Republik: Die Anleger werden aufmerksam die Stellungnahmen der tschechischen Zentralbanker verfolgen, die heute anlässlich einer nicht geldpolitischen Sitzung zusammentreten. Einige Beobachter sind der Ansicht, dass die heutige Sitzung eine Gelegenheit bieten könnte, die Deckelung des Kurses der Tschechischen Krone gegenüber dem Euro aufzugeben. Wie bereits 2015 beim Schweizer Franken gesehen, könnte eine derartige Maßnahme einen starken Anstieg der Tschechischen Krone gegenüber dem Euro zur Folge haben.

CHF:

Der Kurs des Währungspaars EUR/CHF konnte gestern um 0,2% zulegen und stieg mit 1,0725 CHF auf sein bisheriges Wochenhoch. Dieser Anstieg dürfte wohl eher auf eine technische Positionierung und/oder möglicherweise auf Devisenmarktinterventionen der Schweizerische Nationalbank (SNB) zurückzuführen sein, alles auf eine länger anhaltende Trendwende in der Kursentwicklung. Die Sorge um eine mögliche Verschlechterung der wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen den USA und China könnte eine gewisse Risikoaversion an den Börsen aufflackern lassen und somit den Kurs des Währungspaars EUR/CHF wieder unter die Untergrenze der Kursspanne zurückfallen lassen, wie man in den letzten zwei Wochen beobachten konnte (1,0670-1,0750 CHF).

Im Jahresvergleich blieb die Inflationsrate in der Schweiz gegenüber dem Vormonat mit 0,6% unverändert, obwohl die Wirtschaftsexperten mit einem leichten Rückgang gerechnet hatten.

EUR:

Zwar hat sich eine unsichtbare Obergrenze bei 1,0650 USD gebildet, die derzeit weitere Kursverluste des Währungspaars EUR/USD zu begrenzen scheint, doch überzeugt die aktuelle politische und wirtschaftliche Situation in der Eurozone die Anleger, die bezüglich des Kaufs von Euro eine Neupositionierung vornehmen, nicht. Die Tatsache, dass sich die Umfragewerte der Kandidaten für den ersten Wahldurchgang der französischen Präsidentschaftswahlen in zwei Wochen weiter angenähert haben, verschärft die im Zusammenhang mit diesem Ereignis herrschende Unsicherheit. Was die wirtschaftliche Situation angeht, warten die Anleger ab, ob positive Fundamentaldaten, sofern diese zu verzeichnen sind, auch tatsächlich eine Veränderung des geldpolitischen Kurses der EZB zur Folge haben. Diese Entscheidung könnte noch bis in die zweite Hälfte des Jahres auf sich warten lassen. Da heute keine wichtigen Konjunkturdaten anstehen, wird sich die Aufmerksamkeit wohl hauptsächlich auf die EZB und die Veröffentlichung des Protokolls der März-Sitzung konzentrieren.

EUR/USD hat heute Morgen leicht nachgegeben, da die Auftragseingänge der deutschen Industrie weniger stark gestiegen sind als erwartet (+3,4% M/M gegenüber erwarteten 4,0%) und sich Mario Draghi heute Morgen eventuell recht vorsichtig äußert, nachdem der Anstieg der Inflationsrate im März deutlich geringer ausfiel (1,5% J/J gegenüber 2% im Februar) als erwartet.

USD:

Zwar bestätigen die Konjunkturdaten nach wie vor den derzeit guten Gesundheitszustand der US-Wirtschaft – solider ADP-Beschäftigungsbericht, der eine positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt im März vermuten lässt – doch das Protokoll der Fed-Sitzung im März hat die Spekulationen um eine potenzielle schnellere Anhebung der Leitzinsen in diesem Jahr ein wenig gedämpft (bis Ende 2017 wird mit zwei Leitzinserhöhungen gerechnet). Es scheint, als halte die US-Zentralbank an ihrer Entscheidung, den Leitzins schrittweise angeben zu wollen, fest, und bevorzuge mittlerweile eine Reduzierung ihrer Bilanzsumme von 4,5 Bio US-Dollar – das Ergebnis der drei aufeinanderfolgenden Programme zum Aufkauf von Vermögenswerten, die zwischen 2008 und 2013 umgesetzt wurden. Der Dollar bekommt seitens der Politik auch keinerlei Rückenwind, da der republikanische Präsident des US-Repräsentantenhauses Paul Ryan durchblicken ließ, dass die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Abstimmung über die Reform der Obamacare Ende der Woche gesunken ist und die Umsetzung der geplanten Steuerreform eventuell länger auf sich warten lassen könnte als zunächst erwartet.

Ohne Auftrieb könnte der US-Dollar stattdessen in den nächsten Stunden unter Druck geraten, wenn die Marktteilnehmer aufmerksam das erste offizielle Treffen zwischen Donald Trump und seinem chinesischen Amtskollegen verfolgen.


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