Globale Themen

Rohöl im Baisse-Modus 

USD

EUR USD (1,1310)

Sorge vor nachlassendem Wachstum durch Handelsstreitigkeiten, Zinsängste aufgrund der US-Notenbankaktivitäten sowie allgemeiner Unmut über die zähen Brexit-Verhandlungen oder den italienischen Haushalt haben in den vergangenen Wochen immer wieder für temporäre Spannungen und Irritationen an den Finanzmärkten gesorgt. Doch obgleich die meisten der genannten Probleme noch nicht gelöst wurden, scheint sich die Unsicherheit an den Märkten spürbar gelegt zu haben. Zumindest signalisieren die deutliche Erholung der Aktienmärkte und die Beruhigung des Bondhandels – hierzulande wie in den USA –, dass Akteure sich mit der gegenwärtigen Situation anfreunden können. Insofern dürfte die Ankündigung von Italiens Vize-Regierungschef Luigi Di Maio am Freitag Gefallen gefunden haben. Di Maio hatte in einem Statement den Verbleib Italiens in der Eurozone „garantiert“. Aber auch aus Übersee kamen positive Signale: So zogen die US-Produzentenpreise im Oktober überraschend deutlich an. Im Gegensatz dazu verschlechterte sich die US-Verbraucherstimmung zwar im November, doch blieb sie immer noch über den allgemeinen Erwartungen.
Kaum ist jedoch wieder Ruhe in die Märkte eingekehrt, ziehen von ganz anderer Seite neue Wolken am Konjunkturhimmel auf. Der Störenfried heißt: Rohölpreis. Ein erkennbares Überangebot sorgt seit einiger Zeit dafür, dass permanente Abgaben den Handel belasten. Der Ölpreis fiel an zehn aufeinanderfolgenden Handelstagen und komplettierte am Freitag die längste Verlustserie seit 1984. Die US-Sorte WTI ist seit ihrem Jahreshoch Anfang Oktober mittlerweile um 20 Prozent gefallen und hat damit Bärenmarkt-Terrain betreten. Brent-Öl geht es nicht viel besser. Die Preise dieser Sorte haben fast genauso hohe Verluste angehäuft. Dabei ist es noch gar nicht lange her, dass Rohstoff-Analysten mehrheitlich prognostizierten, es sei bald wieder mit Notierungen von 100 US-Dollar pro Barrel zu rechnen. Doch trotz laufender US-Sanktionen gegen den Irak – einem der wichtigsten Öllieferanten –, sinken die Ölpreise an den Weltmärkten drastisch. Akteure fragen sich daher verständlicherweise, ob der Preisverfall nicht eine globale Wachstumsskepsis widerspiegelt.
Der Euro litt am Freitag unter den positiven US-Daten und hielt sich nur mit Mühe oberhalb seines Jahrestiefs von 1,1300, das heute früh durchbrochen wurde. Innerhalb des bestehenden Abwärtstrends reicht das Potenzial nun bis 1,1240 oder gar 1,1180 – die Obergrenze liegt indes bei 1,1475/80.

GBP

EUR GBP (0,8765)

Unter Hochdruck arbeiten britische Unterhändler daran, einen baldigen Abschluss der Brexit-Vereinbarung präsentieren zu können, der eine Fortführung von Binnenmarkt und Zollunion ohne festes Enddatum regelt. Das letzte November-Wochenende gilt derzeit unter Finanzmarktkommentatoren als wahrscheinlichster Zeitpunkt für eine solche Vorlage. Es scheint jedoch zunehmend fraglich, ob Premierministerin Theresa May im Parlament eine Mehrheit für solch ein Abkommen zustande bringen kann. Den erhofften Durchbruch hat es nach Aussage von EU-Diplomaten am Wochenende jedenfalls noch nicht gegeben. Auch die Frage, ob und wann es den im November angepeilten Sondergipfel geben wird, dessen Ergebnis der endgültige Austrittsvertrag sein soll, blieb unbeantwortet. Für May kommt erschwerend hinzu, dass es ihr bisher nicht gelang, Arlene Foster, die Vorsitzende der nordirischen DUP (Democratic Unionist Party), auf ihre Seite zu ziehen. Foster erklärte am Freitag, sie könne ein Abkommen auf Grundlage der derzeitigen Vorschläge nicht befürworten. Positive Signale sendete indes die britische Wirtschaft aus: Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im dritten Quartal um 0,6 Prozent. Das stärkste Quartalswachstum seit fast zwei Jahren war jedoch in diesem Rahmen erwartet worden und half Sterling am Freitag nicht, eine Erholung des Euro zu verhindern. Erwartungsgemäß ist dessen kurzfristiger Abwärtstrend (mit Potenzial bis 0,8650) nun fast zum Erliegen gekommen – oberhalb von 0,8785 wäre der Stabilität erreicht.

CHF

EUR CHF (1,1375)

Eigentlich war angedacht, das Rahmenabkommen, das die Schweiz mit der Europäischen Union anstrebt, bis Ende 2018 unter Dach und Fach zu bringen. Nun sieht es fast schon danach aus, als ob es sogar den Briten schneller gelänge, mit der EU einig zu werden. Aus diesem Grund warnte der ehemalige EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso am Wochenende die Schweizer in einem Zeitungsinterview davor, die Verhandlungen allzu sehr in die Länge zu ziehen.
Der Euro erfuhr am Freitag gegenüber dem Franken den stärksten Rückschlag seit zweieinhalb Wochen. Allerdings spielt sich das Kursgeschehen immer noch innerhalb der bekannten kurzfristigen Konsolidierung ab, die unverändert zwischen 1,1310 und 1,1495/00 verläuft.

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