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Trotz aller Risikoaversion

USD

EUR USD (1,1370)

Gestern war erneut ein ausgesprochen wilder Tag, aber vornehmlich an den Aktien-, Anleihe- und weniger an den Devisenmärkten. Der Grund dafür lag auf der Hand, denn mit der Festnahme der Huawei-Finanzchefin Whanzou Meng in Kanada traf die ohnehin schon angeschlagenen Finanzmärkte eine neuerliche Hiobsbotschaft. Zumindest auf den ersten Blick schien der sogenannte Waffenstillstand im Handelskonflikt zwischen den USA und China damit mehr denn je in Frage gestellt worden zu sein. Allerdings scheint man dabei mancherorts übersehen zu haben, dass diese Festnahme bereits am 1. Dezember erfolgte, also genau an dem Tag, als sich US-Präsident Donald Trump und der chinesische Staatspräsident Xi Jinping im Rahmen des G20-Gipfels in Buenos Aires auf eben jenen 90-tägigen Waffenstillstand geeinigt hatten. Rückblickend könnte man sich fragen, ob die beiden Staatsoberhäupter, hätten sie bereits von dieser Festnahme gewusst, wohl ohne Abmachung auseinander gegangen wären? So aber traf besagte Nachricht gestern auf einen ohnehin schon angeschlagenen Aktienmarkt, der an einem anderen Tag möglicherweise auch ganz anders reagiert hätte.
Während sich die Aktienmarktakteure gestern überwiegend in starker Risikoaversion übten, wurde der Euro von diesen doch recht starken Kursentwicklungen nur wenig berührt und präsentierte sich sogar vergleichsweise stabil. Dazu mögen zum einen die etwas schlechter als erwartet ausgefallenen neu geschaffenen Stellen der US-Arbeitsmarktagentur ADP beigetragen haben, die nach Ansicht des Instituts ein Hinweis darauf sein könnten, dass sich der Arbeitsmarkt zwar weiterhin in robuster Verfassung befindet, aber seinen Zenit eventuell bereits überschritten hat. Als weiteres Negativum für den Dollar könnte auch die Entwicklung der Handelsbilanz im Monat Oktober gewertet werden, denn mit 55,5 Mrd. USD handelte es sich hierbei immerhin um das größte Defizit seit dem Jahr 2008. Ganz besonders sticht die Bilanz gegenüber China hervor. Denn dort weitete sich das Defizit nach 40,2 im September auf 43,1 Milliarden USD deutlich aus – US-Präsident Donald Trump dürften besonders diese Zahlen nicht erfreut haben.
Daneben gab es gestern auch Stimmen vom Offenmarktausschuss der US-Notenbank (FOMC) zu vernehmen. Dabei hatte sich in der Frühe schon Robert Kaplan erwartungsgemäß recht taubenhaft geäußert, aber der Chef der regionalen Fed von Dallas ist weder in diesem, noch im kommenden Jahr im FOMC stimmberechtigt. Anders äußerte sich indes Raphael Bostic. Der Chef der Fed von Atlanta präsentierte sich nämlich gerade angesichts der jüngsten Entwicklung am US-Aktienmarkt für seine Verhältnisse recht falkenhaft. Gut möglich, dass Bostic sich auf die jüngste Prognose des viel beachteten Modells GDPNow „seiner“ Fed stützte, das für das vierte Quartal immer noch ein Bruttoinlandsprodukt für die USA von 2,7 Prozent (annualisiert) berechnet hat. Angesichts der allgemeinen Risikoaversion ist es jedoch unter dem Strich in jedem Fall bemerkenswert, dass der Euro gestern keinen Boden verloren hatte. Damit bleibt der kurzfristige Abwärtstrend mit Obergrenze bei 1,1435 zwar bestehen, aber mit zu wenig überzeugendem Momentum, um zurzeit tatsächlich sein Potenzial bis 1,1225/30 bzw. 1,1150/55 ausschöpfen zu können.

USD

USD CHF (0,9925)

Der Greenback hat nicht nur aufgrund ungünstiger ökonomischer Daten gestern etwas an Boden verloren. Tatsächlich ist die Verletzung der ehemaligen Untergrenze seiner Konsolidierung bei 0,9910 einer vorausgegangenen Fehlentwicklung an der Oberseite zuzuschreiben. Und so bleibt der Dollar angeschlagen, aber dennoch nur mit limitiertem Abwärtspotenzial bis 0,9840 ausgestattet. Stabiler wird es für den Dollar nur, wenn 1,0040 überwunden wurde.

GBP

EUR GBP (0,8900)

Während manche Devisenentscheider behaupten, es sei aktuell unmöglich, sich im Vorhinein günstig zu positionieren, hatte die Nachrichtenagentur Reuters gestern immerhin die Ergebnisse einer Umfrage unter Ökonomen parat. Danach würde das britische Pfund 2,75 Prozent (Medianprognose) an Wert verlieren, wenn Theresa May eine Abstimmungsniederlage im Parlament erleiden sollte. Und sollte die Premierministerin die Abstimmung gewinnen, würde dies zu einem Kursgewinn von Sterling in Höhe von 3,5 Prozent führen. Ob der Handel bereits vorpositioniert ist? Darüber hinaus machte gestern ein großes Schaubild der britischen Tageszeitung The Times die Runde, das angeblich alle Möglichkeiten abdecken soll, was alles als Nächstes passieren könnte, falls Theresa May am 11. Dezember ihren Brexit-Vorschlag im Unterhaus nicht durchbekommen sollte. Auch wenn die Premierministerin einem Bericht derselben Zeitung zufolge den Brexiteers in ihrer Partei offenbar entgegenkommen will und den Rebellen etwas mehr Mitspracherecht in kritischen Punkten einräumen und selbst eine Verschiebung der Abstimmung am kommenden Dienstag nicht ausschließen möchte, bleibt die Lage für Sterling-Händler ausgesprochen schwierig. Dass sich diese tatsächlich ein wenig im Voraus auf eine bevorstehende Pfund-Schwäche eingestellt haben – diesen Eindruck vermittelt zumindest der Euro seit einigen Tagen, der sich gegenüber Sterling überwiegend in der oberen Hälfte seiner Konsolidierungszone zwischen 0,8730 und 0,9025 bewegt.

CHF

EUR CHF (1,1285)

Dass der Euro gestern gegenüber dem Franken abrutschte verdankt sich der allgemeinen Risikoaversion der Finanzmarktteilnehmer – die typischen Fluchtwährungen (auch der japanische Yen) konnten sich gestern vorübergehend etwas befestigen. Allerdings ist der Franken zurzeit interessanterweise nicht so stark gefragt, als dass er den Euro tatsächlich in einen Abwärtstrend zwingen könnte. Dies ist insofern bemerkenswert, als die Unterseite im näheren Umfeld nunmehr nur noch durch eine gute Unterstützung bei 1,1210 geschützt ist. Allerdings kann sich die Lage für die Gemeinschaftswährung bereits nach Überschreiten von 1,1360 schon wieder stabilisieren.

PLN

EUR PLN (4,2800)

Dass der Chef der Polnischen Nationalbank, Adam Glapinski, noch einmal betonte, es gebe derzeit keinen zwingenden Grund dafür, im kommenden Jahr die Zinsen zu erhöhen, hat die Zloty-Händler wohl kaum beeindruckt. Allerdings musste der Euro nach anfänglicher Stärke bis ca. 4,2930 seine Gewinne wieder abgeben und näherte sich später erneut bedrohlich der Untergrenze seiner Konsolidierung zwischen 4,2735/50 und 4,3460. Solange sich die Gemeinschaftswährung unterhalb von 4,3000 bewegt, stehen nun die Chancen recht gut, dass die Unterseite des Feldes tatsächlich auch durchbrochen wird, zunächst nur mit moderatem Potenzial in Richtung 4,2630 bzw. 4,2500.

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