Wöchentliche Marktberichte

Feb 27, 2017 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

EUR

Wichtigste Ereignisse des asiatischen Handelstages/Eröffnung des europäischen Handels 

  • Der Euro konnte heute Morgen gegenüber allen Währungen der G-10-Staaten zulegen.
  • Deutlicher Anstieg des Kurses des Währungspaars EUR/GBP, da die Unsicherheit bezüglich der politischen Entwicklung in Frankreich ein wenig gesunken ist und sich der Kurs nach dem deutlichen Einbruch der letzten Woche auf sein bisheriges Jahrestief wieder normalisiert.
  • Vom Rohöl abhängige Währungen von Schwellenländern (RUB & MXN) konnten gegenüber dem Euro zulegen, da der Brent-Index im Bereich von 57 USD notiert.

Wichtigste Konjunkturdaten des Tages 

Eurozone (11:00 Uhr) – Geschäftsklimaindex der Unternehmen/Verbrauchervertrauensindex (Februar) – keine Konsensprognose gegenüber 0,79/-6,2 im Vormonat

USA (14:30 Uhr) – Auftragseingang für langlebige Güter M/M (Januar) – Konsensprognose 1,7% gegenüber -0,5% im Vormonat

USA (16:00 Uhr) – Noch ausstehende Wohnimmobilienverkäufe M/M (Januar) (Februar) – Konsensprognose 0,8% gegenüber 1,6% im Vormonat

Schwerpunkte am Vortag

Symbolischer Sieg der britischen Konservativen in einer Regionalwahl; kein Zusammenschluss zwischen Hamon und Mélenchon vorgesehen; die US-Demokraten haben einen neuen Parteichef

Vereinigtes Königreich: Die konservative Partei hat zur allgemeinen Überraschung in einer regionalen Wahl, die am Donnerstag in Copeland im Nordosten Englands stattgefunden hat, einen Wahlsieg errungen. Dieser Sieg bedeutet das Ende einer 80-jährigen Vormachtstellung der Labour Party in dieser Region und ist vor allem ein Zeichen des Vertrauens gegenüber der Regierung von Premierministerin Theresa May. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass die Labour Party dennoch ihre Sitze in Stoke-on-Trent bei der zweiten Wahl in der vergangenen Woche sichern konnte – und zwar vor dem Kandidaten der euroskeptischen UKIP und dem der Conservative Party.

Französische Wahlen: Zwar hat sich der Kandidat der ökologischen Partei aus dem Rennen um die französische Präsidentschaft zurückgezogen, um die Kampagne des sozialistischen Kandidaten Benoît Hamon zu unterstützen, der derzeit laut Umfragen im ersten Wahlgang Platz vier belegen dürfte, doch hat der Kandidat der Linken Jean-Luc Mélenchon keinerlei Bereitschaft bekundet, von seiner Kandidatur abzusehen – und damit die Gerüchte, dass es zu einem großen Zusammenschluss der linken Parteien kommen könnte, im Keim erstickte.

USA: Tom Perez, der ehemalige Arbeitsminister der Regierung Obama, wurde am Wochenende in den USA zum Parteichef der Demokraten gewählt. Die Wahl fiel sehr knapp aus, sodass Perez seinem Rivalen im ersten Wahlgang vorgeschlagen hat, sein Stellvertreter zu werden, um so sicherzustellen, dass die Einheit der Partei gewahrt bleibt, da die Partei in beiden Häusern ohnehin die Minorität hat. Sobald die neue Führungsspitze sich offiziell gebildet hat, kann sie versuchen, als geschlossene, einheitliche Opposition gegen die Politik Donald Trumps anzutreten.

Themen Heute

Donald Trump und Janet Yellen ziehen erneut die gesamte Aufmerksamkeit der Marktteilenehmer auf sich; Inflation in der Eurozone; geldpolitische Sitzung der Bank of Canada (BoC); aktuelle BIP-Zahlen

USA: Ist eine US-Leitzinserhöhung im März nach wie vor im Bereich des Möglichen? Das ist die Kernfrage, die heute die Marktakteure bewegt. Sie sind diesbezüglich nach wie vor sehr skeptisch, da: 1) die Frage der künftigen Wirtschaftsreformen Trumps noch immer offen im Raum steht und sich 2) Janet Yellen sehr bedeckt gehalten hat, was Einzelheiten zur künftigen geldpolitischen Agenda der Fed angeht. Diese beiden Fragezeichen könnten in dieser Woche eine gewisse Aufklärung erfahren, wenn Donald Trump am  Dienstagabend eine Stellungnahme vor dem US-Kongress abgibt und sich Janet Yellen am Freitag um 19:00 Uhr MEZ zu den künftigen wirtschaftlichen Aussichten des Landes äußert. Der US-Konjunkturbericht (Beige Book) der Fed und der aktuelle PCE-Inflationsindex (den die Fed bevorzugt heranzieht) werden mit großem Interesse verfolgt werden.

Eurozone: Am Donnerstag (11:00 Uhr) wird die 1. Schätzung der Inflation der Eurozone für Februar veröffentlicht. Die Wirtschaftsexperten gehen auf die letzten 12 Monate gerechnet von einem Anstieg um 2% aus. Es wäre das erste Mal seit Dezember 2012, dass diese von der EZB angestrebte Marke erreicht wird. Die Stagnation der Kerninflation unter der Marke von 1% (Konsensprognose 0,9% J/J gegenüber 0,9% im Januar) dürfte jedoch die Spekulation um eine vorzeitige Drosselung des Programms zum Ankauf von Vermögenswerten (APP) dämpfen.

BoC: Am Mittwoch um 16:00 Uhr MEZ gibt die kanadische Zentralbank die Beschlüsse ihrer jüngsten geldpolitischen Sitzung bekannt. Angesichts der positiven Fundamentaldaten (Rückgang der Arbeitslosigkeit, starker Anstieg der Gesamtinflation auf über 2% im Januar) und einem ersten positiven Treffen zwischen Donald Trump und dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau gibt es keinen Grund, weshalb die Möglichkeit einer Leitzinssenkung in der nahen Zukunft in den Raum gestellt werden sollte. Dennoch dürften die kanadischen Zentralbanker vorsichtig bleiben, da die Zukunft bzw. sogar die Existenz des NAFTA-Abkommens nach wie vor in Frage steht.

BIP-Zahlen: Sie erscheinen am Dienstag in Frankreich (Konsensprognose 0,4% Q/Q gegenüber zuvor veröffentlichten 0,4%), in Schweden (Konsensprognose 0,9% Q/Q gegenüber ,5% im 3. Quartal) und in den USA (2. Schätzung des BIP des 4. Quartals 2016). Die Wirtschaftsexperten gehen davon aus, dass das US-Wachstum im 4. Quartal leicht von 1,9% auf 2,1% nach oben korrigiert wird, was den Optimismus der Anleger gegenüber der US-Wirtschaft untermauern bzw. fördern sollte. Am Mittwoch folgen in Australien die Wachstumszahlen des 4. Quartals (Konsensprognose 0,7% Q/Q gegenüber -0,5% im 3. Quartal 2016). Am Freitag folgt die Schweiz (Konsensprognose 0,4% Q/Q gegenüber 0,0% im 3. Quartal 2016) und Kanada (keine Konsensprognose gegenüber 0,9 % Q/Q im 3. Quartal 2016), bevor die Woche mit der Korrektur der italienischen Wachstumszahlen am Freitag endet (Konsensprognose 0,2% gegenüber 0,2% bei der vorherigen Veröffentlichung).

CHF:

Der Stützungspunkt von 1,0630 CHF hält nach wie vor sehr gut und schränkt die Baisse-Tendenzen von EUR/CHF ein. Die Nachricht, dass der Kandidat F. Bayrou am Mittwoch seine Kandidatur zugunsten E. Macrons aufgegeben hat, bescherte dem Kurs einen Anstieg auf 1,0677 CHF, wobei dieser nur von kurzer Dauer war, denn das Währungspaar schloss die Woche bei 1,0640 CHF. Die politischen Spannungen in Europa, allem voran in Frankreich, werden auch in dieser Woche den Kurs des Währungspaars weiter beeinflussen. Die Tatsache, dass die Spannungen nachgelassen haben und sich die Anleger bereits auf Kursverluste des Euro eingestellt haben, könnte dem Währungspaar eine Verschnaufpause bescheren. Dennoch scheint es derzeit eher unwahrscheinlich, dass sich der Kurs über die Spanne von 1,06-1,07 CHF hinausbewegen könnte. Die wichtigsten Konjunkturdaten, die in dieser Woche in der Schweiz erscheinen, sind der Einkaufsmanagerindex (EMI) des verarbeitenden Gewerbes am Dienstag und die BIP-Zahlen des 4. Quartals 2016 am Mittwoch.

EUR:

Die französischen Präsidentschaftswahlen und die mit ihnen verbundenen Ängste sind nach wie vor der Hauptfaktor, der bei den europäischen Anlegern Sorgen auslöst. Aus Angst davor, von den Ereignissen eingeholt zu werden, kam es in der vergangenen Woche verstärkt zu Hedging-Aktivitäten, zum Schutz vor möglichen Kursverlusten des Euro in den nächsten Monaten. In diesem Zusammenhang stieg die implizite 3-Monats-Volatilität des Währungspaars EUR/USD auf 11,25% (8-Monatshoch). Ein vergleichbares Niveau wurde bereits im Dezember erreicht, als die Fed den Leitzins erhöhte. Zudem fiel EUR/USD in der vergangenen Woche erstmals seit dem 11. Januar wieder unter die Marke von 1,05 USD (niedrigster Kurs war am Mittwoch 1,0492 USD). Die Marktteilnehmer werden die Umfragen und politischen Nachrichten aus Frankreich und den Niederlanden (Wahlen am 15. März) mit Spannung verfolgen, wobei das Baisse-Potenzial  des Euro derzeit recht begrenzt sein dürfte, da sich die Anleger bereits entsprechend positioniert haben. Mit der Nachricht, dass sich die Kandidaten Hamon und Mélenchon nicht zusammengeschlossen haben, ist zudem das Risiko gesunken, dass zwei Kandidaten (mit Marine Le Pen) im Rennen sind, die den Börsen kritisch gegenüberstehen, was sich für den Euro derzeit positiv auswirkt.

Die neuen Inflationszahlen, die am Donnerstag erscheinen, dürften das wichtigste Ereignis in Europa in dieser Woche sein. Das politische Umfeld wird von den Marktteilnehmern nach wie vor verfolgt werden, doch dürften die Impulse für die Kursentwicklung von EUR/USD vor allem aus den USA kommen, da Donald Trump und Janet Yellen in dieser Woche eine Stellungnahme abgeben. Sollte die Wahrscheinlichkeit steigen, dass die Fed im März eine US-Leitzinserhöhung vornimmt, könnte EUR/USD erneut die Marke von 1,05 USD unterschreiten und sich auf die bisherigen Jahrestiefststände zubewegen (1,0340 USD Januar).  

USD:

Das Protokoll der Fed hat in der vergangenen Woche die Hoffnungen auf eine mögliche Intervention der Fed im März wieder aufflackern lassen, da sich daraus ergab, dass einige Mitglieder des US-Offenmarktausschusses (FOMC) einer Leitzinserhöhung positiv gegenüberstehen. Die Frage ist weniger, ob die Fed die Zinsen erhöhen wird, sondern vielmehr, ob sie diese Intervention bald durchführt. Auch wenn die jüngsten Stellungnahmen Janet Yellens eher optimistisch waren, äußerste sie sich doch nicht präzise zur geldpolitischen Agenda der Fed. Die Entscheidung scheint derzeit völlig in den Händen Donald Trumps zu liegen, da man nach wie vor darauf wartet, dass dieser Einzelheiten zur geplanten Steuerreform bekanntgibt und sich zu den staatlichen Investitionen in die Infrastruktur äußert. Am Dienstag werden eventuell Einzelheiten dazu bekanntgegeben, wenn sich Trump vor dem US-Kongress äußert. Die Anleger verhalten sich weiterhin vorsichtig und möchten sich nicht erneut vom allgemeinen Optimismus anstecken lassen, nur um anschließend enttäuscht zu werden. Die Aussagen des Finanzministers, der am Donnerstag erklärte, die Steuerreformmaßnahmen würden zunächst nur moderate positive Effekte haben, dämpften ein wenig die Erwartung der Marktteilnehmer. Die Aussagen am Dienstag könnten erneut eine Welle der Dollarkäufe auslösen, wenn die US-Börsen von neuem Optimismus getragen werden sollten und sich die Hoffnungen auf eine Leitzinserhöhung am 15. März erhöhen ... oder es könnte zu Gewinnmitnahmen auf USD kommen, wenn die Marktteilnehmer von den Maßnahmen Trumps enttäuscht werden sollten und die Fed die Leitzinserhöhung aufschieben sollte.


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