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Sep 24, 2020 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Erholung ohne weitere Hilfspakete möglich?

INTRO

Die Weltwirtschaft wird das dritte Quartal voraussichtlich nicht mit der starken Wachstumsdynamik beenden, die noch zu Beginn des Monats Juli ersichtlich war.  Folgende Frage dominiert dabei das jüngste Geschehen an den Märkten. Wird das bestehende Momentum der Industrie und des Dienstleistungssektors ausreichen, um die Konjunktur ohne weitere fiskalische Hilfspakete an die Vorkrisenniveaus zu führen? Die gestern veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes skizzieren ein gemischtes Bild für die Industriestaaten. In Deutschland, Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten konnte sich das verarbeitende Gewerbe marginal im September festigen.

Das Stimmungsbarometer, welches die Gemütslage im Dienstleistungssektor abbildet, verzeichnet vor dem Hintergrund der steigenden Infektionszahlen erneute Rücksetzer. Wie auch unmittelbar nach der Krise scheint sich die Annahme zu bestätigen, dass die Industrie besser aus der Krise kommen könnte, als der vom direkten Kundenkontakt abhängige Dienstleistungssektor. Die meisten Indikatoren bleiben trotz der Stagnation im September weiterhin über der 50er-Marke, welche die Expansion einer Branche von der Kontraktion trennt.

Dass die Coronakrise weitreichende realwirtschaftliche Implikationen mit sich brachte, zeigt sich auch an den jüngsten Daten der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). Laut den Schätzungen wurden im zweiten Quartal weltweit knapp 17 Prozent weniger Stunden gearbeitet als noch im vierten Quartal im vergangenen Jahr. Knapp 500 Millionen Arbeitsstellen wurden durch die Pandemie und die Krisenbekämpfungsmaßnahmen zerstört. Knapp die Hälfte könnte laut den mittleren Prognosewerten wieder aufgebaut werden. Vor diesem Hintergrund scheinen teilweise und kürzere Sperrmaßnahmen – wie gestern in Frankreich angekündigt – deutlich wahrscheinlicher in Europa zu sein, als vollständige Schließungen der Volkswirtschaft wie im April.

Wie es das auch der Präsident der US-amerikanischen Notenbank am Dienstag getan hatte, betont Vize-Präsident Richard Clarida erneut die Notwendigkeit weiterer fiskalischer Hilfsmaßnahmen. Die Arbeitsplatzkürzungen bleiben weiterhin ein Thema, welches mit weiteren Verzögerungen des angekündigten Hilfspakets zunehmend in den Vordergrund rücken wird. Am alten Kontinent brodelt innerhalb der europäischen Notenbank die Debatte um die Länge der Pandemie-Staatsanleihenkäufe.

Der US-Dollar zeigt sich angesichts der Anspannungen gestärkt und wertet den vierten Tag infolge auf. Risikoreichere Währungen bleiben schwach nachgefragt.

Globale Risikoereignisse des Tages

  • Schweiz: Zinsentscheidung (09:30)
  • EU: Sondersitzung des Europäischen Rates (10:00)
  • Deutschland: Ifo Geschäftsklima (10:00)
  • Polen: Protokolle der letzten Zinsentscheidung (13:00)

EUR

Erste wirklich schwache Woche für den Euro

Die europäische Gemeinschaftswährung verzeichnet aufgrund der anhaltenden schwachen Risikobereitschaft die vierte Abwertung infolge. Mit dem Bruch der Aufwärtstrendlinie kommt nun das erste Unterstützungsniveau bei $1,15 in den Fokus. Sollte sich EUR/USD in den verbleibenden zwei Tagen nicht nochmal hochkämpfen, wird die Woche wohl die schwächste seit Beginn der Coronakrise für das Währungspaar sein. Ein Unterlaufen der Schwellgrenze bei $1,15 könnte weitere Implikationen mit sich bringen. Derzeit scheint die Abwärtsbewegung noch als technische Korrektur durchgehen zu können.

CHF

Keine Zinsveränderungen erwartet

Gründe für geldpolitische Interventionen hat die Schweizerische Notenbank (SNB) genügend. Neben der ultra-lockeren Haltung der beiden Notenbanken in der Eurozone und den Vereinigten Staaten machen auch die globalen politischen Anspannungen der SNB das Leben schwer. Laut eigenen Prognosen könnte die Inflation, welche in diesem Jahr in den negativen Bereich gefallen ist, auch im nächsten Jahr kein positives Vorzeichen aufweisen. All diese Faktoren konnten die Nachfrage nach dem Schweizer Franken bislang untermauern. EUR/CHF bleibt in dem Bereich zwischen 1,05 und 1,08 gefangen und konnte sich auch in den Zeiten der rasanten Dollar-Abwärtsbewegung nicht nachhaltig gegen den Franken durchsetzen. Zinssenkungen sind trotz der Franken-Stärke bei dem heutigen Treffen der Schweizer Währungshüter nicht vorgesehen. Vielmehr könnte die SNB die Wichtigkeit der jüngsten direkten Währungsinterventionen betonen und die Bereitschaft weiterer Maßnahmen kommunizieren.

CEE

Notenbank hält sich zurück

Die tschechischen Währungshüter entscheiden sich einheitlich gegen eine weitere Lockerung der eigenen Geldpolitik. Der Leitzins bleibt somit am Rekordtief von 0,25 Prozent. Laut den hauseigenen Prognosen gehen die Ökonomen der CNB von einer 8,2-prozentigen Kontraktion der tschechischen Wirtschaft in diesem Jahr aus, gefolgt von einem 3,5-prozentigen Wachstum in 2021. Die Inflations- und Wirtschaftsprognosen nehmen einen Wechselkurs von EUR/CZK 26,70 an, was zeigt, dass die Notenbank von keinen allzu großen Aufwertungen der Krone ausgeht. Ein Blick auf die jüngsten Umfragen und Bewegungen an den Geldmärkten lässt vermuten, dass die Notenbank im nächsten Jahr entweder neutral, oder marginal straffend agieren könnte. Die gestrige Zinsentscheidung deutet jedoch auf eine längere Phase der Zinsneutralität und nach unten geneigten Risiken („easing bias“ und die Möglichkeit einer weiteren Lockerung im Falle der stärkeren Wirtschaftsabkühlung).


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