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Wöchentliche Marktberichte

Mrz 21, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Der Euro konnte heute gegenüber allen Währungen der G10-Staaten und der Schwellenländer zulegen. Die europäische Einheitswährung profitierte von einer neuen Welle des Optimismus der Anleger, nachdem Emmanuel Macron aus der TV-Präsidentschaftsdebatte im französischen Fernsehen als überzeugendster Kandidat hervorging. 
  • EUR/USD stieg mit 1,0798 USD auf ein neues 6-Wochenhoch und könnte heute die Marke von 1,08 USD durchbrechen.
  • EUR/GBP fiel wieder unter die Marke von 0,87 GBP, während die Marktteilnehmer auf die Veröffentlichung der britischen Inflationsdaten um 10:30 Uhr warten

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

Eurozone – Besuch des japanischen Premierministers in Brüssel

USA (00:30 Uhr) – Besuch Donald Trumps in Louisville

Australien (01:30) – Protokoll der Sitzung der Reserve Bank of Australia (RBA) im März

Schweiz (07:45 Uhr) – Wirtschaftsprognosen des Staatssekretariats für Wirtschaft (SECO)

Schweiz (08:00 Uhr) – Handelsbilanz (Februar) – keine Konsensprognose gegenüber 4,7 Mrd. CHF im Vormonat

Vereinigtes Königreich (10:30 Uhr) – Gesamtinflation J/J (Februar) – Konsensprognose 2,1% gegenüber 1,8% im Vormonat

Vereinigtes Königreich (11:00 Uhr) – Stellungnahme Mark Carneys (Bank of England (BoE))

USA (12:00 Uhr) – Stellungnahme von W. Dudley (Fed in New York; in diesem Jahr stimmberechtigtes Mitglied des US-Offenmarktausschusses [FOMC])

Kanada (13:30 Uhr) – Einzelhandelsumsätze M/M – Konsensprognose 1,0% gegenüber -0,5% im Vormonat

Schwerpunkte am Vortag

Macron laut Umfragen von Elabe/BFM TV überzeugendster Kandidat der TV-Debatte; Citi gibt Prognose einer Rückkehr zu einem 1:1-Verhältnis zwischen EUR und USD auf; offizielles Datum der Einleitung des Brexit festgelegt, keine Verhandlungen; Euro-Gruppe behält Haltung bezüglich Griechenland bei

Frankreich: Gestern fand die über 3-stündige Liveübertragung der TV-Debatte zwischen den fünf laut Umfragewerten führenden Kandidaten für das Amt des französischen Präsidenten statt. Die Kandidaten hatten Gelegenheit, die wichtigsten Punkte ihres Programms zu unterschiedlichsten Themen wie Gesundheit, Bildung, Wirtschaft und internationale Politik darzulegen. Laut den Umfragen von Elabe und BFM TV ging Emmanuel Macron als überzeugendster Kandidat daraus hervor. Er führt mit 29% vor Jean-Luc Mélenchon (20%), François Fillon und Marine Le Pen (beide mit 19%). Der Kandidat der Sozialisten Benoît Hamon wurde als weniger überzeugend eingeschätzt (13%).

EUR/USD: Nach der Deutschen Bank, die ihre Kursprognosen für das Währungspaar EUR/USD bereits in der letzten Woche nach oben gesetzt hat, erklärte nun auch die britische Citibank, dass sie nicht mehr davon ausgehe, dass der Kurs des Währungspaars EUR/USD bis zum Jahresende auf ein 1:1-Verhältnis zurückfällt. Sie korrigierte ihre Wechselkurs-Prognose für die nächsten 6 bzw. 12 Monate auf 0,98 bis 1,04 USD und begründete dies mit Verzögerungen bei der Umsetzung der von Trump versprochen Steuer- und Haushaltsreformen.

Vereinigtes Königreich: Wie der Sprecher der britischen Regierung gestern verlauten ließ, soll der Austritt des Vereinigten Königreichs aus der Europäischen Union am 29. März 2017 eingeleitet werden. Zwar ist die britische Regierung bereit, Verhandlungen aufzunehmen, doch ist dies bei der EU noch nicht der Fall. Sie stornierte einen am 6. April geplanten europäischen Gipfel zu diesem Thema und begründete die Entscheidung damit, dass Theresa May mit ihrer Ankündigung sehr lange gewartet hätte. Ein europäischer Gipfel zum Thema Brexit könnte daher Ende April oder auch Anfang Mai stattfinden, wobei die Verhandlungen effektiv erst im Juni aufgenommen würden.

Griechenland: Laut dem Vorsitzenden der Euro-Gruppe Jeroen Dijsselbloem sind sich die europäischen Gläubiger in Bezug auf die Reformen, die von Griechenland durchgeführt werden müssen, um dauerhaft den Haushalt zu sanieren und eine weitere Tranche des Hilfspakets zu erhalten, uneinig. Ohne diese Tranche wird das Land nicht in der Lage sein, den im Juli fälligen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Die Gespräche dürften bis zur nächsten Sitzung am 7. April andauern, ohne dass man dabei zwingend zu einem Ergebnis kommen wird.

Themen Heute

Welche Haltung nimmt die BoE im Fall eines erneuten Anstiegs der Inflation ein (10:30 Uhr)? Mark Carney soll hierzu um 11:00 Uhr Stellung nehmen; Besuch des japanischen Premierministers in Brüssel; Befürchtungen einer langsamen Umsetzung der Steuer-und Haushaltsreformen in den USA scheinen sich zu bestätigen; RBA aufgrund der Verschuldung der Privathaushalte besorgt 

Vereinigtes Königreich: Heute um 10:30 Uhr werden mit Spannung die britischen Inflationsdaten verfolgt. Die Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass die Verbraucherpreise im Februar im 12-Monats-Vergleich von 1,8% auf 2,1% gestiegen sind, und damit auf ein Niveau, das zuletzt im November 2013 verzeichnet wurde. Den britischen Zentralbankern scheint es wenig genehm, die Inflation ungehindert steigen zu lassen und die Kaufkraft der privaten Konsumenten zu beeinträchtigen. Vielmehr scheinen sie bereit, in den nächsten Monaten eine Leitzinserhöhung in Erwägung zu ziehen, wenn man dem jüngsten Kommuniqué der BoE glauben darf. Zentralbankchef Mark Carney wird heute kurz nach Veröffentlichung der Inflationsstatistik eine Stellungnahme abgeben und dabei Einzelheiten zum geplanten geldpolitischen Kurs und der Strategie der BoE erläutern. Auch wenn eine Leitzinserhöhung im Vorfeld des mit zahlreichen wirtschaftlichen Unsicherheitsfaktoren behafteten EU-Austritts nicht unbedingt gerechtfertigt erscheint, könnten erneute Spekulationen darauf zu kurzfristigen Kursanstiegen des Pfund führen.

USA: Anlässlich eines Besuchs in Louisville erklärte US-Präsident Donald Trump, Steuersenkungen – eines der Kernversprechen seiner Wahlkampagne, das bei den Anlegern für ein hohes Maß an Optimismus sorgte – könnten in den USA erst dann durchgeführt werden, wenn eine kohärente, dauerhafte Lösung zum Ersatz der bezahlbaren staatlichen Gesundheitsvorsorge, die im Volksmund als Obamacare bezeichnet wird, gefunden worden sei. Nachdem ein Bericht zeigte, dass 24 Millionen US-Amerikaner ihre Krankenversicherung verlieren würden, stieß die von den Köpfen der US-Regierung bisher vorgeschlagene Gesetzesänderung sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern, die der Ansicht sind, eine schlichte „Auflösung“ des Gesetzes reiche nicht aus, auf Kritik.

EU/Japan: Heute findet sich der japanische Premierminister Shinzo Abe in Brüssel ein, um bei Gesprächen mit EU-Vertreter auch über neue bilaterale Freihandelsabkommen zwischen den beiden Wirtschaftsräumen zu sprechen, da das Projekt eines transpazifischen Handelsabkommens auf Eis liegt, da sich die Vereinigten Staaten mit Donald Trumps Amtsantritt aus diesem Projekt zurückgezogen haben. Diese mögliche neue Allianz würde ein Gegengewicht zum steigenden Protektionismus in der Welt darstellen.

RBA: In ihrem detaillierten Protokoll über die letzte geldpolitische Sitzung der RBA zeigen sich die für die Geldpolitik Verantwortlichen angesichts des starken Anstiegs der Immobilienpreise und des hohen Verschuldungsgrads der Privathaushalte in Australien sehr besorgt. Die Verschuldung der Privathaushalte ist in den letzten Jahren stärker gestiegen als ihre Einnahmen (die Quote Verschuldung/verfügbares Einkommen liegt mit 187% auf einem historischen Höchststand), was die Gefahr einer Wirtschaftskrise in sich birgt, falls die aktuelle Immobilienblase wirklich platzen sollte. Somit ist eine weitere Leitzinssenkung mittelfristig eher unwahrscheinlich, obwohl die Inflation nach wie vor unter dem von der Zentralbank angestrebten Zielwert von 2% liegt.

CHF:

Die wöchentliche Statistik der Bankeinlagen der Schweizerische Nationalbank (SNB), die gestern veröffentlicht wurde, scheint auf eine erneute Devisenmarktintervention der SNB hinzudeuten, die damit versucht, den Aufwärtstrend einzudämmen, der sich beim Franken aufgrund der Entscheidung der Zentralbank im Rahmen der letztwöchigen vierteljährlichen Sitzung, den geldpolitischen Kurs unverändert beizubehalten, eingestellt hat. Trotz des im Februar hohen Kurses des CHF gegenüber dem EUR konnte die Schweiz in diesem Zeitraum mit 3,3 Mrd. CHF einen positiven Handelsbilanzüberschuss erzielen, auch wenn die Handelsbilanz gegenüber dem historischen Höchststand vom Januar (Aufwärtskorrektur heute Morgen auf 4,8 Mrd. CHF) etwas gesunken ist. Dieses positive Ergebnis mildert die Sorge um eine starke wirtschaftliche Abkühlung aufgrund des starken Franken ab. Dennoch braucht die Schweiz eine wettbewerbsfähige Währung und weltweites Wirtschaftswachstum, um sich wirtschaftlich weiter entfalten zu können. Die Regierung senkte heute Morgen ihre Wachstumsprognose für 2017 von 1,8% auf 1,6% (gegenüber den Dezember-Prognosen), behielt jedoch mit 1,9% ihre Wachstumsprognose für 2018 unverändert bei.

Infolge der positiven heimischen Handelsbilanz und des kräftigen Rückenwinds, der dem Euro nach der französischen TV-Debatte der Präsidentschaftskandidaten Auftrieb verschafft, konnte EUR/CHF heute Morgen um nahezu 0,3% zulegen und wieder die Marke von 1,0750 CHF überschreiten.

EUR:

Der Euro startete positiv in diese Woche – wobei der Rückenwind mit großer Wahrscheinlichkeit von den jüngsten Umfragewerten kam, die am Wochenende zeigten, dass sich der Unterschied zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen bei den voraussichtlichen Wählerstimmen für den 1. Wahldurchgang im Bereich von 0%-1% bewegt. Auch wenn der Ausgang der niederländischen Wahlen in der vergangen Woche und der weniger deutliche Stimmenzuwachs bei den Rechtspopulisten die Marktteilnehmer zuversichtlicher gestimmt haben, so sollte man keineswegs untätig abwarten. Zahlreiche Beobachter gehen davon aus, dass der Ausgang der französischen Wahlen noch nicht entschieden ist: Das zeigt sich daran, wie stark der Eurokurs auf Veränderungen des Kräfteverhältnisses zwischen den Kandidaten reagiert. Bisher sind sich die Kandidaten hauptsächlich über die Medien begegnet, doch könnte die erste Debatte, die heute Abend um 21:00 Uhr im französischen Fernsehen ausgestrahlt wird, hier einen Wendepunkt markieren.

Die aktuellen politischen Themen in Europa haben den ungelösten Fall Griechenlands und dessen dringendes Bedürfnis nach einer Finanzspritze zur Rückzahlung der Kredite an die Gläubiger zwar ein wenig überschattet (im Juli werden 7,5 Mrd. Euro fällig), doch dürfte das Thema heute, beim Treffen der EU-Finanzminister (Euro-Gruppe) zumindest zeitweise wieder in den Vordergrund treten. Heute ergab der Herstellerpreisindex im 12-Monatsvergleich in Deutschland ein 4-Jahreshoch und bestätigte somit den Anstieg der Inflation, der sich in der Eurozone eingestellt hat.

USD:

Nachdem sich am Ende des Tages eine gewisse Nervosität der Anleger vor der TV-Debatte der fünf laut den Umfragewerten beliebtesten Kandidaten für das Amt des französischen Präsidenten zeigte (Tiefstkurs von EUR/USD: 1,0723 USD), konnte der Euro heute Morgen zulegen, da die Meinung vorherrscht, Emmanuel Macron habe als Kandidat gestern Abend am besten abgeschnitten (siehe auch Schwerpunkte des Vortags). Man sollte nun beobachten, welche Auswirkungen diese Debatte auf die Umfragewerte hat, und feststellen, wer nun tatsächlich im Hinblick auf die potentiellen Wählerstimmen profitiert hat. EUR/USD stieg heute Morgen mit 1,0798 USD auf ein 6-Wochenhoch. Die Marke von 1,08 USD ist nach wie vor ein charttechnisch wichtiger Punkt, der bisher 2017 nur vier Mal berührt wurde (sechs Mal seit der Fed-Sitzung im Dezember) und der heute Morgen aufgrund des neuen Optimismus an den europäischen Börsen überschritten werden könnte.


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