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Im Sog der Ansteckung

USD

EUR USD (1,1400)

Auch der gestrige Handelstag stand ganz im Zeichen der Währungskrise in der Türkei. Denn die Lira hatte seit Anfang August zeitweise fast 33 Prozent ihres Wertes gegenüber dem US-Dollar verloren. Und auf den ersten Blick könnte man sagen, US-Präsident Donald Trump sei an dieser ganzen Misere schuld. Zumindest kann man die Ansicht vertreten, dass Trump Strafzölle erstmals nicht nur in Handelskonflikten als Waffe einsetzt, sondern neuerdings auch als Bestrafung in politischen Auseinandersetzungen. Waren Strafzölle vor allen Dingen als Mittel gegenüber unfairen Handelspraktiken und Sanktionen als außenpolitisches Druckmittel gedacht, scheinen die Grenzen nun zu verschwimmen. Und so war die Entscheidung Trumps am vergangenen Freitag, die Türkei mit erhöhten Strafzöllen zu belegen, als Strafe gedacht, für die Weigerung des türkischen Justizministers und des Innenministers, den US-Pastor Andrew Brunson aus seinem Hausarrest freizulassen. Nicht umsonst reagierten die Devisenmärkte gestern auf ein bloßes Gerücht, wonach die Türkei Brunson angeblich freilassen würde, mit heftigen (positiven) Reaktionen. Obgleich die US-Botschaft diese Meldung umgehend dementierte. Aber die Finanzmärkte scheinen derzeit ohnehin manchmal etwas übertrieben zu reagieren. So etwa auch im Falle Italiens. Denn Bloomberg meldete ungenannten offiziellen Quellen zufolge, dass die italienische Regierung mit der EZB wegen etwaiger Marktrisiken infolge der türkischen Krise Kontakt aufgenommen hätte. Eigentlich eine recht vernünftige Maßnahme, die aber angesichts des ohnehin schon angeschlagenen italienischen Anleihemarktes als Zeichen einer Ansteckung interpretiert wurde.
Es ist genau diese Ansteckungsgefahr, mit der Dominoeffekte innerhalb der Emerging Markets derzeit begründet werden. So verlor etwa der südafrikanische Rand gestern kurzzeitig gegenüber dem US-Dollar mehr als 8 Prozent seines Wertes – dies war sicherlich nicht einer reinen Risikoaversion geschuldet, sondern weil bei den Akteuren Erinnerungen an die Asien-Krise im Jahr 1997 wach wurden. Damals wurden selbst Staaten, die ökonomisch nicht angeschlagen waren, von den Märkten in Sippenhaft genommen. Obwohl man eigentlich meinen müsste, dass die Marktteilnehmer durch den Überfluss an Informationen, der einem heute zur Verfügung steht, rationaler reagieren müssten, lassen sich dennoch immer wieder die gleichen Reaktionsmuster feststellen. Wie im Mittelalter werden aus Angst vor Seuchengefahr Märkte unter der Rubrik „Emerging Markets“ allesamt in Quarantäne gesteckt.
Und so geriet auch gestern der Euro wieder unter die Räder, wies aber am Ende des Tages sogar einen kleinen Zugewinn aus. Dennoch herrscht natürlich ein Abwärtstrend vor, der sich weiter in Richtung 1,1330/35 fortsetzen kann. Erste nennenswerte Abgaben sind indes auf der anderen Seite erst bei 1,1525 zu erwarten, und die Trendobergrenze liegt in ihrer steilen Version bei 1,1565. Dieses Niveau sollte zum Erhalt der Trenddynamik nicht überschritten werden.

USD

USD CHF (0,9940)

Im Zeichen der Risikoaversion bei vielen Akteuren sind Franken und Dollar derzeit fast gleich stark gefragt. Dies spiegelt sich auch im Wechselkurs wider, der gestern gerade einmal eine Handelsspanne von knapp 40 Stellen produzierte. Damit bleibt unsere Konsolidierung zwischen 0,9855 und 0,9995 auch heute erhalten.

GBP

EUR GBP (0,8935)

Wirtschaftsdaten dürften zurzeit nur eine untergeordnete Rolle spielen. Zwar werden in dieser Woche für Großbritannien neue Daten zur Beschäftigung und zur Inflation publiziert werden, aber sie dürften nach vorherrschender Analystenmeinung dem britischen Pfund selbst im Falle einer positiven Überraschung nicht wirklich helfen. Denn die Fantasie für einen weiteren Zinsschritt in diesem Jahr fehlt den meisten Händlern. Aber auch die Möglichkeit eines Brexit ohne Abkommen mit der EU dürfte in einem Umfeld der "Ansteckungsgefahr" möglicherweise vergrößert wahrgenommen werden. Und so wird wohl etwa die Analyse der britischen Sonntagszeitung „Observer“ untergegangen sein, wonach 112 Wahlkreise, die einst für den Austritt des Vereinigten Königreichs votierten, nun doch lieber in der EU bleiben würden. Und durch den Meinungsumschwung sind von den 632 Wahlkreisen nunmehr knapp 54 Prozent für einen Verbleib in der EU – beim Brexit-Votum im Juni 2016 betrug dieser Prozentsatz dagegen nur 36 Prozent. Am Ende des Tages hat der Euro gegenüber dem Pfund im Rahmen seines Aufwärtstrends wieder zugelegt und sich so seine Chance auf einen Test von 0,9050 erhalten. Die Trenduntergrenze liegt übrigens bei 0,8885.

EUR

EUR CHF (1,1335)

Die Fluchtbewegung in den Schweizerfranken hat auch gestern zumindest anfänglich angehalten und so dem Euro weitere Kursverluste beschert. Dabei hat der Franken nicht nur von reiner Risikoaversion profitiert, sondern auch vor der umgehenden Angst der Akteure vor Ansteckungsgefahr auf andere Märkte, ausgehend von der Türkei-Krise. Trotz einer zwischenzeitlichen Erholung am gestrigen Handelstag kann derzeit keine Entwarnung gegeben werden. Denn das Abwärtsrisiko des Euro reicht bis 1,1230. Eine erste Stabilisierung ist indes derzeit nicht vor 1,1430 zu erreichen.

PLN

EUR PLN (4,2970)

Die Zurückhaltung der Marktteilnehmer aufgrund des Einbruchs der türkischen und russischen Valuten hat auch gestern auf den Zloty und andere osteuropäische Währungen gedrückt, und zwar mit einer ähnlichen Dynamik wie am vergangenen Freitag. Ohne dass ein echter Trend vorliegt, ist damit ein Test von 4,3395 denkbar. Allerdings ist die Unterseite schlecht unterstützt – wir erwarten erste Nachfrage bei 4,2920 und besseres Kaufinteresse erst bei 4,2740.

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