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Tägliche Marktberichte

Jul 22, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Wie reagiert die EZB?

USD

EUR USD (1,1215)
Die Dominanz der Zentralbanken und deren Einfluss auf die Finanzmärkte ist derzeit nicht zu übersehen. Kommentare des einflussreichen New York FED-Präsidenten John Williams bezüglich einer Lockerung der Geldpolitik, ließen die Volatilität gegen Ende der letzten Woche nochmal deutlich ansteigen. Der Zentralbanker äußerte sich über die schwachen Inflationserwartungen und ein rasches Aktivwerden seitens der Notenbank. Insbesondere sahen Marktteilnehmer die Äußerungen bezüglich einer präventiven Zinssenkung als Grund genug, die impliziten Zinssenkungswahrscheinlichkeiten für eine Lockerung im Wert von 50 Basispunkten auf ein jährliches Hoch von 70 Prozent zu heben. Diese unerwünscht drastische Marktreaktion führte am Folgetag dann dazu, dass sich die offiziellen Sprecher der US-Notenbank in New York nochmals zu Wort meldeten und die Kommentare in Kontext stellen mussten. Dabei sollte die Rede des Präsidenten rein akademischer Natur gewesen sein und auf keine besondere Politikempfehlung bei der Zinsentscheidung nächste Woche hindeuten. Dies schien genug, um die Geldmärkte davon zu überzeugen, dass eine zu hohe Zinssenkung doch nicht so sicher war und führte zu einer Normalisierung der Wahrscheinlichkeiten auf 25 Prozent (genau wie vor der Rede).

Im Fokus der Märkte stehen für diese Woche neben der mit Spannung erwarteten Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag, eine Fülle von Datenveröffentlichungen für die beiden Regionen und die in den Mittelpunkt gerückte Krise zwischen westlichen Streitkräften und dem Iran. Obwohl die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung der EZB nach den taubenhaften Kommentaren des US-Zentralbankers zum ersten Mal in diesem Jahr über 50 Prozent gelangen, gehen Marktteilnehmer weitgehend von einem beibehalten des Zinsniveaus aus. Dabei wird die Notenbank voraussichtlich Ihre Bereitschaft zu einer Lockerung betonen und den Leitzins im September reduzieren, insbesondere wenn die FED bei Ihrem Treffen nächste Woche eine Zinssenkung durchführt. Ebenfalls bleibt der Fokus auf dem angekündigten „Quantitative Easing“ Programm, welches weitergeführt werden könnte. Seit dem letzten Treffen der Europäischen Zentralbank scheinen verstärkt Zeichen einer Verlangsamung und sinkenden Inflationserwartungen zu einer taubenhaften Positionierung der Notenbank geführt zu haben, welche sich in einer Zinssenkung und einem Neustart des Anleihenkaufprogramms manifestieren könnte. Zuvor könnten die am Mittwoch veröffentlichten Einkaufsmanagerindizes für die Eurozone und Deutschland neue Impulse für die Zinsentscheidung liefern, wobei die IFO Umfrage bezüglich der deutschen Konjunktur am Tag des EZB-Treffens (Donnerstag) den voraussichtlichen Leitindikator spielen wird. Aufseiten der US-amerikanischen Wirtschaft, stehen die Veröffentlichung der langlebigen Güter (Donnerstag) und des Bruttoinlandsprodukts am Freitag im Zentrum, wobei von einer deutlichen Abkühlung des Wirtschaftswachstums von 3,1 Prozent auf 1,8 Prozent im zweiten Quartal zu rechnen ist.

Der Euro bleibt somit weiterhin unter Druck, insbesondere da von einer taubenhaften Positionierung der Europäischen Zentralbank zu rechnen ist. Der seit Mai anhaltende kurzfristige Aufwärtstrend sieht sich mit der Abwertung am Freitag deutlich in Gefahr, da ein durchbrechen des Niveaus 1,1200 Potenzial für weitere Abwärtsbewegungen entfalten könnte. Eine positive Datenlage könnte das Währungspaar kurzfristig stärken, wobei die Risikobereitschaft durch die Anspannung bezüglich der Zinsentscheidung deutlich gehemmt werden wird.

GBP

EUR GBP (0,8970)
Die Schwäche des britischen Pfunds nahm letzte Woche neue Dimensionen an, nachdem beide Kandidaten für die Stelle des Premierministers, den von Theresa May ausgehandelten Brexit-Deal ablehnen und sich gegen den sogenannten „Backstop“ aussprechen. Dieser sollte gewährleisten, dass es im Falle eines Austritts Großbritanniens zu keinen harten Grenzen zwischen Nordirland und Irland kommen könnte. Dass Boris Johnson sich nun gegen diese Klausel stellt, verblüfft einige Analysten, insbesondere da es als ein Teil des Abkommens gilt, welches seitens der EU auf keinen Fall wieder neu verhandelt werden wird. Auch für diese Woche bleibt der Brexit das wichtigste Gesprächsthema in Großbritanniens, zumal Theresa May am Mittwoch offiziell zurücktritt und Boris Johnson laut neuen Umfragen die deutliche Mehrheit unter den konservativen Wahlberechtigten (160 Tausend konservative Mitglieder wählen) erhalten wird. Dabei könnte sich der Positionswechsel trotz des souveränen Vorsprungs von Johnson nicht als unkompliziert erweisen, da einige Minister Ihre Resignation verkündet haben, sollte Johnson der neue Premierminister werden.

Somit wird die Datenlage für die britische Wirtschaft weiterhin von dem politischen Schauspiel in den Hintergrund gerückt und bleibt aufgrund eines relativ leeren Wirtschaftskalenders für diese Woche unbedeutend. Das Währungspaar sieht sich weiterhin im Bereich zwischen 0,8920 und 0,9050 gefangen, wobei es diese Woche einige Katalysatoren gäbe, welche zu einem Durchbruch aus dieser Spanne führen könnten. Im Zentrum stehen dabei die morgige Verkündung des neuen Premierministers Großbritanniens und die Zinsentscheidung der EZB.

CHF

EUR CHF (1,1030)
Die Aussagen des einflussreichen US-Notenbankers John Williams gegen Ende der letzten Woche brachten nicht nur den Aktienmärkten einen Schub ein, sondern manifestierten sich in einer erneuten Nachfrage nach sicheren Häfen. Auslöser dieses Ansturms in Gold und den Schweizer Franken war das Aussprechen Williams für eine schnelle Zinssenkung, angesichts der relativ ungünstigen konjunkturellen Lage, in welcher sich die globale Wirtschaft gerade befindet. Die daraufhin angestiegenen Wahrscheinlichkeiten einer Zinssenkung im Wert von 50 Basispunkten auf rekordverdächtige 70 Prozent, ließen den EURCHF durch seine wichtige Unterstützung bei 1,1050 brechen und ein neues 24-monatiges Tief erreichen. Dass sich die offiziellen Sprecher der New York FED nach diesen Aussagen nochmals zu Wort meldeten, um das Missverständnis aufzuklären, brachte dem Euro dabei keine Erholung. Laut den Repräsentanten waren die Worte des Notenbankers rein akademischer Natur und sollten nicht als eine aktive Politikempfehlung gedeutet werden.

Der EURCHF sieht sich damit gefährlich nahe an Niveaus, welche die Schweizer Zentralbank aktiv werden lassen könnten. Diese äußerte in den letzten paar Monaten wiederholt Ihre Bereitschaft einer Intervention, falls die globalen Gegebenheiten zu einer zu hohen Aufwertung des Franken führen würden. Gekoppelt mit der Vermutung einer taubenhaften EZB (Zinssenkung für den September von Geldmärkten eingepreist) und einer potenziellen Neuwahl in Italien, scheint alles für einen starken Franken in der kurzen Frist zu sprechen. Dabei wird die Zinsentscheidung der europäischen Notenbank und die konsequente Antwort der SNB das Marktgeschehen dieser Woche steuern, wobei das Niveau 1,1000 nun die nächste signifikante Unterstützung darstellt.

PLN

EUR PLN (4,2520)
Neben den erhöhten Zinssenkungswahrscheinlichkeiten in den USA und der Eurozone, welche das Marktgeschehen der letzten Wochen dominierten, rückte die polnische Wirtschaft wieder in den Vordergrund. Neue Veröffentlichungen gaben Marktteilnehmern einen Blick auf die Lage der zentraleuropäischen Ökonomie und führten zu deutlichen Neupositionen im Währungsmarkt. Die Netto-Inflation konnte sich  im Juni weiter erhöhen und steigt auf Jahresbasis den fünften Monat infolge auf einen Wert von 1,9 Prozent. Ebenfalls weisen die Einzelhandelsumsätze auf eine souveräne heimische Nachfrage. Enttäuscht sahen sich Marktteilnehmer von den Veröffentlichungen der Unternehmensentlohnung und der Industriedaten, welche eine deutliche Verlangsamung verzeichnet hatten. Die Industrieerträge fallen dabei sogar in den negativen Bereich und sinken gegenüber dem Vormonat um 2,7 Prozent.
Gesamtheitlich gesehen scheinen Investoren weiterhin an die Gesundheit der polnischen Wirtschaft zu glauben, insbesondere da noch von keinem größeren „Spill-over“-Effekt der global angespannten Handelsbeziehungen und der schwachen deutschen Industrie auszugehen ist. Diese Annahme wird ebenfalls durch den stabilen Arbeitsmarkt gestützt, welcher den Rückhalt der polnischen Wirtschaft darstellt und den inflationären Druck treibt.

HUF

EUR HUF  (325,20)
Ohne wirkliche Neuveröffentlichungen für die ungarische Wirtschaft, blieb das zentraleuropäische Währungspaar in der letzten Woche vom allgemeinen Marktsentiment und der erhöhten Zinssenkungswahrscheinlichkeit der Europäischen- und US-amerikanischen Zentralbanken dominiert. Dass sich der Forint gegenüber der Vorwoche nochmal deutlich stärken konnte, lag dabei an der am Donnerstag gehaltenen Rede des New York FED-Präsidenten John Williams, welcher sich für eine präventive Zinssenkung eingesetzt hatte. Dabei scheinen dem Zentralbanker die geringen Inflationserwartungen ein zu großes Risiko des Preisstabilitäts-Mandates darzustellen, welches am besten „Früher als später“ bekämpft werden müsse. Die Tendenz für diese Woche bleibt leicht positiv gegenüber dem Forint gestimmt, da die ungarische Zinsentscheidung am Dienstag wohl keine Veränderung der Leitzinsen bringen wird. Gekoppelt mit der taubenhaften Europäischen Zentralbank, könnte dies zu einer leichten Euro-Schwäche führen und die ungarische Währung stärken. Von Reuters befragte Ökonomen legen eine Veränderung der Zinsen in Ungarn erst für das Jahr 2020 an, wobei der erhöhte Inflations- und Lohndruck eine Zinsstraffung wahrscheinlicher macht, als ein Mitziehen in der globalen Lockerungswelle der Zentralbanken.

Ob diese Umstände genug sein werden, um den EURHUF aus seinem kurzfristigen Aufwärtstrend herausfallen zu lassen, bleibt von der Tonation der beiden Zentralbanken abhängig. Verluste mit Potenzial bis 323,10 (derzeitiger mittelfristiger Aufwärtstrend seit März 2019) könnten bei 324,00 gestoppt werden, wobei an der Oberseite 327,00 (10-monatiges Hoch) verhindert, dass sich weitere Aufwärtsbewegungen entfalten.

CZK

EUR CZK  (25,530)
Ungeachtet der kaum beeindruckenden Datenlage der letzten Woche, konnte sich die Krone gegenüber dem Euro, aufgrund der Kommentare einiger FED-Mitglieder, leicht stärken. Marktteilnehmer ignorierten die geringer als erwarteten neuen Automobilregistrierungen, welche im Juni auf Jahresbasis 15,5 Prozent gesunken sind. Diese negative Lesung könnte als Zeichen Erster Verlangsamung, hervorgerufen durch die schwachen Zahlen in Deutschland gedeutet werden, wird jedoch von der derzeitigen Anspannung auf die beiden Zinsentscheidungen in der Eurozone und den USA überschattet. Aufgrund einer fehlenden Datenlage für die tschechische Wirtschaft wird auch diese Woche die eurozentrische Dominanz bestehen bleiben und das Marktgeschehen leiten.

Die kurzfristige Erholung der Gemeinschaftswährung verliert bei 25,610 (50-1D Moving Average) an Kraft und weist nun eine leichte Tendenz nach unten auf. Die erste Unterstützung befindet sich dabei in Nähe des Niveaus 25,420, welches derzeit den seit Februar 2018 gebildeten Aufwärtstrend des Paares definiert. Eine Signalisierung neuer Lockerungen seitens der Europäischen Zentralbank, könnte zu einem Durchbruch dieser Unterstützung führen.


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