Jetzt starten!

Tägliche Marktberichte

Jun 18, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Ruhe vor dem Sturm

USD

EUR USD (1,1230)
Vorsicht scheint sich bei den Marktteilnehmern vor der Zinsentscheidung der US-amerikanischen Notenbank (FED) verbreitet zu haben und lässt die allgemeine Volatilität in den Währungsmärkten vorerst gedämpft. Obwohl weiterhin von keiner Erhöhung des Zinsniveaus ausgegangen wird, warten Investoren gespannt auf eine offizielle Bestätigung der taubenhaften Haltung der Zentralbank. Bislang gab es lediglich Aussagen einzelner FED-Mitglieder zu einer solchen expansiven Geldpolitik. Offiziell halten die Währungshüter in den USA Ihre geduldige Haltung bezüglich des Zinsniveaus jedoch aufrecht. Dass die Anspannung der Marktteilnehmer nicht nur im Währungsmarkt Fuß gefasst hat, zeigt die erhöhte Nachfrage nach Staatsanleihen. Laut dem „MOVE“-Index der Bank of America zeigen US-Staatsanleihen die höchste monatliche implizite Volatilität seit Dezember 2016 auf. Die Rendite der deutschen zehnjährigen Staatsanleihe erreichte am Freitag ein neues Rekordtief von Minus 0,27 Prozent und sinkt somit weiter in den negativen Bereich. US-Staatsanleihen der gleichen Laufzeit fallen ebenfalls auf ein 14-monatiges Tief (2,058 Prozent) und signalisieren Sorgen einer Verlangsamung der Wirtschaft, nachdem der Nachrichtenfluss aus China enttäuschte (Industrieproduktion verzeichnet schwächstes Wachstum seit 17 Jahren). Im Rahmen der US-Zinsentscheidungen scheinen die abnehmenden Inflationserwartungen in den USA und der Eurozone immer mehr an Relevanz zu gewinnen und werden überdies von EZB-Präsident Mario Draghi bei seiner gestrigen Rede erwähnt. Die zehnjährige Inflationserwartung (in Form der break-even Inflation) erreicht für die US-amerikanische Wirtschaft am Montag ein zweijähriges Tief bei 1,62 Prozent. Die Beurteilung für die Eurozone schneidet dabei noch schlechter aus und so fällt der Indikator zukünftiger Inflationserwartungen auf 1,2 Prozent und erreicht den geringsten Wert seit 2003. Mit der geringeren zukünftigen Inflation scheinen auch die Wahrscheinlichkeiten einer Zinssenkung gestiegen zu sein. Geldmärkte gehen von einer 60-prozentigen Wahrscheinlichkeit einer geldpolitischen Expansion der EZB (in Form einer Senkung des Zinsniveaus) in diesem Jahr aus. Trotz der geringen Volatilität sorgte der Industrieindikator der New York FED für eine leichte Dollarschwäche, nachdem dieser den größten Fall seit knapp zweieinhalb Jahren verzeichnen konnte. Die gestrige Veröffentlichung hatte jedoch kaum eine Auswirkung auf den Geldmarkt und so steht die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung am Mittwoch weiterhin bei 19,2 Prozent (Laut CME FedWatch tool) und steigt für den Juli auf 70,1 Prozent an. Einen Tag vor der Zinsentscheidung stehen Daten für die Eurozone im Fokus, insbesondere die harmonisierte Inflation und die ZEW Umfrage zur deutschen Konjunktur.

Ein Anstieg der Volatilität bleibt erst am Mittwoch zu erwarten und so könnte der EURUSD bereichsgebunden zwischen seinem zweiwöchigen Band zwischen 1,1200 und 1,1345 verweilen.

GBP

EUR GBP (0,8907)
Der Sieg Boris Johnsons scheint immer wahrscheinlicher, nachdem dieser die erste Runde der internen Wahlen für die Führungsposition der konservativen Partei gewinnt und Marktteilnehmer ihre No-Deal Wahrscheinlichkeiten neu einschätzen lässt. Die Suche nach einem neuen Nachfolger der Premierministerin Theresa May geht diese Woche in die zweite Runde und lässt die Schwäche des britischen Pfunds weiter anhalten, welches gegenüber dem Euro ein neues fünfmonatiges Tief findet. Trotz fehlender fundamentaler Neuigkeiten scheinen Marktteilnehmer immer pessimistischer bezüglich einer Ausarbeitung eines andersartigen Austrittsabkommens und so rückt die Austrittsfrist (31. Oktober) immer näher. Somit überschattet die politische Lage weiterhin die Zinsentscheidung der Bank of England (BoE) am Donnerstag, welche sich durch den Brexit in ihren geldpolitischen Möglichkeiten eingeschränkt sieht. Demzufolge gehen Märkte von keiner Veränderung des allgemeinen Zinsniveaus aus, trotz neuerlicher Zinsstraffungswünsche einiger BoE-Mitglieder. Die Veröffentlichung der Verbraucherpreise (Mittwoch) und der britischen Einzelhandelsumsätze (Donnerstag) könnten vor der Zinsentscheidung nochmals Signale über die heimische Wirtschaft liefern, werden sich jedoch nur bei großen Abweichungen von den Prognosen in einer unerwartet drastischen Kursbewegung des EURGBP widerspiegeln.

CHF

EUR CHF (1,1210)
Die Notierung des Schweizer Franken scheint sich aufgrund fehlender Volatilität am Anfang der Woche zwischen 1,1160 und 1,1240 stabilisiert zu haben. Aufgrund weiterhin anhaltender globaler Anspannungen bezüglich des Handelskriegs und dem neuesten Angriff auf einen Öltanker im Golf von Oman bleibt die Tendenz des Schweizer Franken zur Stärke weiter aufrecht. Kursbewegungen werden weiterhin von der US-amerikanischen Zentralbank diktiert werden. Eine pessimistische Haltung der FED könnte sich in einer Aufwärtsbewegung des Franken bemerkbar machen, da sich dieser historisch gesehen, am Anfang einer US-amerikanischen geldpolitischen Expansion am stärksten zeigt. Erfüllt die Notenbank die Annahmen einer raschen Zinssenkung nicht, könnte sich der Euro wieder leicht gegenüber dem Franken festigen. Dabei bleibt das breite Bewegungsband zwischen 1,1120 (Jahrestief) und 1,1300 (50-1D Moving Average) zu beachten.

PLN

EUR PLN (4,2610)
Obwohl die bevorstehenden Zinsentscheidungen der Zentralbanken derzeit die alleinige Aufmerksamkeit der Marktteilnehmer genießen, hatte die gestrige Veröffentlichung der Netto-Inflation Polens Potenzial den EURPLN bei einer Abweichung von den Erwartungen zu bewegen. Dieses Potenzial wurde jedoch nicht ausgenutzt und so wertet der Euro leicht auf, obwohl eine geringe Erhöhung der Inflation sichtbar wurde. Die Kerninflation bliebt unverändert auf 1,7 Prozent (ggü. dem Vorjahr), wobei die Kerninflation, exklusive den volatilsten Artikeln einen Anstieg von 2,5 Prozent im Mai (ggü. Vorjahr) verzeichnen konnte.

Die gestrige Aufwertung bleibt somit voraussichtlich eher technischer Natur, zumal sich der EURPLN den vierten Tag in Folge über dem Niveau 4,2550 halten konnte. Bullishe Ambitionen können dem Euro erst wieder bei einem Durchstoßen von 4,2700 zugesprochen werden.

HUF

EUR HUF  (322,20)
Die Anspannung über die nächsten großen Zinsentscheidungen der Zentralbanken in den USA, Großbritannien und Japan scheinen die Volatilität am Anfang der Woche aus den Währungsmärkten genommen zu haben und so bleibt der Forint kaum verändert gegenüber dem Vortag. Trotz der Aufwertung der ungarischen Währung im Juni (0,85% ggü. Euro), bleibt der mittelfristige Abwärtstrend weiter aufrecht, solange 319,00 nicht überwunden wurde. Enttäuscht die US-amerikanische Notenbank die Aktieninvestoren in ihren Zinssenkungserwartungen könnte der Dollar an Rückenwind gewinnen und zentraleuropäische Währungen abwerten lassen. Eine Bestätigung der angespannten politischen Lage und der wirtschaftlichen Abschwächung würde die ohnehin hohe Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Juli erhöhen und die einmonatige Aufwärtsbewegung des Forint weiter fortsetzten lassen. Diese Spekulationen bleiben somit Treiber jeglicher Marktbewegungen.

CZK

EUR CZK  (25,560)
War es letzte Woche noch Zentralbankmitglied Vojtěch Benda, der geldpolitische Falke der tschechischen Notenbank, welcher von einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Zinsstraffung sprach, scheint sein Kollege Oldrich Dedek ganz andere Vorstellungen über das Zinsniveau zu besitzen. Dedek zufolge bestehe keine Notwendigkeit den Leitzins weiter zu erhöhen, zumal dieser an einem zehnjährigen Hoch sitzt und die langfristigen Prognosen auf eine leicht pessimistische Wirtschaftslage verweisen. Somit blieb die Unsicherheit bezüglich der nächsten Zinsentscheidung weiterhin offen und ließ am gestrigen Tag Raum für eine leichte Erholung der europäischen Gemeinschaftswährung. Geldmärkte (Termingeschäfte der tschechischen Krone) sehen eine Zinssenkung als nächsten Zug der Zentralbank als wahrscheinlich, wobei die offizielle Stellung der CNB eine weiterhin geduldige ist, obwohl diese in den letzten Tagen durch Aussagen einiger Zentralbankmitglieder hinterfragt wird.

Somit bleiben weiterhin alle Augen auf die Zinsentscheidung der US-amerikanischen Notenbank gerichtet, welche die weiteren Kursbewegungen steuern könnte. Derzeit scheint 25,520 das lokale Tief zu signalisieren, wobei ein Durchbruch dieses Niveaus zu Bewegungen in Richtung des neunmonatigen Tiefs 25,420 führen könnte.


Erhalten Sie tägliche Devisenmarktberichte

An fünf Tagen in der Woche bietet unser Newsletter tägliche Trends und Marktinformationen sowie welche wichtigen Ereignisse die Märkte beeinflussen könnten.