Globale Themen

Ausgeblendete Italien-Probleme

USD

EUR USD (1,1780)

Nun hat der Aufwärtstrend des Euro also doch noch an Dynamik gewonnen. Obwohl es vielen Akteuren schwergefallen sein dürfte, den gestrigen Kursgewinn der Gemeinschaftswährung tatsächlich stichhaltig zu begründen. Natürlich kann man mit dem immergleichen Argument kommen, dass der Handelskonflikt zwischen den USA und China mehr und mehr in den Hintergrund des Geschehens treten würde und somit eine gewisse Risikofreude der Händler ganz natürlich sei. Tatsächlich war es aber gar nicht eine innere Stärke des Euro, die dessen Aufschwung befördert hat. Vielmehr verdankt sich diese relative Stärke einem schwachen Dollar. Dieser ist nämlich gegenüber einem Korb an Währungen (gemessen am Dollar-Index) gestern zeitweise doppelt so stark gefallen, wie der Euro – ebenfalls gegenüber einem Korb diverser Währungen – gestiegen ist. Die Dollarschwäche ist insofern bemerkenswert, als sich die Renditen am US-Anleihemarkt gestern weiter befestigt haben, und diejenige der zehnjährigen Staatsanleihen fast das bisherige Jahreshoch vom 18. Mai (knapp 3,13 Prozent) erreicht hatte. Auch von ökonomischer Seite hätte es durchaus Rückenwind geben können, denn der Philly-Fed-Index war stärker als erwartet ausgefallen.
Aber auch dass der Euro so gefragt war, ist keine Selbstverständlichkeit. Zumindest, wenn man sich die Situation in Italien noch einmal vor Augen führt. Dort hat nämlich der stellvertretende Ministerpräsident und Chef der Fünf-Sterne-Partei, Luigi Di Maio, noch einmal die Forderung nach einer deutlich höheren Staatsverschuldung als diejenige, die Finanzminister Tria vorgesehen hatte (1,5 bis 1,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts), mit Nachdruck unterstrichen. Nicht nur, dass die Maio noch einmal betonte, es habe für die Regierung Italiens keine Priorität, die Märkte zu beruhigen. Vielmehr drohte Di Maio in einem Radiointerview am gestrigen Nachmittag sogar mit einem Bruch der Koalition mit der Lega Nord, sollten sich seine Forderungen nicht erfüllen. Während die italienischen Anleihemärkte wie bereits am Vortag deutlich nachgaben und somit zu einem weiteren Renditeanstieg führten, schien dies die Euro-Händler nicht zu scheren. Wo es doch erst ein paar Monate her ist, dass sich die Akteure vor allem vor einem fürchteten: Neuwahlen in Italien. Dennoch bleibt der Aufwärtstrend des Euro mit Potenzial bis 1,1795 bzw. 1,1840 (leicht modifiziert), darüber auch 1,1910 bestehen. Allerdings hält sich unsere Toleranz für Gegenbewegungen in Grenzen, zumal wir bei 1,1680 bereits erste Nachfrage gestrandeter Möchtegern-Käufer erwarten. Auf jeden Fall darf für den Erhalt des Trends 1,1620/25 nicht unterschritten werden.

USD

USD CHF (0,9600)

Die gestrige Dollarschwäche hat sich exemplarisch gegenüber dem Schweizer Franken gezeigt. Obwohl die US-Wirtschaftsdaten gestern keineswegs enttäuschend ausfielen (vergleiche EUR USD), kam der Greenback im Rahmen seines Abwärtstrends wieder ins Schlingern und erreichte bis auf wenige Stellen seinen unteren Potenzialpunkt bei 0,9585, der einem dritten Angriff allerdings wahrscheinlich nicht mehr standhalten dürfte. Unterhalb dieses Nachfrageniveaus würde der Trend weiter Tempo aufnehmen und zunächst 0,9545 (darunter auch 0,9475) anvisieren. Der Stabilitätspunkt liegt nun etwas niedriger bei 0,9725.

GBP

EUR GBP (0,8870)

Tatsächlich kann die britische Premierministerin Theresa May nicht viel mehr nach Hause bringen als die Hoffnung, dass es immer noch einen Brexit-Deal geben könnte. Damit ist der informelle Gipfel zwischen dem Vereinigten Königreich und der EU gestern in Salzburg teilweise mit langen Gesichtern zu Ende gegangen. Gut also, dass kein Abschluss-Communiqué beschlossen wurde. Ansonsten gab es jede Menge Statements von Staats- und Regierungschefs der EU mit dem Tenor, dass die EU und das Vereinigte Königreich bis Oktober substantielle Fortschritte machen müssten, um den Zeitplan des Brexit-Prozesses einzuhalten. EU-Ratspräsident Donald Tusk machte indes einen Brexit-Sondergipfel im November davon abhängig, welche Fortschritte bis zum EU-Gipfel im Oktober erzielt worden seien. Im Großen und Ganzen scheint sich alles nach wie vor um die irische Grenzproblematik zu drehen. Obwohl es jenseits von Hoffnung und Zuversicht praktisch keine positiven Schlagzeilen aus Salzburg gab, blieb Sterling dennoch in robuster Verfassung. Möglicherweise, weil die britischen Einzelhandelsumsätze im August nicht nur deutlich über den Erwartungen der Ökonomen lagen, sondern auch die Vormonatswerte durchweg nach oben revidiert wurden. Zwar hat der Euro gestern gegenüber Sterling weiteren Boden verloren, konnte sich aber am Ende des Tages fast auf sein Ausgangsniveau befestigen. Damit bleibt der moderate Abwärtstrend in Richtung 0,8820/25 erhalten – die Obergrenze bei 0,8950 darf in diesem Zusammenhang nicht überschritten werden.

EUR

EUR CHF (1,1300)

Nimmt man den Schweizerfranken als Gradmesser für Risikofreude und Risikoaversion, muss man den gestrigen Handelstag als neutral einstufen. Und das, obwohl gestern die Schweizerische Nationalbank tagte. Dass der Leitzins unverändert bei -0,75 Prozent für Sichteinlagen gelassen wurde, war genauso erwartet worden wie das Statement, dass die SNB den Schweizerfranken immer noch für hoch bewertet hält. Immerhin wurde, wie vorgestern bereits beim Staatssekretariat für Wirtschaft (SECO) geschehen, die Wachstumsprognose um ein halbes Prozent auf 2,5 Prozent für 2018 angehoben. Damit liegt die SNB allerdings immer noch deutlich hinter der SECO-Prognose von 2,9 Prozent. Überhaupt geht die SNB von einer leichten Verringerung des Wachstumstempos aus. Hinsichtlich der Inflationsprognose bleibt es zwar für 2018 bei einem Zuwachs von 0,9 Prozent, aber die Prognosen für 2019 und insbesondere für 2020 wurden von 0,9 auf 0,8 Prozent bzw. 1,6 auf 1,2 Prozent zurückgenommen. Unterdessen ist es dem Euro gestern nicht gelungen, seinen Stabilisierungspunkt bei 1,1325/30 überhaupt in Angriff zu nehmen. Im großen Bild bleibt die Gemeinschaftswährung ohnehin innerhalb ihrer breiten Seitwärtszone zwischen 1,1180 und 1,1390/95.

PLN

EUR PLN (4,2900)

Das gestern publizierte Protokoll der Sitzung der Polnischen Nationalbank vom 5. September hatte praktisch keinen Einfluss auf das Kursgeschehen. Per Saldo bewegt sich der Euro damit weiter in seiner breiten Konsolidierungszone zwischen 4,2600 und 4,3420, ohne auch nur einen Mini-Impuls auszulösen.


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