Globale Themen

Nicht nur eine Vertrauensfrage

USD

EUR USD (1,1370)

Angesichts der sich überschlagenden Ereignisse in Großbritannien war es kein Wunder, dass der Euro lediglich eine Nebenrolle spielte. Allerdings gab es jenseits der britischen Inseln durchaus auch interessante Nachrichten. Aber die US-Konsumentenpreise, die ohnehin wie von den meisten Ökonomen erwartet im November mit einem Plus von 2,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr – auch in der Kernrate – publiziert wurden, waren nicht dazu angetan, größere Kursausschläge zu bewirken. Dennoch fällt wieder einmal auf, dass sich der Euro auch gestern in relativ robuster Verfassung präsentierte. Einige Akteure entschieden sich offensichtlich zugunsten des Euro, als ein Zeitungsbericht die Runde machte, wonach Italiens stellvertretender Premierminister Matteo Salvini (Lega Nord) im kommenden März angeblich Neuwahlen anstreben würde. Zumindest reagierten auch die Renditen italienischer Staatsanleihen entsprechend und verringerten ihren Vorsprung im zehnjährigen Bereich gegenüber deutschen Bundesanleihen deutlich auf zuletzt 269 Basispunkte – das war der niedrigste Stand seit Anfang Oktober. Daran änderte sich auch wenig, als Salvini den Zeitungsbericht später dementierte. Dennoch war diese Marktreaktion recht bemerkenswert. Zwar würde Salvinis Lega Nord als stärkste Partei aus Neuwahlen hervorgehen, aber die Haltung gegenüber der EU ist mit derjenigen des Koalitionspartners, der Fünf-Sterne-Partei, doch weitgehend identisch. Die Haushaltsdifferenzen mit der EU würden deswegen nicht geringer. Außerdem waren die gestrigen Neuigkeiten hinsichtlich des Budgetstreits mit der EU auch nicht gerade ermutigend. Zum einen, weil EU-Kommissar Pierre Moscovici deutlich machte, dass die Haushaltssituation von Frankreich – dort dürfte die Neuverschuldung das EU-Limit von 3 Prozent überschreiten – mit derjenigen von Italien nicht vergleichbar sei. Denn Italien habe die Haushaltskriterien bereits seit Jahren verletzt. Auf der anderen Seite machten gestern abermals Medienberichte die Runde, wonach sich Italiens Premier Giuseppe Conte nicht zu einer verringerten Neuverschuldung von 2,0 Prozent bekennen möchte.
Am Ende blieb der Euro zumindest so gut nachgefragt, dass der Momentum-Verstärker auf der Unterseite bei nunmehr 1,1305 nicht ausgelöst wurde. Und solange dies nicht der Fall ist, droht der derzeitige Abwärtstrend eher beendet zu werden (nach Überschreiten von 1,1425), als tatsächlich noch die Unterseite mit Potenzial bis 1,1160 in Angriff zu nehmen.

GBP

EUR GBP (0,9010)

Die Abgeordneten der Konservativen Partei haben der britischen Premierministerin Theresa May ihr Vertrauen ausgesprochen und zwar mit einem Stimmenverhältnis von 200 zu 117. Vermutlich um den Preis, dass Theresa May versprochen hatte, den Parteivorsitz vor den nächsten Parlamentswahlen im Jahr 2022 in Großbritannien abzugeben. Zuvor dauerte es bis gestern Vormittag, als Sir Graham Brady, der Vorsitzende des 1922-Komitees, dann offiziell bekanntgab, dass die für eine Vertrauensfrage erforderlichen 48 Briefe am Dienstag eingereicht worden seien. Folgt man den gestrigen Kommentatoren, hatte es fast den Anschein, als ob diese 48 Briefe eher zufällig zusammengekommen wären und das damit verbundene Misstrauensvotum in Wahrheit eigentlich in Niemandes Interesse läge. Die neue magische Zahl lautete also seit gestern Vormittag 159. So viele Abgeordnete mussten gestern Abend bei der Abstimmung hinter der Premierministerin stehen, damit sie die Vertrauensfrage gewinnen konnte. Immerhin hatten sich einer "Strichliste" der Financial Times zufolge bereits am frühen Nachmittag 165 konservative Abgeordnete öffentlich für eine Unterstützung Theresa Mays stark gemacht. Dabei war bereits zu jenem Zeitpunkt klar, dass es für den Brexit-Prozess nicht genügen würde, Theresa May mit einer knappen Mehrheit zu retten. Ein Kommentator brachte es treffend auf den Punkt: Das größte Problem des gesamten Brexit-Vorgangs sei, dass jede auch noch so gut gemeinte Idee mit einem fast schon destruktiven Nein beantwortet werde. Hier ein Nein, weil der Brexit den Brexiteers nicht hart genug erscheint, dort ein Nein, weil Großbritannien in Sachen Backstop bis zur Lösung der nordirischen Grenzfrage schlimmstenfalls für unbegrenzte Zeit in einer Zollunion mit der EU verbleiben könnte. Oder ein Nein der EU dazu, das Brexit-Abkommen mit einem juristisch wasserdichten Anhang zu versehen, der Theresa May im Parlament womöglich ein besseres Abstimmungsergebnis bescheren würde.
Dass Pfund Sterling bereits im Vorfeld der Vertrauensabstimmung deutlich profitiert hat, ist allerdings nur insofern nachvollziehbar, als allein schon das möglich scheinende "Ja" zum Vertrauen in Theresa May einen wohltuenden Kontrast zum nicht enden wollenden Kanon der vielen "Neins" bedeutete. Denn alle übrigen Probleme in Sachen Brexit – einschließlich eines späteren möglichen Misstrauensvotums im Parlament – müssen erst noch gelöst werden. Die mit der Pfund-Stärke einhergehende Euro-Schwäche kommt jedoch für uns nicht ganz unerwartet, attestierten wir doch dem Aufwärtstrend der Gemeinschaftswährung gestern Korrekturanfälligkeit, weil die Aufwärtsbewegung der vorangegangenen Tage nicht aus einem gewachsenen Trend heraus, sondern aufgrund kurzfristiger Positionen entstanden sein dürfte. Positionen, die bei erster Gelegenheit wieder glattgestellt werden. Am Ende ist der Aufwärtstrend des Euro aber noch erhalten geblieben – er verläuft nunmehr zwischen 0,8920 und 0,9175.

CHF

EUR CHF (1,1295)

Ein Blick auf das Währungspaar belegt, dass bei den Devisenhändlern eine gewisse Risikofreude zurückgekehrt ist. Dies zeigt sich übrigens auch an der Entwicklung einer anderen Währung, dem japanischen Yen, der gestern ebenfalls gegenüber der Gemeinschaftswährung Federn lassen musste. Allerdings sollte man der gestrigen Frankenschwäche nicht zu viel Bedeutung beimessen, zumal sich die Gemeinschaftswährung zuvor zwar in unsicherem Terrain, aber eben nicht in einem Abwärtstrend bewegt hatte. Während die Unterseite trotz allem erst bei 1,1215 ordentlich unterstützt ist, ist der Stabilitätspunkt bei 1,1325 ein wenig näher gerückt.

PLN

EUR PLN (4,2880)

Auch bei den Zloty-Händlern war der Blick gestern vermutlich eher nach Großbritannien als ins eigene Land gerichtet. Immerhin hat die leichte Risikofreude unter den Devisenakteuren zu leichter Zloty-Nachfrage geführt, weswegen für den Euro der Widerstand bei 4,3050 gestern das Maß der Dinge war. Im großen Bild bleibt es jedoch bei der breiten Konsolidierungszone zwischen 4,2730/50 und 4,3460.

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