Globale Themen

Entscheidung verschoben

USD

EUR USD (1,1370)

Angesichts der Ereignisse in Großbritannien galt das Augenmerk der Händler gestern wohl weniger dem Euro. Allerdings gab es immerhin ein kleines positives Konjunkturdatum zu vermelden. Die Rede ist von der deutschen Handelsbilanz vom Oktober, die zwar im Saldo in etwa wie prognostiziert ausgefallen ist, aber dennoch eine erfreuliche Tendenz bei den Exporten zeigt, die wider Erwarten (+0,4 Prozent) um 0,7 Prozent gegenüber dem Vormonat gestiegen sind. Zumindest bedeutet dies für diejenigen, die für das vierte Quartal eine leichte Erholung des Bruttoinlandsprodukts erwarten, einen gewissen Lichtblick. Ansonsten scheint Italien Medienberichten zufolge bereit, einen Kompromiss mit der EU zu schließen und bei der Neuverschuldung 2,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzustreben. Dies wird zumindest Italiens Premier Giuseppe Conte nachgesagt. Und Finanzminister Giovanni Tria denkt sogar an ein Ziel von 1,9 Prozent. Wie bereits mehrfach an dieser Stelle erwähnt, sind diese jüngsten Feineinstellungen in dem Augenblick hinfällig, wenn das italienische Bruttoinlandsprodukt nicht die recht hochgesteckten Erwartungen der dortigen Politiker erfüllt. Aber seltsamerweise scheint das weder EU-Vertreter noch Marktteilnehmer groß zu stören.
Interessantes hat sich indes während der vergangenen Handelstage hinsichtlich der Leitzinserwartungen der US-Notenbank getan. So ist die implizite Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im Dezember um 25 Basispunkte zuletzt auf rund 76 Prozent gefallen; vor einer Woche lagen die Berechnungen des CME FedWatch Tools noch bei rund 84 Prozent. Und was weitere Zinsschritte angeht, wird dieser Unterschied noch deutlicher. So ist die Wahrscheinlichkeit für mindestens zwei Zinserhöhungen bis Ende 2019 von rund 87 Prozent vor einem Monat (Vorwoche rund 75 Prozent) auf unter 50 Prozent gefallen. Und die Wahrscheinlichkeit für mindestens drei Zinserhöhungen bis Ende 2019 lag gestern nur noch bei rund 15 Prozent. Und so ist es fast schon ein Wunder, dass der Euro gestern nicht besser performte. Tatsächlich war die Gemeinschaftswährung abermals nicht in der Lage, die obere Begrenzung ihres Abwärtstrends bei 1,1440 zu durchbrechen. Auf der anderen Seite fehlt es aber auch an entsprechender Dynamik, um dem Trend das erforderliche Momentum in Richtung 1,1160 zu verleihen. Ein Auslöser in diese Richtung liegt bei 1,1310.

USD

EUR PLN (4,2930)

Mangels wichtiger ökonomischer Daten hielten sich gestern die Kursausschläge beim Zloty in engen Grenzen. Allerdings konnte der Euro etwas Boden gut machen und bleibt auf Kurs in Richtung der Mitte seiner Konsolidierungszone, die nach wie vor zwischen 4,2730/50 und 4,3460 verläuft.

GBP

EUR GBP (0,9040)

Für viele Akteure dürfte sich der Brexit-Prozess schon längst als eine Entscheidung mit mehrdimensionalen Folgen darstellen. Denn falls es die britische Premierministerin nicht schaffen sollte, den mit der EU bislang ausgehandelten Vertragsentwurf zum Brexit irgendwann durchs Unterhaus zu bringen, würde sogleich eine größere Zahl von Handlungsoptionen, alle mehr oder weniger ungünstig für das britische Pfund, entstehen. Bis gestern Mittag war es nicht nur für die Politiker, sondern letztlich auch für die Finanzmarktentscheider eine ausgemachte Sache, dass heute eine Entscheidung des britischen Parlaments für oder gegen den Ausstiegsvertrag aus der EU anstehen würde. Nun hat Theresa May einen Weg gewählt, den sie selbst bis dahin ausgeschlossen hatte: Eine Verschiebung besagten Votums, weil sie ansonsten eine deutliche Abstimmungsniederlage erlitten hätte und weil sie noch einmal mit der EU über den für viele Gegner wichtigsten Abstimmungsgrund nachverhandeln will: den sogenannten Backstop. Dabei handelt es sich eine Notfallklausel, die besagt, dass Großbritannien schlimmstenfalls für unbegrenzte Zeit in der Zollunion mit der EU verbleiben soll, bis eine andere Lösung in der Grenzfrage gefunden wird, um eine harte Grenze zwischen Irland und Nordirland zu vermeiden.
Obwohl EU-Vertreter Nachverhandlungen eine Absage erteilten, stellt die jüngste Ankündigung der Premierministerin einen Rest an Hoffnung und den Höhepunkt einer Serie von Entscheidungen dar, die oftmals vornehmlich deswegen getroffen wurden, weil eine vorangegangene Entscheidung nicht zum Erfolg führt hatte. Verhaltensökonomen sprechen in diesem Fall von "versunkenen Kosten" (sunk cost), die am Ende zu Entscheidungen mit manchmal extrem hohen Einsätzen führen. Und meist ein Festhalten an einer Strategie bedeuten, die manchmal gut, im schlimmsten Fall aber mit einem Totalverlust endet. Und diese Befürchtung dürften Sterling-Händler gestern gehabt haben, als sie das Pfund gegenüber dem Euro auf den niedrigsten Stand seit Ende August dieses Jahres jagten. Daraus hat sich nun ein Aufwärtstrend für die Gemeinschaftswährung mit Potenzial bis 0,9145 ergeben. Allerdings mit dem großen Nachteil, dass die Unterseite aufgrund der starken gestrigen Entwicklung nicht vor 0,8950 ordentlich unterstützt ist. Die Trenduntergrenze verläuft derweil bei 0,8900.

CHF

EUR CHF (1,1240)

Dass die Arbeitslosenquote in der Schweiz im November mit 2,5 Prozent den Erwartungen der Ökonomen entsprach und saisonbereinigt sogar den niedrigsten Stand seit Mai 2002 zeitigte, hat wohl nur für wenig Aufregung gesorgt. Dies dürfte auch so bleiben, solange sich diese Zahlen nicht in einem deutlicheren Wachstum der Löhne niederschlagen. Überdies dürfte der Franken gestern vor allen Dingen als Fluchtwährung gefragt gewesen sein, weil sich zumindest temporär angesichts der Brexit-Unsicherheiten Risikoaversion unter den Devisenhändlern breitgemacht hatte. Deswegen steuert der Euro auf seine nächste größere Unterstützung zu, die wir nun bei 1,1210 verorten. Die derzeitige Schwächeneigung, die sich noch nicht in einem Abwärtstrend niedergeschlagen hat, kann auf der anderen Seite mit Überschreiten von 1,1345 wieder ausgeräumt werden.

PLN

EUR PLN (4,2930)

Mangels wichtiger ökonomischer Daten hielten sich gestern die Kursausschläge beim Zloty in engen Grenzen. Allerdings konnte der Euro etwas Boden gut machen und bleibt auf Kurs in Richtung der Mitte seiner Konsolidierungszone, die nach wie vor zwischen 4,2730/50 und 4,3460 verläuft.

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