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Aug 16, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Self-fulfilling prophecy

USD

EUR USD (1,1100)
Gestern bestimmten an den Finanzmärkten dieselben sein Diener Themen die Stimmung wie am Vortag und sorgten für recht viel Volatilität. Vor allen Dingen gab es Reaktionen, sobald sich wichtige Neuigkeiten im US-chinesischen Handelsstreit anzubahnen schienen. Das Einzige, was derzeit mit Sicherheit behauptet werden kann, ist, dass es wohl Gespräche gibt. Und es sind allein manche Akteure an den Finanzmärkten, die die Verschiebung der Strafzölle für bestimmte China-Importgüter vom 1. September auf den 15. Dezember als echtes Entgegenkommen der USA gegenüber China interpretieren. Gleichzeitig spricht wenig dafür, dass China gegenüber den USA als massiver Käufer von Agrarprodukten auftreten wird. Auch dürfte es in Peking gestern nicht gut angekommen sein, dass US-Präsident Donald Trump ein Handelsabkommen mit dem Ausgang der politischen Unruhen in Hongkong verknüpfen möchte („Let them work with Hongkong humanely first“). Natürlich klingt es gut, wenn Donald Trump wie gestern geschehen vorschlägt, dass er den chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping treffen könnte, um über den Handelskonflikt und Hongkong zu sprechen. Aber es sollte auch nicht verwundern, dass China noch einmal ankündigte, es werde die „notwendigen Gegenmaßnahmen“ gegen die US-Strafzölle ergreifen. Kurzum: Echte Annäherung sieht anders aus.

Das Thema Rezessionsängste lastete gestern ebenfalls weiter auf den Finanzmärkten, und mittlerweile wird auch in den Medien ausgiebig über inverse Zinsstrukturkurve und ihre Prognosekraft in Sachen Rezession diskutiert. Obwohl der mittlerweile viel beachtete Renditeabstand zwischen zehnjährigen US-Staatsanleihen und T-Bills mit dreimonatiger Laufzeit schon seit einigen Wochen negativ ist und gestern -37 Basispunkte erreichte, trat noch einmal ein anderer Abschnitt der Zinsstrukturkurve ins Zentrum des Interesses. Denn die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen war nun am Mittwoch zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder unter diejenige der US-Staatsanleihen mit zweijähriger Laufzeit gefallen. Genau genommen nur um einen winzigen Basispunkt. Und zunächst nicht einmal einen ganzen Tag lang.

Aber ein Teil der Finanzmarktteilnehmer spielte geradezu verrückt: Die Aktien-Marktteilnehmer bekamen es mit der Angst zu tun, und Anleihehändler griffen angesichts dieses Warnsignals vor allem am Mittwoch noch einmal kräftig zu, so dass die US-Anleihekurse weiter stiegen und die Renditen folgerichtig fielen: Man konnte von einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung sprechen.

Abgesehen davon, dass man über die invertierte Zinsstrukturkurve stundenlang diskutieren könnte und angesichts von neun US-Rezessionen in den vergangenen 50 Jahren erstaunlich viel mit einzelnen Zahlen und Renditeentwicklungen verschiedener Laufzeiten spielen könnte, bleibt ein schaler Eindruck: Es wird so lange ausprobiert, bis das optimale Ergebnis gefunden wird. Wohl gemerkt: Dieses optimierte Ergebnis betrifft die Vergangenheit. Eine Garantie für die Wirksamkeit in der Zukunft wird nicht übernommen. Ein schlauer Ökonom hat sogar herausgefunden, dass der zeitliche Abstand zwischen einer erstmals inversen Zinsstrukturkurve und der darauf folgenden Rezession seit 1980 im Durchschnitt 21 Monate betragen habe – im Extremfall betrug dieser „Time lag“ sogar drei Jahre. Und das Ganze errechnet sich aus sage und schreibe vier Rezessionsereignissen, die sich seit dem Jahr 1980 in den USA zugetragen haben! Kann das repräsentativ sein? Mitnichten.

Tatsächlich gab es gestern aus den USA auch harte ökonomische Daten, die per Saldo auf der positiven Seite überraschten. So sind die Einzelhandelsumsätze im Juli deutlich besser als erwartet ausgefallen. Auch der Philly-Fed-Index für August überraschte positiv, genauso wie der US-Empire-Produktionsindex. Und weil per Saldo auch das viel beachtete Prognosemodell der Fed von Atlanta für das dritte Quartal ein annualisiertes Bruttoinlandsprodukt von nunmehr 2,2 Prozent (zuvor 1,9 Prozent) berechnet, konnte sich der Dollar gestern erneut ein wenig befestigen. Dabei hat der Euro die Untergrenze seiner von uns markierten Konsolidierungszone zwischen 1,1100/05 und 1,1365/70 verletzt. Allerdings fällt es schwer, angesichts der Fehlsignale, die der Euro bislang in diesem Jahr lieferte, von einem neuen kurzfristigen Abwärtstrend zu sprechen. Aber wie von uns bereits angekündigt, bleibt der Euro leicht angeschlagen mit Potenzial bis nunmehr 1,1075/80. Und zwar, solange 1,1180/85 an der Oberseite unverletzt bleibt.

GBP

EUR GBP (0,9180)
Zumindest aus ökonomischer Sicht machte das britische Pfund gestern wieder erneut positive Schlagzeilen. Die Rede ist von den Einzelhandelsumsätzen des Monats Juli, die statt mit einem von den Ökonomen erwarteten Minus mit einem Plus von 0,2 Prozent gegenüber dem Vormonat publiziert wurden. Dieses Ergebnis ergibt sich auch für die Kernrate. In diesem Zusammenhang teilte das Nationale Statistikamt ONS mit, dass die Kaufhäuser zum ersten Mal in diesem Jahr mit Umsatzsteigerungen aufwarteten; der Haupttreiber waren aber die online-Verkäufe. Diese erreichten nämlich das größte Volumen seit Mai 2016. Und da der Euro gestern ohnehin angeschlagen war, setzte das Währungspaar seine Korrektur fort, die sich noch bis zur Untergrenze des kurzfristigen Trends bei nunmehr 0,9135 entfalten könnte. Um die korrektive Schwächephase des Euro zu beenden, müsste auf der anderen Seite nunmehr 0,9260 überwunden werden.

CHF

EUR CHF (1,0865)
Der Euro markierte gegenüber dem Franken gestern noch einmal ein marginal niedrigeres Tief, aber dem Abwärtstrend scheint ein wenig die Luft auszugehen. Dennoch reicht das Potenzial an der Unterseite nach wie vor noch bis 1,0770. Der kurzfristige Abwärtstrend wäre nach Überschreiten von 1,0925 beendet, so dass danach im Rahmen des mittelfristigen Abwärtstrends korrektive Aufwärtsbewegungen bis 1,1035 möglich sind.

PLN

EUR PLN (4,3710)
Trotz des gestrigen Feiertags in Polen schwächte sich der Zloty temporär ab, so dass der Euro in der Spitze zwar 4,3960 erreichte, dieses hohe Niveau allerdings nicht halten konnte. Weiterhin kann ein höheres Potenzial für die Gemeinschaftswährung nicht berechnet werden – der einzige Referenzpunkt ist das Hoch aus dem Jahr 2018 bei 4,4130. Da die Trendentwicklung derzeit überhitzt ist, bleibt das Risiko von deutlichen Korrekturen weiterhin hoch, so dass das Rückschlagspotenzial bis 4,3380 reicht. Die Trenduntergrenze verläuft noch tiefer, bei 4,3190.

HUF

EUR HUF (325,50)
Auch der Forint hat sich gestern im Zuge der allgemeinen Risikoaversion noch einmal etwas abgeschwächt, so dass der Euro kurzfristig die Obergrenze seiner von uns angedachten Konsolidierung bei 326,00 überschreiten konnte. Ein Trendwechsel hat es dadurch allerdings nicht gegeben, da eine übergeordnete Konsolidierung zwischen 321,50 und 328,00 angezeigt ist. Gleichwohl bleibt die Situation für den Euro positiv, solange an der Unterseite 324,20 gehalten werden kann.

CZK

EUR CZK (25,83)
Keine Fundamentaldaten gab es gestern aus Tschechien zu vermelden. Wie bei den Valuten Ungarns und Polens sorgt aber auch hier die anhaltende Risikoaversion der Akteure dafür, dass die Krone unter Druck bleibt. Unterdessen hat der Euro gestern sein Aufwärtspotenzial durch Erreichen von 25,89 ausgeschöpft und kann seinen kurzfristigen Aufwärtstrend jenseits davon in Richtung 26,05 fortsetzen. Dabei dürfen Rücksetzer nunmehr das Nachfrageniveau bei 25,80/81 nicht mehr verletzen. Die Trenduntergrenze verläuft bei 25,73.


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