Globale Themen

„Einigung“ um kurz vor Zwölf

USD

EUR USD (1,1260)

Obgleich es gestern ein paar nicht ganz unwichtige ökonomische Daten gab, blieb die Reaktion des Euro auf etwaige Überraschungen überschaubar. Dass die Industrieproduktion Deutschlands im Januar enttäuschte und dass auch der Handelsbilanzüberschuss hinter den Erwartungen zurückblieb, schien die Währungshändler nicht zu interessieren. Immerhin: Die Exporte Deutschlands sind im Januar nicht wie vielerorts erwartet zurückgegangen, sondern stagnierten lediglich. Aber all diese Daten blieben verständlicherweise unbedeutend, hatte doch die Europäische Zentralbank erst in der vergangenen Woche ihre Wachstumsprognose für die Eurozone deutlich zurückgenommen. Und nicht zuletzt bestätigte gestern Direktoriumsmitglied Benoît Cœuré, die EZB passe sich gerade an die neue [ökonomische] Realität an. Allerdings mit der Einschränkung, dass die Zentralbank keineswegs ihren geldpolitischen Kurs geändert habe und er deshalb keine Notwendigkeit für neuerliche Anleihekäufe sehe. So hatte es den Anschein, als wolle Cœuré den taubenhaften Eindruck, den die EZB bei ihrer Sitzung in der vergangenen Woche hinterlassen hatte, etwas relativieren. Cœuré bedauerte überdies, dass Italien das einzige Land der Eurozone sei, das sich in einer technischen Rezession befände, während man in der Eurozone als Ganzes keine Anzeichen für eine Rezession ausfindig machen könne.
In den USA hinken immer noch Wirtschaftsdaten aufgrund des Government Shutdown zu Jahresanfang hinterher. Das galt etwa für die Einzelhandelsumsätze für den Monat Januar, die mit 35-tägiger Verspätung veröffentlicht wurden und auf der positiven Seite überraschten. Dennoch kann die positive Januar-Entwicklung nicht über den zuvor sehr schwachen Dezember hinwegtäuschen, dessen ohnehin bereits negativ wahrgenommenen Zahlen noch einmal nach unten revidiert wurden. Gegenüber einem Rückgang bei den Einzelhandelsumsätzen von 1,6 Prozent im Dezember sieht eben eine Januar-Zahl von +0,2 Prozent (ggü. Vormonat) immer noch nicht gesund aus. Und so war es auch kein Wunder, dass die viel beachtete Prognose des Modells der Fed von Atlanta, GDPNow, nur noch mit einer Wachstumserwartung von +0,2 Prozent für das erste Quartal 2019 aufwartete. Allerdings bewegt sich dieses Modell deutlich unter den Vorhersagen anderer Institute.
Was die Erwartungen bei den US-Leitzinsen angeht, scheinen sich die Marktteilnehmer darauf einschießen zu wollen, dass es in diesem Jahr keine Zinserhöhung mehr geben wird. Dies vermittelt zumindest das CME FedWatch Tool, das gestern für ein derartiges Szenario eine implizite Wahrscheinlichkeit von 83 Prozent und für mindestens eine Zinssenkung eine Wahrscheinlichkeit von 17 Prozent berechnete – Zinserhöhungen sind derzeit ausgeschlossen. Obgleich dieses Bild vor einer Woche noch etwas ausgewogener aussah, hat der Dollar gestern nur temporär und auch nur minimal an Boden verloren. Tatsächlich ist es der Euro, der unter Druck bleiben wird, solange 1,1325/30 nicht überwunden wird. Allerdings müsste für einen neuen Abwärtstrend nun die Unterstützung bei 1,1150 unterlaufen werden.

GBP

EUR GBP (0,8520)

Ausgesprochen volatil gestaltete sich gestern das Handelsgeschehen um Pfund Sterling. Nicht zuletzt deshalb, weil ein Gerücht das nächste jagte. So war etwa lange Zeit unklar, ob sich Premierministerin Theresa May noch einmal vor der für heute geplanten neuen Abstimmung über den Brexit-Deal auf den Weg nach Straßburg aufgemacht hatte, um möglicherweise EU-Vertretern noch Zugeständnisse abzuringen. Zumindest sollte es offensichtlich so aussehen, als ob die Premierministerin bis zur letzten Minute alles Menschenmögliche versucht habe, bevor die sogenannte „meaningful vote“ heute Abend stattfinden soll.
Nun haben sich gestern Nacht Großbritannien und die EU tatsächlich noch kurz vor zwölf auf Zusätze zum Brexit-Vertrag geeinigt. Doch im Grunde bleibt der Deal nach Ansicht von Kommentatoren unangetastet. Theresa May und EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker haben sich aber zumindest auf ein „rechtsverbindliches Instrument“ geeinigt, das verhindern soll, dass der umstrittene Backstop, die Notfalllösung in der irisch/nordirischen Grenzfrage, auf unbegrenzte Zeit angewendet werden kann.
Nun hängt vieles vom britischen Generalstaatsanwalt Geoffrey Cox ab, der bestätigen muss, dass die Zusatzvereinbarungen rechtlich bindenden Wert haben. Und obwohl damit längst nicht gewährleistet wäre, dass der Deal das britische Unterhaus heute passiert, war Sterling gestern Nacht stark nachgefragt und konnte gegenüber dem Euro seine Verluste vom vergangenen Freitag und Montagvormittag überraschend leicht mehr als wettmachen. Damit hat der Euro erneut eine Schwächephase eingeleitet, wobei aufgrund der unsicheren Gemengelage in Sachen Brexit und der damit verbundenen, möglicherweise hohen Volatilität nach beiden Seiten nicht von einem echten Trend gesprochen werden kann. Die unsichere Position der Gemeinschaftswährung bleibt jedenfalls erhalten, solange 0,8720/25 an der Oberseite nicht überwunden wird. Das derzeitige Risiko an der Unterseite wird durch Unterstützungen bei 0,8440 und 0,8340 etwas eingedämmt.

CHF

EUR CHF (1,1375)

Ob es frisch aufgekeimte Risikofreude war, die dem Euro gegenüber dem Franken gestern etwas Luft verschafft hatte? Für einen nachhaltigen Aufwärtsimpuls hat es bislang jedoch noch nicht gereicht, zumal sich der Euro nach wie vor in seiner derzeitigen Konsolidierungszone zwischen 1,1255 und 1,1425/30 bewegt.

CZK

EUR CZK (25,66)

Der Verbraucherpreisindex Tschechiens ist mit einem Plus von 2,7 Prozent (ggü. Vorjahr) im Februar etwas stärker als erwartet gestiegen und hat sich damit vom Inflationsziel der Zentralbank von 2 Prozent noch ein bisschen weiter entfernt. Allerdings konnte die Krone nicht profitieren, da die meisten Marktteilnehmer nicht damit rechnen, dass die Tschechische Nationalbank bei ihrer kommenden Sitzung am 28. März die Zinsen erhöhen wird. Im Gegenteil: Der Euro konnte sogar noch einmal ein wenig zulegen und bleibt gerade noch in seinem dynamiklosen Abwärtstrend zwischen 25,69 und 25,56 (modifiziert).

PLN

EUR PLN (4,3000)

Die neuen Inflations- und Wachstumsprognosen der Polnischen Nationalbank haben gestern nur für wenig Volatilität beim Zloty gesorgt. Während die Zentralbank davon ausgeht, dass die Kernrate des Konsumentenpreisindex zwar sukzessive ansteigen, aber im Jahr 2021 lediglich 2,1 Prozent – also immer noch weniger als die Mitte der vorgesehenen Zielzone zwischen 1,5 und 3,5 Prozent – erreichen wird, liegt die Wachstumsprognose für das laufende Jahr derzeit bei 4,0 Prozent. Immerhin hat der Euro gestern die Unterstützung bei 4,2930 abermals getestet, sich später aber wieder erholt. Die Gemeinschaftswährung bleibt leicht angeschlagen, solange sie sich unterhalb von 4,3180 bewegt, wobei stärkerer Abgabedruck in Richtung 4,2805 erst unterhalb von der gestern getesteten Unterstützung entstehen würde.

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