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Aug 19, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Verbraucher in den USA verunsichert

USD

EUR USD (1,1090) 
Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass eine turbulente und teilweise dramatische Handelswoche hinter uns liegt. Die vergangenen Tage waren geprägt durch Rezessionsängste, die immer wieder durch kleinere Phasen der Erleichterung unterbrochen wurden. Tatsächlich konzentrierte sich die Risikowahrnehmung auf die möglichen ökonomischen Folgen des Handelskrieges zwischen den USA und China. Und jene wurden im Großen und Ganzen an einem einzigen Indikator festgemacht.

Vermutlich zum ersten Mal überhaupt wurde selbst in den täglichen Nachrichten hierzulande der Begriff der „inversen Zinsstrukturkurve“, bislang eher eine Vokabel aus dem Fachchinesisch-Wörterbuch der Analysten, einem breiten Publikum nahegebracht. Und der Verlauf dieser Kurve bestimmte letztlich auch die Stimmung der Investoren an den Finanzmärkten. Während der Renditeabstand zwischen US-Staatsanleihen mit zehnjähriger und dreimonatiger Laufzeit (T-Bills) bereits seit Wochen negativ ist, zeigte sich auch ein anderer Abschnitt der Zinsstrukturkurve zum ersten Mal seit vielen Jahren invers: Der ebenfalls viel beachtete Spread zwischen den zehnjährigen und zweijährigen Staatsanleihen notierte für ganz kurze Zeit – nicht einmal über einen ganzen Tag hinweg – in negativem Territorium.
        
Und mit einem Male machte sich richtig Angst breit, denn ein negativer Spread in diesem Bereich gilt ebenfalls als Vorbote einer Rezession. Zu dieser überzogenen Dramatik trugen naturgemäß auch Medienberichte bei. So machte ein Kommentator zwar mit Recht darauf aufmerksam, dass die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen im Monat August um 46 Basispunkte, so viel wie zuletzt im Januar 2015, gefallen sei. Aber der laufende Monat ist doch noch längst nicht beendet – immerhin sind noch zwei Wochen zu absolvieren.

Zum Wochenschluss blieben die Verluste an den Aktienmärkten dies- und jenseits des Atlantiks überschaubar. Nicht zuletzt, weil sich das Sentiment zuletzt verbesserte, was möglicherweise einem Mitglied des EZB-Rats zu verdanken war. Olli Rehn hatte nämlich den Eindruck vermittelt, dass die EZB im September mit einem wirkungsvollen geldpolitischen Paket aufwarten werde, um auch dem schleppenden Wachstum in der Eurozone zu begegnen. Allein, der hiesige DAX verlor über die Woche hinweg dennoch 2 Prozent an Wert, der breit gestreute US-Aktienindex S&P 500 deutlich weniger und die US-Technologiebörse Nasdaq überhaupt nichts. So gesehen fällt der Verlust des Euro mit rund einem Prozent gegenüber dem Dollar sogar ein wenig auf.
         
Unterdessen hat sich bei den Fed-Funds-Futures einiges deutlich verändert. So beträgt die implizite Wahrscheinlichkeit (vgl. CME FedWatch Tool), dass die US-Notenbank bei ihrer kommenden Sitzung im September die Zinsen um 25 Basispunkte senken wird, ohnehin seit längerem 100 Prozent. Aber diejenige für eine Zinssenkung von 50 Basispunkten ist per Saldo von 15 auf 21 Prozent gestiegen. Besonders deutlich hat sich die Wahrscheinlichkeit für Zinssenkungen in Höhe von mindestens 75 Basispunkten bis zum Jahresende erhöht: Von 41 auf zuletzt rund 59 Prozent.

Von den wenigen ökonomischen Daten vom Freitag ist der Index des Verbrauchervertrauens der Uni Michigan erwähnenswert, der im August nicht nur gegenüber dem Vormonat deutlich schwächer ausfiel, sondern die Erwartungen der Ökonomen bei weitem verfehlte. Auch der Teilindex der Konjunkturerwartungen brach deutlich ein und vermittelte den Eindruck, dass sich die US-Verbraucher seit der ersten Zinssenkung der US-Notenbank Ende Juli im Vorgriff auf eine mögliche Rezession mit ihren Ausgaben möglicherweise zurückhalten könnten. Ausgerechnet der US-Verbraucher, der eine wesentliche Stütze der US-Konjunktur darstellt und auf den US-Präsident Donald Trump so sehr baut!
         
Immerhin handelt es sich bei den jüngsten Zahlen um den stärksten Rückgang des Verbrauchervertrauens seit Januar. Dabei gaben die Umfrageteilnehmer als Hauptgründe für eine mögliche Zurückhaltung die neuen Strafzölle auf China-Importe und die Zinssenkung der Fed an. Fast könnte man meinen, Donald Trump habe selbst die wichtigsten Voraussetzungen für eine mögliche Rezession geschaffen. 
         
Zum Wochenende hat sich der Greenback daher etwas abgeschwächt und lässt den Euro praktisch knapp unterhalb der früheren Konsolidierungsgrenze von 1,1100. Die Gemeinschaftswährung sieht zwar leicht angeschlagen aus, aber das Potenzial an der Unterseite reicht aus heutiger Sicht nur bis 1,1040. Und es bedarf auf der anderen Seite lediglich eines Überschreitens von 1,1155/60, um die Gemeinschaftswährung wieder zu stabilisieren.

GBP

EUR GBP (0,9125) 
Wie von uns erwartet, hat sich das britische Pfund im Rahmen einer Korrektur während der vergangenen Woche erholt. Dabei schloss Sterling fünf Tage hintereinander gegenüber dem Euro mit einem Gewinn ab. Zum einen, weil das Pfund durch positive ökonomische Daten gestützt wurde. Und zum anderen, weil sich phasenweise immer wieder Hoffnung breitmachte, dass Großbritannien etwa im Rahmen eines Misstrauensvotums gegen Premier Boris Johnson doch noch um einen sogenannten No-deal-Brexit herumkommen könnte. Dazu mögen auch Medienberichte beigetragen haben, wonach sich Labour-Chef Jeremy Corbyn mit dem Chef der schottischen SNP kurzgeschlossen haben soll, um einen Brexit ohne Abkommen zu verhindern. Hauptgrund für die relative Pfund-Stärke dürfte jedoch auch die technische Euroschwäche gewesen sein, die sogar etwas heftiger als von uns erwartet ausgefallen war. Solange sich der Euro oberhalb von 0,9040 bewegt, bleibt der mittelfristige Aufwärtstrend zwar intakt, aber dennoch anfällig für weitere Korrekturen. Diese sind aus heutiger Sicht erst mit Überschreiten von 0,9230 beendet.

CHF

EUR CHF (1,0865) 
Der Euro scheint gegenüber dem Schweizer Franken bei 1,0835 immer wieder auf massive Nachfrage zu stoßen. Obgleich sich die Risikoaversion an den Finanzmärkten am Freitag etwas zu verringern schien, hat sich der Franken auf der anderen Seite allerdings auch nicht merklich abgeschwächt. Selbst wenn der Euro an der Unterseite zuletzt nicht so recht vorangekommen ist, reicht sein eigentliches Schwächepotenzial bis 1,0740. Auf der anderen Seite wäre der kurzfristige Abwärtstrend bereits nach 1,0925 beendet, der mittelfristige indes nicht.

PLN

EUR PLN (4,3410) 
Wie von uns erwartet, hat der Euro am Freitag weitere heftige Korrekturen hinnehmen müssen und kam der unteren Begrenzung seines Aufwärtstrends bei nunmehr 4,3200 gefährlich nahe. Als Grund für diese Entwicklung wurde interessanterweise China genannt, das am Freitag ankündigte, es werde das verfügbare Einkommen seiner Bürger in den Jahren 2019 und 2020 erhöhen, um den Konsum anzutreiben. Auch wenn dies den zentraleuropäischen Währungen und anderen Valuten der Emerging Markets geholfen hat, dürfte der Zloty vom zuvor überhitzten Trend des Euro besonders profitiert haben. Dessen derzeitige Korrekturphase würde überdies nur mit Überschreiten von 4,3685 beendet.

HUF

EUR HUF (324,50) 
Gegenüber dem Forint hat der Euro zum Wochenende etwas nachgegeben, konnte aber seine leicht positive Tendenz gerade noch erhalten, da an der Unterseite 324,20 bislang nicht signifikant unterschritten wurde. Im größerem Bild herrscht ohnehin eine Konsolidierung zwischen 321,50 und 328,00 vor.

CZK

EUR CZK (25,73) 
Auch die Krone konnte sich im Zuge zurückgekehrter Risikofreude am Freitag erholen und drückte den Euro, der ohnehin kein weiteres Aufwärtspotenzial mehr aufwies, sogar bis zur Untergrenze seines derzeitigen Aufwärtstrends. Genau dort beschloss das Währungspaar auch die vergangene Woche. Nach Unterschreiten dieser Grenzlinie befände sich das Währungspaar im technischen Niemandsland bis 25,65. Um der Gemeinschaftswährung indes eine positivere Perspektive zu ermöglichen, müsste auf der anderen Seite 25,84 überwunden werden.


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