Globale Themen

Viel Nebel und wenig Licht

USD

EUR USD (1,1320)

Lässt man die vergangene Woche Revue passieren, so sieht es auf den ersten Blick alles andere als gut für den Euro aus. Nicht zuletzt wegen der deutlich gesenkten Wachstumsprognosen für die Eurozone durch die EU-Kommission, die ein Problem aus dem Vorjahr ins Rampenlicht zurückholte: Italiens Verschuldungssituation. Denn dessen Berechnungen basierten im besten Fall auf der Wachstumsprognose der EU-Kommission vom November von +1,2 Prozent für das Jahr 2019. Dass man dort nur noch von einem Bruttoinlandsprodukt von +0,2 Prozent in diesem Jahr ausgeht, hatte umgehend den stellvertretenden italienischen Premierminister Luigi Di Maio auf den Plan gerufen. Der Chef der 5-Sterne Partei ist nicht nur alles andere als glücklich über die Prognosen, sondern sieht naturgemäß einen Widerspruch zu den eigenen Vorhersagen. Folgt man den Ausführungen Di Maios, hat man ganz und gar nicht den Eindruck, dass sich das Land am Ende vergangenen Jahres bereits in einer Rezession befand. Vielmehr geht Di Maio davon aus, dass die Vorhaben der Regierung, insbesondere das sogenannte Bürgereinkommen und die Rentenreform, die bereits im April in Kraft treten sollen, das Bruttoinlandsprodukt Italiens ankurbeln werden.
Die Anleihehändler scheinen derlei Optimismus allerdings nicht zu teilen, so dass die Renditedifferenz, der sogenannte Spread, zwischen zehnjährigen italienischen Staats- und deutschen Bundesanleihen mit vergleichbarer Laufzeit am Freitag mit rund 293 Basispunkten den höchsten Stand seit dem 7. Dezember vergangenen Jahres markierte. Diese Ausweitung des Spread ist jedoch nicht allein das Resultat deutlich gestiegener italienischer Staatsanleihen. Gleichzeitig war auch die Rendite für deutsche Staatsanleihen zuletzt mit 0,08 Prozent auf den niedrigsten Stand seit November 2016 gefallen. Kurzum: Man hätte mit einem erheblich größeren Rückgang des Euro rechnen dürfen. Tatsächlich hat dieser gegenüber dem US-Dollar die Woche mit einem Minus von 1,1 Prozent beschlossen. Vergleicht man jedoch die Entwicklung der Gemeinschaftswährung mit einem Korb aus vielen Währungen, ergibt sich nur ein halb so großer Wochenverlust. Mit anderen Worten: Der Euro ist in erster Linie gefallen, weil sich der Dollar um 1,1 Prozent während der gleichen Zeit, ebenfalls gegenüber einem Währungskorb (gemessen am Dollar-Index), befestigt hatte.
Warum sah der Euro dennoch für viele Akteure so schwach aus? Das ist auch eine Frage der Wahrnehmung. Denn die Gemeinschaftswährung hat während der vergangenen Woche kaum Luft holen können und markierte jeden Tag, wenn auch manchmal nur marginal, ein neues Tief in der laufenden Abwärtsbewegung. Auf der anderen Seite haben vor allen Dingen langfristig orientierte Strategen offensichtlich nicht damit gerechnet, dass sich der Dollar, ebenfalls in überschaubarem Maß, tatsächlich noch einmal befestigen würde. Denn internationale Fondsmanager dürften immer noch langfristig auf einen fallenden Greenback setzen. Stattdessen hat sich der Dollar zuletzt fast auf den höchsten Kurs des Jahres aufgeschwungen. Und so beginnt der Euro die neue Woche in seiner Konsolidierungszone zwischen 1,1215 und 1,1585/90, wobei das obere Umfeld des Euro (bezogen auf ein Kursband von +/-1 Prozent und einen Wochenschlusskurs von 1,1320) nach wie vor etwas durchlässiger als die Unterseite sein dürfte.

USD

USD CHF (1,0005)

Nur Wenige haben sich vermutlich träumen lassen, dass ein Feiertag in Japan ausgerechnet den Franken-Handel treffen würde. Denn heute Morgen in Fernost kam es vermutlich aufgrund der dünnen Liquiditätssituation, wie sie ohnehin zu Wochenbeginn in den Märkten Australiens und Neuseelands vorherrscht, zu einer Verkaufswelle in Schweizerfranken, die den Dollar vorübergehend bis auf rund 1,0095 ansteigen ließ. Später kehrte sich diese Bewegung – alles innerhalb von nicht einmal einer Stunde – vollends um und führte den Greenback auf sein Ausgangsniveau zurück. Dabei ist derzeit ungeklärt, ob eine große Stopp-Loss Order oder womöglich eine Computer-Fehleingabe („fat finger“) zu dieser außergewöhnlichen Entwicklung geführt hat. Erst noch zu Jahresbeginn gab es übrigens – ebenfalls an einem japanischen Feiertag – eine ähnliche, aber noch viel heftigere Bewegung im Yen. Damit hat der Dollar gegenüber dem Franken sein Aufwärtspotenzial (1,0115) zunächst fast ausgeschöpft. Der zugrundeliegende Trend bleibt indes erhalten solange 0,9955 (modifiziert) nicht unterlaufen wird.

GBP

EUR GBP (0,8755)

Für heute steht in Großbritannien die Publizierung einer Reihe wichtiger Wirtschaftsdaten an, die die derzeitige ökonomische Verfassung des Landes widerspiegeln dürften. Eine Verfassung, die der Chef der Bank of England, Mark Carney, in der vergangenen Woche als „Nebel des Brexit“ bezeichnete. So wird etwa im Mittel von den Ökonomen die erste Schätzung des Bruttoinlandsprodukts für das vierte Quartal 2018 mit einem Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal (+1,4 Prozent gegenüber Vorjahr) erwartet. Daneben wird das Bruttoinlandsprodukt für den Monat Januar veröffentlicht – man geht im Mittel von einer Stagnation der Wirtschaft in Großbritannien aus. Aber es wird auch Daten zur Industrieproduktion und zum Außenhandel geben.
Das Hauptinteresse der Händler dürfte allerdings nach wie vor auf den Brexit-Prozess gerichtet sein, bei dem es in der vergangenen Woche keine greifbaren Fortschritte gab. Zwar hat sich Sterling per Freitag gegenüber dem Euro minimal befestigen können, aber von der einst optimistischen Stimmung in der zweiten Januarhälfte ist nicht mehr viel übriggeblieben. Und es ist sicherlich nicht nur Mark Carney, der mittlerweile die Gefahr eines sogenannten No-deal-Brexit wieder deutlich höher einschätzt. Dies spiegelt sich auch im Optionsmarkt wider, wo für Sterling-Put- Optionen mit Fälligkeit von zwei Monaten gegenüber Calls mit gleicher Laufzeit deutlich mehr bezahlt wird. Und zwar so viel mehr wie seit November vergangenen Jahres nicht mehr. Ganz davon abgesehen erwarten Händler in jedem Fall, ob es nun einen Brexit-Deal gibt oder nicht, eine massive Bewegung im britischen Pfund, und zwar in einer (zugegebenermaßen wahrscheinlich völlig überzogenen) Größenordnung von bis zu 20 Prozent nach oben oder nach unten, sobald das Ergebnis der Brexit-Verhandlungen feststeht. Bis dahin kann es jedoch noch ein langer Weg sein, so dass wir derzeit für den Euro gegenüber Sterling lediglich eine korrektive Aufwärtsentwicklung zwischen 0,8695 und 0,8890 feststellen können.

CHF

EUR CHF (1,1325)

Die ungewöhnliche Entwicklung des Franken heute Nacht hat auch den Euro kurzzeitig auf Kurse in Richtung 1,1420 springen lassen, bevor die entsprechende Gegenbewegung (vgl. USD CHF) die Gemeinschaftswährung sogar unter die Untergrenze ihres Aufwärtstrends drückte und diesen damit in eine Seitwärtsbewegung überführte. Deren weit gesteckte Grenzen befinden sich bei 1,1255 und 1,1425/30. Dabei bleibt der Euro in einer relativ ungünstigen Situation zurück, solange er sich unterhalb von 1,1370 bewegt.

CZK

EUR CZK (25,8)

Dass die Arbeitslosenquote Tschechiens im Januar mit einem Plus von 3,3 Prozent marginal höher ausfiel als von den Ökonomen im Mittel erwartet, hatte keinen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der tschechischen Krone. Im Wochenvergleich hat sich der Euro somit um 0,10 Kronen befestigt, nicht zuletzt, weil die tschechische Zentralbank den Leitzins zum zweiten Mal hintereinander nicht erhöht hatte. Somit bleibt der Euro in seiner derzeit korrektiven Aufwärtsbewegung recht stabil, innerhalb derer noch ein überschaubares Potenzial bis 25,86 (darüber 25,95) vorhanden ist. Etwaige Rücksetzer dürfen nun 25,68 nicht mehr unterlaufen, da ansonsten die Korrekturphase beendet wäre.

PLN

EUR PLN (4,3090)

Ohne wichtige ökonomische Daten hat sich der Zloty gegenüber dem Euro noch einmal ein wenig abgeschwächt. Dieser setzte seinen während der vergangenen vier Handelstage entstandenen kleinen Aufwärtsimpuls weiter fort, dessen Potenzial bis 4,3170, darüber auch 4,3430 reicht. Auf der anderen Seite wäre der Impuls beendet, sobald 4,2850 durchbrochen wäre.

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