Wöchentliche Marktberichte

Mrz 01, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Starker Rückgang von EUR/USD unter die Marke von 1,0550 USD, da die Anleger die Enttäuschung darüber, dass Donald Trump in seiner Stellungnahme keine neuen Einzelheiten geliefert hat, vergessen haben. Stattdessen richtete sich ihre Aufmerksamkeit auf eine mögliche US-Leitzinserhöhung der Federal Reserve (Fed) im März. Gestern haben zwei weitere Mitglieder der Fed signalisiert, dass sie eine erneute Intervention der Zentralbank befürworten. 
  • Da das BIP-Wachstum im 4. Quartal besser ausfiel als erwartet (1,1% Q/Q gegenüber erwarteten 0,7%) und die Einkaufsmanagerindizes (EMI) in China positiv ausfielen (der offizielle EMI lag auf einem 3-Monatshoch), konnte der Australische Dollar heute Morgen gegenüber dem Euro um 0,5% zulegen. EUR/AUD notiert nun wieder unterhalb der Schwelle von 1,38 AUD.
  • Der EMI des verarbeitenden Gewerbes verzeichnete den höchsten Stand seit April 2011. EUR/CHF notiert im Bereich der jüngsten Tiefststände, d.h. zwischen 1,0630 und 1,0640 CHF.

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

Australien (00:30 Uhr) – Wachstum des BIP Q/Q und J/J (4. Quartal) – Konsensprognose von 0,7%/1,9% gegenüber -0,5%/1,8% bei der letzten Veröffentlichung

China (02:00/02:45 Uhr) – NBS-Index/Caixin EMI des verarbeitenden Gewerbes (Februar) – Konsensprognose 51,1/50,8 gegenüber 51,3/51,0 im Vormonat

Schweiz (09:30 Uhr) – EMI des verarbeitenden Gewerbes (Februar) – keine Konsensprognose gegenüber 54,6 im Vormonat

Schweden (09:30 Uhr) – Protokoll der geldpolitischen Sitzung der Riksbank (Februar) 

Eurozone (10:00 Uhr) – EMI des verarbeitenden Gewerbes, Korrektur (Februar) – Konsensprognose 55,5 gegenüber 55,5 im Vormonat

UK (10:30 Uhr) – EMI des verarbeitenden Gewerbes (Februar) – Konsensprognose 55,6 gegenüber 55,9 im Vormonat

Deutschland (14:00 Uhr) – Gesamtinflation J/J, 1. Schätzung (Februar) – Konsensprognose 2,1% gegenüber 1,9% im Vormonat

USA (14:30 Uhr) – PCE-Preisindex J/J (Januar) – keine Konsensprognose gegenüber 1,6% laut 1. Schätzung 

USA (16:00 Uhr) – ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes (Februar) – Konsensprognose 56,0 gegenüber 56,0 im Vormonat

Kanada (16:00 Uhr) – geldpolitische Beschlüsse der Bank of Canada (BoC) – Konsensprognose 0,6% gegenüber 0,5% im Vormonat

USA (20:00 Uhr) – US-Konjunkturbericht der Fed (Beige Book)

Schwerpunkte am Vortag

Marktteilnehmer vor Trumps Beitrag vorsichtig; US-BIP unverändert; Kanadischer Dollar unter Druck; Schwedische Krone beendet Abwärtstrend  

Stimmung an den Börsen: Gestern war die Stimmung an den Devisenbörsen von Vorsicht geprägt, da man die öffentlichen Äußerungen Donald Trumps erwartete, die gestern Nacht erfolgten. Seine Informationen haben die Anleger nicht vollständig überzeugt. Vielmehr werden diese langsam ungeduldig, da keine Einzelheiten über die bevorstehenden Steuerreformpläne für die Privathaushalte und Unternehmen sowie über die öffentlichen Investitionsprojekte in die Infrastruktur bekanntgegeben werden. Die Trader wappneten sich gestern gegen eine erneute Enttäuschung durch den US-Präsidenten und haben daher einmal mehr Fluchtwährungen wie dem Yen und Schweizer Franken den Vorzug gegeben. Somit rutschte EUR/JPY unter die Marke von 119 JPY und EUR/CHF unterschritt die Schwelle von 1,0650 CHF.

USA: Auch wenn die Wirtschaftsexperten laut der Medianprognosen von einer leichten Aufwärtskorrektur des US-BIPs des 4. Quartals 2016 ausgingen (Konsensprognose 2,1% Q/Q gegenüber 1,9% bei der 1. Schätzung), fand eine solche nicht statt. Das Wachstum blieb unverändert bei 1,9%. Dieses etwas enttäuschende Ergebnis hat natürlich dazu beigetragen, dass EUR/USD gestern kurzfristig wieder die Schwelle von 1,06 USD überschreiten konnte.

Rohöl/CAD: Gestern fielen die Rohölpreise den zweiten Handelstag in Folge und wurden auf ein 2,5-Wochentief zurückgeworfen. Nachdem der Ölpreis in der vergangenen Woche sogar in den Bereich von 57 USD vorgedrungen ist, fiel der Brent-Index gestern wieder unter die Schwelle von 55,5 USD. Die Anleger haben Zweifel daran, ob einige der großen Produzenten tatsächlich in der Lage sein werden, ihren Verpflichtungen in Sachen Reduktion der täglichen Fördermengen nachzukommen. Das gilt vor allen Dingen für Russland. Der kanadische Dollar ist gegenüber dem Euro erneut gesunken (-0,8% gestern und damit um -1,7% seit Anfang der Woche) und der Kurs des Währungspaars EUR/CAD ist erstmals seit dem 8. Februar wieder in den Bereich von 1,41 CAD vorgestoßen.

Schweden: Das Wachstum des schwedischen BIP ist im 4. Quartal 2016 geringfügig besser ausgefallen als erwartet (1,0% Q/Q gegenüber erwarteten 0,9%). Dank dieses positiven Ergebnisses konnte die Schwedische Krone gegenüber dem Euro um 0,4% zulegen und somit die Phase von Kursverlusten an vier Handelstagen in Folge beenden (-1,4% in diesem Zeitraum). EUR/SEK war demzufolge Ende letzter Woche auf den höchsten Stand seit dem 3. Januar 2017 gestiegen (Höchstkurs am Freitag 9,5961).

Themen Heute

Donald Trumps Schweigen zu den geplanten Wirtschaftsreformen hält weiter an; Fed-Sitzung im März im Zentrum der Aufmerksamkeit; geldpolitische Beschlüsse der Bank of Canada; House of Lords drängt auf Änderung des Gesetzentwurfs; Veröffentlichung diverser EMI des verarbeitenden Gewerbes

Donald Trump: Man erwartete vom US-Präsidenten mit Spannung Antworten auf Fragen der Finanzierung und Umsetzung der wichtigsten Reformen seiner Wahlkampagne (Steuerreform, Investitionen in die Infrastruktur, Außerkraftsetzung und Umwandlung der Obamacare; Anhebung der Militärausgaben etc.), da seine direkten Vorgänger (Obama und Bush) diese Stellungnahme vor den US-Kongressabgeordneten dazu nutzten, ihre Pläne und Reformen darzulegen. Auch dieses Mal, hat Donald Trump die Gelegenheit nicht ergriffen und stattdessen eine sehr allgemeine Rede gehalten, in der er die wichtigsten Themen seiner Wahlkampagne anriss, ohne jedoch detailliert darauf einzugehen. Nach diesem Beitrag, der etwas über eine Stunde gedauert hat, befindet man sich nach wie vor am gleichen Punkt: viele Versprechen, aber bisher nur wenige konkrete Einzelheiten dazu.

Fed: Auch wenn Donald Trump bisher keine Einzelheiten über seine Wirtschaftspolitik bekannt gegeben hat, müssen die Anleger nicht zwangsweise pessimistisch werden, sondern vielmehr weiter Vertrauen in die USA und den US-Dollar haben, da verschiedene US-amerikanische Zentralbanker bereits signalisierten, es sei eine erneute Anhebung der Leitzinsen in Vorbereitung. Die Präsidenten der Fed in New York und San Francisco (Dudley & Williams) haben diese neue Positionierung der Fed bestätigt und betrachten die derzeitige wirtschaftliche Lage als für eine erneute Intervention günstig, obwohl noch immer Unklarheit über die von Washington geplanten, künftigen Wirtschaftsreformen herrscht. Auch wenn eine US-Leitzinserhöhung im März nach wie vor mit einem Fragezeichen versehen ist, wertet man dies als eine Präzisierung der Aussagen der Fed und eine Vorbereitung auf eine baldige Leitzinserhöhung, vorausgesetzt natürlich, dass die nächsten zentralen Konjunkturdaten (PCE-Index, ISM-Index und US-Beschäftigungsbericht) nicht enttäuschen. Bevor Janet Yellen am Freitagabend eine Stellungnahme abgibt und dabei die Pläne der Fed im März bestätigt (oder auch nicht bestätigt), wird die Wahrscheinlichkeit einer erneuten Leitzinserhöhung heute Nachmittag um 14:00 Uhr einem weiteren Test unterzogen, denn dann erscheint der PCE-Preisindex, den die Fed bevorzugt zur Einschätzung der Inflationsentwicklung heranzieht. 

Bank of Canada: Die kanadische Zentralbank gibt heute Nachmittag um 16:00 Uhr ihre Beschlüsse der zweiten geldpolitischen Sitzung dieses Jahres bekannt. Im Rahmen der letzten Sitzung hatte der Gouverneur der Zentralbank die Möglichkeit einer Leitzinssenkung in der nächsten Zeit in den Raum gestellt, falls sich die wirtschaftlichen Beziehungen zum US-Nachbarn verschlechtern sollten. Das erste Treffen zwischen Premierminister Justin Trudeau und Donald Trump dürfte die kanadischen Währungshüter bereits ein wenige beruhigt haben. Während dieses Treffens sprach der US-Präsident von Anpassungen des NAFTA-Abkommens, nicht aber von einer möglichen Auflösung der nordamerikanischen Freihandelszone. Sollte die BoC eher verhalten wirken und eine Sprache verwenden, die auf die Möglichkeit einer weiteren Leitzinssenkung hinweist, könnte das den kanadischen Dollar weiter unter Druck setzen.

Vereinigtes Königreich: Laut der Nachrichtenagentur Bloomberg könnte Theresa May heute ihre erste Konfrontation bevorstehen, da eine Mehrheit des House of Lords darauf drängt, dass eine Änderung des Gesetzentwurfs vorgenommen wird, die festlegt, dass europäische Bürger, die auf britischem Boden leben, berechtigt sein sollen, auch nach dem offiziellen EU-Austritt des Landes weiter dort zu wohnen. Sollte diese Änderung bei der Abstimmung befürwortet werden, würde der Entwurf des Brexit-Gesetzes automatisch wieder dem House of Commons zur erneuten Prüfung vorgelegt. Sollte dieses „Ping-Pong-Spiel“ länger anhalten, könnte das verhindern, dass Theresa May noch vor Ende des Monats offiziell das Austrittsverfahren einleiten kann, obwohl sie diesen Termin öffentlich bekanntgegeben hat.

EMI: China eröffnete heute den Reigen, indem es die Ergebnisse seiner beiden EMI des verarbeitenden Gewerbes veröffentlichte (mit hoher und niedriger Marktkapitalisierung). Diese fielen wesentlich besser aus als erwartet (der offizielle EMI erreichte ein 3-Monatshoch). Heute Morgen stehen weitere EMI des verarbeitenden Gewerbes (Februar) an: Schweiz (09:30 Uhr), Eurozone (10:00 Uhr) und Vereinigtes Königreich (10:30 Uhr). Zuletzt erscheint der EMI der USA (16:00 Uhr) in Form des ISM-Indexes zur Aktivität Industrie im Februar.

CHF:

EUR/CHF büßte am Dienstag alle am Montag erzielten Kursgewinne wieder ein und schloss den Handelstag mit 1,0636 CHF. Das Zögern der Anleger vor dem Beitrag Donald Trumps in der Nacht von gestern auf heute, hatte großen Anteil an diesen Kursgewinnen des Schweizer Franken, der durch die jüngsten positiven Konjunkturdaten zusätzlichen Rückenwind bekam. EUR/CHF könnte noch eine Weile innerhalb der Spanne von 1,0630 und 1,0710 CHF notierten, denn der heute Morgen erschienene EMI des schweizerischen verarbeitenden Gewerbes war so hoch wie zuletzt im April 2011.

EUR:

Die Eurozone wurde gestern Zeuge, wie die Zinsen für deutsche Staatsanleihen aufgrund der nachlassenden politischen Spannungen in Frankreich wieder stiegen. Die jüngsten Umfragen haben bestätigt, dass Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron seit seinem Schulterschluss mit dem Kandidaten der Mitte François Bayrou deutlich zulegen konnte. Auch wenn Marine Le Pen im ersten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen noch immer die meisten voraussichtlichen Stimmen auf sich vereinigen kann, zeigten die jüngsten Umfragen doch, dass sie im zweiten Wahlgang wohl deutlich gegen ihre wichtigsten Gegner (E. Macron und F. Fillon) verlieren wird. In den Niederlanden stehen am 15. März die Parlamentswahlen an. Die beiden am Dienstag veröffentlichten Umfragen zeigten, dass die liberale Partei des Premierministers Mark Rutte sich derzeit in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit der rechtspopulistischen Partei von Geert Wilders befindet. Diese Umorientierung zugunsten proeuropäischer Parteien und Kandidaten sorgt an den Börsen für Aufatmen, wobei man dennoch vorsichtig bleiben sollte.

Nachdem EUR/USD gestern Nachmittag kurzzeitig die Schwelle von 1,06 USD überschreiten konnte (Höchstkurs 1,0630 USD), da sich die Anleger im Vorfeld des Beitrags von Donald Trumps vor dem US-Kongress vorsichtig verhielten, fiel der Kurs im Anschluss wieder unter die Marke von 1,0550 USD, da sich die Anleger nicht von der ersten Enttäuschung, die die Rede des US-Präsidenten hervorrief, unterkriegen ließen, sondern ihre Aufmerksamkeit vielmehr auf die positiven Signale richteten, die für eine US-Leitzinserhöhung durch die Fed sprechen. In der Eurozone richtet sich das Augenmerk auf die Korrektur diverser EMI des verarbeitenden Gewerbes und auf die erste Schätzung der Inflationsrate in Deutschland. Allerdings dürfte deren Einfluss auf den Kurs des Währungspaars EUR/USD begrenzt bleiben, da der Kurs vornehmlich von Spekulationen im Zusammenhang mit der nächsten Fed-Sitzung abhängt.

USD:

Nach Robert Kaplans (Fed in Dallas) Äußerungen vom Montag, meldeten sich gestern John Williams (Fed in San Francisco) und William Dudley (Fed in New York) zu Wort und sendeten positive Signale in Bezug auf eine mögliche US-Leitzinserhöhung im März. Die Stellungnahmen der beiden regionalen Fed-Präsidenten erfolgten vor der Stellungnahme Donald Trumps vor dem US-Kongress, was den Eindruck vermitteln könnte, dass die Wirtschaftspolitik der Regierung keinen Einfluss auf die Entscheidung der Fed-Mitglieder hat. Vielmehr scheint die Fed ihre Entscheidung bezüglich des Leitzinses eher von soliden wirtschaftlichen Fundamentaldaten abhängig zu machen. Laut dem FedWatch Tool der CME Group liegt die Wahrscheinlichkeit einer Leitzinserhöhung am 15. März 2017 derzeit bei 35%.

In den nächsten zwei Wochen sieht sich die US-Wirtschaft noch mit einigen Tests konfrontiert, die die Mitglieder des US-Offenmarktausschusses (FOMC) entweder darin bestätigen oder davon abbringen werden, den Leitzins erneut zu erhöhen, nachdem die letzte Intervention nur 3 Monate zurückliegt. Auch wenn die US-Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft am 10. März der wohl entscheidende Faktor für die Entscheidung der US-Zentralbanker werden dürften, wird auch der aktuelle PCE-Index von großer Bedeutung sein (siehe auch Schwerpunkt des Tages) und in etwas geringerem Maße auch der ISM-Index des verarbeitenden Gewerbes. Beide Indikatoren erscheinen heute Nachmittag.


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