Wöchentliche Marktberichte

Mrz 22, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Nachdem gestern die Wertpapierbörsen den stärksten Einbruch seit Oktober 2016 verzeichnet haben, ist das Interesse der Anleger an Fluchtwährungen heute Morgen wieder aufgeflammt.
  • EUR/JPY rutschte heute Morgen unter die Marke von 120,5 JPY und EUR/CHF ist wieder auf seinen Stützungspunkt von 1,0710 CHF zurückgefallen, nachdem der Kurs zuvor auf ein 1-Wochenhoch gestiegen war.
  • EUR/USD notiert stabil im Bereich von 1,08 USD. Ob der Kurs des Währungspaars EUR/USD weiter steigen kann ist fraglich, trotz der Schwäche des US-Dollar (möglicherweise Phänomen der Gläsernen Decke).

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

Eurozone – nicht geldpolitische Sitzung der EZB

Japan (00:50 Uhr) – Handelsbilanz (Februar) – keine Konsensprognose  gegenüber -1.088 Mrd. JPY im Vormonat

Japan (00:50 Uhr) – Protokoll der letzten geldpolitischen Sitzung der japanischen Zentralbank (BoJ) im Januar

Südafrika (09:00 Uhr) – Gesamtinflation J/J (Februar) – Konsensprognose 6,3% gegenüber 6,6% im Vormonat

Vereinigtes Königreich (10:30 Uhr) – Sitzung des Geldpolitischen Komitees (MPC) der Bank of England (BoE)

Schweiz (15:00 Uhr) - Quartalsheft 1/2017 der Schweizerischen Nationalbank (SNB) 

USA (15:00 Uhr) – Verkaufszahlen bestehende Wohnimmobilien M/M (Februar) – Konsensprognose -2,0% gegenüber 3,3%

Schwerpunkte am Vortag

Starker Anstieg der britischen Inflationsrate; Euro reagiert auf Rückkehr politischer Risiken in Europa; in Donald Trump gesetztes Vertrauen der Marktteilnehmer sinkt; EU-Sondergipfel zum Thema Brexit für Ende April einberufen

Vereinigtes Königreich: Infolge der britischen Inflationsdaten, die wesentlich positiver ausfielen als erwartet, konnte das Britische Pfund gegenüber dem Euro auf ein 2-Wochenhoch steigen (Tiefstkurs von EUR/GBP: 0,8646 GBP) und gegenüber dem US-Dollar ein 3-Wochenhoch (Höchststand von GBP/USD: 1,2494 USD) erreichen. Die Gesamtinflation ist im Vereinigten Königreich im Februar von 1,8% auf 2,3% gestiegen (Konsensprognose 2,1%) und erreichte somit den höchsten Stand seit September 2013. Aufgrund dieses schnellen Anstiegs der Verbraucherpreise bereiten sich einige Anleger – bisher allerdings noch eine Minderheit – auf ein mögliches Eingreifen der BoE in Form einer Leitzinserhöhung vor.

EUR/USD: Der Wechselkurs des Währungspaars hat seit sechs Wochen erstmals die Marke von 1,08 USD überschritten und verzeichnete am Tag nach der ersten TV-Debatte zwischen fünf Kandidaten, die sich um das Amt des französischen Staatspräsidenten bewerben, einen Höchststand von 1,0819 USD. Laut einer Umfrage unter den Zuschauern ging Emmanuel Macron als überzeugendster Kandidat aus dieser Debatte hervor – deutlich vor seiner Rivalin Marine Le Pen.

USA: An den US-Wertpapierbörsen kam es gestern zu einem deutlichen Rückgang (der S&P 500 Index brach erstmals seit dem 11. Oktober um über 1% ein), denn das Vertrauen der Anleger in US-Präsident Donald Trump lässt nach, da zwei Monate nach seinem Amtsantritt noch immer keine Einzelheiten über die geplanten Steuer- und Haushaltsreformen vorliegen. Es scheint, als habe der US-Präsident nicht vor, sich sofort in Steuererleichterungen und Investitionen in die Infrastruktur zu stürzen, da er bislang damit beschäftigt ist, die sogenannte Obamacare zu ersetzen, wobei die vorgeschlagenen Änderungen bei den Kongressabgeordneten wenig Begeisterung hervorzurufen scheinen, was dazu führen könnte, dass sie bei der Abstimmung am Donnerstag abgelehnt werden. Der US-Dollar-Index fiel gestern auf das niedrigste Niveau seit dem 6. Februar.

Brexit: Die EU-Vertreter haben nicht lange gebraucht, um auf die am Montag von der britischen Regierung gemachte Ankündigung zu reagieren, dass sie am 29. März 2007 den EU-Austritt gemäß Art. 50 des Vertrages von Lissabon einleiten möchte. Der Präsident des Europäischen Rates Donald Tusk berief gestern für den 29. April einen europäischen Sondergipfel ein, anlässlich dessen man die Rahmenbedingungen für die bevorstehenden Verhandlungen mit dem Vereinigten Königreich festzulegen plant. Das bedeutet, dass die Verhandlungen selbst wohl erst im Mai bzw. im Juni aufgenommen werden können.

Themen Heute

Japanische Exporte verzeichnen stärksten Anstieg der vergangenen 2 Jahre; Inflation in Südafrika

Japan: Die japanischen Exporte sind im Februar im Jahresvergleich um 11,3% gestiegen, was nicht zuletzt auf den deutlichen Anstieg der Exporte nach China in diesem Zeitraum (+28,2% J/J) zurückzuführen ist. Damit verzeichnete Japan gegenüber China den seit fünf Jahren ersten Handelsbilanzüberschuss. Der Handelsbilanzüberschuss Japans beträgt für Februar 813,4 Mrd. JPY und liegt damit nahezu auf einem 7-Jahreshoch (März 2010).

Südafrika: Man rechnet laut einer von Reuters durchgeführten Umfrage, an der 16 Wirtschaftsexperten teilnahmen, im Durchschnitt damit, dass der Anstieg der Gesamtinflation in Südafrika im Februar rückläufig sein wird (Konsensprognose = 6,3% J/J gegenüber 6,6% im Januar). Sollte sich die Inflation der Marke von nähern 6% – Obergrenze der von den südafrikanischen Währungshütern beim Verbraucherpreisindex (VPI) angestrebten Spanne von 3-6% – würde das von den Zentralbankern der RBSA begrüßt und könnte die Spekulation über eine mögliche Leitzinssenkung wieder anheizen, denn das Wirtschaftswachstum ist im Lande nach wie vor noch nicht so recht in Schwung gekommen, da die Arbeitslosenrate zu hoch ist und die Investitionen zu gering sind.

CHF:

EUR/CHF stieg gestern mit 1,0762 CHF auf ein 1-Wochenhoch, da der Euro am Tag nach der TV-Debatte der französischen Präsidentschaftskandidaten Rückenwind bekam. Dennoch sind diese Anstiege, wie in den letzten Wochen immer wieder betont, nur vorübergehender Natur. Das wird auch so bleiben, solange in der Eurozone noch politische Risiken bestehen. Auch wenn es die Anleger beruhigt hat zu sehen, dass die Zuschauer die Beiträge des Kandidaten Emmanuel Macron, der aktuell der Hauptgegner Marine Le Pens zu sein scheint, geschätzt haben, muss sich noch zeigen, ob sich dies auch in den Umfrageergebnissen niederschlägt. Zudem tragen heute Morgen die deutlichen Verluste an den US-Wertpapierbörsen, die auf Zweifel an der „reflationistischen“ Politik Donald Trumps und damit an einem bevorstehenden weltweiten Wirtschaftswachstum zurückzuführen sind, dazu bei, dass das Interesse der Anleger an Fluchtwährungen wie dem Yen und Schweizer Franken gestiegen ist. Der Kurs des Währungspaars EUR/CHF büßte die am Vortag erzielten Gewinne ein und fiel wieder auf den Stützungspunkt von 1,0710 CHF zurück.

EUR:

Der Euro konnte gestern gegenüber fast allen Währungen der G10-Staaten zulegen, mit Ausnahme des Britischen Pfund, das von den positiven britischen Inflationsdaten profitierte, und des Yen, der von den Zweifeln der Anleger profitierte, die aufgrund der Verluste an den US-Wertpapierbörsen aufkamen. Die vorübergehende Abmilderung der politischen Risiken in der Eurozone hat am Tag nach der ersten TV-Debatte im Rahmen der bevorstehenden französischen Präsidentschaftswahlen, bei der Emmanuel Macron laut Umfragen nach der Debatte Vorteile für sich herausarbeiten konnte, das Interesse am Euro wieder aufflammen lassen. 

EUR/AUD konnte gestern 1,2%, EUR/ZAR 0,9% und EUR/USD sowie EUR/CAD um 0,7% zulegen.

Solange jedoch die mit den französischen Präsidentschaftswahlen verbundenen Risiken bestehen und oder die Europäischen Zentralbank (EZB) noch keine eindeutigen Signale bezüglich einer Drosselung ihrer äußerst expansiven Geldpolitik sendet, dürfte die gestern erreichte Schwelle von 1,08 USD wohl weiterhin eine Art Gläserne Decke bilden. Sollte es dem Kurs gelingen, die Marke von 1,0830 USD zu überschreiten (bisherige Höchstkurs in diesem Jahr), könnte das für einen Hausse-Trend bei diesem Währungspaar sprechen. Bis dahin hängt das Schicksal von EUR/USD weiterhin von den Umfrageergebnissen in Frankreich ab, die nach und nach erscheinen; das Währungspaar ist nicht vor Enttäuschungen gefeit, falls es scheint, als habe Marine Le Pen noch immer einen Vorsprung vor ihren Hauptrivalen.

USD:

Der Vertrauensvorschuss der Anleger in Donald Trump mit seiner „reflationistischen“ Politik, die der US-Wirtschaft ein Wachstum von 3-4 % pro Jahr bescheren und in den nächsten zehn Jahren 25 Millionen neue Stellen schaffen sollte, baut sich langsam ab. Da mittlerweile zwei Monate vergangen sind, ohne dass man weitere Einzelheiten über Inhalt und den Zeitplan der versprochenen Steuer-und Haushaltsreformen erfahren hat, deren positive Auswirkungen immer wieder von Präsident Trump betont wurden, fragen sich die Marktteilnehmer, ob der am Tag nach den Wahlen entstandene Optimismus mittlerweile überhaupt noch gerechtfertigt ist. Damit setzt eine Normalisierung bzw. Abwärtskorrektur der zu hoch bewerteten US-Vermögenswerte ein, darunter auch des US-Dollar. Nach der US-Leitzinserhöhung eine Woche zuvor, erhoffte man sich gestern eine mögliche Aussage des Präsidenten der Fed von New York William Dudley zur US-Geldpolitik, doch dieser hat das Thema nicht angesprochen und damit den Abwärtstrend des US-Dollar in keiner Weise abgedämpft. Vielmehr fiel der US-Dollar-Index gestern auf das niedrigste Niveau seit dem 6. Februar.

Heute stehen in den USA fast keine wichtige Ereignisse oder Konjunkturdaten an, abgesehen vom Wohnimmobilienindex über den Verkauf bestehender Wohnimmobilien. Der heutige Handelstag dürfte relativ ruhig verlaufen, denn erst am Donnerstag stehen mit der Stellungnahme Janet Yellens und der Abstimmung des US-Kongresses über die von der neuen US-Regierung geplanten Änderungen der Obamacare wieder Ereignisse von einer gewissen Tragweite an.


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