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Jul 10, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Die Prognosedivergenz bei EUR/USD

INTRO

Ökonomen versuchen weiterhin den genauen wirtschaftlichen Schaden der Coronakrise und die diesjährige Kontraktion der großen  Volkswirtschaften zu präzisieren. Die europäische Kommission, der Internationale Währungsfond und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung haben alle samt ihre Wirtschaftsprognosen in den vergangenen Wochen nach unten korrigiert. Zukunftsorientierte Daten lassen jedoch auf eine deutliche Verbesserung der Binnenwirtschaft seit dem Krisentief im zweiten Quartal deuten. Vor diesem Hintergrund werden die ersten Datenveröffentlichungen für das dritte Quartal erhöhte Aufmerksamkeit genießen.

In der Zwischenzeit haben Investoren an den US-Termingeschäftemärkten deutliche spekulative Positionierungen zugunsten des Euro aufgebaut.Die unter normalen Umständen positive Tatsache lässt einige Marktteilnehmer jedoch das langfristige Aufwärtspotenzial der Gemeinschaftswährung anzweifeln, zumal die höhere Positionierung an den Terminmärkten zu keiner signifikanten Aufwertung von EUR/USD geführt hat. Die derzeitige Positionierung der Spekulanten erhöht ebenfalls das Risiko eines „Short-Squeeze“, also eines Abverkaufs (Schließung der Positionen) des Paares im Falles eines unerwarteten Schocks. 

Die derzeitig bestehende Differenz zwischen einzelnen Prognosen für das Währungspaar kann auch durch die diversen Faktoren erklärt werden, welche die Devisenmärkte derzeit leiten. Insbesondere politische Risikoelemente wie der Brexit, US-China Handelskrieg und die US-Präsidentschaftswahl haben eher einen binären Charakter, was bedeutet, dass sich eine Berechnung der Eintrittswahrscheinlichkeiten schwierig gestaltet. Der erschwerte Einpreisungsmechanismus macht den Märkten zu schaffen und sorgt für starke Divergenzen in den Prognosen. Ob die Long-Positionen das Währungspaar mit nach oben ziehen oder bei einem Schock geschlossen werden, kann kurzfristig noch nicht konkret gesagt werden.

Weltweit bestätigte Coronafälle: 12.118.667

Weltweit bestätigte Todesfälle: 551.271

Weltweit bestätigte Genesungen: 6.649.930

EUR

Niveaus um $1,1220 und $1,1350 von Bedeutung

EUR/USD befindet sich auf einem guten Weg, die dritte wöchentliche Aufwertung infolge zu verzeichnen. Das Überwältigen der Barriere 1,1350 bleibt eine notwendige Bedingung, um nachhaltiges Aufwärtspotenzial zu schaffen. Insbesondere da sich in Nähe dieses Niveaus sowohl der wöchentliche, als auch der monatliche gleitende Durchschnitt befinden. Die positive Tendenz des Währungspaares bleibt intakt, solange sich EUR/USD über 1,1220 befindet. Ein Unterlaufen der Unterstützung könnte Bewegungen bis 1,10 entfalten.

Risikoereignisse des Tages

  • FR: Industrieproduktion (08:45)
  • IT: Industrieproduktion (09:00)

USD

Langer Weg zur Normalität

Sowohl das Konsumentenvertrauen, als auch die Einzelhandelsumsätze konnten sich in den USA und der Eurozone bereits im Mai signifikant festigen. Der Weg zur Normalität könnte zwar länger ausfallen als anfangs gedacht. Das Ausbleiben neuer Ausgangssperren und Grenzschließungen würde in diesem Zusammenhang jedoch ein deutliches Aufwärtspotenzial entfalten. Neben der Präsidentschaftswahl und dem US-China Disput bleiben die Infektionszahlen die wichtigsten  kurzfristigen Wechselkurstreiber.

Bei der Betrachtung eines mittel- bis langfristigen Zeithorizonts fällt die Aufmerksamkeit erneut auf die durch die Krise erzeugte Schuldlast, das Inflationsumfeld und makrostrategische Themen wie die globale Abhängigkeit von der chinesischen Lieferkette. Dass sich die US-Wirtschaft noch keineswegs bei den Vorkrisenniveaus befindet wird insbesondere bei den Arbeitsmarktdaten deutlich. Zwar ist die Zahl der Neuanmeldungen für die Arbeitslosenunterstützung die 14. Woche infolge gesunken. Mit mehr als 1,3 neuen Anträgen bleibt diese im Vergleich zu dem Allzeithoch vor der Coronakrise (knapp über 600 Tausend) weiterhin hoch.

Risikoereignisse des Tages

  • US: Keine Wirtschaftsveröffentlichungen

CNH

Aktienrally wird fortgesetzt

Die chinesischen Aktienmärkte (Shanghai Composite) bahnen sich ihren Weg weiter nach oben und verzeichnen den achten täglichen Anstieg infolge. Seit dem Tief am 19. konnte sich der Shanghai Börsenindex um knapp 30 Prozent festigen. Auch die chinesische Währung kann von der positiven Gemütslage profitieren. Zum ersten Mal seit Mitte März durchbricht USD/CNH die psychologische Unterstützung bei 7,00. Investoren nahmen das Unterlaufen des Niveaus als Zeichen der Toleranz Pekings bezüglich der Aufwertung der heimischen Währung. Dies gilt jedoch nur, solange beide Seiten an einem Aufrechterhalten der Bedingungen des Teilabkommens interessiert sind.

Neben der allgemeinen Verbesserung der Gemütslage nahm sich der chinesische Yuan auch die Vorteile des seit einigen Monaten steigenden Zinsdifferenzials zwischen China und den USA zugunsten. EUR/CNH bildet derzeit eine Dreiecksformation. Sollte das Niveau um 7,88 unterlaufen werden, könnte der kurzfristige Abwärtstrend die Überhand gewinnen. Das größte Aufwärtsrisiko liegt in einer stärkeren geldpolitischen Lockerung der chinesischen Zentralbank, welche sich den stärkeren Yuan zu nutzen machen könnte.


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