Globale Themen

Wieder nichts

USD

EUR USD (1,1285)

Es dürfte wohl dem Brexit-Drama geschuldet sein, dass sich gestern die meisten Marktteilnehmer nicht so sehr für den Euro interessierten. Sonst hätten sie wohl aufgehorcht, als etwa der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer hinsichtlich der Verhandlungen zwischen den USA und China im Handelskonflikt einen eher zurückhaltenden Ton anschlug. Er hoffe, dass sich die Verhandlungen in ihren „letzten Wochen“ befänden, aber es gäbe noch immer größere ungelöste Probleme. Und solange diese nicht vom Tisch seien, könne man kein Abkommen schließen, so Lighthizer. Tatsächlich sind die Verhandlungen deswegen so langsam vorangekommen, weil das Weiße Haus darauf besteht, dass die USA die Möglichkeit haben sollen, einseitig Strafzölle zu verhängen, sollte sich China nicht an den Handels-Deal halten. Solche Maßnahmen, die im Übrigen automatisch in Kraft treten würden, werden bislang von der chinesischen Seite abgelehnt. Der US-Dollar, der normalerweise, wenn die US-chinesischen Verhandlungen im Handelskonflikt ins Stocken geraten, eher gesucht ist, zeigte dieses Mal allerdings keinerlei Reaktion.
Dass sich stattdessen der Euro etwas befestigen konnte, dürfte vor allen Dingen den gestern veröffentlichten US-Verbraucherpreisen vom Februar zuzuschreiben sein, die gegenüber dem Vorjahr in der Kernrate zwar um 2,1 Prozent angezogen, aber die Prognosen der Analysten dennoch leicht verfehlt hatten. Abgesehen davon, dass sich die US-Notenbank in Sachen Inflationseinschätzung lieber mit dem Index der privaten Konsumausgaben (PCE) beschäftigt, blieben die Marktreaktionen auch aus anderem Grunde überschaubar: Die Fed hält sich mit hoher Wahrscheinlichkeit für längere Zeit an der Seitenlinie auf und dürfte auf solch kleine Datenveränderungen nicht reagieren. Allerdings hat das CME-FedWatch Tool reagiert, das gestern in der Folge eine implizite Wahrscheinlichkeit von mehr als 20 Prozent für mindestens eine Zinssenkung in diesem Jahr berechnet – eine Zinserhöhung ist demnach selbst über das Jahresende hinaus (bis 29. Januar 2020) überhaupt nicht denkbar.
Unterdessen hat sich der Euro gestern weiter erholen können, würde aber stabileres Terrain erst oberhalb von 1,1325/35 erreichen. Sollte im weiteren Verlauf auch 1,1380/85 fallen, wäre dies als ein bullishes Zeichen für die Gemeinschaftswährung zu werten.

USD

USD CHF (1,0075)

Betrachtet man die Entwicklung des Greenback gegenüber mehreren Valuten, etwa dem Dollar-Index, ist die Versuchung für die Akteure groß, die US-Valuta zu „shorten“. Denn der Dollar ist am vergangenen Donnerstag zum dritten Mal seit Mitte November am gleichen Niveau und gleichzeitig dem höchsten Kurs seit Juni 2017 hängen geblieben. Ähnliches gilt auch für den Dollar im Verhältnis zum Franken, der nun zum fünften Mal seit Mai 2018 irgendwo zwischen 1,0050 und knapp 1,0130 auf massiven Widerstand stieß. Und so ist es nur naheliegend, dass auch Franken-Händler in diesem Bereich vorzugsweise auf einen fallenden Dollar setzen. Die große Gefahr ist natürlich, dass diese Strategie, je häufiger sie in der Vergangenheit erfolgreich war, vielerorts kopiert wird und – sofern sie fehlschlägt – zu größeren Trends in die Gegenrichtung führen kann. So gesehen, besäße der Dollar gegenüber dem Franken nicht nur das derzeitige Potenzial, tatsächlich 1,0210, sondern auch deutlich mehr zu erreichen. Zumindest, solange Rücksetzer durch 0,9985/90 begrenzt bleiben.

GBP

EUR GBP (0,8620)

Was für ein Wechselbad der Gefühle müssen nicht nur die Abgeordneten des britischen Unterhauses, sondern auch Pfund-Händler gestern durchgemacht haben! Gab es etwa im Verhältnis zum Euro Montagnacht mit rund 0,8475 noch die höchsten Pfund-Kurse seit Mai 2017, folgte im Laufe des Tages eine richtig kalte Dusche für Pfund-Optimisten, als sich nämlich herausstellte, dass die Einigung auf ein „rechtsverbindliches Instrument“ zwischen der britischen Premierministerin Theresa May und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker längst nicht so viel wert war, wie es der erste Anschein vermittelte. Wie wir bereits gestern andeuteten, war es dem britischen Generalstaatsanwalt Geoffrey Cox vorbehalten, ob die Zusatzvereinbarungen rechtlich bindenden Wert haben würden. Cox, der das Abkommen zwar unterstützt, äußerte, dass die rechtlichen Risiken unverändert bestehen würden. „Wieder nichts!“, dürften Pfund-Händler genauso enttäuscht gedacht haben wie Brexit-Hardliner oder Vertreter der nordirischen DUP im britischen Unterhaus – beide Gruppierungen äußerten bereits vor der wichtigen Abstimmung (meaningful vote), dass sie den Brexit-Vertrag so nicht akzeptieren würden. Und so war es nur eine Frage, wie stark Theresa Mays Abstimmungsniederlage nach dem Desaster vom Januar dieses Mal ausfallen würde. Wie erwartet wurde der Brexit-Entwurf, wenn auch nicht so deutlich (391 zu 242 Stimmen) abgelehnt. Wenn man nun Theresa May Glauben schenken möchte, sollen in dieser Woche noch zwei weitere Abstimmungen folgen. Und zwar die erste wahrscheinlich heute, mit der ausgeschlossen werden soll, dass Großbritannien die EU ohne Abkommen verlassen kann, und eine zweite darüber, ob der für den 29. März festgesetzte Brexit verschoben werden soll.
Der Euro, der sich bereits im Vorfeld der Abstimmung vorübergehend um 150 Stellen befestigt hatte, bleibt nach wie vor in instabilem Zustand, solange 0,8720/25 nicht überwunden wird. Von einem Trend in die eine oder die andere Richtung kann derzeit aufgrund der hohen Volatilität – die implizite Overnight-Volatilität war gestern auf ein Zweieinhalb-Jahreshoch geschossen – und der Ereignisabhängigkeit des Wechselkurses nicht gesprochen werden. Die besten Unterstützungen an der Unterseite liegen bei 0,8425 und 0,8340.

CHF

EUR CHF (1,1375)

Auch gestern spielte der Euro nur eine untergeordnete Rolle, vermutlich auch, weil der Franken als Fluchtwährung bei den derzeitigen Brexit-Unsicherheiten nicht gefragt ist. Damit bleibt der Euro in der oberen Hälfte seiner seit gut vier Wochen gültigen Konsolidierungszone zwischen 1,1255 und 1,1425/30 gefangen.

CZK

EUR CZK (25,65)

Ohne neue ökonomische Einflussfaktoren oder eine Neueinschätzung der tschechischen Leitzinssituation blieb die Krone gestern ohne Impuls. Zwar konnte sich der Euro geringfügig befestigen, vermochte es allerdings nicht, seinen Abwärtstrend – dieser ist derzeit ohne Momentum – zwischen 25,69 und 25,57 zu beenden.

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