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Jul 19, 2019 | Devisenmarktanalyse

Globale Themen

Inflationsziel hinterfragt

USD

EUR USD (1,1260)
Die Frage, wie wahrscheinlich eine Zinssenkung der US-amerikanischen Notenbank (FED) im Wert von 50 Basispunkten ist, scheint das Marktgeschehen der letzten Wochen zu dominieren. Dies war auch gestern wieder der Fall, nachdem taubenhafte Aussagen einiger US-Zentralbankmitglieder, die Marktteilnehmer unvorbereitet trafen und die Zinssenkungswahrscheinlichkeiten in die Höhe schießen lassen. Erwartungen einer aggressiven Lockerung der Leitzinsen bei dem nächsten Treffen der FED, wurden nach oben geschraubt, nachdem sich der New Yorker FED-Präsident John Williams, bei einer Konferenz für eine präventive Zinssenkung eingesetzt hatte. Dieser allzu unerwartete Ton wurde von Richard Clarida gefolgt und lässt die Tür für eine größere Zinssenkung offen. Geldmärkte preisen für den 31. Juli nun eine implizite Zinssenkungswahrscheinlichkeit (im Wert von 50 Basispunkten) von 40 Prozent ein, wobei diese nach der Rede der beiden Zentralbanker kurz ein Hoch von 70 Prozent erreicht hatte. Obwohl man annehmen würde, dass dieser Richtungswechsel Positiv für den Euro gewertet werden könnte, bleiben starke Aufwertungsversuche aus. Insbesondere, da die Gemeinschaftswährung in Zugzwang kam, nachdem Bloomberg berichtet hatte, dass die Europäische Zentralbank das Inflationsziel von „nahe aber unter zwei Prozent“ eventuell revidieren möchte. Dabei soll die EZB eine Studie in Auftrag gegeben haben, welche die Frage klären sollte, ob ein zwei Prozent Ziel in der modernen Zeit noch gerechtfertigt wäre. Inflationserwartungen weisen seit einiger Zeit eine negative Tendenz auf und scheinen den Währungshütern Sorgen zu bereiten. Dass sich diese Deflationsangst in einer weiteren Lockerung der Geldpolitik, in Form niedrigerer Zinsen oder eines neuen „Quantitative Easing“-Programms manifestieren könnte, lässt den EUR/USD dabei deutlich in seinem Aufwärtspotenzial beschränkt.

Das Niveau 1,1280 bleibt weiterhin die größte kurzfristige Barriere im Juli, welche wiederholt nicht durchstoßen werden konnte. An der Unterseite bietet der leichte Aufwärtstrend, derzeit durch das Niveau 1,1220 definiert Unterstützung wobei ein Durchbruch, Potenzial in Richtung 1,1190 entfalten könnte.

GBP

EUR GBP (0,8980)
Das britische Pfund konnte sich am gestrigen Tag wiederholt stärken, nachdem ein positiver Nachrichtenfluss der britischen Währung zu der größten Aufwertung seit Anfang Mai verhelfen konnte. Im Fokus standen dabei die am Donnerstag veröffentlichten Einzelhandelsumsätze, welche besser als erwartet ausfielen und zumindest die Ängste um eine Verlangsamung der heimischen Nachfrage vorerst dämpfen konnten. Auf Jahresbasis konnten die Umsätze einen Anstieg von 3,8 Prozent verzeichnen und lagen somit deutlich über den Erwartungen der Ökonomen. Obwohl die gestrigen Daten die Furcht um eine nachhaltige Abschwächung der Wirtschaft nicht lindern konnten, scheint die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Rezession im zweiten Quartal des Jahres deutlich reduziert worden zu sein. Der positive Nachrichtenstrom wurde durch das britische Parlament fortgesetzt, welches darüber abstimmte, ob der zukünftige Premierminister in seinen Kompetenzen bezüglich des Brexits limitiert werden sollte. Mit einer Mehrheit von 41 Stimmen, bestätigten die Parlamentarier den Beschluss, welcher es dem Premierminister erschweren würde, einen No-Deal Brexit durchzuführen, ohne das Unterhaus bei der Entscheidung einzubeziehen.

Getrieben durch die Unsicherheiten bezüglich des Austrittprozesses und dem Wahlkampf zwischen Boris Johnson und Jeremy Hunt, verlor das Pfund seit Juli des Jahres knapp zwei Prozent. Der gestrige Tag bot dabei eine positive Abwechslung, könnte sich nachhaltig jedoch in keiner allzu großen Aufwärtsbewegung widerspiegeln, da die politischen und wirtschaftlichen Sorgen weiterhin bestehen bleiben. Kommt es beim EURGBP zu weiteren Verlusten, könnten die Niveaus um 0,8950 und 0,8920 als Unterstützung dienen, wobei an der Oberseite 0,9000 das derzeitig lokale Hoch bleibt.

CHF

EUR CHF (1,1070)
Bei dem zentraleuropäischen Währungspaar scheinen die beiden regionalen Notenbanken derzeit das gesamte Marktgeschehen zu dominieren. Die neuerlich aufgekommene Risikoaversion und Erwartungen einer expansiven Europäischen Zentralbank lassen die Nachfrage nach sicheren Anlagen wie dem Schweizer Franken wieder deutlich ansteigen und manifestieren sich in einer Abwärtsbewegung des EURCHF. Marktteilnehmer warten gespannt auf die europäische Zinsentscheidung am 25. Juli, um Neuigkeiten bezüglich der geplanten Lockerungsphase der EZB zu erhalten. Entscheiden sich die europäischen Währungshüter für eine Zinssenkung, entweder im Juli, oder wie von Geldmärkten eingepreist im September, könnte die Stärke des Schweizer Franken wieder zum Vorschein kommen und die SNB in den Fokus rücken lassen. Investoren spekulieren auf ein Aktivwerden der Schweizer Notenbank, falls es zu einem Fall unter 1,1000 kommen würde. Die Sichteinlagen der Notenbank sind in den letzten Monaten leicht gestiegen, deuten derzeit jedoch auf keine Währungsintervention hin. Ein Eingreifen seitens der SNB könnte sich in einer breiteren Euroschwäche manifestieren, da die von der Zentralbank durch die mögliche Intervention erlangten Euroreserven, wieder am Markt verkauft werden müssten.

Insofern wird das Währungspaar in den kommenden Wochen deutliche Aufmerksamkeit genießen, insbesondere wenn sich die Europäische Zentralbank zu einer Zinssenkung verleiten lässt. 

PLN

EUR PLN (4,2540)
Dass die Europäische Zentralbank das seit 2003 unveränderte Mandat des Inflationsziels von „nahe, aber unter 2 Prozent“ nun vielleicht umdenken möchte, scheint die gestern aufgetretene Risikoaversion komplett überschattet zu haben und lässt regionale Währungen wieder deutlich aufwerten. Diese neue Nachricht ließ den anfänglichen Druck gegenüber dem Zloty deutlich abnehmen, welcher sich nach enttäuschenden Industriedaten im täglichen Verlustbereich wiederfand. Dabei vermerkten die polnischen Industrieerträge einen jährlichen Verlust von 2,7 Prozent und liegen deutlich unter dem von Reuters prognostizierten Anstieg von 2,0 Prozent. Dass sich der Präsident der polnischen Zentralbank Adam Glapinski wenig bis kaum besorgt sah und laut eigenen Aussagen, von diesem Rückgang ausgegangen wurde, scheint die negative Stimmung ein wenig gelockert zu haben.
 
Somit verliert die Abwärtsbewegung kurz vor der wichtigen Barriere um das Niveau 4,2700 deutlich an Kraft und findet ein vorzeitiges Hoch. Nun könnte sich der Zloty wieder leicht stärken, sollten die Wirtschaftsveröffentlichungen auf eine weiterhin souveräne polnische Wirtschaft weisen.  Aufgrund der derzeitigen Schwäche des Zloty bleiben somit Bewegungen in Richtung 4,2500 und 4,2400 deutlich wahrscheinlicher als ein Durchbruch des signifikanten Widerstandes bei 4,2700. Diese Annahme bleibt jedoch von den heute veröffentlichten Einzelhandelsumsätzen abhängig, welche die positive Umkehr des Zloty bestätigen oder infrage stellen könnten.

HUF

EUR HUF  (326,90)
Obwohl sich die gestrige Schwäche der Gemeinschaftswährung auch beim Forint in einer leichten Aufwärtsbewegung manifestieren konnte, bleibt das zentraleuropäische Währungspaar in einem kurz- und mittelfristigen Abwärtstrend gefangen. Eine fehlende Datenlage für die ungarische Wirtschaft lässt den Forint vom globalen Marktsentiment abhängig, welches derzeit trotz risikoaverser Neigung, von der schwachen Nachrichtenlage für den Euro überschattet wird. Sollte die Europäische Zentralbank im Laufe der nächsten Zinsentscheidung eine stärkere Bereitschaft zur geldpolitischen Lockerung in Form einer Zinssenkung, oder des Quantitative Easing Programms aufweisen, könnte sich der Forint kurzfristig festigen und das Niveau 324,00 und (bei einem Durchbruch) 321,00 anstreben.

CZK

EUR CZK  (25,530)
Der US-amerikanische Präsident lässt Marktteilnehmer den beim G20 Gipfel in Osaka geschlossenen Frieden wieder deutlich anzweifeln und führt zu einem anfänglichen Abverkauf regionaler Währungen. Trump äußerte sich über das noch bei Weitem nicht abgeschlossene Handelsabkommen und die Möglichkeit, chinesische Importzölle im Wert von 325 Milliarden Dollar zu verhängen. Dass sich die Krone trotz dieser risikohemmenden Nachricht gegenüber dem Euro stärken konnte, lag an Neuigkeiten bezüglich der Europäischen Zentralbank, welche laut einem Bericht von Bloomberg, eine potenzielle Änderung des zweiprozentigen Inflationsziels in Erwägung ziehen möchte. Dieser gewagte Zug würde die Tür für weitaus größere Stimuluspakete der EZB öffnen, als bisher geplant waren und könnte den Verkaufsdruck gegenüber der Gemeinschaftswährung noch mal deutlich erhöhen.

Gestärkt durch diese für den Euro negative Nachrichtenlage, verzeichnet die Krone die größte tägliche Aufwertung seit Ende Juni. In Verbindung mit dem für nächste Woche antizipierten Volatilitätsanstieg, ausgelöst durch die Zinsentscheidung der EZB, könnte dies das Ende der kurzfristigen Aufwertung der EURCZK bedeuten. Potenzielle Verluste könnten bei 25,520 und 25,410 Unterstützung finden, wobei an der Oberseite 25,630 (50-1D Moving Average) derzeit jegliche Aufwärtsbewegungen verhindert.


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