Globale Themen

Kein guter Tag (für May)

USD

EUR USD (1,1345)

Verständlich, dass gestern aufgrund der politischen Entwicklung in Großbritannien das Augenmerk der Händler nicht primär auf dem Kurs des Euro gegenüber dem Dollar lag. Dennoch gab es natürlich ein paar Wirtschaftsdaten, die aber bislang nicht ins Gewicht fielen. So etwa die Handelsbilanz der Eurozone, die mit einem Überschuss von lediglich 13,4 Milliarden Euro (erwartet waren 16,4 Mrd. Euro) aufwartete. Aber die Entwicklung im Außenhandel sollte in der vorgestern veröffentlichten und wie erwartet ausgefallenen (revidierten) Wachstumszahl für die Eurozone bereits verarbeitet sein, da sie ohnehin den Monat September betraf. Dennoch ist erwähnenswert, dass der Überschuss der gesamten EU gegenüber den USA in diesem Jahr bis Ende September bei 101 Mrd. Euro lag, während das Plus im gleichen Vorjahreszeitraum lediglich 86,1 Mrd. Euro betragen hatte. Gut möglich, dass dieser Überschuss Donald Trump überhaupt nicht in den Kram passen will und den US-Präsidenten umso mehr in seinem Bestreben bestärken wird, das Thema Auto-Zölle wieder aufzugreifen.
Ebenfalls vom Markt weitgehend unbemerkt blieben die Renditen für italienische Staatsanleihen mit 10jähriger Fälligkeit, die gestern gegenüber vergleichbaren deutschen Bundesanleihen zeitweise leicht zulegen konnten. Das Thema Italien scheint tatsächlich von den Händlern mental in die kommende Woche verschoben worden zu sein, wenn am 21. November die EU-Kommission auf den wenig veränderten Haushaltsentwurf Italiens reagieren dürfte. Relativ sorglos zeigte sich in diesem Zusammenhang auch der Chef des Haushaltsausschusses des italienischen Parlaments, Claudio Borghi, der offenbar keine Sanktionen der EU wegen des nicht regelkonformen Haushalts zu befürchten scheint.
Auch für die USA gab es gestern Daten, die normalerweise das Interesse der Akteure auf sich ziehen würden. So waren die Einzelhandelsumsätze im Monat Oktober mit +0,8 Prozent stärker als von den Ökonomen erwartet gestiegen, was auch für die Kernrate (ohne Kraftfahrzeuge) gilt, die mit +0,7 Prozent publiziert wurde. Aber letztlich blieb der Euro gestern mehr oder weniger von der Entwicklung des britischen Pfundes abhängig. Zum Ende des Handelstages lag die Gemeinschaftswährung etwa auf Vortagesniveau fast unverändert und bleibt damit im Abwärtstrend ohne Momentum. Gute Unterstützung ist allerdings erst bei 1,1155 zu erwarten, während die obere Begrenzung des Abwärtstrends bei 1,1435/40 liegt.

USD

USD CHF (1,0055)

Ebenfalls nahezu unbeweglich verharrte gestern der Greenback gegenüber dem Franken und produzierte nicht einmal eine Handelsspanne von 50 Stellen. Sicherlich, weil sich das Hauptaugenmerk des Handels auf Großbritannien konzentrierte. Dennoch sollte der Dollar – trotz des schwachen Momentums – die Kraft haben, sich in Richtung 1,0180 weiterzuentwickeln. Aber nach wie vor unter der Voraussetzung, dass 0,9970 an der Unterseite unverletzt bleibt.

GBP

EUR GBP (0,8860)

Pfund-Händler sind gestern vermutlich völlig auf dem falschen Fuß erwischt worden. Tatsächlich sah es in der Frühe noch so aus, als ob sich die positive Stimmung des Vorabends zumindest für ein paar Stunden konservieren ließe. Denn Premierministerin Theresa May hatte womöglich bis dahin geglaubt, das Kabinett hinsichtlich des 585 Seiten umfassenden Vertragsentwurfes zum Brexit hinter sich zu haben. Doch dann überschlugen sich die Ereignisse: Brexit-Minister Dominic Raab trat zurück, gefolgt von der Arbeitsministerin Esther McVey und zwei Staatssekretären – alle gaben ihre Ämter aus Protest gegen das geplante Abkommen zum Brexit auf. Und jeder einzelne Rücktritt versetzte überdies dem britischen Pfund bis zum Mittag einen Stoß, so dass Sterling gegenüber dem Euro in der Spitze 2,1 Prozent an Wert verlor.
Gestern Nachmittag wurde schließlich bekannt, dass der Abgeordnete und führende Brexiteer der britischen Konservativen, Jacob Rees-Mogg, ein Misstrauensvotum gegen die Premierministerin anstrengen will. Für die Einleitung dieses Votums müssten 48 Briefe von Abgeordneten beim Chef des für das Votum zuständigen Ausschusses eingehen, was bislang zumindest offiziell noch nicht der Fall war. Aber selbst, wenn diese Abstimmung eingeleitet würde, müssten die Brexit-Hardliner 159 Stimmen (dies entspricht 51 Prozent der Tory-Abgeordneten) zusammenbringen, um Theresa May zu stürzen. Sollte Theresa May allerdings ein solches Misstrauensvotum überstehen, bliebe sie weitere zwölf Monate im Amt, ohne gestürzt werden zu können. Und sollte May tatsächlich abgelöst werden, wäre noch lange nicht klar, welche alternative Brexit-Strategie die "Rebellen" anzubieten hätten. Eine Strategie, die letztlich ebenfalls im Unterhaus scheitern könnte. Am Ende des Handelstages hatte der Euro gegenüber Sterling auf jeden Fall seinen ohnehin recht engen Abwärtstrend in drastischer Form beendet und dürfte versuchen, sich nun zwischen 0,8700 und 0,9025 einzupendeln.

CHF

EUR CHF (1,1415)

Eigentlich ist es erstaunlich, dass der Franken gestern angesichts der Ereignisse in Großbritannien auch gegenüber dem Euro nicht stärker gesucht war. Aber selbst die andere typische Fluchtwährung, der japanische Yen, konnte gestern nicht von einer etwa aufkeimenden Risikoaversion profitieren. Und so bleibt die Gemeinschaftswährung in ihrer breiten Konsolidierungszone zwischen 1,1310 und 1,1490 eingesperrt.

PLN

EUR PLN (4,2870)

Dass die polnische Inflationsrate im Oktober wie erwartet ausgefallen ist – der Verbraucherpreisindex lag in der Kernrate gegenüber dem Vorjahr bei 0,9 Prozent –, hatte dem Zloty nicht geschadet. Tatsächlich gab am Ende der Euro sogar nach, weswegen das Risiko an der Unterseite bis 4,2650 nach wie vor erhalten bleibt. Letzteres ist ohnehin erst weitgehend ausgeräumt, wenn der Euro 4,3120 überwunden hat.

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