Globale Themen

Lust auf schwachen Dollar

USD

EUR USD (1,1335)

Eigentlich liegt eine wenig bemerkenswerte Handelswoche hinter uns, wenn man allein auf den Dollar blickt. Aber dieser hat immerhin einen Wochenverlust von einem Prozent gegenüber einem Korb an verschiedenen Valuten, gemessen am Dollar-Index, hinnehmen müssen. Und dieses eine Prozent hat gereicht, um Statistiker auf den Plan zu rufen. So wiesen Beobachter darauf hin, dass der Greenback in der vergangenen Woche so stark wie zuletzt im August 2018 nicht mehr gefallen sei. Woher aber kommt diese ganze Aufregung?
Betrachtet man, wie sich die Veröffentlichung von ökonomischen Daten am vergangenen Freitag vollzogen hat, lässt sich die Handelssitzung aus Sicht der US-Zahlen in zwei Hälften einteilen. Da gab es zunächst die enttäuschenden Februar-Zahlen zur US-Industrieproduktion sowie den NY Empire State Index, der die Geschäftstätigkeit des produzierenden Gewerbes im Bundesstaat New York misst, der ebenfalls nicht die Erwartungen erfüllte und auf den niedrigsten Stand seit November 2016 gefallen ist. Allerdings gab es später wiederum Positives aus ökonomischer Datensicht zu berichten, das zumindest Dollar-Pessimisten an einem anderen Tag einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Die Rede ist zum einen von den JOLTS-Stellenangeboten, die im Januar nicht nur die Erwartungen auf der positiven Seite deutlich übertrafen und mit 7,58 Millionen offenen Stellen einen neuen Rekordstand erreicht hätten, wenn nicht der Vormonat bereits auf ein neues Allzeithoch revidiert worden wäre. Aber Kritiker werden mit Recht einwenden, dass der US-Arbeitsmarkt im Januar ohnehin in prächtiger Verfassung gewesen sei, dessen Stärke sich allerdings mit den Februarzahlen Ende vorvergangener Woche relativiert hätte.
Aber spätestens das vorläufige Verbrauchervertrauen der Uni Michigan des Monats März, das wohl wichtigste Datum vom Freitag, hatte mit einem Stand von 97,8 nicht nur auf der positiven Seite überrascht, sondern hätte durchaus für etwas mehr Dollar-Nachfrage sorgen können – zumindest die US-Aktienmärkte quittierten diese Entwicklung mit einem Kursplus.
Aber für die Devisenmärkte liegt der Fall etwas anders, zumal in dieser Woche nicht nur der Offenmarktausschuss der US-Notenbank am Mittwoch seine zweitägige Sitzung beenden, sondern zudem die neuesten ökonomischen Projektionen und Zinsprognosen („dot plots“) publizieren wird – die Zentralbanken Großbritanniens und der Schweiz werden mit ihren Sitzungen am Donnerstag folgen. Dabei gilt es als ausgemacht, dass sich die Fed weiterhin hinsichtlich der Leitzinsentscheidungen „geduldig“ zeigen wird. Daran würden auch positive ökonomische Daten nicht viel ändern, aber negative Überraschungen womöglich die Notenbanker weiter ins Grübeln bringen. Nicht umsonst ergab sich bei der Betrachtung des CME FedWatch Tool vom Freitag vorübergehend eine implizite Wahrscheinlichkeit für mindestens eine Zinssenkung bis zum Jahresende von rund 30 Prozent. Mit anderen Worten: Negative Dollar-Nachrichten scheinen derzeit ein größeres Gewicht als positive Überraschungen zu haben. Ganz im Gegensatz zu Daten der Eurozone, wo zumindest in der abgelaufenen Woche ungünstige Daten und Prognosen mit einer deutlich abnehmenden Sensitivität wahrgenommen wurden.
Immerhin konnte der Euro in der vergangenen Woche im Zuge der vorgenannten Dollarschwäche etwas Boden gut machen, allerdings vermochte die Handelsrange die Bandbreite der Vorwoche an keiner Seite zu übertreffen. Stattdessen ist der Euro abermals daran gescheitert, seinen Stabilisierungspunkt bei 1,1340 überzeugend zu überwinden. Um eine bullischere Perspektive zu eröffnen, müsste ohnehin an der Oberseite 1,1380/85 überwunden werden. Eine neuerliche Schwäche, verbunden mit einem Abwärtstrend der Gemeinschaftswährung, machen wir allerdings auf der anderen Seite erst nach Unterschreiten von 1,1215/20 aus.

GBP

EUR GBP (0,8535)

Eigentlich kann man das Brexit-Thema gar nicht mehr hören. Aber die Tragweite dieses Dramas ist so bedeutend, dass man nicht weghören kann. Und am Freitag konnte man zumindest wichtige Tendenzen feststellen. So wird es höchstwahrscheinlich am morgigen Dienstag die dritte Abstimmung, also eine weitere „meaningful vote“ über Theresa Mays Brexit-Deal mit der EU geben. Zum zweiten gibt es einen Versuch der britischen Regierung, die für einen Abstimmungserfolg notwendige Zustimmung der nordirischen DUP vom Deal der Premierministerin zu überzeugen. Sollte die DUP tatsächlich für den Deal gewonnen werden, blieben natürlich noch die Brexiteers übrig, die bislang der Premierministerin die Gefolgschaft verweigert haben. Dabei stehen die Chancen nicht völlig bei null, dass sich womöglich eine ausreichend große Gruppe auf die Seite Theresa Mays schlagen könnte, denn die Alternative wäre eine lange Verschiebung der Deadline vom 29. März – die EU geht offenbar davon aus, dass sich die Angelegenheit mindestens ein Jahr hinziehen könnte –, sollte es keine Mehrheit für die Brexit-Vereinbarung geben.
Unterdessen blieben Sterling-Händler auch zum Wochenschluss optimistisch gestimmt, weswegen der Euro nur vorübergehend etwas Boden gut machen konnte. Dessen Situation bleibt unverändert ungünstig, zumal gute Nachfrageniveaus lediglich bei 0,8405 und 0,8305 derzeit ins Auge stechen. Nach wie vor liegt der Stabilisierungspunkt auf der anderen Seite für die Gemeinschaftswährung bei 0,8720/25.

CHF

EUR CHF (1,1335)

Etwas mehr als 70 Stellen betrug die Handelsbandbreite des Euro zum Franken während der vergangenen Woche. Damit wurde auch wieder einmal deutlich, dass sich der Franken schwertut, einen neuen Trend zu entwickeln. Der Handel blieb am Freitag ein weiteres Mal impulslos innerhalb der Konsolidierungszone zwischen 1,1255 und 1,1425/30.

CZK

EUR CZK (25,64)

Zwar haben die Zahlen zur tschechischen Industrieproduktion (Januar) am Freitag enttäuscht, wurden aber von den Marktteilnehmern weitgehend ignoriert. Der Euro hat sich innerhalb seines Bandes zwischen 25,69 und 25,57 sogar etwas abgeschwächt und so zumindest den derzeitigen leichten Abwärtstrend am Leben erhalten.

PLN

EUR PLN (4,2990)

Die Verbraucherpreise Polens sind im Januar etwas stärker als von den Ökonomen erwartet angestiegen. Allerdings ohne größere Auswirkung auf den Wechselkurs. Zwar hat sich der Euro wieder ein wenig abgeschwächt, blieb aber in Distanz zu seinem wichtigen Nachfrageniveau bei 4,2930 (Auslöser für Abwärtsbewegungen in Richtung 4,2700). Der Stabilitätspunkt für den Euro liegt indes nach wie vor bei 4,3160.

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