Globale Themen

Hängepartien, allerorten 

USD

EUR USD (1,1320)

Plötzlich scheinen sie es nicht mehr ganz so eilig zu haben. Die Rede ist von US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und den Gesprächen im US-chinesischen Handelsstreit. Tatsächlich bahnte es sich bereits am Dienstag an – wir schrieben darüber –, dass sich die Hürden bei den Verhandlungen zwischen den USA und China wohl doch als höher herausstellen als ursprünglich vielerorts gedacht. Der US-Handelsbeauftragte Robert Lighthizer hatte nämlich bereits am Dienstag darüber berichtet, dass sich die Verhandlungen zwar in ihren „letzten Wochen“ befänden, aber es immer noch größere ungelöste Probleme gebe. Nun war gestern selbst nicht mehr vom Gipfel in Mar-a-Largo in Florida zwischen Trump und XI Jinping die Rede, der ursprünglich einmal für Ende dieses Monats angedacht war. Medienberichten zufolge soll nun ein Treffen zwischen den beiden frühestens im April stattfinden, wobei dem Begriff „frühestens“ eine besondere Bedeutung zukommen dürfte. Denn so genannten Quellen zufolge ist in Washington bereits jetzt eher die Rede von einem Treffen Ende April. Bislang gibt es ohnehin keine offizielle Stellungnahme oder Bestätigung aus China, wonach Xi Jinping es überhaupt in Betracht ziehen würde, Trump in Florida oder anderswo zu treffen. Tatsächlich, so Medienberichte, erklärte das chinesische Außenministerium am Dienstag, dass Xi Trump lediglich zu verstehen gegeben habe, den Kontakt aufrechterhalten zu wollen. Auch wenn Trump in seinen Tweets immer wieder auf die großen Fortschritte bei den Handelsgesprächen verweist, sieht es eher nach einer Hängepartie aus. Und so soll es gestern Händler gegeben haben, die den ersten kleinen Dollar-Anstieg seit einer Woche eben dieser drohenden Verzögerung zugeschrieben haben.
Es kann natürlich auch sein, dass die gestrigen Euro-Verkäufe auf die gesenkte ifo-Wachstumsprognose für Deutschland zurückzuführen sind. So wurde diese nämlich für 2019 auf ein Bruttoinlandprodukt von +0,6 Prozent gesenkt, nachdem man im Januar noch von einem Wachstum von 1,1 Prozent ausgegangen war. Aber bereits im kommenden Jahr rechnet das ifo-Institut mit einer Erholung auf 1,8 Prozent.
Wir gehen unterdessen davon aus, dass der gestrige Euro-Rücksetzer eher technischer Natur war, zumal der Stabilitätspunkt bei 1,1340 bislang nicht überwunden werden konnte. Wie gehabt möchten wir dem Euro nach Überschreiten von 1,1375/80 sogar bullishe Ambitionen zuschreiben. Ansonsten bleibt die Gemeinschaftswährung leicht angeschlagen, würde aber erst unterhalb von 1,1215/20 einen Abwärtstrend einleiten.

GBP

EUR GBP (0,8545)

Auch in Großbritannien geht es um Aufschub. Neben vier anderen Anträgen fand gestern die dritte wichtige Abstimmung dieser Woche im Unterhaus statt, wonach die britische Regierung die EU um einen Aufschub der Deadline des 29. März bitten wird. Ein Aufschub, der selbst dann notwendig würde, falls die britische Premierministerin Theresa May mit ihrer Mittwochnacht angekündigten dritten „meaningful vote“ über den EU-Austrittsvertrag in der kommenden Woche erfolgreich sein sollte. Für diesen Fall wäre eine Verschiebung bis lediglich Ende Juni wahrscheinlich, da selbst bei einer Zustimmung des Unterhauses zum Brexit-Deal die Zeit für dessen Umsetzung bis zum 29. März zu kurz wäre.
EU-Ratspräsident Donald Tusk will jedenfalls in der EU für einen längeren Aufschub werben, um so Großbritannien eine ausgedehnte Bedenkzeit für eine klare Position zum Brexit zu geben. Dabei ist nicht nur der Begriff „lange“ ziemlich dehnbar – die Vorstellungen reichen von einem Zeitraum von bis zu 21 Monaten – vielmehr müssen auch noch alle 27 EU-Mitgliedstaaten dieser Verlängerung zustimmen. Genau genommen wird es also drei Optionen geben: Keine Verlängerung, eine kurze oder eine lange Verlängerung.
Obwohl das britische Pfund zwischenzeitlich eine Abwärtskorrektur hinnehmen musste, verzeichnete es gegenüber dem Euro noch am Mittwoch immerhin den stärksten Tagesgewinn seit Januar 2017 und setzte auch gestern die Gemeinschaftswährung ordentlich unter Druck. Obwohl wir auch heute nicht von einem echten Abwärtstrend sprechen möchten, bleibt die Unterseite nach wie vor schlecht unterstützt – gute Nachfrageniveaus machen wir lediglich bei 0,8415 und 0,8310 aus. Für eine weitergehende Stabilisierung der Gemeinschaftswährung müsste immer noch 0,8720/25 überschritten werden.

CHF

EUR CHF (1,1345)

Nun hat auch die Schweizer Regierung ihre Wachstumsprognose für 2019 gesenkt und erwartet nur noch ein Bruttoinlandsprodukt von +1,1 Prozent nach vormals 1,5 Prozent. Aber diese Prognose dürfte den Kurs des Franken genauso wenig beeinflusst haben wie die Schweizer Produzenten- und Importpreise, die gegenüber dem Vormonat mit +0,2 Prozent deutlicher als erwartet angestiegen waren. Im Jahresvergleich ergibt sich allerdings immer noch ein Minus von 0,7 Prozent. Die gestrige leichte Euroschwäche machte sich auch gegenüber dem Franken bemerkbar, allerdings ohne zu einem Impuls innerhalb der Konsolidierungszone zwischen 1,1255 und 1,1425/30 zu führen.

CZK

EUR CZK (25,66)

Auch gestern bewegte sich der Kurs der Krone gegenüber dem Euro in ganz engen Bahnen, der damit weiterhin in seinem Band zwischen 25,69 und 25,57 gefangen bleibt. Allerdings ist der Abwärtstrend der Gemeinschaftswährung – wenn auch fast ohne Momentum – immer noch nicht gebrochen.

PLN

EUR PLN (4,3025)

Es hörte sich fast wie eine wichtige Neuigkeit an, als der Chef der polnischen Zentralbank, Adam Glapiński, gestern äußerte, die Polnische Nationalbank würde von Zeit zu Zeit im Devisenmarkt intervenieren, um größere Fluktuationen im Zloty zu glätten. Allerdings seien diese Eingriffe nicht groß, erklärte Glapinski gegenüber Reuters. Dennoch könnten Marktbeobachter durchaus auf die Idee kommen, dass das wichtige Nachfrageniveau bei 4,2930, das immerhin fünfmal getestet wurde, ohne dass es zu einem Durchbruch und einer darauffolgenden Abwärtsbewegung in Richtung 4,2750 gekommen wäre, letztlich mithilfe der Zentralbank gehalten haben könnte. Und so vermochte sich der Euro gestern immerhin ein wenig zu befestigen, müsste allerdings 4,3160 überwinden, um den Abwärtsdruck vollends abzubauen.

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